Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 30 (22.7.1927)
- Date
- 1927-07-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Dtß WAHRHEIT Seite 13 QS ..............-.................................:...............-------—---------------\. Q (fgkeutez,Mui*stu.£ite*atifiT >? _________.____________...____ Das Jüdische Buch. Von einem jüdischen Verleger wird der C. V.-Zeitung geschrieben: Es ist eine unbestrittene Tatsache, daß das jüdische Publikum einen großen Teil der deutschen Bucherkäufer stellt; das entspricht nicht nur dem Anteil, den das Judentum in schöpferischer Beziehung an der deutschen Literatur hat, sondern auch seinem Anteil an der Verbreitung ihrer Erzeugnisse, den es durch regen Kauf bekundet. Aber allen unseren Glaubensgenossen müssen wir gerade im Hinblick auf die Förderung, die sie dem deutschen Schrifttum angedeihen lassen, eindringlich zurufen: Vergeßt darüber das jüdische Buch nicht! So manche Autoren und Verleger erfahren, wie gering das Interesse am jüdischen Buche trotz des frischen Zuges, der jetzt durch das jüdische Lager geht, ist, wie Bücher, die einer großen Verbreitung wert und würdig sind, kümmerlich im Verborgenen dahinschlummern. Kein Wunder, da sich ein gewisser, sehr beachtlicher Teil des Sortimentsbuchhandels den Erscheinungen jüdischer Verleger und Verlage oder den der Sache des Judentums dienenden Schriften fast völlig ablehnend verhält. Aber nicht ihn allein darf man dafür verantwortlich machen, — es ist das Judentum selbst, das diesen unausgesprochenen Boykott durch seine Gleichgültigkeit fördert. Man verfolge im übrigen auch, wie spärlich Besprechungen jüdischer Bücher in der angeblich verjudeten deutschen Presse erscheinen, wie selbst in den als Judenblättern so falsch „gebrandmarkten'* großen Tageszeitungen für jüdische Angelegenheiten sehr, sehr wenig Raum frei ist. Darum nochmals: Vergeßt das jüdische Buch nicht, ob es sich um die eigene Bibliothek handelt oder um ein Geschenk! Denkt daran, daß wir eine reichhaltige jüdische Literatur haben, darunter auch sehr wertvolle, in hohem Maße auch vorwiegend für unsere christlichen Mitbürger bestimmten Aufklärungsliteratur, der nur eines fehlt: daß sie mehr gekauft wird! Fordert sie bei eurem Buchhändler, der sich für sie allmählich auch etwas verwenden wird, wenn er merkt, daß seine Kundschaft darnach begehrt. Wir wissen, daß die Literatur aus dem gegnerischen Lager große Verbreitung findet und viel Unheil stiftet. Sollte das Judentum sich daher nicht erst recht auf sein Schrifttum besinnen? Wir sprechen in diesem Zusammenhang nicht etwa von wissenschaftlicher oder theologischer Literatur; nein, alle Arten sind vertreten und kein Buchhändler wird in Verlegenheit geraten, Vorschläge zu machen, wenn die eigene Kenntnis der jüdischen Literatur — wie oft hört man diesen Klageruf von Kanzel- und Versämmlungsrednern! — unzureichend sein sollte. Für jeden Juden liegt hier auch eine ernste moralische Pflicht vor. Gewiß — er soll, er muß weite? das deutsche Buch kaufen; er lebt im deutschen Volk und seine Literatur ist auch seine eigene; aber er darf das jüdische nicht ausschalten. Insbesondere bei jüdischen festlichen Gelegenheiten, bei den Barmizwoth, am Chanukkatage soll er daran denken. 'Bedarf es angesichts der erschreckend hohen Auflagenziffern juderifeindlicher Schriften noch eines Beweises, wie schwach es noch trotz aller hochzuwertenden Arbeit des P h i 1 o - V e r- 1 a g e s um die Verbreitung unserer Aufklärungsliteratur bestellt ist, wie achtlos wir unsere geistigen Waffen liegen lassen, während der Gegner die seinigen planmäßig und zielbewußt zu nutzen versteht. Unsere Aufklärungsliteratur müßte in vielen H u n d e r 11 a u s e n d e n in die Lande flattern: sie würde auch den zahlreichen Versammlungen und Vorträgen, die der Aufklärung dienen, glänzende Vorspanndienste leisten! Ich richte dahen den dringenden Mahnruf an unsere Glaubensgenossen: Zeigt mehr Interesse für unser Schrifttum, verfolgt unsere Neuerscheinungen und streut sie unter die Massen, denn diese müssen ja in erster Linie von dem Gift antisemitischer Gesinnung befreit werden, — was ohne Aufklärung nie gelingen kann. Dieser zeitgemäße Mähnruf hat auch für österreichische Verhältnisse seine Gültigkeit. Vom „Ethos", dieser vortrefflichen Zweimonatsschrift für Soziologie, Geschichts- und Kulturphilosophie (G. Braun. Karlsruhe i. B.), ist