Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 31 (29.7.1927)
- Date
- 1927-07-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4!<illillliiiiiiili'!ii'itii!iiiiiiw öl #DIE WAHRHEIT von Haß und mittelalterlichen Vorurteilen, eine rohe Verleumdung von drei Millionen Amerikanern. Die Verlagsanstalt antwortet mit größter Hochachtung und Herzlichkeit, betont aber, daß gerade die unbegrenzte Rede- und Gedankenfreiheit eines der heiligsten amerikanischen Ideale sei, und erklärt sich bereit, eine ausführliche Monographie aus Marshalls Feder zu veröffentlichen, in der die Unechtheit der „Protokolle" nachgewiesen und das Märchen vom Zusammenhang des Judentums mit dem Bolschewismus widerlegt werden solle. Es entspinnt sich eine lange Korrespondenz. Schließlich läßt sich Major Putnam aus Freundschaft zu Marshall und Straus bewegen, das bereits fertig gedruckte Buch zurückzuziehen „obwohl er schon bedeutende Summen darin hineingesteckt hatte." Die Sache kommt in die Zeitungen und Fords Blatt triumphiert. Hätten die Juden nichts zu verbergen, sie würden natürlich das Buch nicht unterdrückt haben, sie liefern nur den Beweis zu der Behauptung des Nilus, daß die ersten russischen Auflagen der „Protokolle" von den Juden insgesamt aufgekauft und vernichtet wurden, daß der „Jude Kerensky" eine Ausgabe von 1917 in Petersburg verbrennen ließ. Die beiden anderen englischen Ausgaben werden im Nu vergriffen. Die Nachfrage nach Protokoll-Literatur wächst ins Ungemessene. „Es wird schon etwas dran sein . . ." munkeln selbst die Besonnenen. In London hatte man einen noch schwereren Fehler begangen. Hier waren die Protokolle bei Eyre & Spottiswoode erschienen, einer der ernstesten Firmen, welche die von der Regierung herausgegebenen offiziellen juridischen Handbücher und Gesetzessammlungen verlegt und überdies auch die amtlichen Publikationen der jüdischen Gemeinde (Bibeln, Gebetbücher usw.). Ein großer Lärm erhob sich und die jüdische Gemeinde verwendete sich dafür, daß der Verlag das Buch niederlegte. Auf der Stelle wurde es von der neuentstandenen Organisation der „Britons" aufgenommen, mit einer neuen Einleitung und einem Nachwort herausgegeben und das „von den Juden so grimmig verfolgte Buch" fand reißenden Absatz. Auf solche wirksame Mitarbeit der Juden hatten die Antisemiten wahrlich nicht gerechnet. Man kann sich nämlich nichts Naiveres denken als die Meinung, man könnte den Antisemitismus aus der Welt schaffen, indem man künstlich verhindert, daß seine Aeußerungen in die Oeffentlichkeit kommen. Zunächst kann das nie gelingen und alle Versuche vierschaffen den Antisemiten nur eine billige Aureole des Martyriums, sie verstärken nur den Verdacht, daß die Juden Geheimnisse haben, die sie mit aller Macht zu verbergen bemüht sind. Da sieht man ja, rufen die Feinde, welche Mittel die Juden anwenden, um die Wahrheit zu verschleiern. Im breiten Publikum aller Länder, von den unteren Schichten bis zu den Höchstgebildeten, wurde dadurch nur der Glaube an die Echtheit der Protokolle gestärkt. Die antisemitischen Zeitungen aller Länder wiederholten nun immerzu: „Wenn die Protokolle gefälscht sind, warum beweisen denn die Juden das nicht?" Es fehlte natürlich nicht an Bemühungen in dieser Richtung, aber auch diese waren am falschen Ende angefaßt. Es war nämlich ein eigen Ding um diese Protokolle. Jeder unbefangene Nichtjude, der sie las, mußte sich sagen: „Diese Dokumente scheinen sehr verdächtig." Aber in diesen Zeiten waren die Unbefangenen höchst selten. Dem jüdischen Leser stieg bei der Lektüre der Zorn zu Kopfe, er kämpfte zwischen Lachen und Weinen. „Das ist ja alles heller Wahnsinn, wer kann das glauben? Das ist ja die unverschämteste Fälschung!" Aber eine halbe Welt glaubte es, es glaubten es die „Times", es glaubte es der Papst, es glaubten es unzählige gelehrte Professoren, Führer großer politischer Parteien, Botschafter, Generäle und — der weltberühmte Automobil- und Dollarkönig, der größte Industrielle und Geldmacher seiner Zeit, der einen ganzen Stab von Beamten besoldete, um diesen Glauben in der Welt zu verbreiten, und in seiner Lebensbeschreibung, die in alle Sprachen übersetzt und von Millionen mit gläubiger Bewunderung verschlungen wurde, stand ein furchtbares Kapitel über die Judenfrage, das dem „Internationalen Juden" entnommen sein konnte . . . Hat man nicht Jahrhunderte lang geglaubt, daß die Juden geweihte Hostien marterten um heiliges Blut aus ihnen zu gewinnen und daß sie laut den Vorschriften ihrer Religion zu Ostern ein Christenkindlein schlachteten, um sein Blut in die Mazza zu kneten? .. Wie sollte die Unechtheit der,, Protokolle" erwiesen werden? Da meldeten sich zwei Damen und ein Herr, die versicherten, Nilus gekannt und zwischen 1904 und 1905 das Manuskript in seinen Händen gesehen zu haben. Allein das bewies, natürlich nichts und überdies verstrickten sich die drei Zeugen in Widersprüche und es wurde offenbar, daß sie nur auf klingenden Lohn von Seiten der Juden spekuliert hatten .... Noch 1925 gibt der russische General Njetschwolodow in französischer Sprache, offenbar auf Fords Kosten, ein dickes Buch heraus, in welchem er triumphierend diesen mißlungenen Zeugenbeweis breittritt. Man entdeckt das Büchlein von Maurice Joly, aus dem die Verfasser der Protokolle vieles abgeschrieben haben müssen. Das ficht die Gläubigen weiter nicht an, auch dieses Plagiat haben natürlich die „Weisen von Zion" verübt, gleich wie die schon bekannten aus Machiavelli und Pobjedonoszew. Der Glaube an die „Echtheit" der Protokolle, nämlich daran, daß sie der von den Juden verfaßte Plan der Welteroberung seien, von Theodor Herzl 1897 zu Basel vorgetragen, blieb unerschüttert. Das American Jewish Commitee ließ es indes bei der oben erwähnten Korrespondenz nicht bewenden. Angesichts der Wichtigkeit der Sache für alle Juden, lud es die größten jüdischen Körperschaften in den Vereinigten Staaten zu einer gemeinsamen Aktion ein: die drei Rabbinerverbände der Reformer, Konservativen und Orthodoxen, der Orden B'nei Berit h, der American Jewish Congress, die Zionistische Organisation und andere Vereinigungen sollten gemeinsam die Sache in die Hand nehmen und „im Namen der amerikanischen Judenheit dem amerikanischen Volke die Antwort auf diese Angriffe und Verleumdungen geben." Diese Arbeit ist bis heute nicht geleistet worden. Die unvergleichliche Gelegenheit, bei einer der berühmtesten amerikanischen Weltfirmen eine Entlarvung und Erledigung der Protokolle