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Die Wahrheit · 1927-08-05 · Heft 32 (5.8.1927) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 32 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 «DJil«IHI irniitiiiitrminmmnnniTmmnnnTTinnniiimfimnnimiiHiiiHiiitiiinMnmiiiiiiitfniHni die Wahrheit Dogmatismus und Fanatismus, welche längst als für die „Kulturmenschheit" gestorben erachtet wurden, haben in den letzten Jahrzehnten, ganz besonders aber in der Zeit nach dem Kriege eine Wiederbelebung erfahren, und zwar sind sie in einer theoretisch radikaleren, wenn auch praktisch milderen Torrn wiederauferstanden im Rassendogmatismus und Rassenfanatismus; letzterer stellt gewissermaßen nur die praktische Seite des ersten dar, beide bilden ein untrennbares Ganzes. Welcher von den beiden Brüdern ist der ältere? Haben irgendwelche atavistische Rasseninstinkte oder gar Empfindungen und Willensimpulse, welche mit „Rasse" nichts zu tun haben, diesen neuzeitlichen Fanatismus erweckt, der sich dann, gewissermaßen zur Rechtfertigung seiner selbst, das Rassendogma geschaffen hat? Oder war es so, daß irgendeine „wissenschaftliche Erkenntnis" oder falsch gedeutete, willkürlich verallgemeinerte oder nur scheinbare „Tatsachen" anthropologischer, ethnologischer, historischer oder sozialer Natur das Rassendogma geschaffen haben, welches dann diejenigen, welche an dasselbe glaubten, zur Ziehung praktischer Konsequenzen verpflichtete, indem die einmal erweckte Rassenangst im Rassenschutz in seiner extremsten Form das alleinige Rettungsmittel vor dem Rassenuntergang erblickte? Wie dem auch immer sein mag — die erstere Hypothese hat deshalb größere Wahrscheinlichkeit für sich, weil das Rassenbewußtsein fast ausschließlich dem Judentum gegenüber in Erscheinung tritt — haben wir es hier mit einer schweren Entartungserscheinung unserer Zeit zu tun. welche sich der Inquisition früherer Jahrhunderte würdig an die Seite reiht. Es erscheint daher unabweisbare Pflicht aller um den Fortschritt der menschlichen Kultur bemühten Zeitgenossen zu sein, dieser Kulturkrankheit entgegenzutreten, nicht bloß im Interesse des Judentums, das gewiß sehr unter dem Rassenantisemitismus zu leiden hat, sondern vor allem auch im Interesse der Völker selbst, deren Seele durch Rassenhaß vergiftet und deren Gemüt durch Rassenangst verdüstert wird. Zu diesem Zwecke genügt es nicht, den Rassenfanatismus zu bekämpfen, sondern es muß dem Rassendogmatismus an den Leib gerückt werden. Da dieser aber sein Dogma als eine „wissenschaftliche Erkenntnis" hinstellt, muß diese „wissenschaftliche Erkenntnis" als Dogma oder, besser gesagt, als Einbildungsprodukt hingestellt werden. Ein großer Teil unserer Jugend hat heute ihren Antisemitismus mit Rassedogmatik untermauert und, da es gerade die „intellektuelle", die „gebildete", die studierende Jugend ist, in deren Köpfen die Rassenphantasien wahre Verheerungen angerichtet haben, so sollte man meinen, sie könnte von ihrem Irrwege abgebracht werden, wenn man sie die Tatsachen richtig erkennen und deuten lehrte und sie vom bloßen Nachsprechen der in ihr Gehirn eingehämmerten Phrasen zum wirklichen Nachdenken veranlassen könnte. Aber das Dogma ist ein auf seine Macht eifersüchtiger Selbstherrscher, welcher keinen zweiten neben sich duldet! An den meisten, unserer Hochschulen wird diesem Herrscher gehuldigt und Weihrauch gestreut und wehe dem, der es wagen würde, gegen ihn aufzutreten! Man hat hier zwar die „Lehrfreiheit" das Dogma zu beweisen, nicht aber die, dasselbe zu widerlegen. Und so bleiben die Gehirne weiter verfinstert. Was ist, so fragen sich daher viele vorausblickende, um das Schicksal dieser Jugend und die Zukunft unserer Kultur besorgte Männer, zu tun, um die Herrschaft des unseligen Rassendogmas, das die Gemüter im Banne hält, zu brechen? Wie kann insbesondere die Jugend, die dem Götzen der Rasse huldigt, dem Banne des Rassendogmas entrissen werden? Die Hochschulen, welche heute noch immer die Hauptstützpunkte des Rassenantisemitismus sind, erscheinen trotz einiger erfreulicher Lichtzeichen aus dem Deutschen Reich noch immer nicht reif für eine energische Abwehrpropaganda; auch scheint es. als ob diese höchsten Bildungsanstalten die geistige Führerstellung im Volke, die sie bisher inne hatten, durch eigene Schuld immer mehr und mehr verlieren würden, da sie es nicht verstehen, sich den geänderten Kulturverhältnissen anzupassen, sondern vielmehr in einem volksfremden und reaktionären Geiste der Exklusivität verharren. Die Demokratisierung der