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Die Wahrheit · 1927-08-05 · Heft 32 (5.8.1927) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 32 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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die Wahrheit »luiniiiiuniiuiiiiimiiiiiniitmHmiiiymiiuitiiiBniniiiiutmmffim^rarafflmmi Wm Seite 11 ^Watkvtkeiten vom fraget Unseren Hetzern ins Stammbuch. Nach den traurigen Ereignissen des 15. und 16. Juli hoffte man allseits auf eine „Entgiftung der politischen Atmosphäre", auf eine würdige Form, politische Gegensätze auszutragen. Es sollte anders kommen. Unsere Hakenkreuzler wollten keine Beruhigung. Es sei deshalb auf die wertvollen Bestrebungen der Berliner Zeitschrift „Der Zusammenschluß" hingewiesen, in der jüngst aus der Feder eines deutschnationalen Reichstagsabgeordneten, des Herrn J. G. v. Dewitz, ein „Mahnruf" erschienen ist. der gegen die unerträglichen Auswüchse des deutschen politischen Lebens eindeutig Stellung nimmt Wir geben die folgende. Stelle daraus wieder: Jedem, der im politischen Leben steht und sich Geschmack und Erziehung auch im politischen Kampf ungetrübt zu erhalten bemüht war, ist wohl bekannt, was man unter Vergiftung der politischen Atmosphäre verstehen muß , . . Nicht annähernd in dem Gerade ist ja das alte Kaiserreich durch die Bundesstaaten und ihre besonderen Bestrebungen zerrissen gewesen, als heute das deutsche Volk durch die Parteiiwi'rtschaft zerrissen ist. Was sich im Versammlungswesen, in Umzügen und in der Wahlpropaganda vor unseren Augen entrollt, bedeutet die Parteizerklüftung bis in das Kindesalter hinein mit den vergiftenden Nebenerscheinungen. Es fehlt ja nur noch, daß in der Familie die Ehrlichkeit der Parteizugehörigkeit geschaffen wird. Dazu müßten die deutsohen Mütter ihren noch in Windeln liegenden Kindern den Parteistempel mit der Ueberschrift: „In hoc signo vinoes" („In diesem Zeichen wirst du siegen") auf einen bestimmten Körperteil drücken. Es fehlt ferner, daß die Väter, die bisher dem erwachsenen Jüngling Treue, Bravheit und Pflichten am Vaterlande empfahlen; ihm in Zukunft als Wunsch für den Lebensweg mitgeben: „Sorge nur dafür, daß man dir bis zu deinem siebzigsten Lebensjahr nicht irgendwie nachweisen kann, daß du gegen das Parteiprogramm verstießest, lüge dich um deiner Wähler willen durch alle Situationen so geschickt wie möglich hindurch, lerne nichts hinzu, um nicht Irrtümer zugestehen zu müssen, und sei ein Pharisäer auf Kosten all der Zöllner, die du um dich herum in anderen politischen Lagern zu erblicken hast". Ich fasse hier ja nur in etwas -grotesker Form zusammen, was tatsächlich längst vorhanden ist, nämlich die unter Vortäuschung von Idealen durchgeführte rein parteiische Verseuchung der Jugend in dem Moment, wo nichts für sie notwendiger ist als ein freier, unbefangener Blick für die Geschehnisse im staatlichen und völkischen Leben. Gerade das, was jedem normalen Deutschen das A und O seiner Politik sein sollte, nämlich Liebe und Pflichttreue gegen Volk und Vaterland bis zum äußersten, sollte unserer gesamten Jugend als Fundament für jede Betätigung im öffentlichen Leben mitgegeben werden Statt dessen wird durch die verfrühte Anspannung unreifer Jungen zu Zwecken der Parteireklame, Großmäuligkeit, Selbstüberhebung, Radaulust und Haß gegen die erzeugt, mit deren Vätern der eigene Vater in den Jahren 14 bis 18 in demselben Schützengraben gekämpft und geblutet hat . . . Ist es im Interesse der Zukunft Deutschlands nicht viel wichtiger, Jungen, die noch nicht trocken hinter den Ohren sind, erst einmal zur Pflichterfüllung zu erziehen, anstatt den Boden verunkrauten zu lassen, und dieses Unkraut sind Parteigeist, Wortklauberei und aus Parteiegoismus geborenje Geschichtsklitterung . . . Die Kandidatur Weizmanns zurückgezogen. Der