das 2. Heft dieses Jahres mit Beiträgen von Schering (Gestalttheorie und Soziologie)), Lehmann (Zur Philosophie des Kcllektivbewußtseins), Horten (Intentionalität und geistige Atmosphäre der Kultur), Arens (Zur Soziologie und Kulturpsychologie der Baukunst) u. a. ebenso als Fundgrube von Belehrung und Anregung zu begrüßen, wie das erste, auf das wir hier noch zurückzukommen gedenken und das allein schon durch die Darstellung amerikanischer Kultur einen nachhaltigen Eindruck auf jeden Leser hinterlassen haben muß. Diesmal werden wir von Lehmann auf eine neue Bahn zur Aussöhnung des vieldurchdachten Gegensatzes zwischen Persönlichkeit und Kollektivum im Weltgrunde geleitet. Horten lehrt uns die Mystik des Orients wie überhaupt fremde Kulturen richtig erfassen. Arens bietet einen Leitfaden durch ältere und moderne Theorien der Baukunst, wobei, wie auch sonst in diesem Hefte, die Arbeit österreichischer Forscher besondere Würdigung findet. Dem jüdischen Leser wird zunächst eine anerkennende Besprechung des Dubnow'schen Geschichtswerkes ins Auge fallen. Der Kunstverlag Wohlgemut & Lissner, Berlin, gibt eine Serie von Ansichtskarten, „bilder zur biblischen Geschichte", heraus, von der die zwei alttestamentarischen Folgen (die Mappe mit 6 Karten Mk. 1.50) allen Eltern und Religionslehrern auf das Angelegentlichste empfohlen werden können. L. S. Bernhardt. Der Lebensabend Sarah Bernhardt's, Merlin-Verlag, Heidelberg. Dieses farbenprächtige mit Liebe gezeichnete Bild der gefeierten Künstlerin zeigt uns eine ungewöhnliche Begabung im Kampfe mit mächtigen Widerständen, zuletzt die große Tragödin in der Tragik des Krüppeltums. Zu ergänzen wäre diese Skizze durch den Hinweis auf ihre Pietät gegen die Mutter. War sie auch schon als Kind katholisch geworden, so lebte doch, wie sie Besuchern gelegentlich bekannte, der Glaube der Mutter in ihrem Herzen, und ein jüdisches Gebetbuch, das sie von ihr geerbt hatte, galt ihr als Heiligtum. Im Philo-Verlag» Berlin, erschienen: Beermann. Unser Judentum. Ein dünnes, kleines Heftchen von einigen 40 Seiten, aber zur Belehrung nach innen wie zur Aufklärung nach außen wohl geeignet. Rosin. Die Juden in der Medizin. Eine Uebersicht über die oft behandelten, aber noch lange nicht hinreichend gewürdigten Leistungen jüdischer Aerzte, wozu in einem Anhange ein Hinweis auf manchen Träger des Hakenkreuzes nachgetragen werden könnte, der jüdischem Lehrer und jüdischer Hilfe seine Geltung und Stellung verdankt. Fei. Coblenz. Predigten. Ein Immortellenkranz, der reiche Begabung des schon aus früheren Predigtensammlungen weiteren Kreisen bekanntgewordenen Kanzelredners in voller Reife zeigt. Die Behandlung aktueller Themen (wie Spengler) und Ausbeute einer weitgreifenden Belesenheit erhöhen den Wert des Buches. Fr. Rosenzweig, Zwei-Strom-Land. Wenn Aufsätze, die, zum großen Teil in vielgelesenen jüdischen Zeitschriften bereits erschienen sind, kurze Zeit darauf vom Philo-Verlag gesammelt herausgegeben werden, so muß er ihnen eine über ein beschränktes Zeitmaß hinaus reichende Bedeutung zuerkennen. Wer sich nun in ihre, schon durch glänzenden Vortrag ansprechende Lektüre vertieft, wird einer solchen auszeichnenden Behandlung eines jüngeren Schriftstellers zustimmen. Hier ist einer, der etwas zu sagen hat. Deshalb verstehen wir es auch, wenn eine aus dem Rahmen jüdischer Belange fallende geschichtsphilosophische Arbeit mit aufgenommen wurde. Sie trägt dazu bei, mit der geistigen Physiognomie des Verfassers in weiterem Ausmaß bekannt zu machen. Ernste Fragen, die uns Juden der Gegenwart angehen, werden mit Ernst, Gründlichkeit und Urteilsreife behandelt. Zahlreiche Erlebnisse des Verfassers oder ihm Bekannter, anekdotenhaft eingestreut, beleben in ihrer bunten Blütenfrische die Strenge des Gedankenganges. Dr. G. H. Bechhold: Handlexikon der Naturwissenschaften und Medizin, 2 Bde, M. 32.—. Bechhold-Verlag Frankfurt a. M. Dieses einzigartige Werk gibt dem Fachmann und dem Laien in 80.000 Artikeln Auskunft über so ziemlich alles aus Natur- und Heilwissenschaft. Zahlreiche schematische Abbildungen __im Text ergänzen dieses herrliche Werk auf das beste. R-n. Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkengaSSe 24 Tel. 48-4-79 *Br Kullusbctamte und Verelnsfunktlenäre gegen Legitimation 10% NachlaB wen das lai Schaufenster meiner Niederlage II., TaborstraBe 44 ersichtlichen Ve Verkaufspreisen