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Die Wahrheit · 1927-07-22 · Heft 30 (22.7.1927) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 30 (22.7.1927)
Date
1927-07-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 DIE WAHRHEIT Vom Woefke zu Wodte )§ Regierungsrat Dr. Salomon Krenberger. Der Bundespräsident hat dem langjährigen Direktor des israelitischen Taubstummeninstitutes in Wien, Dr. Salomon Krenberger, den Titel eines Regierungsrates verliehen. Die Berliner Repräsentantenwahlen bestätigt. Der Polizeipräsident von Berlin hat dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde mitgeteilt, daß er „nach erneuter Nachprüfung der Ergebnisse der am 16. Mai vorigen Jahres stattgefundenen Wahl zur Repräsentantenversammlung durch die vereinigten Wahlausschüsse nunmehr gegen das Wahlverfahren Anstände nicht zu erheben hat." Nach diesem Bescheid steht der Konstituierung der neuen Repräsentantenversammlung nichts mehr im Wege. Wie verlautet, werden jedoch Konstituierung und Vorstandswahl jetzt in den Ferienmonaten, da viele Repräsentanten nicht in Berlin weilen, nicht vorgnommen werden. Man wird sich bemühen, eine formale Sitzung der neuen Repräsentantenversammlung, eine sogenannte Verpflichtungsversammlung stattfinden zu lassen, wenn die notwendige Teilnehmerzahl von mindestens 11 Repräsentanten zustandegebracht werden wird. Die neue Repräsentantenversammlung wird folgende Zusammensetzung aufweisen: 10 Liberale, 7 Volksparteiler, 2 Mittelparteiler, 1 Konservativer, 1 Poale Zionist Als Liberale gehören der Repräsentantenversammlung an: Rechtsanwalt Heinrich Stern, Frau Bertha Falkenberg, Prof. Moritz Türk, Moritz Rosenthal, Wilhelm Marcus, Rechtsanwalt Dr. J. L. Seligsohn, Emil Pincus, Studiendirektor Doktor Josef Gutmann, Dr. S. London und der an Stelle des verstorbenen Justizrates Hugo Sonnenfeld in der Liste aufrückende Stadtrat Herzberg. Der Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk, XVI., Wurlitzergasse 11, hat in den 27 Jahren seines Bestandes Tausende und Tausende armer hungernder Schulkinder und in den letzten Jahren auch, der Not Rechnung tragend, darbende Greise (Männer und Frauen) ausgespeist Die Not, die an die Tore des Vereinshauses pochte, wurde immer größer, die Einkünfte des Vereines, bedingt durch den Abbau der privaten Wohltätigkeit, immer geringer. Der Verein sieht sich auch in die Notwendigkeit versetzt, die Räume seines Heimes in naher Zukunft zu erweitern. Um den Betrieb der Ausspeisung klaglos weiter zu führen und einen Baufonds für den Ausbau des Heims zu scharfen, hat die Vereinsleitung beschlossen, eine Brockensammlung zu veranstalten und an die Freunde und Gönner des Vereines mit der Bitte heranzutreten, ein Scherflein für diese Sammlung durch Ueberlassung von allerlei alten Gegenständen beizutragen. Die Gegenstände werden von Abgesandten des Vereines abgeholt und wollen Zuschriften betreffend die Brockensammlung an den Obmann der Propaganda-Sektion, Herrn I. Engel, IX., Alserstraße 46, gerichtet werden. Trauung. Sonntag, den 10. d., fand im Kluckytempel die Trauung des Frl. Gisela Beim, Tochter des Cafetiers Herrn Adolf Beim und seiner Gattin Hermine, geb. Feith, mit Herrn Dr. Eberhart Heinrich Kl ein mann. Arzt in Floridsdorf, Sohn der Eheleute Nathan und Betti K1 e i n m a n n aus Koloraea, statt Der festlich geschmückte Tempel war von zahlreichen Verwandten, Freunden und Bekannten der beiden hochangesehenen Familien bis auf den letzten Platz dicht besetzt. Herr Rabbiner Dr. Armin Abel es hielt eine innige Ansprache an das Brautpaar, indem er die allgemeine Wertschätzung und große Beliebtheit, deren sich die Brauteltern wegen ihrer Wohltätigkeit und echt religiösen Gesinnung in weiten Kreisen erfreuen, hervorhob und das Brautpaar ermahnte, ein gut jüdisches Haus zu gründen, wie sie dies im Elternhause gesehen. Herr Kantor Jakob Roth versah die kantoralen Funktionen mit Chor und Orgel in würdiger Weise. Eine jüdische Gartenbauunternehmung in Wien. Zur Förderun« und Ausbildung jüdischer Gärtner ist bisher in Wien fast gar nichts geschehen. Es existiert in Wien — wie bekannt — nur eine jüdische Zier- und Handelsinfolge des Verkehrssireikes ist das dieswöchentliche Feuilleton des Herrn Rabbiner Dr. V. Kur rein aus L i ii z nicht rechtzeitig bei uns eingelangt. gärtnerei, welche das Monopol zur Ausschmückung jüdischer Gräber am Zentralfriedhof besitzt Dies ist auch fast das einzige Vorrecht welches sich unsere jüdischen Gärtner erworben haben, denn sogar die Ausschmückung