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Die Wahrheit · 1927-07-29 · Heft 31 (29.7.1927) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 31 (29.7.1927)
Date
1927-07-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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die Wahrheit ifnnHiiniininininnninninniiinöiiiinnoHiiiiiuiuiiinuiisiniiiimi ^Wathwlkelten vom (Fadte/j^ Die Hetzer. Was immer in Oesterreich geschehen mag, was für Ereignisse auch immer sich hier abspielen mögen, auf alle Fälle muß gehetzt, geschürt und aufgereizt werden. Mögen auch noch so blutige, noch so furchtbare Geschehnisse den Hetzern die furchtbaren Folgen ihres Treibens mit erschreckender Deutlichkeit vor Augen führen, tut nichts: es wird weiter gehetzt. Gehetzt wird von links und von rechts, gehetzt wird in den Zeitungen und in Versammlungen, ohne Unterlaß und ohne Erbarmen, gehetzt wird von hakenkreuzlerischer ebenso wie von kommunistischer Seite, und da gibt es gewisse Organe wie die „Rote F a h n e", die ,.D e u t s c hösterreichische Tageszeitun g", die „Deutsche Arbeiterpress e", der „Volkskamp f", welche eigentlich nur von der Verhetzung ihr ruchloses Dasein fristen; denn die Hetze, das ist ihr ganzer Daseinszweck, die Hetze, sie füllt alle Spalten von der Ueberschrift bis zum unverantwortlichen Redakteur, die Hetze, das ist der Grund, weshalb diese Blätter überhaupt gedruckt, kolportiert und leider auch gekauft werden. Es kann daher nicht wundernehmen, daß gerade die traurigen Ereignisse vom 15. und 16. Juli von den hakenkreuzlerischen und antisemitischen Blättern zum Anlaß genommen wurden, um eine wüste Pogromhetze zu entfalten, offenbar deshalb, weil sie in der allgemeinen Erregung der Gemüter einen günstigen Nährboden für die Drachensaat erblickten, welche sie auszustreuen im Begriffe waren. Allen voran die „D e u t s c hösterreichische Tageszeitun g". welche, ebenso wie der sehr schonend zensurierte „VolkskamDf", die Vorfälle vom 15. und 16. Juli als „Judas Werk" hinstellt und auf der Suche nach einem Sündenbock für die furchtbaren Geschehnisse die Juden für alles verantwortlich macht. Als sich das Blatt in seiner geradezu besinnungslosen Wut sogar so weit verstieg, auch in dem Verhalten der Polizei gewissermaßen „Judas Werk" zu erblicken und den Chef der Staatspolizei Hofrat Dr. Po 11 ak beschuldigte, aus „jüdischen Gründen" ein energisches Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten verhindert zu haben, da ist auch der österreichischen Behörde, die sich bisher von Seiten dieses Blattes mehr als zuviel hat bieten lassen, endlich die Geduld gerissen, und der Pressestaatsanwalt hat gegen das Blatt das Strafverfahren eingeleitet. Wenn aber nicht ein grundlegender Wandel in der Handhabung des österreichischen Preßgesetzes gegenüber den journalistischen Volksverhetzern endlich Platz greift, dann könnte man auf Grund eines Analogieschlusses den Ausgang auch dieses Prozesses fast mit Sicherheit vorhersagen: Angeklagter erklärt, die inkriminierte Stelle zwar nicht gelesen zu haben, jedoch den Wahrheits- (lies: Freiheits-)beweis antreten zu wollen; mißglückter Wahrheitsbeweis:» mildernde Umstände, 10 'Schilling Geldstrafe, bedingt mit dreijähriger Bewährungsfrist. Und dann wird bedenkenlos weitergehetzt werden. Die Wahlen zum 15. Zionistenkongreß. Auch für jene Juden, welche den Zionismus als politische Bewegung ablehnen und nur aus religiösen oder kulturell-humanitären Gründen den Wiederaufbau Palästinas wünschen, müssen die Vorgänge, welche sich anläßlich der Wahlen zum 15. Zionistenkongreß in Basel innerhalb des p olitischen Zionismus abspielen, den Gegenstand lebhaften Interesses bilden; werfen sie doch ein deutlicheres Licht auf die Stimmungen und Strömungen, welche unter den Anhängern der zionistischen, bzw. jüdischnationalen Parteien herrschen, als die Debatten und Abstimmungen in der gedämpften Atmosphäre des Kongreßsaales. So z. B. kann der österreichische Jud_e, wofern er den internen Vorgängen im österreichischen Zionismus sein Augenmerk zuwendet, höchst Seite 11 merkwürdige Dinge feststellen. Dinge, welche