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Die Wahrheit · 1927-07-29 · Heft 31 (29.7.1927) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 31 (29.7.1927)
Date
1927-07-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Es wäre nun nicht schwer, gegen Einzelheiten dieser Auswahl Einwendungen zu erheben, manche Periode wäre vielleicht noch treffender durch andere Dokumente oder Darstellungen charakterisiert worden und vielleicht ist auch in parteiischer Uebertreibung beispielsweise die Lichtgestalt des Baalschem allzusehr auf Kosten des Wilnaer Gaon herausgestrichen — trotz alledem ist aber die Auswahl äußerst wirksam und darauf kommt es vor allem doch an. Niemand wird sich wohl eines tiefen Eindrucks erwehren können, wenn er das Kapitel „Einer heiligen Gemeinde Untergang" liest, und eine der wichtigsten Erscheinungen der jüdischen Geschichte, die Wandlung vom nationalen Patriotismus zum leise klagenden und ewig auf Erlösung hoffenden Weltjudentum ist am treffendsten durch die Kapitel „Der letzte Kampf" (Die Aufstände vor und unter Bar Kochba) und „Ein jüdisches Reich" (Die Chasarenbriefe) gezeichnet. Daß diese Publikation des Heine-Bundes auch die so mannhaft-edel für das Judentum eintretenden „Damaskusbriefe" Heines enthält, scheint mir ein besonders glücklicher Gedanke des Herausgebers und so verdiente dieses Büchlein, ein Hausbuch für jede gebildete jüdische Familie zu werden. K. M. Chaim Bloch, Lebenserinnerungen des Kabbalisten Vital. Wien 1927, Vernay. In erlesener Ausstattung beschert uns Chaim Bloch die neueste Frucht seiner unermüdlichen Schürfung nach Schätzen jüdischer Mystik. Diesmal veröffentlicht er in deutscher Uebersetzung das Tagebuch einer Größe der Kabbala. Bei der Bewertung solcher Werke ist nicht der Maßstab entscheidend, den rationelles Denken an sie legt. Gewiß streifen sie oft hart das Gebiet des religiösen Wahnsinns. Wichtig sind sie vielmehr als Dokument eines Volksglaubens, der in manchen Einzelheiten noch heute in gewissen Schichten, besonders der östlichen und orientalischen Judenheit, lebendig ist. Der ganze mystische Apparat, der in diesem Buche arbeitet, ist in unzähligen Schriften dargestellt und wird als ebenso zuverlässig betrachtet, wie irgend eine Anleitung zu einem physikalischen oder chemischen Experiment. Von apologetischem Gesichtspunkte aus sind solche Veröffentlichungen darum nützlich, weil sie, im Gegensatz zu den abergläubischen Vorstellungen und Praktiken anderer Kulturkreise, die völlige Ungefährlichkeit der okkulten Lehren dartun, die in das Judentum Eingang gefunden haben, aber von jüdischen Autoritäten, (Maimonides u. a.) strikte Ablehnung erfahren. Auf diese peripherischen Erscheinungen der jüdischen Volksseele hinzuweisen, ist ein Verdienst, das man dem Verfasser, wie wenigen, zuerkennen darf. Dr. G. H. Kutter, Das Bibelbuch Gottes für Groß und Klein, 2. Auflage, Basel 1925, C. F. Spittlers Nachf. Daß dieses Buch auf seinem Titelblatt den Vermerk „4.—6. Tausend" trägt, ist schon ein äußeres Merkmal für den Beifall, den die an Konfirmanden, gerichteten kernigen, hinreißenden Worte des Schweizer Pfarrers gefunden haben. Dem Verständnis seiner Schüler und Leser angemessen, behandelt er die wichtigsten Lebensfragen und im Zusammenhange damit naturgemäß auch Weltanschauungsprobleme. Nur zeigt er sich von seiner dogmatischen Einstellung so befangen, daß er dem Judentum nicht gerecht wird. „Seht, darum ist auch die jüdische Religion immer mehr in sich selbst erstarrt, bis sie vor lauter Bibelwissen und Bibelfrömmigkeit Jesus ans Kreuz schlug." Im übrigen verwirft er aber den Judenhaß und merkt nicht, wie er in seiner Gottesidee („das einzige Ich") und anderen Dingen ganz in den Spuren des Judentums wandelt, das er günstiger beurteilen würde wenn er es besser kennen lernte. M. SprachenpHege „Le Traducteur", französisch-deutsches