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Die Wahrheit · 1927-08-05 · Heft 32 (5.8.1927) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 32 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT IHHHHN SeiU a sprechenden Juden nach einer Bibelübersetzung war so dringend und die Möglichkeit, hebräische Bücher in den Vereinigten Staaten zu drucken, war so beschränkt, daß die Gesellschaft den Druck des seit mehr als zwanzig Jahren sehnlichst erwarteten Buches nicht länger hinausschieben konnte. Nun ist die Gesellschaft im Begriffe, eine eigene, den neuesten Anforderungen entsprechende hebräische Druckerei zu errichten, und hofft, in Bälde die Uebersetzung mit dem danebenstehenden Urtext herauszugeben. Die hebräischen Texte der Jewish Classics, von denen wir einen vor uns haben, werden von den Herausgebern aufs neue einer kritischen Durchsicht unterzogen; auf diese Weise bietet die Sammlung nicht nur der englischen Leserwelt die Möglichkeit, sich mit einigen der wichtigsten Werke der hebräischen Literatur bekannt zu machen, sondern sie wird auch der Wissenschaft des Judentums sorgfältig edierte kritische Texte darbieten,' von denen sie hofft, daß sie als die grundlegenden Texte der jüdischen Klassiker gelten werden. Für die Herausgabe dieser Klassikerreihe wurde eine besondere Kommission eingesetzt, von der jedoch einige Mitglieder inzwischen durch den Tod abgegangen sind: der Vorsitzende Prof. Salomon Schechter, an dessen Stelle der frühere zweite Vorsitzende Dr. Cyrus Adler getreten ist, sodann verstarb Prof. Heinrich Malter und Richter Sulzberger. Der für die Herausgabe des Jehuda Halewi bestellte Prof. Israel Friedländer fiel im Hochsommer 1920 auf einer Reise im ukrainischen Notgebiet, wo er im Auftrage eines amerikanischen Komitees den Juden Hilfe bringen sollte, unter dem Beil von Raubmördern. An seine Stelle trat Prof. Dr. Israel Davidsohn aus New York, dessen sorgben achechem" „hören zwischen euren Brüdern1' aufgebaut ist. Ueberall hören und horchen sie herum. Kein Wort entgeht ihrem Ohre. Was sie erhorcht, erlauscht haben, gibt ihnen Stoff zu ihrem Urteil oder ihrer Verurteilung der Mitmenschen. Die Gehilfen, die Moses zur Rechtsprechung wählte, waren weise, verständige und kenntnisreiche Leute. Die unberufenen, ungewählten Richter könnn sich dieser Vorzüge nicht rühmen, dafür aber tragen sie leicht und leichtfertig die „Bürde" ihres Richteramtes. Nie haben sie daran gedacht es abzulegen, sondern widmen sich mit Hingabe und Begeisterung der Aufgabe, von morgen bis abend ihre Mitmenschen zu richten. Und da_s Merkwürdige ist, sie finden immer ein dankbares Publikum! Leider ist gegen die „unberufenen Richter" noch nie eine Revolution ausgebrochen, ihr Tribunal noch niemals in Brand gesteckt worden. Wahrlich, wie schwer hat es der berufene Richter! Er müht sioh ein Leben lang, sucht und strebt nach Recht, trägt schwer an der Last der Verantwortung, die auf seinem Wort und Spruche lastet, so schwer, daß er gerne die Bürde von sich werfen will, und kann es dennoch niemand recht machen, bleibt ohne Dank und Freunde. Und die unberufenen Richter! Sie reden und richten, urteilen und verurteilen. Das Unheil, das sie stiften, wägt und zählt niemand; kaum einer wagt es, sie schweigen heißen. Nie werden sie amtsmüde, nie wird die Welt von ihnen erlöst; ihre Urteile finden willige Ohren, ihre Sprüche gehen von Mund zu Mund. Ja, es ist etwas anderes, ob man hören muß beide Teile oder nur zu horchen hat, was jeder spricht! Wer Richter sein will, wer an Gottes statt ein Urteil sprechen soll, muß mit weisem Ohre die streitenden Parteien anhören, aus ihren Worten Recht und Unrecht heraushören, nur „in Gerechtigkeit zu richten" — darum ist sein Amt schwer, und dem Dank und Undank sein Herz verschlossen. Horchen und hören, was die Leute sprechen, reden ohne Sorge um Recht und Unrecht — das ist des unberufenen Richters billige Wissenschaft. Wann werden amtsmüde werden, die da horchen zwischen ihren Brüdern — die ungewählten, unberufenen Richter der Menschen?! i ■=■ ■ i^^i ■;_.Ii Yerlamlen Sie überall 1 Original- DlreüUon Linz: Platz des 12. November Nr. 11 Fernsprecher 65-96 Drahtanschrift: Thermag Linz Badgasteiner Therrmlwasser A.-GL Depot Wien: I., Helferstorferstraße Nr. Fernsprecher 62-0-42 Drahtanschrift: Thermag Wien der Name spridrt fflr sich! j fältiger Arbeit wir den hebräischen Text der 80 in dem vorliegenden Bande vereinigten Gedichte verdanken. Der Text stützt sich im wesentlichen auf die große Ausgabe von Jehuda Halewis Divan, welche Dr. Heinrich Brody, der Oberrabbiner von Prag, besorgt hat, einem Werk staunenswerten Fleißes, allseitiger Kenntnis der ganzen mittelalterlichen hebräischen Poesie und scharfsinniger kritischer Arbeit. Mrs. Salaman ist eine rühmlichst bekannte Dichterin und Uebersetzerin aus dem Hebräischen. Besonders durch ihre „Songs of Exile" hat sie sich einen Namen gemacht. Es ist nun ein eigen Ding mit der Uebersetzung lyrischer Gedichte in eine fremde Sprache, zumal aus dem Hebräischen, und noch dazu aus dem Hebräischen unserer mittelalterlichen Dichter. Wir sehen, wie wenig adäquat die Uebersetzungen von Bialiks Gedichten in die europäischen Sprachen sind, obgleich seine Gefühls- und Anschauungswelt eine völlig moderne ist. Die ganze Struktur der hebräischen Sprache, ihre Knappheit und ihre Lautfülle, ihre eigenartige Wort- und Satzstellung, bedingen einen inneren Rhythmus, der von jenem der arischen Sprachen sehr verschieden ist. Darum ist es nur sehr wenigen, man muß schon sagen „gottbegnadeten" Uebersetzern gelungen, im Leser denselben Eindruck hervorzurufen, den er vom Original erhält. Solche Uebersetzer waren Michael Sachs und David Heller. Für die Uebersetzung der biblischen Schriften haben die christlichen Völker, zumal die Deutschen, einen eigenen Stil konstruiert, der für die Übertragung anderer Schriften nur selten brauchbar ist. Uebrigens ist es bekannt, daß die Uebersetzung romanischer und slawischer Lyrik

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