auf die Organisation und den Aufbau nicht nur des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich, sondern der ganzen zionistischen Weltorganisation ein bezeichnendes Licht werfen. Für die am Dienstag, den 9. August, stattfindende Wahl der Kongreßdelegierten wurden bei der zionistischen Hauptwahl- Kommission die Wahlvorschläge überreicht. Unter den Kandidaturen verdienen vor allem zwei das besondere Interesse: die des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim W e i z m a n n, welcher von den Anhängerin der Jewish Agency aufgestellt wurde, und die des Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich, Dr. Leo Qoldhammer. der der Listenführer des Klubs der radikalen Zionisten ist. So gewiß es auch ist, daß die Symnathien weiter zionistischer Kreise sich auf Seiten des unermüdlichen Vorkämpfers für die Zusammenarbeit aller palästinafreundlichen Juden, des verdienstvollen und in den weitesten jüdischen Kreisen geschätzten Präsidenten Dr. Weizmann befinden, ebenso gewiß ist es, daß viele österreichische Zionisten infolge ihrer intensiven Bearbeitung von radikal-zionistischer Seite ihren auf Vernichtung des Ausgleichs- und Versöhnungswerkes, das Dr. Weizmann eingeleitet hat, gerichteten Tendenzen durch Wahl eines radikalen Zionisten Ausdruck verleihen werden. Nun aber ist dieser „radikale Zionist" merkwürdigerweise gerade der Präsident des österreichischen zionistischen Landeskomitees, so daß sich Dr. Weizmann und Doktor Goldhammer, Weltorganisation und Landeskomitee im Wahlkampfe gegenüberstehen. Alle Versuche, welche das Wiener zionistische Organ unternimmt, die Aufstellung gerade des Dr. Goldhammer als Gegenkandidaten des Dr. Weizmann zu rechtfertigen, scheitern an der Tatsache, daß, wie immer die Wahlen ausgehen mögen, die Konsequenzen für das Landeskomitee recht bedenkliche werden müssen. Wir können daher die Ansicht eines sich selbst als „objektiv" bezeichnenden Beobachters, Dr. Siegfried Schmitz, unterschreiben, der in einem Artikel in der „Morgenzeitung" zugibt, „daß ein solcher Wahlkampf unbedingt üble Konsequenzen haben und Zustände zeitigen muß, wie sie vor dem vierzehnten Zionistenkongreß in Oesterreich vorhanden waren. Unterliegt in solchem Wahlkampf der Präsident der österreichischen Landesorganisation, so sind die Konsequenzen aus dieser Wahlniederlage unvermeidlich. Wird Dr. Goldhammer gewählt, so ergibt die Wahlniederlage des Präsidenten der zionistischen Weltorganisation eine ganz unmögliche Situation, die vor allem organisatorisch von schädlichem Einfluß ist. Die dritte Möglichkeit, daß nämlich beide Kandidaten durchdringen, schafft einen für die österreichische Organisation ebenso schädlichen Zustand. Denn der Präsident der österreichischen Landesorganisation wird nach außen hin immer der Gegner des Präsidenten Weizmann bleiben, der gegen ihn aufgetreten ist." Wenn Dr. Schmitz aber die „Schuldfrage" aufwirft, dann müssen wir ihm entschieden Unrecht geben, wenn er die Kandidatur W e i z m a n n s als nur für den Zweck aufgestellt erachtet, um der Opposition (also vor allem den radikalen Zionisten) die Erlangung eines Mandates unmöglich zu machen; denn abgesehen davon, daß ja zwei Mandate für Oesterreich zu vergeben sind, könnte derselbe Vorwurf mit genau demselben RpcMe v^n den Anhängern der iüdischpn Verständigung den radikalen Zionisten gemacht werden. Wir die wir den politischen Zionismus ebenso ablehnen wie jeden jüdischen Nationalismus, wollen zunächst als Unbeteiligte dem Kampf der Meinungen innerhalb des Zionismus, der leider zu einem persönlichen Kampfe ausgeartet ist, gegenüberstehen und aus seinen Ergebnissen dann die für uns notwendige Konsequenzen ziehen. Daß wir die Verständigung wünschen, braucht nicht betont zu werden. Die Frage ist nur, ob sie auch von den anderen gewünscht wird. Und darum handelt es sich gerade in diesem Wahlkampfe. MgggLFABJl|K SIGM« WIEN, 2. BEZ., PRA TERSTRASSE NR. 30 Reiche Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigsten Preisen FERNSPRE CH-N UM M E R 45-1-91 PPENHEIM

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