Bildung macht trotz alledem unverkennbare Fortschritte und erstreckt sich erfreulicherweise auf immer "weitere Kreise der Land- und Arbeiterbevölkerung. Es scheint daher viel wichtiger, durch energische Abwehr- und Vorbeugungsarbeit zu verhindern, daß der Bazillus des Rassenantisemitismus, der auf den Hochschulen in Reinzucht gezüchtet wird, sich der Gemüter jener bildungshungrigen und nach Kultur dürstenden v/eiten Kreisen bemächtige, daß das Gift in die noch unverbrauchten Seelen eindringe und dort Verheerungen anstifte. Dann werden jene Hochschulen und Akademien, welche sich dem Geiste einer auf breiterer Basis fundierten und gesitteten Kultur, dem Geiste einer freien und fortschrittlichen Welt und Lebensauffassung nicht werden fügen wollen, als isolierte Fremdkörper ohnedies zum allmähHchen Absterben verurteilt sein, ebenso wie Körperteile absterben müssen, bei denen der frische Blutzustrom unterbunden ist. Wenn wir daher auch die Tragweite der Vorgänge, die sich derzeit an den Hochschulen abspielen, nicht unterschätzen dürfen, so brauchen wir sie sicherlich nicht zu überschätzen, da sie glücklicherweise nicht mehr den Geist des Volkes „repräsentieren". Denn der Geist des Volkes und zumal des deutschen Volkes ist weder ein völkischer noch ein rassischer. So sehr sich auch politische Agitatoren und nationalistische Hetzer bemühen, die Liebe zur Heimat und zu den Volksgenossen, die allen Schichten des deutschen Volkes gemein ist, in einen rassischen Instinkt umzufälschen, der „rassische Geist" kann schon deshalb nicht erweckt werden, weil ihm die natürlichen, d. h. in der ethnischen Struktur der Volksgesamtheit gelegenen Unterlagen vollständig fehlen. Die Deutschensind kelin Räfesevolk. Wer sie gewaltsam dazu machen, ihr Volkstum auf Rasse, ihr Nationalbewußtsein auf Rasseninstinkt gründen will, wird unausweichlich zum Zerstörer am Deutschtum selbst. Jeder solche Versuch verurteilt sich selber dazu, das völkische Wesen der Deutschtümlichkeit zu vernichten. Denn derjenige, welcher die Deutschen zu „Germanen" stempelt und diesen Begriff im Sinne einer Rasse gebraucht, mit bestimmten physischen Merkmalen: hochwüchsig, weißhäuptig, langschädlig, blauäugig, blondhaarig etwa — der stößt Millionen und Abermillionen Deutscher aus dem deutschen Volkstum aus, der müßte die Deutschen auf vielleicht ein Drittel ihres sonstigen Bestandes reduzieren, um diesen Rest mit anderen Volkstümern (skandinavischen, niederländischen, teilweise angelsächsischen und nordfranzösischen) zu einer neuen Einheit zu verbinden. Wenn auch über diese Tatsachen im Volke noch keine klare Kenntnis besteht, so scheint dennoch eine Art unbewußtes G'efühl hierfür vorhanden zu sein, daß der Rassendogmatismus, der in erster Linie den „fremdrassigen" Juden das deutsche Volkstum abspricht, sich schließlich gegen das deutsche Volk als Ganzes richtet und daß somit der Rassenfanatismus, welcher den Schutz des Volkstums durch Rassenschutz bewirken will, gerade der Zerstörer des Volkstums ist, das er zu schützen vorgibt. Diese Gefühle im Volke zu stärken und in klare Erkenntnis überzuführen, heißt das deutsche Volk gegen die Ansteckung durch den Rassebazillus immunisieren. Dadurch aber, daß man, wie dies der ehemalige badische Staatspräsident und jetzige Professor an der Universität Heidelberg Dr. Willy Hellpach in einem in der Zeitschrift „Die neue Rundschau" erschienenen Aufsatz „Rasse und Stämme im deutschen Volkstum" getan hat, auf exaktem wissenschaftlichen Wege nachweist, „daß die Deutschen nicht nur an Erlebnis und Staatlichkeit, sondern auch in ihrer Rassigkeit ein riesenhaftes Bastardierungslager geworden sind . . . . daß sie die buntrassigste unter den großen Nationen Europas sind und darin den großen Nationen der Neuen Welt am nächsten stehen", wird dem deutschen Volkstum nichts von seiner Würde genommen, sondern ganz im Gegenteil, dieses aus der Sphäre des rassisch-tierischen in die des geistigmenschlichen emporgehoben. Indem an die Stelle der (tatsächlich nicht existierenden) Rassien-semeinschaft aller Deutschen -gesetzt wird, wird nicht nur einer Forderung der Wahrheit Genüge getan, sondern auch einem ethischen Postulate Rechnung getragen, das im Volkstum weniger etwas Gegebenes als vielmehr etwas A»u f ge gjeb einös, zu Erfüllendes erblickt. Dr. W. (Fortsetzung folgt) 1AC. MAYER Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkeitgaSSe 24 Tel. 48-4-79 Für Kultusbeamte und Verelnsfunktlonäre gegen Legitimation 10% Nachlaß

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