Vertreter der Pro-Je wish-Agency-Liste hat in der letzten Sitzung der Hauptwahlkommission des zionistischen Landeskomitees mitgeteilt, daß der von den Vertretern dieser Liste als Spitzenkandidat nominierte Präsident der zionistischen Weltorganisation, Prof. Dr. Chaim Weizmann, die Zurückziehung seiner Kandidatur wünscht. Die Hauptwahlkommission hat diese Mitteilung zur Kenntnis genommen und beschlossen, daß als Kandidaten der Pro-Je wish- Agency-Liste nunmehr die Herren Dr. Isidor Schalit, Karl Schwarz und F. Fink eis tein zu gelten haben. ISRAELITISCHE KULTOSGEMEINDE WIEN : HonkarsaussdireilNing s j| Der Vorstand der israel Kultusgemeinde Wien £ ■ beabsichtigt die Führung des £ 5 L. D. Königsberg-Mädchen- S S eriiehungslnslitutes S ■ pachtweise zu vergeben. m £ Das Institut befindet sich im 2. Bezirk, £ ■ Böcklinstraße 59, und hat einen Fassungsraum für ■ ■ zirka 30 Mädchen. Mit der Überlassung der 5 J| Lokalitäten und der Einrichtung ist die Verpflich- £ ■ tung verbunden, mindestens fünf Zöglinge ■ ■ unentgeltlich zu verpflegen und wenn möglicheiner ■ £ weiteren Anzahl von Zöglingen Ermäßigung der £ ■ Verpflegsbeiträge zu gewähren. ■ ■ Anbote wegen Überlassung der Instituts- ■ £ führung wollen bis längstens 15. August 1927 £ ■ in der Amtsdirektion der israel. Kultusgemeinde g £ Wien überreicht werden, woselbst auch nähere ■ £ Auskünfte erteilt werden. £ ■ Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde £ ■ Wien behält sich bezüglich der Vergebung voll- ■ £ ständig freie Hand vor. £ £ Wien, 31. Juli 1927. 5 ■ Der Vorstand der ■ £ israel. Kulusgemeinde Wien £ ^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■uiiiiiunnunmiS Durch die Zurückziehung seiner Kandidatur hat Dr. Weizmann gezeigt, daß e r einem Kampf zwischen Weltorganisation und Landeskomitfee, der durch die Aufstellung des Herrn Dr. Leo Goldhammer als Gegenkandidaten seitens der radikalen Zionisten heraufbeschworen wurde, auszuweichen wünscht und damit wiederum seinen hohen staatsmännischen Sinn bewiesen, der leider manchem Zionisten unseres Landes vollständig mangelt Er kann auch anders . . . In einer Theaterkritik des „Eisernen Besen", deren Verfasser der Gauleiter Sepp Koller der sogenannten Hiitlerbewegung ist. feiert derselbe die Leistungen der Schauspielerin Lilly Rapp. „Salzburger Volksblatt", „Chronik" und die rote „Wacht" taten desgleichen. Diese Einstimmigkeit im Urteil hat dieser Schauspielerin das Engagement beim Stadttheater eingebracht. Wer ist nun d»se Lilly Rapp? Wenn der hitlerianische Gauführer Koller für dfhe Jüdin, denn eine solche ist diese Lilly Rapp, eintritt, warum sollen es dann im Theaterausschuß nicht auch national-bürgerliche Gemeinderäte tun. welche ja nach Koller überhaupt keine Antisemiten sind... Und für eine solche Schauspielerin macht Sepp Koller im „Eisernen Besen" Reklame. Wh* gratulieren Adolf Hitler zu diesem Gauleiter! — Üm Irrtümern vorzubeugen: Diese boshafte Glosse haben nicht wir. sondern der Sttlzburger „Volksruf" geschrieben, wir haben sogar besonders scharfe Steilen dieses antisemitischen Angriffes gegen einen Antisemiten noch ausgemerzt, wahrlich nicht im Interesse des letzteren, sondern wegen der in Rede stehenden Schauspieleria Daß diese vor Kollers Kritik Gnade fand, macht ihr nur alle Ehre, aber auch er bewies, daß manchmal die Vernunft zu siegen vermag — bei Koller. Nachklänge zu Henry Fords Bekehrung. Die New-Yorker jiddische Tageszeitung „Ttie Btay" (Der Tag), befragte Bernard Shaw, welche Wirkung die Abkehr Henry Ford's vom Antisemitismus nach seiner Meinung haben werde. Bernard Shaw bezweifelt in seiner Erwiderung, ob Ford's Blamage die Antisemiten eines besseren belehren werde und schließt: „Solange es Leute gibt, die von derartigen Geschichten leben, wer-

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