der Tempel, Dekorationen für Hochzeiten, für Laubhütten, usw. werden in Wien oft von andersgläubigen Gärtnern besorgt. Eine fachgemäße Ausbildung unter jüdischer Anleitung ist bisher trotz aller Bemühungen nicht zustande gekommen. Wir sehen hingegen, daß Deutschland zwei jüdische Gartenbauschulen und mehrere jüdische Landwirtschulen zur Ausbildung von jüdischen Gärtnern und Landwirten besitzt; außerdem haben mehrere größere jüdischen Gemeinden Land angekauft, das sie unter fachmännischer Aufsicht von geschulten Vorarbeitern durch jüdische Arbeitslose bearbeiten lassen. Das Reinerträgnis wird zur Löhnung und Verpflegung dieser Arbeitslosen und zur Erhaltung von Wohlfahrtsheimen verwendet. — Ein kleiner Kreis von Menschen trägt sich nun mit dem Gedanken, auch in Wien eine jüdische Gartenbauunternehmung zu schaffen, um die Ausbildung fachtüchtiger jüdischer Gärtner zu ermöglichen. Für diesen Zweck sind bereits zwei in der jüdischen Gartenbauschule zu Ahlem (Deutschland) ausgebildete und staatlich geprüfte jüdische Gärtner gewonnen und ein im XIII. Bezirk gelegenes, liierfür geeignetes Grundstück gepachtet Die beiden Gärtner verstehen ihr Fach ausgezeichnet, ^der eine ist Spezialist in Gemüsekulturen und Topfpflanzen, der andere in Rosen-, Obst- und Zierbaumkulturen, so daß fachlich die Anlegung der Gärtnerei gesichert erscheint; dieselben sind vertraglich verpflichtet, am Sabbath und jüdischen Feiertagen vollständige Arbeitsruhe zu halten. Es ist beabsichtigt — um gleichzeitig auch das jüdische soziale Elend zu lindern — jüdischen Arbeitslosen, die nicht im Bezüge der Arbeitslosenunterstützung stehen und Lust und Liebe zu dieser Beschäftigung mitbringen. Gelegenheit zu geben, die Gärtnerei, eben unter Aufsicht dieser beiden jungen Gärtner, zu erlernen, um so sukzessive tüchtige Arbeiter auf diesem Gebiete heranzubilden. Diese Idee, die hoffentlich in der jüdischen Oeffentlichkeit lebhaften Anklang finden wird, ist jedoch nur zu verwirklichen, wenn eben alle diejenigen, die dafür Interesse zeigen, sich aueh tatkräftig beteiligen, und zwar folgendermaßen: Alle jüdischen Besitzer von Privatgärten, die bisnun gewiß nicht daran gedacht haben, daß auch jüdische Gärtner die Pflege ihrer Gärten besorgen können und die notwendigen Arbeiten von dem Erstbesten verrichten ließen, mögen nach Tunlichkeit alle diese Arbeiten ihren Glaubensgenossen übertragen, um so die eventuell drohende Arbeitslosigkeit von vornherein zu verhüten. Die beiden jungen Gärtner haben bereits, durch ihre Tüchtigkeit empfohlen, einige jüdische Privatgärten in Pflege; dieselben sind infolge Kenntnis der billigsten Bezugsquellen in der Lage, die Lieferung von Zier-, Obst- und Schnittpflanzen zu bedeutend ermäßigten Preisen zu übernehmen und führen nachgewiesenermaßen die ihnen übertragenen Arbeiten auf das gewissenhafteste aus. Weiters können die jüdischen Institutionen dieses Werk fördern, indem sie ihren Gemüsebedarf von dieser Gartenbauunternehmung beziehen, da dieselbe voraussichtlich im nächsten Jahre bereits imstande sein wird. Prima-Gemüse unter den Marktpreisen zu liefern. Um die Sache weiter ausbauen zu können und ihr praktischen Wert zu geben, richten wir an die jüdische Oeffentlichkeit die Bitte, unsere Bestrebungen zu unterstützen, indem uns Leihkapitalien von S 25.— aufwärts unverzinslich, gegen Schuldschein, rückzahlbar am 1. Jänner 1930, vorgestreckt werden. Wir hoffen, daß dieser Appell an die jüdische Oeffentlichkeit nicht ungehört verhallen wird. Zuschriften sind zu richten an Rabbiner Bela Fischer, Wien XIII., Biraghigasse 55, Telephon 83-8-83, der bereitwilligst Auskunft erteilt Der Bannspruch von Munkäcs. 62 hervorragende Gelehrte und Rabbiner aus Polen und Ungarn, unter ihnen die Rabbiner von Lemberg, Brody, Tarnopol usw. sprachen gegen den Rabbi von Munkäcs, Chaim Elieser S c h a p i r o, das Verbot, in religiösen Fragen zu entscheiden, den sog. „Issur Horaah" aus. Gleichzeitig gaben sie der Mehrheit der jüdischen Bevölkerung von Munkäcs die Erlaubnis, aus der Gemeinde, der Rabbi Schapiro vorsteht, auszutreten und eine neue Gemeinde mit einem anderen Rabbiner an der Spitze zu bilden. Rabbi Schapiro von Munkäcs hat, wie erinnerlich, vor einigen Monaten viel von sich reden gemacht, als er einen Bannspruch gegen den berühmten „Beizer Rebben" in der Synagoge aussprach. In Munkäcs werden im Zusammenhang mit der Entscheidung der Rabbiner neue schwere Kämpfe zwischen den beiden Parteien erwartet,...

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