Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 32 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064299-3064330--15605-3088399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEIT flilfliiliiM^ Seite 13 haben, ganz vergessen und zu leeren Schablonen werden. Und jede große Gemeinde in Israel ist ein Spiegelbild des ganzen Judentums: sie birgt in sich große Ideale und auch Gegensätze der Gesinnung und der Lebensauffassung. Aber — müssen die unvermeidlichen Differenzen in der Gemeindestube ausgetragen werden? Muß hier eine politische Atmosphäre das große jüdische Ideal, das uns eint, verscheuchen? Muß hier die Partei, zum Ausgangspunkt des Handelns werden? Muß hier, wie im politischen Parlament, Fraktionszwang und Parteirücksicht das Tun und Lassen der Gemeindevertreter bestimmen? Eine Gemeinde kann nicht uniformiert werden. Es muß darin Raum sein für religiöse Betätigung verschiedener Art — innerhalb des durch Geschichte und Entwicklung gezeichneten Rahmens. Es muß darin Platz sein für jede ehrliche Anschauung, damit sich niemand in seinem Gewissen beengt fühlt. Und ist dieses Ideal nicht durch wahre Toleranz und Friedensliebe besser als durch Kampf und Feindschaft zu erreichen? Müssen die Verschiedenheiten zu unüberbrückbaren Gegensätzen aufgebauscht werden und immer neue Reibungsflächen geschaffen werden? Unsere Väter haben uns in der Qemeinde das Ideal jüdischer Einheit hinterlassen. Die Gemeinde ist kein nüchterner Verwaltungsapparat, sondern der Boden allen jüdischen Lebens und Strebens. Unsere Vorfahren nannten die Gemeinde „h e i 1 i g" (Kehillah kadischah), weil es ihr Beruf ist, das Judentum zu verkörpern, weil nur durch sie die Erhaltungdes Judentums möglich ist. Vergeuden und zersplittern wir dieses teure Erbe nicht! Wahren wir die Einheit und Heiligkeit der Gemeinde durch weitherzige Auffassung, durch brüderliches Beieinanderwirken! Die Richtungen innerhalb des Judentums können einander bereichern, wenn sie einander zu verstehen und einander gerecht zu werden streben." Ein antisemitischer Aristokrat. Vor einigen Monaten wurde der frühere Gutzbesitzer Ritter Hans v. Voigtländer, Berlin, zu 300 Mk. Geldstrafe verurteilt, weil er in einem Schreiben den Landgerichtsdirektor Rosenthal, der in seiner Ehescheidungsangelegenheit Recht zu sprechen hatte, schwer beschimpft hatte. Er hatte in einem Brief erklärt, daß in diesem Falle ein jüdischer Demokrat gegen einen deutschen Aristokraten ein Urteil gefällt habe, nicht aber ein deutscher Richter. (Fabelhafte „Rechtsauffassung".) In der Berufungsinstanz versuchte Landgerichtsrat v. Holten den antisemitischen „Aristokraten", der in erster Instanz bereits zwei Richter mit jüdischen Namen abgelehnt hatte, eines Besseren zu belehren. Die Beweisaufnahme ergab, daß der antisemitische Schluß in der seinerzeitigen Eingabe von dem Rechtsvertreter Voigtländers, Justizrat Schmielinsky, inspiriert worden war. — Das Gericht ermäßigte die Strafe von 300 auf 150 Mk. In der Urteilsbegründung wies Landgerichtsrat v. Holten die Anwürfe gegen die jüdischen Richter auf das entschiedenste zurück. UUIIIIWillllllllllllllllllllilillW^ HM Mnititti i Je UaiM'! O xy -wo Restauration in Salzburg tb» Hermann KoAin Wolfdictrlchsfräße Nr. 14 namae Preiset Mäßige Preise! orth. n^D Restaurant GOLDFSERG „VILLA BERN INA" Einziges orthodoxes "HTD Restaurant im SAlZKAnnEROVT Großer Speisesaal, Glasveranda, gute Küche, Galenit Mai_Cent zivile Preise. Referenzen von hervorragenden UQIuUU lDDi UB|1I* rabbinischen Autoritäten. ........................................................................