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Die Wahrheit · 1927-08-12 · Heft 33 (12.8.1927) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 33 (12.8.1927)
Date
1927-08-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT v e n waren gewiß keine, später sind Adolf Menzel und Richard Wagner sicherlich keine, und. auch Friedrich dem Großen vermag die gerade und spitze Nase mit den blauen Augen allein die nordische Reintypigkeit nicht zu retten." Nirgends tritt uns also die „Rasse" als solche entgegen, sie ist eine bloße Abstraktion ohne reale Basis, wenn man sie nicht überhaupt als ein Hirngespinst, entsprungen der gegenj| wärtig herrschenden Ueberschätzung des Materiellen und Sinnlichen, bezeichnen will. Sie kann daher weder „geschützt" noch „gezüchtet" werden. Nicht einmal das burleske Heiratsverbot der heutigen Burschenschaft weist dem blonden J| Weibe eine Vorzugsstellung ein, sondern schließt nur das i| farbige und — jüdische aus. wonach es denn kommen i| mag, daß ein wackerer Teutone oder Armine sich zu Hamburg i| mit einer schönen Südamerikanerin verlobt, deren schmale;| Hände schon, um mit Felix v. Luschan zu reden, im Kenner!| den Verdacht wachrufen, daß in diesen Stammbaum einmal j| Negerblut eingetropft und zu einem höchst v/irksamen Feri| ment besonderer Schönheitswerte geworden sei. . . Dr. Willy Hellpach schließt deshalb seine interessanten Ausführungen mit folgendem Bekenntnis: „Wahrhaft völkisch fühlt, wer sein ganzes Volk, mit seinem Licht und seinem Schatten, mit seinen Tugenden und seinen Schwächen, in Liebe und Hingabe umfängt, weil er sich als Glied dieses Volkes weiß und will. Es ist Gegenteil alles Völkischen, ganze Teile seines Volkes zu deklassieren, weil ihre Beschaffenheit :! in den politischen Kram, dem man sich verschrieben hat, nicht jf hineinpassen will, und es ist Tempelschändung des Geistes, solche Laune und solchen Dünkel mit den Phantasieprodukten einer Afterwirtschaft zu nähren, die von der wirklich wissenschaftlichen Anthropologie schon darum zur Ordnung gerufen werden sollte, weil sie mit ihrem Treiben den Begriff des Menschen entstellt, mit dem alles echte und gewissenhafte anthropologische Suchen und Forschen es zu schaffen hat" Ist der Klassen haß und der ihm entspringende Klassenkampf ein Produkt des historischen Materialismus, so muß die rassische Auffassung des Volkstums ebenfalls als Folge krassesten Materialismus angesehen werden. Beide Anschauungen haben die Tendenz, zum Dogmatismus und schließlich zum Fanatismus auszuarten. D. W. Die Juden in der Türkei. Der Oberrabbiner von Konstantinopel, Marcus, der sich jüngst in Berlin aufhielt, hatte einer Mitarbeiterin der ,.C. V. Zeitung" über die Lage der Juden in der Türkei einige Mitteilungen gemacht. „Unser Türkei ist nach wie vor antisemitenrein. Sie ist eines der wenigen Länder, in denen die Pflanze Judenhaß keinen Boden findet Bei uns gibt es weder Ausschreitungen gegen Juden noch Studentenkrawalle. Die jüdischen Studenten an der Stambuler Universität unterhalten die besten Beziehungen zu den muselmanischen Kameraden. Die jüdischen Professoren an der dortigä Alma mater sind allgemein geachtet und geehrt Musdmanische Kinder in nicht geringer Zahl besuchen jüdische Volksschulen, von denen es allein in Konstantinopel etwa 16 gibt, und die einzige jüdische Oberrealschule des Ordens Brie Brith. Nie trübt die Verschiedenheit der Abstammung und der Religion das kameradschaftliche Verhältnis zwischen den Zöglingen. Auch geschäftlich ist der Verkehr zwischen nichtjüdischen und jüdischen Türken sehr rege. Namentlich in der letzten Zeit entstanden zahlreiche geschäftliche Unternehmungen, an denen sie gemeinschaftlich beteiligt sind. Allerdings herrschte in der ersten Zeit nach der Erklärung der Türkei zu einer Republik eine gewisse Mißstimmung zwischen der türkischen Majorität und der kleinen jüdischen Minderheit. Dies war die notwendige Folge einer von der Regierung