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Die Wahrheit · 1927-07-15 · Heft 29 (15.7.1927) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 29 (15.7.1927)
Date
1927-07-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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^(iVafttSke&ien vom gg^e^ Du mufit es dreimal sagen. Die Antisemiten aller Länder haben einen furchtbar schweren Verlust erlitten. Henry Ford, der Hauptträger des amerikanischen Antisemitismus und zugleich die gewaltigste Stütze der außeramerikanischen Judenfeindschaft, hat in aller Form dem Antisemitismus abgeschworen. Die Beweggründe dieses seines Schrittes liegen nicht ganz klar zutage. Man vermutet, daß die Aussichtslosigkeit seiner für den Herbst angesetzt gewesenen Prozesse gegen den Rechtsanwalt Schapira wie auch gegen den Publizisten Hermann Bernstein und die damit zu erwartende Blamage des reichsten Mannes der Welt diesen bewogen haben dürften, mit einer noblen Geste sich von dem antisemitischen Kriegsschauplatz zurückzuziehen. Dieser soll ihm auch dadurch vergällt worden sein, daß seine Judenfeindschaft, die gewissermaßen bisher zum Inventar seiner Automobilfabrik gehörte, eine Schädigung der horrenden Einnahmen seines Hauses bewirkte, da weite amerikanische Kreise Henry Fords Erzeugnisse boykottierten. Sicherlich nicht zum wenigsten hat bei der Aufsehen erregenden offiziellen Erklärung Henry Fords dessen bekannte Reklamesucht mitgespielt, die ihn, wie seinerzeit bei seinem fabelhaften Friedensschlff, ebenso zur Feindschaft gegen die Juden wie nunmehr zum Friedensschluß mit diesen und sogar zum Anerbieten der Freundschaft an sie trieb. Die Juden werden von diesem Anerbieten wohl kaum Gebrauch machen. Wichtig aber für sie wde für die Beruhigung der amerikanischen Welt ist der Widerruf Hemry Fords immerhin, wenn man auch gewisse Bedenken an seiner Aufrichtigkeit hegen muß. Diese Zweifei werden um so mehr verstärkt, als es nicht das erste Mal ist daß der amerikanische Dollarkönig von dem Antisemitismus abrückt. Man erinnert sich noch, daß er seinerzeit die Autorschaft des Buches „Der internationale Jude*' ableugnete, das bei seiner amerikanischen und insbesondere bei seiner durch Theodor Fritsch besorgten deutschen MMlkmenauflage wesentlich zur Verbreitung des hirnrissigen Märchens von den »Protokollen der Weisen von Zkra" beitrug, einer Lügenmär, die auch wiederholt in das Blatt Henry Fords, den „Dearborn Independant", Eingang fand und da und dort in den Gehirnen Leichtgläubiger unsäglichen Schaden anrichtete. Vor ungefähr einem halben Jahre hat zwar nicht Henry Ford selbst, wohl aber seine Berliner Vertretung, wahrscheinlich aus Geschäftsrücksichten, erklärt, daß die von Theodor Fritsch vorgenommene Uebersetzung des „Internationalen Juden" tendenziös antisemitisch gefärbt worden sei und sogar einen Prozeß gegen diesen wegen Mißbrauch des Uebersetzungsrechtes in Aussicht gestellt. Von dieser Anklage hat man seither nichts mehr gehört. Theodor Fritsch hat zwar in seinem „Hammer" geschrieben, daß er ihr mit Beruhigung entgegensehe und sogar selbst eine Klage angedroht, es kam aber zu nichts, wie überhaupt die modernen Antisemiten ebenso wie ihre Vorläufer, zum Beispiel Rohling, aus verständlichen Gründen den Gerichtssaal scheuen. Auch Henry Ford ist ihm, wie oben erwähnt, ausgewichen, und er tat wohl gut daran. An Stelle der Prozesse tritt nun seine Erklärung, die alle diese, aber auch seine Vergangenheit, vertuschen soll. Das jedoch ist schwer möglich. Gerade Henry Fords Antisemitismus hat der Judenheit schon wegen der finanziellen Geltung ihres Feindes zu viele arge Wunden geschlagen. Wir Juden aber, die wir unter der Gegnerschaft so vieler blutrünstiger Hetzer zu leiden haben, haben aus unserem Martyrium vor allem das eine gelernt, daß wir nicht nachträgerisch sein sollen. Deshalb nehmen wir Henry Fords Widerruf, der nun schon sein dritter ist da ja alle guten Dinge drei sind, mit Befriedigung auf, wieder ist einer unserer Feinde abgetreten, und zwar der mächtigsten einer, dessen Scheiden vor allem die deutschen Judenfeinde um eine Unterstützung in mancher