Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 30 (22.7.1927)
- Date
- 1927-07-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT j" . -»4 imi :m e?if Q§f§! ^•ItiSivölkerung Oesterreichs soll durch die geistige Versklavung der arischen Studentenschaft gekrönt werden. Den erwünschten Anlaß hierzu gab ihnen die Forderung der deutschen Studentenschaft nach Einführung des Numerus clausus . . . Daraufhin mobilisierte die jüdische Hochfinanz sofort ihre marxistischen Söldnertruppen und schickte den Wiener Bürgermeister ins vorderste Treffen. (Die Sozialdemokraten mit Bürgermeister Seitz an der Spitze als Söldlinge der jüdischen Hochfinanz! Ein Beweis für den tiefen politischen Scharfblick düs völkischen Redakteurs. Die Red.) Während das Universitätsgebäude von republikanischen Schutzbündlern umzingelt war, saß Genosse Seitz an seinem Schreibtisch und schmierte tiefsinnige Erlässe. Genosse Seitz befahl dem Polizeipräsidenten von Wien, die seit Jahrhunderten moralisch und rechtlich verankerte Autonomie der Wiener Universität (Von der besonderen „moralischen" Verankerung der Universitätsautonomie haben uns die Vorgänge der letzten Wochen und Monate einen deutlichen Beweis geliefert. Die Red.) zu brechen, die ganze Hebräermeute begleitete seine „Heldentat" mit frenetischem Beifall, der jüdische Blätterwald mauschelte in allen Tonarten und sah schon die Köhne, die Austerlitze, Zalmanne, Deutsch, Eisler und Genossen als Dozenten, Professoren und Rektoren in den Hörsälen der Wiener Universität sitzen. Die rote Fahne des Republikanischen Schutzbundes war zur Giebelbeflaggung der Universitätsgebäudes wohl ebenfalls bereits vorbereitet. Die Wiener Polizei war aber vernünftig genug, die Anmaßung des Bürgermeisters einfach glatt zu ignorieren. (Was sagt der Polizeipräsident zu dieser Anerkennung seitens der Hakenkreuzler? Die Red.) Doch der Kampf geht weiter! Unsere Hochschulen, diese jahrhundertealten Stätten deutscher Geisteskultur sollen in regelrechte Fakultätsbörsen umgewandelt werden, an denen die Lehrkanzeln von den marxistischen Tendenzprofessoren ä la hausse und ä la baisse verschachert werden. (Während jetzt die akademische Auslese ausschließlich nach streng wissenschaftlichen Grundsätzen, nämlich nach den Methoden der Abstammungs- und Vererbungslehre sowie der Rassenkunde gehandhabt wird. Die Red.) Der („alttestamentarische" ist offenbar nur aus Versehen vergessen worden. Die Red.) Rachefeldzug, den der Unterlehrer Seitz jetzt als Landeshauptmann gegen die Wiener Universität führt, wird trotz seiner aufgebotenen Schutzbündlerbataillone mit einem kläglichen Fiasko enden. Er wird auf Granit beißen, wenn er vermeint, daß sich eine Studentenschaft beugen wird, die ihre alte Tradition auch heute noch mit demselben Kampfmute verteidigt, wie in den Revolutionsjahren des vorigen Jahrhunderts, wo sie ihr Leben für Ehre, Freiheit und Vaterland entschlossen aufs Spiel gesetzt hatte. (Heute aber diese ruhmvolle Tradition schändet und zum Werkzeug der Reaktion, des Rassenhasses und geistigen und kulturellen Rückschrittes geworden ist. Die Red.) Hände weg von unseren (unseren?) Hochschulen, vor deren Toren die deutsche Studentenschaft Hand in Hand mit der Gesamtheit der übrigen volksbewußten Bevölkerung Wache hält und entschlossen ist, die deutsche Kultur unseres Staates bis zum letzten Mann zu verteidigen!" Deutschlands Erneuerer. Einen bemerkenswerten, fesselnden Beitrag zum Verständnis völkischen Schrifttums enthält, gewiß ohne jede politische Spitze, eine der letzten Nummern der „Muttersprache", der Zeitschrift des Deutschen Sprachvereins (Heft 1, Jahrgang 1927). Professor Dr. Friedrich Sigismund (Weimar), schreibt auf Seite 10 der Zeitschrift folgendes, dem wir nichts hinzuzusetzen haben: „Bekanntlich wollen die Völkischen uns zu den Quellen zurückführen, aus denen das lautere Deutschtum fließt. Darunter müßte sich — sollte man wenigsten meinen — auch der sprudelnde Born sprachlicher Reinheit befinden.' Darum war ich erstaunt, in einem weit verbreiteten völkischen Blatte vor einiger Zeit eine