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Die Wahrheit · 1927-08-05 · Heft 32 (5.8.1927) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 32 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 ^!iiiUli!li|lll!!!iiIIIK DIE WAHRHEIT des Jahres, wo uns die Trauer so ganz erfüllt, unseren Seelen einprägen. Dann wird aus der Trauer Zuversicht entspringen, Zuversicht nicht nur für unser schwergeprüftes Volk, sondern für die ganze Menschheit, daß es aufwärtsgeht aus dem Tale des Schreckens und Verderbnis zu jenen lichten Höhen, auf welchen die Gerechtigkeit thront, die Güte und der Friede. Dr. F. J. Weiss. Der Siegeslauf des größten jüdischen Dichters. Jelmda Halewis Weltverbreitung. Von Benjamin Segel. In zehn Jahren werden wir den 850. Geburtstag des berühmten Sängers der Zionide feiern können, nachdem jetzt, wie es heißt, seine Vaterstadt Toledo eine Straße Calle Jehuda Halewi genannt haben soll— eine ziemlich verspätete Ehrung. Vor ungefähr 80 Jahren wurde er „entdeckt". Seine in verstaubten Manuskripten vergrabenen und in verschollenen und wenig bekannten Druckwerken verstreuten Gedichte wurden gesammelt und herausgegeben, am meisten hat sich um die Wiedererweckung seines Namens ein naher Geistesverwandter von ihm, Samuel David Luzatto, verdient gemacht. Immer mehr wurde es klar, daß man da einen sehr bedeutenden Dichter vor sich hatte, einen Dichter von Gottes Gnaden, der nach acht Jahrhunderten ganz so wirkte, als rede er zu Zeitgenossen. Man fing an, ihn zu studieren, man über- $cuilleto?i Berufene und unberufene Richter. Von Dr. V. Kurrein. „Ich befahl euren Richtern in jener Zeit also : zu hören zwis< hen euren Brüdern, da ihr lichtet in Gerechtigkeit 7wischen einem, dem anderen und dem Fremden." V, 1, 16 Die Frage, welcher Beruf dem, der ihn ausübt, den geringsten Dank einbringt, müßte nach reiflicher Ueberlegung wohl mit dem Richterberuf beantwortet werden. Denn um völlig unparteiisch und unbeeinflußt urteilen zu können, muß der Richter einerseits von vornherein jeden Dank ablehnen, während er anderseits keinerlei Vorwürfe fürchten darf. Das allein ist es aber nicht. Der Richter darf nicht nur nicht auf Dank hoffen, sondern muß sogar mit der Undankbarkeit derer, für die er sich müht, rechnen. Denn es ist nun einmal eine menschliche Schwäche, daß jeder seine Sache für gerecht ansieht und sich ungerecht behandelt wähnt, wenn ihm das erhoffte Urteil nicht zuteil wird. Es ist kein Zweifel, das Richteramt ist schwer und undankbar und war auch gewiß der schwerste Teil des Amtes, das auf Moses Schultern gelegt ward. Daher beginnen auch die Rückerinnerungen, die der alternde Moses seinem Volke vorträgt, mit jenem vielsagenden Seufzer, der aus der Tiefe seines großen Herzens kommt und der schweren Arbeit seiner Ricbterpflicht gilt: „Wie kann ich allein ertragen — eure Last, eure Bürde und eure Streiterei!" Schon die alten Erklärer weisen darauf hin, daß jedes dieser drei Wörter auf die Schwierigkeit des Richteramtes in Israel hinweise. „Eure Last" — das besagt, daß das Volk lästig ist und belästigt, sich nicht zufrieden gibt, wenn das Urteil nicht setzte ihn mehr oder weniger gut zunächst ins Deutsche, einige besonders charakteristische Gedichte, dann mehrere kleinere Sammlungen; auch Versuche von französischen Uebersetzungen wurden gemacht. Nun liegt eine Auswahl seiner Gedichte samt danebenstehender englischer Uebersetzung in einem reizend ausgestatteten Bändchen vor uns. Die Uebersetzung