Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 32 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 i^iMlillHOI! ■■BIM DjE WAHRHEIT funden hat, tritt hier eindrucksvoll zutage. Es wäre zu wünschen, daß sich dem Verfasser, dessen Meisterhand nun der Griffel entfallen ist, ein würdiger Nachfolger auf diesem so ertragreichen Gebiete fände. G. Quell. Die Auffassung des Todes in Israel, Leipzig 1925. A. Deichert. (M. 1.50). Daß das alte Testament dem Jenseitsglauben nicht eine zentrale Stellung einräumt, wird von der christlichen Theologie, wie hier, ihm als Mangel angekreidet. Wir erblicken darin, daß statt der ausdrücklich an Vertröstung auf individuelle Seligkeit in einer anderen Welt das Hauptgewicht auf sozialen Fortschritt auf dieser Erde gelegt wird, einen besonderen Vorzug. Der Schlußsatz dieses übrigens sachlich gehaltenen Schriftchens, das auch durch die Leichenverbrennung als unjüidisch erweist, lautet: „Nur das irrationale Vertrauen zur Größe Gottes öffnete schließlich den Weg zur Lösung". Dieses „Nur" genügt uns. L. Dürr. Die Wertung des Lebens im Alten Testament und im alten Orient, Münster i. W. 1926, Aschendorff. M. 1.80. Mit Quell in seinen Ergebnissen übereinstimmend, will Dürr im alten Israel doch nur die gemeine Jenseitsvorstellung von dem Aufenthalt der Toten in der Unterwelt und ein ängstliches Hängen am Leben vorfinden. Anschauungen, die dann vom Christentume überwunden worden seien. Es genügt ein unbefangener Blick in das Psalmenbuch, aus dem ja die Volksseele Israels spricht, um dieses Mückenseihen an einzelnen Bibelworten zu entkräften. Das unbedingte Vertrauen auf Gott bot diesem Volke eine sichere Bürgschaft für das ewige Seelenheil als die schönsten Verheißungen. G. L. F. Clauß: Rasse und Seele. (München 1926, J. F. Leh~ mann; Mk. 7.—, geb. Mk. 9.—.) In geradezu verschwenderische Pracht hat der auf dem Gebiete der Rassenfrage führende Verlag die vorliegenden Versuche gekleidet, aus äußerer Erscheinung, Geste, Ausdruck der Gesaintempfindungen die Seele einzelner Menschengruppen zu erschließen. Viel Anregendes wurde geboten, eine Fülle feiner Beobachtungen über die Beziehungen zwischen Mensch und Landschaft. Daß das Werturteil zugunsten des Nordmenschen ausfällt, spricht nicht für die von jedem, der Anspruch darauf erhebt, wissenschaftlich ernst genommen zu werden, unbedingt zu fordernde Gerechtigkeit des Verfassers. Daß ihm insbesondere das Jüdische in die Kategorie des von seinem nordischen Standpunkt aus Verächtlichen fällt, ist Geschmacksache. Daß er aber den Gegensatz zwischen Jakob und Esau — der ihn, wie begreiflich nordisch anmutet — so darstellt, als ob das Verhalten Jakobs der jüdischen Einstellung als mustergültig erscheine, daß er den Stifter des Christentums, weil aus Galiläa stammend, als nichtjüdischen Ursprunges hinstellt, daß ihm offenbar als Beobachtungsgegenstand, womit das Judentum in Betracht kommt, gerade der Börsejude vorschwebt, verrät eine Einseitigkeit, unter der seine Feststellungen naturgemäß leiden müssen. Was soll man nun vollends dazu sagen, daß er von dem englischen Vorgehen gegen die indische Hausindustrie sagt, „hier habe sich wohl jüdischer Geschäftssinn mit nordischer Rohheiit verbunden"?! So unverblümte Tender beeinträchtigt den Eindruck des Buches. „Adel ist Treue zum S_chicksar, sagt der Verfasser. In diesem Sinne wären wir genedgt, von einem Adel der Juden zu reden. J. Höxter, Quellenlesebuch zur jüdischen Geschichte und Literatur. 3. Teil (Deutschland, Frankreich und Italien im Mittelalter),. J. Kaufmann, Frankfurt 1927. Mk. 1.80, leistet, was von jedem Religionslehrer längst als Desideratum empfunden wurde: die Illustrierung des Geschichtsstoffes durch die lebendige Unmittelbarkeit der historischen und literarischen Quellen. Die nichtjüdischen laufen von Konstantin bis zu Maximilian, die jüdischen von Rabbenu Gerschom bis zur Judenverfolgung in Trient Das Buch wird in die jüdische Schule wie ins Haus zur Selbstbelehrung Eingang finden. Gräfin Gertrud Podewils-Dürniz: Aegyptische Skizzen. Im Xenien-Verlag zu Leipzig. Die von Peggy B o 11 a m durch etliche Federzeichnungen illustrierten kleinen, phantasievoll ausgestalteten Reiseskizzen lesen sich leicht und rasch, ohne freilich stärkeren Eindruck zu hinterlassen. Die Ausstattung des Bändchens ist einfach und nett. rs. Dr. J. Bischoff: Technische Chemie für jedermann. A. Ziemsen Verlag, Wittenberg. Mk. 12.