Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 31 (29.7.1927)
- Date
- 1927-07-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT IBIIII UHU Seite 5 erscheinen zu lassen, ist verpaßt worden. Das war nämlich eine Arbeit von jener Art, die nur in Deutschland gemacht zu werden pflegt. Um auf unwiderlegliche, juristisch unanfechtbare Weise darzutun, daß man es hier mit einer Fälschung zu tun hat, mußte man sich mit unendlicher Geduld und Selbstüberwindung in den Stoff vertiefen, man mußte die „Protokolle" im „Lichte der Ereignisse in Europa und Rußland zwischen 1897 und 1905" aufmerksam lesen und außerdem einerseits die Geschichte der judenfeindlichen Anklagen während des neunzehnten Jahrhunderts und anderseits die politische Geschichte Europas in den letzten hundert Jahren im Auge behalten. Es ist dies eine mühselige und verwickelte Arbeit, der Gegenstand ist überdies, namentlich für einen Juden, überaus widerwärtig und quälend. Gleichwohl mußte die Arbeit getan werden. Sie hat zutage gefördert, daß die Protokolle nicht im Jahre 1897 von Theodor Herzl in Basel vor irgend welchen Weisen von Zion vorgetragen werden konnten, denn sie sind im Herbst 1905 von der russischen Ochrana in Petersburg verfaßt worden zu dem Zweck, den Zaren Nikolaus gegen die damalige Revolution scharf zu machen. Diese Arbeit hat das ganze Getriebe restlos aufgedeckt, und zwar nicht mittels Beweisen, die von außen herbeigeholt sind, sondern dem Text des Nilus selber entnommen sind. Die Leser dieses Blattes kennen die hier veröffentlichten Briefe, die eine stattliche Reihe der ersten deutschen Gelehrten an den Verfasser über sein Buch geschrieben haben. Alle bekunden, daß sie von der Unechtheit der Protokolle restlos überzeugt wurden und nunmehr dieses Dokument für vollkommen abgetan halten. Kurz nach dem Erscheinen des Buches kamen vertrauliche Nachrichten aus Paris und London, daß die Oberhäupter der antisemitischen Propaganda ihren Organen empfohlen hatten, fortab die „jüdische Weltverschwörung" mehr auf andere Beweise zu stützen und die Protokolle weniger ins Treffen zu führen .... Die deutschen Hakenkreuzler beschimpften den Verfasser ausgiebig — von Widerlegung seiner Argumente war natürlich keine Rede — drohten unaufhörlich, ihn wegen Ehrenbeleidigung zu klagen (er hatte ihnen ja reichlich Anlaß dazu gegeben), taten aber bis zur Stunde nichts dergleichen. Indessen fuhren Paris und London fort, dicke und dünne Weltverschwörungsbücher in die Welt hinauszusenden, nur waren die Protokolle hier ganz in den Hintergrund getreten. Doch' Henry Fords Werkstätte arbeitete unentwegt mit den Protokollen weiter, als wäre nichts geschehen. Wir in Deutschland hatten gleich zu Beginn eine Verständigung mit Paris, London und New York zwecks gemeinsamer Bekämpfung des Protokollglaubens gesucht. Aber so unglaublich es klingt, man scheute sich dort lange, dem „Feind" aus dem Weltkriege die Hand zu reichen. Die Antisemiten hatten solche Bedenken nicht. Mgr. Jouin und der Herl zur Beek, die beiden Erbfeinde, sprachen in ihren respektiven Protokollbüchern mit großer Herzlichkeit und Bewunderung von einander und teilten sich gegenseitig ihre „Erkenntnisse" mit, kurz, sie lagen einander in den Armen .... Wir fühlten insbesondere den Schaden, den Henry Fords Propaganda anrichtete; dabei hatte jeder das Gefühl, daß dieser Mann von einer Kamarilla irregeführt war, die seine gutmütige Naivität in allen nicht rein geschäftlichen Dingen zu ihren Zwecken ausnützte. Wir hatten sichere Kunde, daß sein deutscher Sekretär, Doktor August Müller, ein ehemaliger völkischer Student, die ganze antisemitische Propaganda leitete. Wir wandten uns an das American J e w i s h Comittee, an die Anti Deffamation League, an einzelne hervorragende Persönlichkeiten, boten ihnen unser Material an und regten an, man solle es in der amerikanischen Presse veröffentlichen und persönlich an Ford herantreten, um ihn zu überzeugen, damit wenigstens seiner Propaganda ein Ziel gesetzt werde. Allein im ganzen Westen hatte man sich auf den Standpunkt gestellt, das beste wäre, nicht davon zu sprechen, wir Juden dürften nicht anfangen, sonst weckten wir den Verdacht, daß „wirklich etwas daran sei." Nun, wer die Geschichte des Antisemitismus, besonders in seinen Anfängen, kennt, der weiß, wie viel Unheil diese Vogel-Strauß-Politik angerichtet hat. „Wir" sprachen zwar nicht davon, aber die anderen taten es um so ausgiebiger. Zwar schrieben uns die Amerikaner, daß sie sich aus Ford nichts machten, aber in den amerikanisch-jüdischen Zeitungen hörte man nicht auf, ihn zu bekämpfen, aber mit Mitteln, die wir in Europa nicht anzuwenden pflegen, weil sie nicht überzeugen, sondern die Verbitterung und den Haß nur noch steigern: man wühlte in seinen Privatverhältnissen herum oder man strengte gegen ihn Ehrenbeleidigungsprozesse an, verschmähte es aber grundsätzlich, sich mit dem Kern der Frage zu befassen. Es ist selbstverständlich, daß seine Sekretäre dies nur dazu benützten, um ihn in seiner Ueberzeugung von der Verwerflichkeit und Unverbesserlichkeit der Juden zu bestärken und seine Verbitterung zu mehren. Eine in Brooklyn lebende jüdische Dame, die die Verhältnisse kannte, wies nun auf A r t u r Brisbane hin. durch dessen Vermittlung Henry Ford von der Wahrheit überzeugt werden konnte. Dieser Weg wurde beschritten und das Ergebnis war gut. Das ungeheure Aufheben, das die amerikanischen Juden aus Fords Bekehrung machen, beweist, wie schmerzlich sie, ohne es sich1 zu gestehen, seine Propaganda empfanden .... Aufrichtigen Dank verdient Artur Brisbane. Daß er nicht früher für die Wahrheit eintrat, ist nicht seine Schuld .... Jüdische Frauenideale. (Fortsetzung.) Das war gute alte Tradition. Sie lebt zum Beispiel in dem Testament der Frankfurter Jüdin Ryke vom 9. November 1470 zugunsten ihres Enkels Isak. (Aus dem Mittelhochdeutschen ins Original hier übersetzt): „Ich, Ryke, Jüdin, wohnhaft zu Frankfurt, bekenne öffentlich mit dieser Urkunde: Da ich jetzt schwachen Leibes und doch guter Vernunft bin, habe ich bedacht und mir vor Augen gehalten das Scheiden von dieser Welt. Und nachdem ich einen noch nicht erzogenen Enkel, genannt Isak, am Leben habe, der nicht so verständig und gewandt ist das Seine, das ich ihm nach meinem Heimgänge hinterlassen werde, zu seinem Nutzen und Besten gebrauchen und verwalten zu können, habe ich den Wunsch und demgemäß die wohlbedachte Verfügung getroffen, daß, sobald ich vom Tode