hat Nina Salaman besorgt. Das Bändchen ist von der Jewish Publication Society in Philadelphia herausgegeben; es gehört einer ganzen Reihe von Publikationen an, die unter dem Gesamttitel Jewish Classics von der genannten Gesellschaft herausgegeben werden; der vor 6 Jahren in New York verstorbene Jakob H. Schiff hat der Gesellschaft das nette Sümmchen von 50.000 Dollar gestiftet, zum Zweck der Herausgabe dieser Sammlung von 25 ausgewählten Bänden aus den verschiedenen Epochen der nachbiblischen hebräischen Literatur, in sorgfältig durchgesehenem kritischen Text, mit danebenstehender englischer Uebersetzung, nebst Erläuterungen sprachlicher und sachlicher Natur. Vordem hatte Jakob H. Schiff durch die Hergäbe einer gleichen Summe die großartige jüdischamerikanische Bibelübersetzung ermöglicht, ein bewundernswürdiges Meisterwerk, das nur den einen Fehler hat: daß der hebräische Text nicht dabei ist. Das Bibelwerk wurde seinerzeit an dieser Stelle eingehend gewürdigt. Schreiber dieser Zeilen tadelte damals diesen Mangel in nachdrücklichen Worten. Jetzt entschuldigt sich die Gesellschaft deswegen: das sei nicht etwa in der Absicht geschehen, den hebräischen Urtext durch die englische Uebertragung zu ersetzen, sondern aus folgendem Grunde: das Bedürfnis von Seiten der englisch nach Wunsch ausfällt, sondern neue Zeugen und Beweise beibringen will. „Eure Bürde" — dies Wort soll sagen, daß jeglicher nachträglich, zu hause angelangt, gegen den Richter verärgert und erbost ist. „Eure Streiterei",. d. h. sie sind prozeß- und streitsüchtig, suchen geradezu Prozesse heraufzubeschwören. Wenn dem so ist, braucht es nicht wundernehmen, daß Moses gerne auf den Rat Jethros hie Gehilfen für die Rechtsprechung einsetzt, ja dem Volke solchen Vorschlag selbst unterbreitet. Aber in Wirklichkeit ist es nicht allein die wachsende Zahl des Volkes, dife die Bestreitung der Arbeit einem Menschen unmöglich macht, sondern weit mehr der zwar deutliche, aber unausgesprochene Wunsch, sich von einer Bürde zu befreien, die ihm dieses vermöge seiner Sinnes- und Charakterart so eigenartige Volk besonders drückend macht. Sehr feinsinnig haben unsere Alten aus der Antwort des Volkes: „Gut ist die Sache, die du uns vorgeschlagen hast" die geheimsten Gedanken und Wünsche der großen Maße herausgelesen. „Vielleicht erstehen uns Richter, die Bestechung annehmen" — so hätte, wie sie sagen, das Volk im stillen gedacht. Denn die strenge Gerechtigkeit und das absolut selbstlose Suchen nach dem Rechte, wie sie Moses eigen waren, kamen Israel gar nicht erwünscht Tm innersten Herzen rechneten sie wohl mehr auf etwas gefälligere, zugänglichere Richter, mit denen sich eher ein Wort reden läßt. Das, was zwar nicht ausgesprochen, aber doch gedacht wurde, war Moses nicht unbekannt. Darum hat er den neuernannten Richtern gleichsam als Amtseinführung und Arbeitsprogramm das sehr beherzigenswerte Wort eingeprägt: „schomoa ben achechem", „beide Parteien zu hören", oder wie dies Wort von den Erklärern ergänzt wird: „man höre nicht die eine Partei an. bevor die andere anwesend ist." Für Richter und Gericht ist dieses Wort von grundlegender Wichtigkeit, aber nicht minder für die zahllosen Richter, die sich täglich und stündlich überall zu Gericht setzen. Sie sind zwar weder gewählt noch berufen noch bestätigt, dafür aber um so eifriger in der Ausübung ihrer richterlichem Tätigkeit, die auch auf dem „schomoa

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