—. Dieses Buch zählt zweifellos zu den besten seiner Art; in leichtverständlicher Darstellung bringt es auch dem chemisch gar nicht vorgebildeten einen klaren Ueberblick über das interessante Gebiet der chemischen Industrie, so daß es weitesten Kreisen besonders warm zu empfehlen ist. R-n. g< Von Wol^exuWodke >§ Jüdisches aus der Frankfurter Allgemeinen Musikausstellung. Im Rahmen der allgemeinen Musiikausstellung, welche gegenwärtig in Frankfurt a. M. stattfindet und es sich zur Aufgabe gesetzt hat, die Musik aller Zeiten, aller Völker und Länder zur Darstellung zu bringen, fand auch die jüdische Synagogenmusik Berücksichtigung. Ein hervorragender Vertreter des jüdischen synagogalen Gesanges, Oberkantor I. Alter, welcher zur Zeit in Hannover wirkt, brachte hierbei vor einem aus Angehörigen aller Konfessionen bestehenden Publikum Synagogengesänge zum Vortrage und erweckte damit allgemeines großes Interesse. Ein Beweis dafür ist, daß sich zahlreiche deutsche Tageszeitungen mit seinen künstlerischen Darbietungen befassen. So z. B. schreibt die „Frankfurter Zeitung": ..... zumal da ein so hervorragender Solist wie der Oberkantor I. Alter •für ihre Wiedergabe zur Verfügung stand. Zwar ist dem Außenstehenden die typisch synagogale Art des Vortrages künstlerisch fremd, aber durch die technischen Eigenarten hindurch blieben die heldenhaft strahlende Stimme, das starke künstlerische Temperament, die hingebende Art des Vortrages erkennbar." Die „Große Frankfurter Volksstimme" berichtet folgendes: „ ... In ihm lernte man einen Tenor von phänomenaler stimmlicher Begabung kennen, der sich, was Material betrifft, mit den basten Vertretern seines Stimmfaches messen kann." — Selbstverständlich befassen sich auch die jüdischen Blätter Deutschlands eingehend mit diesen Darbietungen synagogaler Musik. Das „Hamburger israel. Familienblatt" nennt Oberkantor Alter „einen gottbegnadeten Sänger", während der „Israelit" von ihm als einem Manne sprach, „der mit phänomenalen Stimmitteln eine Weichheit, Lieblichkeit und Innilgkeit des Ausdruckes verbindet, daß von Nummer zu Nummer der Kontakt zwischen Bühne und Auditorium immer enger und stärker wurde." Wenn wir dies registrieren, so geschieht es vor allem deshalb, weil Oberkantor Alter, der uns Wienern ebenfalls sehr gut bekannt ist, aus der Wiener Schule hervorgegangen ist, welche schon so viele große Meister des Synagogengesanges hervorgebracht hat. Baden bei Wien. Wie unseren Lesern aus mehreren Berichten noch in Erinnerung sein dürfte, wurde auf behördliche Anordnung die Neuwahl des Baden er Kultiusvorstandes für den 31. Juli ausgeschrieben. Dieselbe brachte eBnen vollständigen Sieg der offiziellen Liste, an deren Spitze der langjährige Präsident Herr Alexander Braun stand. Die Opposition hatte trotz aller Anstrengungen auch nicht ein einziges Mandat erobern können. Sie hätte weit besser abschneiden und sich insbesondere einen aufregenden Wahlkampf ersparen können, wenn sie die fünf Mandate, welche ihr seitens der Majoritätspartei angeboten wurden, angenommen hätte. Nun aber hat sie die Entscheidung der Kultuswählerschaft verlangt und so hoffen wir, daß sie sich auch derselben fügen wird und der Badener Gemeinde weitere Kämpfe und gegenseitige Anfeindungen künftighin erspart bleiben werden. Kultus-Talare. Wie wir erfahren, hat eine Anzahl ausländischer Rabbiner und Kantoren, die sich auf der Durchreise in Wien befanden, bei der bekannten Spezialfirma Rudolf G o 1 d s t e i n, Uniformierung und Maßschneiderei, Wien II., Taborstraße 54, Ornate bestellt. Diese Tatsache zeugt von dem weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinausdringenden Ruf dieser erstklassigen Spezialfirma. Eine Propadandastelle der Wiener Messe in Leipzig. Die Leitung der Wiener Messe hat die Errichtung einer Propagandastelle auf der heurigen Leipziger Messe verfügt. Die Propagandastelie wird in Leipzig im O esterreich ischen Messehaus, Hainstraße 16/18, in der Zeit vom 28. August bis 3. September tätig sein. Der Zweck der Propagandastelle ist, nach Leipzig kommenden Kaufleuten, soweit sie Interessenten für die Wiener Messe sind, durch Auskunftserteilung über die den Besuchern der Wiener Messe gewährten Fahrpreisermäßigungen und sonstigen Erleichterungen an die Hand zu gehen. Selbstverständlich wird auch der Verkauf der Messeausweise, die zur Inanspruchnahme dieser Begünstigungen berechtigen, in der Propagandastelle erfolgen. Die Fremdenverkehrskommission hat der Propagaindastelle Werbematerial und Informationen über die Unterkunftsverhältnisse in Wien und Niederösterreich zur Verfügung gestellt.