—xs £\ Mmmst m. J£itexaitnt >? o X _________/ o SmHIIIWMIIIMMI>IIIIIM«MMMlll>HM«MM»t«Umt»lt«MM«MMIIM>MltM>WW>WIIIIIII iF Die Presse der Juden. Die im Mai 1928 in Köln zur Eröffnung gelangende „Internationale Presse-Ausstellung", die eine Weltschau der geistigen und wirtschaftlichen Bedeutung des Pressewesens in allen Erscheinungen bringen wird, wird eine Sondergruppe: „Die Presse der Juden" enthalten, die einen Ueberblick über das gesamte jüdische Pressewesen in Vergangenheit und Gegenwart bringen wird. Diese Sondergruppe wird zunächst eine historische Abteilung aufweisen, die die Anfänge der jüdischen Nachrichtenübermittlung im Altertum und die Entwicklung des jüdischen Nachrichtenwesens bis auf unsere Generation darstellen wird. Bedeutsame historische Dokumente, die ältesten jüdischen Zeitungen, alle Zeitungen, die im jüdischen geistigen Leben eine Rolle gespielt haben, ebenso bildliche Darstellungen historischer Ereignisse, Bilder historischer jüdischer Persönlichkeiten, die Entwicklung des jüdischen drucktechnischen und Kunstdruckwesens in früherer Zeit (die berühmten hebräischen Druckereien in Amsterdam, Venedig, Prag, Wilna usw.) werden zu sehen sein, ebenso Standard-Werke der hebräischen und Judaica-Literatur der Vergangenheit. Eine weitere Gruppe, welche die jüdische Presse der Gegenwart behandelt, ist nach Ländern, Sprachen und Fächern gegliedert. Jede Zeitung wird durch eine Gruppe vertreten sein, die das erste Exemplar, die Jubiläums-Nummern, andere denkwürdige Nummern sowie das letzte Exemplar zeigt. Bilddarstellungen der Häuser und Druckereien der großen jüdischen Zeitungen, wie das moderne jüdische Druckwesen überhaupt, werden zu sehen sein, ebenso das Illustrationswesen der jüdischen Presse. Diese Abteilung wird eine Schau bedeutsamer jüdischer Dokumente der Gegenwart bieten. Die jüdische Kunst der Gegenwart und das jüdische Buch sollen würdig vertreten sein. Gestalten und Momente aus der jüdischen Geschichte. Herausgegeben von J. Elbogen, Berlin 1927, Der Heine-Bund. Aus drei Jahrtausenden sind hier Denkmäler jüdischen Geistes und Gemütes neben Darstellunsen einzelner Epochen oder Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte von sicherer Hand in guter Auswahl zusammengestellt worden. Der Epilog des Herausgebers läßt, den Tatsachen entsprechend, einen recht traurigen Grundton hören, klingt aber in die Hoffnung aus, daß die jüdische Seele durch alle Wirren und Widerstände den rechten Weg finden wird, eine Hoffnung, die ihm der Anblick des Judentums Amerikas stärkt. Dem Buche ist ein weiter Leserkreis zu wünschen> Die Sagen der Juden, gesammelt von M. J. bin Gorion Mose (Frankfurt a. M. 1926. Rütten Ck Loening). Daß dieser stattliche Band sich ausschließlich mit der Person und dem Schicksal des Größten unseres Stammes befaßt, entspricht seiner überragenden Bedeutung. Ist auch schon von Behr und anderen in dieser Richtung ein Vorstoß unternommen worden, so verliert doch die vorliegende Darstellung, dank der Lückenlosigkeit des Materiales und dem wissenschaftlichen Apparat, durch solche Vorarbeiten nichts von ihrem Werte. Mit welcher Liebe das Volk die Gestalt seines Meisters und Führers umsponnen und v/elches Echo diese Verehrung in der Umwelt ge- FLEISCHH AUEREI^ SIEGMUND KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. 17-3-99 und 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilung für Koscherfleisch IX., BipggassB IS und XVIII., liMigapstroBi 97 unter Aufsicht des ehrar. Rabbinates der Isr. Kullusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieh Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen