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Die Wahrheit · 1927-07-15 · Heft 29 (15.7.1927) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 29 (15.7.1927)
Date
1927-07-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT IlliililiiU^ i Seite 11 Veiöffent{i£fkun£en der „Union deufrfkösferreicfiisrfier Juden" Wien IX. Serggossc % 9ostspovJfe JVonfo JRCm. 9M4 9el. 19-2-77 Erholung und Antisemitismus. Ein Briefwechsel. Die „Union deutschösterreichischer Juden" hat am 10. Juni 1927 an Herrn Professor Alexander Demetrius öoltz folgenden Brief gerichtet: Hochgeehrter Herr Professor! Aus der „Neuen Freien Presse" entnahmen wir, daß Sie in das gemeinsame Exekutivkomitee der österreichischen Fremdenverkehrs-Gemeinschaft („Oefreg") berufen wurden. Aus dem diesbezüglichen Artikel entnehmen wir auch, daß eine der Hauptaufgaben der neuen Arbeitsgemeinschaft die Beschaffung von Werbematerial sowie die Erteilung von Auskünften für ganz Oesterreich bilden soll. Auch an unseren Verein gelangen zahlreiche Anfragen nach Auskünften über österreichische Kurorte und Sommerfrischen, um deren Erteilung nach einer bestimmten Richtung wir ersucht werden, und zwar lauten alle Anfragen dahin, ob von einem Besuche von uns namhaft gemachten Orten im Hinblick auf das mosaische Glaubensbekenntnis des Reflektanten abzuraten sei. Zu unserem tiefsten Bedauern müssen wir tatsächlich in nicht seltenen Fällen solche Anfragen bejahend: beantworten; wir haben uns sogar veranlaßt gesehen, ein Verzeichnis jener Oite zu veröffentlichen, welche oft unter Hintansetzung der gesetzlichen Bestimmungen insbesondere über die staatsgrundgesetzlich gewährleistete Freizügigkeit den Aufenthalt unserer Glaubensgenossen in diesen Orten hindern wollen. Wir wollen in diesem Schreiben, hochgeehrter Herr Professor, nicht unser Verdammungsurteil über den Antisemitismus ausführlich begründen, aber wir wollen Sie nur auf die Schädigung, welche Oesterreich, und insbesondere die ■österreichische Volkswirtschaft, durch derlei dem Besuche unserer Glaubensgenossen sich entgegenstellende Hindernisse erfährt, aufmerksam machen. Wir geben uns der bestimmten Erwartung hin, daß die „Oefreg" es sich zur Aufgabe machen wird, Oesterreich allen Besuchern ohne Unterschied des Bekenntnisses zu öffnen und glauben auch, daß Ihre Bemühungen nach dieser Richtung gewiß von bestem Erfolge begleitet sein werden. Sie werden sich durch eine solche Tätigkeit gewiß um unsere Volkswirtschaft, aber auch um die öffentliche Moral hohe Verdienste erwerben. Indem wir Sie bitten, den Ausdruck unserer besonderen Hochachtung entgegenzunehmen, und von diesem Schreiben auch der „Oefreg" Mitteilung zu machen, sehen wir gerne Ihren allfälligen Nachrichten entgegen und zeichnen ergebenst Union deutschösterreichischer Juden. Der Präsident: Dr. Jakob Ornstein. Darauf erhielten wir von der Oesterreichischen Fremdenverkehrs-Gemeinschaft („Oefreg") am .21. Juni 1927 diese Antwort: Tit. „Union deutschösterreichischer Juden" Wien. Von dem Inhalte des an unseren Herrn Vize-Präsidenten Professor Goltz gerichteten Schreibens haben wir mit Bedauern Kenntnis genommen. Auch uns sind die fremdenfeindlichen Absichten und Bestrebungen verschiedener Gemeinden nicht unbekannt geblieben, und es wird ganz gewiß alles, was von unserer Gemeinschaft getan werden kann, diesem kulturwidrigen Vorgehen entgegenzuhalten, geschehen. Wir möchten auch den Anlaß, der uns durch Ihre Mitteilung zusammengeführt hat, nicht vorübergehen lassen, ohne Sie zu ersuchen, Ihre