Festbetrachtung zu finden, die mit etwa fünfzig, zum Teil ganz lächerlichen Fremdwörtern verunziert war. Aber was noch schlimmer ist; zu' dieser Formentstellung hat sich auch noch eine arge Stilverwilderung gesellt, die die ärgsten Befürchtungen erwecken muß. Ein ansehnlicher Kreis jungdeutscher Schriftsteller schwärmt offenbar für Lohenstein und Hofmannswaldau. Für Klarheit ist Dunkelheit, für Einfachheit Geschraubtheit, für Natürlichkeit Schwulst, für Kraft Ueberschwenglichkeit eingetreten. Diese Leute würden niemals mit Faust sagen: „Pudel, laß das Heulen!", sondern etwa: „Schwarzwolliger Vierfüßler aus dem Hundegeschlecht, aufhöre (so! ja nicht: hör' auf!) die Luft mit dem deinem Rachen entquellenden Geheul in Schwingungen zu versetzen, die mein Ohr beleidigen!" Einige Proben aus einer großen Tageszeitung zur Erläuterung! Einer der Schriftleiter orakelt in einer Kritik so: „Die Technik, die ökonomische Sammlung der Dinge an sich, scheinbar entseelt, wütet ein verzaubertes Leben im suggestiven Einfluß auf das Gehirn." Daß „Wüten" auch den Wenfall regieren kann, war mir neu. Ich schlage vor, daß wir noch etwas weiter gehen und „anwüten" bilden. Wie herrlich würde klingen: „Mein Vater hat mich angewütet." ...Ebenda schreibt ein bekannter Schriftsteller: „Der heutige Dichter steht vor verriegelten Kammern. Niemand gesellt sich zu ihm. Isi er gering, vergeht er an einsamer Melancholie oder verschmiert mit Verzerrung die ängstlichen Türen. Ist er groß und wesentlich, so öffnet er sich selbst... Heimlich, namenlos schauen Augen zu..." Aus diesen Sätzen habe ich viel gelernt. Erstens: daß Dichter die Türen verschmieren — wie ich annehmen muß, wenn ihnen das Papier ausgeht. Zweitens, daß Türen sich fürchten können. So erklärt es sich wohl, daß sie manchmal knarren. Drittens: daß Dichter sich öffnen, also auch sich zuschließen können. Offenbar haben sie ein Triebwerk in sich, das gewöhnlichen Sterblichen fehlt... Viertens: daß Augen keine Namen haben. Warum tauft man sie nicht?... Solches Unkraut sprießt auf dem Acker eines Schrifttums, das uns aus unseren geistigen und sittlichen Nöten erlösen will! Solcher Unsinn wird als etwas Bedeutendes und Eigenartiges angepriesen und einem Volke aufgetischt, dem der Himmel zwei Meister der Form, wie Goethe und Schiller geschenkt hat! Gott besser's!" Der Zusammenbruch der rassenschützlerischen Presse. Nachdem vor einiger Zeit die rassenschützlerischen Blätter „A Nep" und „Szozat" unter Zurücklassung von Schulden eingehen mußten, hat soeben auch das oberste Organ des ungarischen Antisemitismus „Magyar U j s a g" sein Erscheinen eingestellt. Die Stadium-Druckerei, in der das Blatt hergestellt wurde, erklärte nach den Pfingstfeiertagen, das Blatt nicht weiter zu drucken, wenn die Verlagsgesellschaft die aufgelaufenen Schulden nicht begleicht. Der Abgeordnete Julius G ö m b ö s erklärte in den Wandelgängen des Abgeordnetenhauses, daß „Magyar Ujsag" endgültig eingegangen sei, weil alle materiellen Hilfsquellen, über die er verfügte, erschöpft seien. Antisemitische Ausschreitungen in Lemberg. Am 29. Juni kam es in Hemberg zu schweren antisemitischen Exzessen. Eine Gruppe nationalistischer Hochschüler drang in die Lokalitäten des zionistischen Studentenvereines „Emunah" ein. Die Studenten forderten die jüdischen Kollegen auf, ihre Klubabzeichen, die den ihren ähnlich sind, abzunehmen. Diese drängten jedoch die Angreifer aus dem Saal. Auf der Straße kam es zu einer wüsten Prügelei und zu antisemitischen Demonstrationen, wobei zahlreiche jüdische Passanten verprügelt wurden. Ein jüdischer Hochschüler wurde in schwerverletztem Zustande ins Spital gebracht. Der Anführer der nationalistischen Studenten wurde verhaftet. orth. *1C7!3 Restaurant GOLD BERG „VILLA BERNINA" Einziges orthodoxes *KPID Restaurant im SALZKAnnEROlf Großer Speisesaal, Glasveranda, gute Küche, Catann ||a| CBnf zivile Preise. Referenzen von hervorragenden UflloUU 1001—UKUI* rabbinischen Autoritäten. ■ro Restauration in Salzburg to> Hermann Kohn Wolfdiefrlclistraße Nr. 14 Mäßige preise! naoige Preise!