Sprachlehr- und Unterhaltungsblatt. Wer sich sein bißchen Französisch retten oder dasselbe weiter ausgestalten will, der greife nach dieser textlich, illustrativ und auch technisch vorzüglich ausgestatteten Zeitschrift. Probeheft kostenlos durch den Verlag des „Traducteur" in La Chaux-de-Fonds (Schweiz). Ausgabe neuer Palästina-Briefmarken. Anfang Juni begannen die palästinensischen Postämter mit der Ausgabe der neuen Postmarken, die die Stelle der vor neun Jahren zuerst ausgegebenen überdruckten Postmarken der ägyptischen Verkehrsbehörde einnehmen werden. Die Aufschriften sind hebräisch, arabisch und englisch. Eine der Briefmarken zeigt das Bildnis des Rahel-Grabes. Oberkantor J. Rapaport in Wien. Donnerstag, den 21. d. M. fand zu Ehren des in Wien weilenden Oberkantors Jakob Rapa port, geschäftsführenden Vizepräsidenten der amerikanischen Kantorenvereinigung in New York, im Restaurant A. Barschak ein gemütlicher Abend statt, an dem alle in Wien weilenden Mitglieder des österreichischen Kantorenverbandes teilgenommen haben. Oberkantor I. Müller begrüßte in seiner Eigenschaft als Vizepräsident den hochgeschätzten Gast auf das herzlichste und benützte die Gelegenheit, um der amerikanischen Kollegenschaft für die tatkräftige Unterstützung, welche den östererichischen Kantoren in schwerster Zeit nach dem Zusammenbruch gewährt wurde, den herzlichsten Dank auch persönlich auszusprechen. Nachdem die Herren J. Grob und M. M a t y a s in überaus warmen Worten den Ehrengast gefeiert hatten, dankte Oberkantor Rapaport für alle ihm entgegengebrachten Ehrungen, die er nicht für seine Person, sondern nur als Vertreter der amerikanischen Kantorenschaft in Anspruch nehmen könne. In einer groß angelegten Rede schilderte er nun die gesellschaftliche Stellung und wirtschaftliche Lage der Kantoren jenseits des großen Wassers und charakterisierte die Verhältnisse zutreffend, indem er das amerikanische Kantorenwesen auf „Business", das europäische auf „Kowaud" aufgebaut bezeichnete. Wenn ein Kollege bei uns etwas kann, sagte Oberkantor Rapaport, dann wird er freilich von allen jüdischen Kreisen sehr geschätzt, welche Wertschätzung sich natürlich in Dollar umsetzt; aber eine solche stabile Stellung, wie sie der Kantor in den europäischen Gemeinden einnimmt, wo er. im Amte in Ehren ergraut, kann ein amerikanischer Kantor nur in den seltensten Fällen erreichen. Die Ausführungen des allseits gefeierten Gastes wurde mit großem Beifall aufgenommen und verlief der Abend in animiertester Stimmung. Auf Anregung des Kantor I. Grob wurde, um dem in Wien verstorbenen langjährigen Lemberger _ Oberkantor J. H. Halpern einen Grabstein stellen zu können, beschlossen, einen diesbezüglichen Fonds zu scharfen und widmete Herr Oberkantor Rapaport diesem Fonds einen größeren Betrag. Wohltätigkeits-Konzert. Der Jüdische Gesangsverein Graz hat unter Führung seines verdienstvollen Präsidenten Landes-Rabb. Prof. Dr. D. Herzog und seines Vizepräsidenten Alfred Mittler einen Ausflug in den bekannten und besonders von Juden sehr gern und zahlreich besuchten Kurort Gleichenberg unternommen, um dort ein Wohltätigkeitskonzert zu veranstalten. Wenn auch durch die ungenügende Vorbereitung der Veranstalter in Gleichenberg das materielle Ergebnis des Konzertes nicht aller Erwartung entsprochen hat, so war der künstlerische Erfolg ein über alles Erwarten großer. Das Konzert, welches im großen Saal des Hotel „Mailand" stattgefunden hat, wurde eingeleitet durch Gesangsvorträge des Fräuleins Grete Schwarz, die mit warmer, ausdrucksvoller Alt- ■HtlltMimMIIMISIMtHMlMIMMB 1 HOBELHAUS I S OSKAR OBLATT £ S Wien ll.9 Praterstrafie Nr. 52 S Telephon Nr. 46-1-34 und 47-0-34 S Kompl. Braiitausstattungaait S Hotelu. VlllenelnrlchtungeB S S lehr »IMg« Pwii« IltlllllMIMMIMMtMIMMNttMMB

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