Fühlungnahme mit uns aufrecht zu halten. In die Statuten unserer Vereinigung ist auch der Punkt aufgenommen, Organisationen, welche für den Fremdenverkehr Oesterreichs Interesse haben, zum Anschluß an unsere Korporation aufzufordern, und sind auch bereits namhafte Organisationen, in letzter Zeit auch, bei Wahrung der Autonomie, der Landesverband für Wien und Niederösterreich (an der Spitze Exzellenz Spitzmüller) unserer Oesterreichischen Fremdenverkehrs-Gemeinschaft beigetreten. Dies teilen wir Ihnen nur mit, weil es vielleicht Ihren Intentionen entsprechen könnte, korporativ unserer Gemeinschaft als Mitglied beizutreten. Ihre geschätzte Rückäußerung erwartend, zeichnet mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung Oesterreichische Fremdenverkehrs-Gemeinschaft Die Sekretärin: Dr. Mück. Die „Union deutschösterreichischerHuden" hat nun in ihrer letzten Vorstandssitzung einstimmig beschlossen, der „Oefreg" korporativ beizutreten und den Kassier der „Union", Herrn Juwelier Moritz Oester reicher, als Delegierten in den Vorstand zu entsenden. * * * Von der Direktion des Kurortes W i 1 d b a d I n n i c h e n erhielten wir folgenden Brief: „Hierdurch erlauben wir uns, Ihnen nachstehende Notiz zu unterbreiten, mit der ganz ergebenen Bitte, dieselbe freundlichst ohne Verzug in Ihrem Blatte wiedergeben zu wollen, da wir ohne jedes Verschulden das Opfer einer unbegründeten und uns schwer schädigenden Verdächtigung geworden sind. In einer Wiener Zeitung war von dem Orte Wildbad Innichen bemerkt worden, daß es keine Juden aufnehme. Diese Zeitungsnotiz widerspricht in der allerschärfsten Weise den Tatsachen. Unsere Besucher sind seit mehr als zwanzig Jahren zur Hälfte Juden; sie werden mit genau derselben Freundlichkeit und Zuvorkommenheit behandelt wie die Nichtjuden; wir kennen selbstverständlich keinerlei Unterschied zwischen unseren Gästen. Die Quelle der aus der Luft gegriffenen Nachricht ist offensichtlich die Konkurrenz, die uns Schaden zufügen wollte und die durch die Ausstreuung der Nachricht gerade zu Beginn der Saison uns auch bereits schwer geschädigt hat Wir dürfen wohl annehmen, daß die Aufdeckung dieser Tatsachen die Bedenken beseitigen wird, die die Ausstreuungen im Publikum etwa erweckt haben." * T. * * Die Pension „Wälsung", Judenstein ob Hall in Tirol, empfiehlt sich in Annoncen zum Sommeraufenthalt für Deutschgesinnte. Wie das zu verstehen ist, ist wohl klar. Mitteilungen des Zentralvorstandes. Der Zentralvorstand der ,.Unk>n deutschösterreichischer Juden" hat sich in der letzten Sitzung vor den Sommerferien, die Montag, den 4. d. M., unter Vorsitz des Präsidenten Herrn Dr. J. Ornstein stattfand, eingehend mit den im Jahre 192S stattfindenden Wiener Kultuswahlen befaßt. Auf die ausführlichen Referate der Herren Präsident Dr. Jakob Ornstein» Börserat Ignaz Glück und des Klubobmannes der Mehrheitspartei Dr. Josef T i c h o über die momentane Lage folgte eine intensive Debatte, in deren Verlauf alle Redner die Wichtigkeit einer geeigneten Vorbereitung dieser Wahlen betonten; Es wurden zu diesem Zwecke mehrere sachdienliche Vorschläge erstattet, die alle bezweckten, die Aufmerksamkeit der Wiener Judenschaft schon jetzt auf dieses ihr bevorstehende wichtige Ereignis zu lenken. Nach den Sommerferieti soll mit einer energischen Propaganda begonnen werden. — In der gleichen Sitzung wurde der Beschluß gefaßt, während der Sommermonate die Büroräumlichkeiten der „Union" renovieren zu lassen.

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