Hinsicht bringt. (Wir werden übrigens in unserer nächsten Nummer einen Artikel aus sachkundiger Feder über Fords Bekehrung veröffentlichen.) Erdbebenkatastrophe in Palästina. Den furchtbaren Elementarkatastrophen, von denen die Welt im heurigen Jahre heimgesucht wurde, reiht sich nun ein ebenso entsetzliches Erdbeben in Palästina an, dessen Dimensionen zur Stunde noch unübersehbar sind. Immerhin besagen die bis jetzt eingetroffenen Nachrichten, daß zwanzig Städte zerstört, hunderte Menschenleben zu beklagen sind und ebenso viele mehr oder minder schwer verletzte Personen unter den Trümmern der zusammenbrechenden Häuser begraben wurden. Auch der Sachschaden ist immens groß. Nebst dem heiligen Grab, das große Sprünge aufweist, wurde in Jerusalem die Omar- Moschee, das Gebäude der hebräischen Universität auf dem Skopusberg, deren Einsturz man befürchtet, und das Palais des Oberkommissärs auf dem Oelberg schwer beschädigt Auch aus Transjordanien treffen furchtbare Meldungen ein,, es sollen dort über 1000 Personen getötet und zahlreiche Häuser eingestürzt sein. Das Bild der Katastrophe ist, wie gesagt, noch nicht recht zu überblicken, es läßt'sich jedoch leider schon jetzt sagen, daß der Schaden und das Elend so groß sein dürfte, daß dem Wiederaufbau nun vielfach ein Neuaufbau folgen wird müssen. Sind doch durch das Unglück 80 Prozent der Bewohner der betroffenen Gebiete arbeitslos geworden. Die Wahlen in Rumänien. Es ist wohl lange her, daß man aus Rumänien erfreuliche Nachrichten erhielt. Die Meldungen jedoch, die von dem> Wahlergebnis in Rumänien hier einlangen, geben zur Hoffnung Anlaß, daß die Lage der dortigen Judenschaft sich nunmehr bessern wird. Auf allen Linien ist ein grandioser Sieg der liberalen Regierungspartei, deren Chef Ministerpräsident Bratianu ist, zu verzeichnen, die nunmehr in den beiden gesetzgebenden Körperschaften über eine Regierungsmehrheit bis zu achtzig Prozent verfügt Wenn auch der Liberalismus dieser Partei sich wesentlich von der politischen Richtung, unterscheidet, die man in Westeuropa unter diesem Namen kennt und einen mehr reaktionären Einschlag besitzt, so ist doch die Tatsache unleugbar, daß die Liberalen, denen sich auch die Bauernpartei unter Führung Dr. Lupus angeschlossen hatte, judenfreundlicher eingestellt sind als das frühere korrumpierte Regime Averescu-Goga, und deshalb in jüdischen Kreisen zahlreiche Freunde besitzen. Nicht zum wenigsten hat hierzu der Umstand beigetragen, daß die Partei in einem offenen Manifest ihre Minoritätenfreundlichkeit bekundete. Am erfreulichsten an dem Wahlausgang ist die Tatsache, daß der rumänische judenfeindliche Faszismus vollkommen zusammengebrochen ist und weder Prof. Cuza, noch einer seiner Anhänger im Parlament oder im Senat vertreten ist. Es wird wohl noch weiter Antisemiten in den rumänischen gesetzgebenden Körperschaften geben, da auchdie liberale Partei über einen solchen immerhin gemäßigten Flügel verfügt. Die Anzahl der jüdischen Mandatare beträgt: vier, darunter erscheint der bekannte, nunmehr wieder ernannte Gerent der Czernowitzer Kulutusgemeinde Doktor Straucher gewählt, der selbständig kandidierte, währenddie anderen drei auf der liberalen Liste figurierten. Die jüdischen Kandidaten des nationalen Minderheitsblockes auf der Liste der nationalen Bauernpartei und auf der der Sozialdemokraten sind alle durchgefallen, also auch in Rumänien ein starker Mißerfolg der Jüdischnationalen. Es bleibt nun abzuwarten, ob das neue Parlament, respektive die von diesem zu wählende Regierung Bratianu imstande sein wird, mit den mittelalterlichen Zuständen in Rumänien aufzuräumen und so dieses Land dem Konzern der wirklich europäischen Mächte einzugliedern. orth. *"RZD Restaurant GOLD^ERO „VILLA BERNINA" Einziges orthodoxes Restaurant im tAEZKAni ME ««* BI Großer Speisesaal, Glasveranda, gute Küche, Caie«» Hai—Sgl!* zivile Preise. Referenzen von hervorragenden UfllOUU MBi UBWI' rabbinischen Autoritäten. ssESsa^sssssasss -BD Restauration in SalzDorg -mo Hermann Kohn Wolldletriclistrafle Nr. 14 Müßige Preise! Müßige preise!

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