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Die Wahrheit · 1927-07-22 · Heft 30 (22.7.1927) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 30 (22.7.1927)
Date
1927-07-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 fflUBÜB DIE WAHRHEIT sehen Praktikers huldigte, wonach das Finanz- und Bankkapital der gefährlichste Feind der schöpferischen Industrie sei und zugleich einzig und allein von den Juden in der ganzen Welt repräsentiert werde, die wiederum an der nutzbringenden Industriearbeit keinen Anteil und zu ihr keine Fähigkeit haben, lediglich Wucherer und Ausbeuter fremder Arbeit seien, Parasiten, Schädlinge, die sich von den Säften des Wirtschaftsorganismus nähren, in welchem sie sich eingenistet haben, m welchem sie ewig ein Gast, ein Fremdkörper bleiben und dessen Blut und Lebenskraft sie an sich saugen. Immer mehr verbiß sich Ford in diese Doktrine, die er in seiner Lebensbeschreibung „My life and work" mit großer Beredsamkeit vortragen läßt. Aus dieser doppelten Quelle floß sein heftiger Antisemitismus. In dieser Stimmung war es unschwer, ihn zum Förderer der „Protokolle der Weisen von Zion" zu gewinnen. Hier fand er alle seine Beobachtungen und Vermutungen tausendfach bestätigt und sozusagen in die welthistorische, menschheitliche Sphäre gehoben. Diese „Dokumente" appellierten förmlich an seine unbezähmbare Tatkraft und an seine unermeßlichen Mittel. Was sein „Scharfblick" in dem engen Kreise seiner Berufstätigkeit entdeckt hatte, war nur das Glied einer furchtbaren Kette, die die ganze Kulturmenschheit umklammert hielt und allen christlichen Völkern mit unerbittlichem Untergang drohte. Alles, was er, der größte Industrielle seiner Zeit, als Störung seiner segensreichen und menschheitsbeglückenden Tätigkeit aus tiefster Seele haßte, wie Streiks, Unruhen, politische und soziale Revolutionen, Verschwörungen, politische Attentate, und insbesondere der Bolschewismus, all das war seit jeher ein Werk dieser Juden, in denen er selber rechtzeitig die Verderber erkannt hatte. Mußte sich da nicht sein ganzes Gewissen, seine Energie, und nicht zuletzt sein Ehrgeiz mächtig angeregt fühlen, die Welt von dieser Schlangenzucht zu erlösen und zu befreien? Daß diese ganzen „Protokolle" aber nichts als grobe Fälschung waren, konnte diesem simplen Geist, dem nichts ferner lag als literarische und historische Kritik oder diplomatische Findigkeit, natürlich nicht in den Sinn kommen. Wie auch? Die Männer, die das Ressort des Auswärtigen bei den Londoner „Times" leiten, sind gewiß mit allen Hunden gehetzt und nicht leicht zu verblüffen. Und doch schrieb dieses Blatt am 8. Mai 1920 kurz nach der Entdeckung dieses welterschütternden Dokumentes u. a.: „Was bedeuten diese Protokolle? Woher diese unheimliche Gabe einer Prophezeihung, die zum Teil bereits in Erfüllung ging, zum Teil der Erfüllung entgegenschreitet? Haben wir all diese traurigen Jahre hindurch gekämpft, um die heimliche Organisation der deutschen Weltherrschaft zu sprengen und zu vernichten, damit wir hinter ihr eine viel gefährlichere, weil heimlichere entdecken? Sind wir durch die Anspannung jeder Fiber unseres Volkskörpers dem deutschen Joch entronnen, um uns einem jüdischen Joch zu unterwerfen?" . . . Mau preist mit Recht die vatikanische Diplomatie als die schlaueste und scharfsinnigste, und nun druckte der französische Uebersetzer der Protokolle Mgr. J o u i n an der Spitze der vierten Auflage seines Buches einen Brief des Kardinal-Staatssekretärs G a s p a r r i vom 20. Juni 1920 ab, in welchem dieser dem Verfasser den Dank des Papstes für die Zusendung eines Exemplares und den a p o s t olischenSegen übermittelt!... Um dieselbe Zeit, als die „Rote Armee" auf ihrem Feldzug gegen Polen vor den Toren Warschaus stand, erließ der polnische Episkopat, zwei Kardinäle, drei Erzbischöie, ein Fürsterzbischof und einige Bischöfe, an die katholische Priesterschaft der ganzen Welt „einen heißen Ruf nach Hilfe und Rettung für Polen", der den Ideengang und sogar die Sprache der Protokolle wiederholte. Die „Rote Armee" ist da ein Werkzeug „jener Rasse, die die Führung des Bolschewismus in der Hand hält bereits die ganze Welt mittels des Goldes und der Banken sich unterworfen hat und nun in ewiger imperialistischer Gier auf die wirkliche Eroberung der Welt ausgeht, um das Reich des Antichrist aufzurichten." . . . Hochgelahrte deutsche Professoren, hohe Diplomaten, Führer großer politischer Parteien, Botschafter, berühmte Generale verkündeten in unzähligen Vorträgen und Zeitungsartikeln, „das Studium der Protokolle, welche die geheimsten Pläne des jüdischen Volkes enthüllen, werde zu einer neuen Auffassung der Weltgeschichte führen." . . . Wie sollte da ein Henry Ford an deren Echtheit zweifeln? So wurde er denn einer der eifrigsten Förderer und Verbreiter des Glaubens an die Wahrheit des jüdischen Weltherrschaftsplanes. Die „Protokolle" aber wurden das Palladium und das Panier aller jener, die aus irgendeinem Grunde mit den Nachkriegszuständen in Europa nicht zufrieden waren. Die russischen Reaktionäre beriefen sich auf sie, um zu beweisen, daß der Bolschewismus und alles, was damit in Rußland zusammenhängt, nichts als das Werk der Juden sei, die allen anderen Staaten und Völkern das gleiche Schicksal zugedacht haben. Die amerikanischen Polen, die wegen der damaligen Pogrome in ihrem befreiten Vaterlande in arger Verlegenheit waren, verbreiteten über beide amerikanischen Kontinente viele Hunderttausende von Broschüren in portugiesischer und englischer Sprache, in denen unter Berufung auf die soeben entdeckten „Protokolle" nachgewiesen wurde, daß die polnischen Judenpogrome nur die Abwehr der jüdischen Weltverschwörung bildeten, die schon Rußland durch den jüdischen Bolschewismus zerstört habe und nun die Hände nach Polen ausstreckte. Alle Protokollgläubigen hüben und drüben fanden in Ford den freigebigsten Förderer. Die in seinem, mehrere hunderttausend Leser zählenden Wochenblatt erschienenen Artikel wurden nachher als zweibändiges Buch herausgegeben, enthaltend die „Protokolle" nebst weitläufigem Kommentar, dessen deutsche Uebersetzung während drei, vier Jahren nach Ungarn, Rumänien und Polen in ganzen Waggonladungen versandt wurde. Ford rühmte sich, daß dieses Buch in Amerika in einer halben Million Exemplaren verkauft wurde. Schon im Jahre 1918 hatten die Führer der „Weißen Armee" in dem südrussischen Städtchen Nowotscherkask neue Auflagen der Protokolle herausgegeben und in Zehntausenden von Exemplaren unter ihre Soldaten verteilt. Die Ausgabe führte den Titel „Zionistische Protokolle, Plan der Welteroberung durch die Juden-Freimaurer" und belehrte die Leser, daß die Urheber der russischen Revolution nur die Juden allein seien. Die Folge waren die furchtbaren

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