eingeschlagenen sehr berechtigten Politik, die weniger gegen die jüdischen Elemente gerichtet war, als vielmehr die Hebung des türkischen Selbstbewußtseins zum Ziele hatte, das infolge der Jahrhunderte hindurch herrschenden Kapitu lationsrechte auf den Nullpunkt gesunken war. Uebrigens hatten die Juden gerade bei der kemalistisehen Bewegung den Anschluß verfehlt und daran nicht einen so aktiven Anteil genommen wie früher an der jungtürkischen Bewegung. Die Juden fühlten es, daß die regierenden Kreise zu ihnen dasselbe Mißtrauen hegten wie zu den griechischen und armenischen Elementen. Daher hatten sie das Bedürfnis, durch irgendeine Tat dem Lande, welches ihnen vor Jahrhunderten auf der Flucht von Spanien ein freundliches Asyl geboten hatte, ihre T r e u e z u bekunden. Dies geschah dadurch, daß si? auf die Minoritätsrechte, beziehungswise auf ihre Garantie seitens der Ententemächte öffentlich Verzicht leisteten. In Amerika hat man den Sinn und die Bedeutung dieses Verzichts falsch verstanden und unnützerweise viel Staub deswegen aufgewirbelt. Die Regierung hat auf den Verzicht noch nicht offiziell geantwortet. Daß aber seit diesem Ereignis das Vertrauen zu den Juden stark gewachsen ist, beweisen viele Erleichterungen, die in der Zwischenzeit gewährt worden sind. Die Juden werden v. ioder zu aktiven Diensten beim Militär herangezogen, sie werden nicht mehr aus öffentlichen Aemtern entlassen, sie dürfen sich überall frei bewegen und ihren Berufen nachgehen. Die Juden können in der freien'türkischen Republik mehr als je sich als religiöse Juden ausleben, weil die Trennung der Kirche vom Ptaat vollständig durchgeführt ist. Wenn das Gemeindewesen und das sonstige jüdische Leben in der Türkei noch stark im argen liegt und viel zu wünschen übrig läßt, so ist darin das Erbe früherer Zustände und der großen wirtschaftlichen Not, die noch immer unter den Juden dort herrscht zu erblicken. Wir dürfen aber hoffen, daß die rapide geistige Entwicklung und die enorm raschen wirtschaftlichen Fortschritte der jungen türkischen Republik auch die wirtschaftliche Lage der Juden verbessern werden, so daß auch in der Türkei wie überall in den freien Republiken und konstitutionellen Staaten die Juden sich zu einem wertvollen Faktor der Kultur und des Fortschrittes ihres Landes entwickeln werden. Eine besondere Berechtigung zu dieser Hoffnung bietet das jüdische Schulwesen in der Türkei, welches vor dem Kriege ausschließlich vom Oelde der Alliance Israelite Universelle in Frankreich, vom Hilfsverein der deutschen Juden in Deutschland usw. erhalten wurde und jetzt obgleich es nur auf eigene Mittel angewiesen ist. sich dennoch immer mehr und mehr entwickelt Die türkische Sprache wird nicht mehr aschenbrödelhaft behandelt, sondern sie wird allmählich zur Unterrichtssprache, wenn auch noch immer — und die Lage der Türkei erfordert das — neben der türkischen an den Schulen der sephardischen Juden die französische, und an denen der deutschsprechenden Juden die deutsche Sprache stark gepflegt wird. Das Erlernen der türkischen Sprache wird sicher zwischen den jüdischen und türkischen Elementen eine neue Brücke bilden." Glossen. Von Personen, die Wilhelm IL näher kennen, wurde versichert, die antisemitischen Allüren des Exkaisers haben ihren Ursprung darin, daß er geringschätzige Meinungen, die über ihn zirkulieren, ausschließlich auf jüdische Einflüsse zurückführte. Nur Juden seien es gewesen, die in dem ewigen Säbelrasseln des einst so Mächtigen eine Gefahr für den Frieden erblickten, Juden hätten seine lückenhafte Wahrheitsliebe getadelt und in ihm absolut keine Idealgestalt bewundern wollen. Da ist es nicht uninteressant, daß jetzt ein Urteil des Königs Eduards VII. über seinen kaiserlichen Neffen be- MAYER Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkengaSSe 24 Tel. 48-4-79 für Kultusbeamte und Vereinsfunktionäre gegen Legitimation 10% Nachlaß

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