Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 31 (29.7.1927)
- Date
- 1927-07-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Die Jüdischen Todesopfer des 15. und 16. Juli. Wer wollte sagen: es waren nur drei, wer brächte das Wörtchen „nur" über die Lippen, wo in dem „drei" allein schon unermeßlicher Jammer und nicht-enden-wollender Schmerz enthalten ist. Mag auch die Zahl der an dem entsetzlichen Unglück, das Wien betroffen hat, zum Opfer gefallenen Nichtjuden eine weit größere gewesen sein, angesichts der Majestät des Todes, der so furchtbare Ernte gehalten hat, versagt jede Mathematik und erschüttert stehen wir österreichischen Juden vor den Särgen aller Gefallenen vom 15. und 16. dieses Monats ohne Unterschied der Konfession. Daß die Wiener israelitische Kultusgemeinde ihre heilige Pflicht gegenüber unseren dem Aufruhr zum Opfer gefallenen Glaubensbrüdern in vollem Maße erfüllt hat, ist ja selbstverständlich; dennoch verdient es hervorgehoben zu werden, daß das Leichenbegängnis des einen Opfers, des Herrn Arthur K r e i s k y, Kaufmann, Rotenturmstraße 12, unter großer Beteiligung in würdigster Art und Weise auf dem jüdischen Friedhofe in einem Ehrengrabe stattgefunden hat, wobei Rabbiner Dr. G r u n w a 1 d eine wahrhaft erschütternde, die Herzen aller Anwesenden tief aufrüttelnde Rede hielt, während der Präsident der Kultusgemeinde, Prof. Dr. Alois Pick durch seine Anwesenheit dem Mitgefühl der ganzen Wiener Judenschaft Ausdruck verliehen hat. Möge angesichts des unendlichen Schmerzes, des grenzenlosen Unglücks, das wüste Verhetzung angerichtet hat, die Stimme des Friedens endlich in unserem schwer geprüften Lande gehört werden, mögen die Tränen der Eltern, die um ihre Kinder weinen, und die Tränen der Kinder, die vergossen werden, das Feuer des Hasses und der Rachsucht löschen, ehe unser ganzer Staat in Flammen aufgeht. Ritualmordmärchen. Der „Volkskampf" schrieb in einer seiner letzten Nummern: „Wie wir der „Königsberger Allgem. Ztg." entnehmen, ist es während der jüdischen Feiertage in dem Ort Janischki im Kreise Schauten zu einem Zwischenfall gekommen. Bei der jüdischen Synagogenschule versammelten sich eine Menge Katholiken und forderten Oeffnung derselben, da der Verdacht bestehe, daß die Juden ein christliches Kind dorthin gelockt und für Zwecke des Osterblutes zurückhielten. Es meldeten sich sogar Zeugen dafür. Schließlich griff die Polizei ein und verhinderte einen Sturm der Menge auf die Synagogenschule. — Soweit die Meldung. Offenbar hielt es die Polizei nicht für geboten, dem Grund der Erregung der Menge nachzugehen und durch eine Haussuchung in der Synagogenschule festzustellen, ob die Befürchtungen der Bevölkerung berechtigt sind oder nicht. Oder ist eine jüdische Synagogenschule etwa auch schon „exterritorial"? . . . Die „Union deutschösterreichischer Juden" ist der Meldung des Antisemitenblattes nachgegangen und hat in Erfahrung gebracht, daß nach einem ganzen Tage schweren Terrors gegen die jüdische Bevölkerung von Janischki, die dort ziemlich stark ist, bald wieder Beruhigung eintrat, da nirgends ein christliches Kind vermißt worden war. Nur der „Volkskampf" kann nicht Beruhigung eintreten lassen. Hätte auch er seiner eigenen Lügennachricht nachgeforscht, so wäre er draufgekommen, daß nichts los war. Das aber wieder hätte er doch seinen Lesern vorenthalten müssen, also Unterschlagung, deren bekanntlich nur Juden fähig sind. Janischki ist übrigens die Heimat Harry Domelas, des falschen Hohenzollernprinzen, deshalb wahrscheinlich auch die Falschmeldung. Fürstprimas Kardinal Johann Csernoch gestorben. In S k a 1 i t z, einem kleinen Städtchen an der ehemaligen mährisch-ungarischen Grenze, als Sohn einer armen Häuslerfamilie im Jahre 1852 geboren, lernte Johann Csernoch schon frühzeitig die Mühen und Sorgen des mährischungarischen Landjuden kennen und ihre tief^ Frömrni<rkeit und Gottesfürchtigkeit schätzen. Als junger Kaplan hat er zu manchen jüdischen Familien der Gegend freundliche Beziehungen unterhalten und war auch seinerseits wegen seines lauteren Wesens in jüdischen Kreisen sehr geachtet. Diese seine Vorurteilslosigkeit, ein Zeichen wahrhaft edler und menschenfreundlicher Gesinnung, begleitet ihn auf seinem Lebenswege bis zu der hohen Stufe, welche er erklommen hat. Und gerade da, als Fürstprimas von Ungarn, hatte er oft Gelegenheit genommen, dieser seiner vornehmen Gesinnung auch den Juden gegenüber wiederholt Ausdruck zu .verleihen. Mit Kardinal Csernoch verliert die katholische Kirche ihren hervorragendsten Repräsentanten in Ungarn^ dessen Ruf weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinausdrang, aber auch das ungarische Judentum betrauert in ihm einen Mann, dessen edle Gesinnung ihm Schutz und Trost in schwerster Not gewesen ist. Das Erdbeben in Palästina. Nach den übereinstimmenden Meldungen, welche aus vielen Teilen des Heiligen Landes eintreffen, ist die Erdbebenkatastrophe, von welcher Palästina heimgesucht wurde, glücklicherweise von keinen so schweren Folgen beeleitet gewesen, wie man dies auf Grund der ersten Schreckensnachrichten befürchtet hatte. Immerhin ist der Schaden, welchen das Erdbeben angerichtet hat, ein bedeutender und erscheint insbesondere auch das jüdische Aufbauwerk schwer geschädigt. Zahlreiche Hilfsaktionen für die Opfer des Unglücks wurden bereits eingeleitet. Unter anderem erließ der stellvertretende Oberkommissär für Palästina, Kolonel Symes, einen Appell, in welchem eine ausführliche Schilderung der katastrophalen Wirkungen des Bebens gegeben und um Spenden zur Linderung der Not ersucht wird. Auch werden die Bewohner Palästinas gebeten, sich an das Ausland um Mithilfe zu wenden. Die Schäden, heißt es in dem Appell, gehen in die Millionen, der Wiederaufbau werde zwei Jahre in Anspruch nehmen. Kolonel Symels dankt Nathan Straus für seine erste große Spende in der Höhe von 5000 Pfund, sowie der Pal äst ine Elect'-Jc Corporation, die 200 Pfund gespendet hat und erwähnte, daß die jüdischen Kolonien Petach Tikwah und Rechowoth die ersten waren, die Geld und Brot in die am schwersten betroffenen Gebiete gesandt haben. Kolonel Symes hat sich auf eine Tour durch alle betroffenen Gebiete begeben. Ein bemerkenswerter Beschluß der Preßburger israelitischen Religionsgemeinde. Die Preßburger israelitische Religionsgemeinde hat in ihrer letzten Sitzung den Beschluß gefaßt, die Orgel aus der Synagoge zu entfernen. Dieser in der Slowakei lebhaft kommentierte Beschluß ist auf die Initiative des Preßburger Gemeinderabbiners Dr. Samuel Funk zurückzuführen, der bereits seit 25 Jahren einen Kampf gegen die Orgel führt. Glerbet Abonnenten für „Die Rahrheit"! -ra Kestauraflon in Salzburg •«» Heraionn Kohn Wolfdletrlctisfraße Nr. 14 Mäßige Preise! naßige Preiset y Aussee orth. ^ItW Restaurant GOLDRERG „VILLA BERNINA" Einziges orthodoxes *"YE7S Restaurant im SAIZKANraEIIQIIT Saison Mal—Sept. Großer Speisesaal, Glasveranda, gute Küche, zivile Preise. Referenzen von hervorragenden rabbinischen Autoritäten.