Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 29 (15.7.1927)
- Date
- 1927-07-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEU IHB^^ Isliiilllillllll Uli! Seite 7 als Wegweiser durch einen Wald nach S. genommen. Eineinhalb Stunden hat der Weg gedauert und immer war nichts zu sehen, als Schützengräben und frische Massengräber mit Aufschriften in verschiedenen Sprachen und Schriften. Die Felder waren voll Blut. Der Jude hat mich bis in die Stadt geleitet. Ich habe ihm seine Gebühren bezahlt und bin weiter in die Stadt gegangen. Man sieht aber kein einziges Haus, alles demoliert. Erst auf dem Ringplatz habe ich ein Haus erwischt. Finster war mir vor den Augen, als ich weiter ging. Vor den Häusern lauter Laternen, der größte Teil nichts als Asche. Ich spaziere langsam, den Hut in der Hand, und ein Windchen wehte auf mich, das mich ein wenig gestärkt hat. Das war, wo der Weg nach M. führte. Außer der Stadt sehe ich von der Ferne zwei Juden sitzen, nämlich auf dem Orte vor ihren Häusern, auf einem Stein, in Gedanken versunken. Ich habe mich genähert, die Augen haben sie aufgemacht und ich habe sie erkannt, es waren zwei bekannte Geschäftsleute. Die Armen sind da gesessen und haben sich bedauert. Staunend und bewundernd schauten sie mich an, wie so ich als Dame die Wagnis hatte, so einen Weg allein zu unternehmen. Leichter ums Herz ist mir geworden, als ich mit ihnen die paar Worte gesprochen habe. Nach einer Stunde war ich in M. Auf dem Weg, er war schon an der Grenze des Dorfes, habe ich Bäuerinnen begegnet, die vom Felde gingen, da es damals die Fechsung war. Die erzählten mir verschiedene Kriegsepisoden aus der Zeit meiner Abwesenheit. Ich habe mir die Gebirge angeschaut, die ich in Friedenszeiten zu besuchen pflegte. Ueberall waren nur Schützengräben. Dann bin ich zu einem Nachbarn gekommen, hab' mich niedergelegt, ein wenig ausgeruht. Dann ist mit mir die Tochter von dem Herrn gegangen, um unsere alten Wohnungen anzuschauen. Die Mobilien zertrümmert, überall in allen Räumen waren große Blutflecken, weil dort eine Sanitätsabteilung einquartiert gewesen war. Bei einem Bauern, wo wir sämtliche Sachen zurückgelassen hatten, habe ich noch etwas angetroffen, aber sehr wenig. Die Bäuerin hat sich verteidigt, daß sie während der großen Kämpfe ihr Haus hat verlassen müssen, und die Barbaren haben die Koffer aufgerissen, und alles vernichtet. Den besten Beweis habe ich gehabt. Die Polster, die ich angetroffen, waren voll Blut. Ich habe mir dort alles angeschaut, und bin zurückgekehrt nach St. Nach einer kurzen Weile bin wieder hingefahren, die Sachen zusammen zu nehmen, und sie zu der Schwester nach L. zu befördern. Bis N. bin ich mit einem der Beamten der Dampfsäge gefahren, habe mir N. angeschaut, wie es zertrümmert ausschaut. Dort, wo vor einem Jahre schöne Häuser waren, sind Schützengräben und Friedhöfe... Ich bin wieder nach S. zurückgekehrt, dort hielt ich mich bei der Frau S. auf. Da erlebte ich einen Kummer. Ihr Mann war nämlich auch als russischer Untertan interniert, in M. in N.-Oe. Die Plage war schrecklich. Lebensmittel waren nicht zu kriegen. Allein in der Welt die Frau mit vier kleinen Kindern... Dann ist der Schwager befreit worden und da hat die Sonne aufs Neue zu scheinen begonnen, aber nicht für lange. Er hat nämlich ein Geschäft übernehmen wollen. Doch ist zu unserem Unglücke die Gegend von den Russen bedroht worden und wir haben uns wieder auf die Flucht begeben müssen. Ich bin direkt nach L. gefahren, meine Schwester dagegen ist vom Etappenkommando direkt nach U.-H., weil der Schwager russischer Staatsangehöriger ist. Das Leiden ist unbeschreiblich, das die ausgestanden haben. Zuerst, als noch der Schwager interniert war, was hat sie da von den Russen geRtten! Meine Schwester besitzt aber ein wenig Energie, sie hat sich von den Plagegeistern nichts gefallen lassen und ist in eine Wohnung in der Stadt übersiedelt. Ich war den ganzen Sommer in L., es ist mir dort recht gut gegangen. Ich traf auf eine Frau, die Eigentümerin eines Miedergeschäftes war. Die hat sich meiner angenommen. Ueberhaupt sind die Leute von L. sehr gut Mein älterer Schwager war. in St. beim Kader. Plötzlich erhielt ich von ihm ein Schreiben, daß ich nach St. kommen solle. Ich bin hingefahren. Es war dort eine Restauration zu übernehmen. Ich war aber nicht dafür, weil der ganze Verdienstprozent voraussichtlich nur von den Soldaten zu beziehen war, und dazu konnte ich keinen Entschluß fassen, an den armen Soldaten zu verdienen. Erschüttert, als ich sah, wie die armen Soldaten, oft alte Leute, dort lebten, bin ich von dort weggefahren und bin in U.-H. bei meiner Schwester eingekehrt. Jetzt sitze ich bei meiner Schwester in G. Es ist eine Gebirgsgegend, sehr angenehm, aber einsam. Jeden Tag gehe ich in den Wald und verbringe die Zeit in Einsamkeit, erwarte mit Neugierde, was weiter sein werde. Verzagen tue ich aber auch nicht, ich erinnere mich, was unsere Dichter gesagt haben: Der Adler fliegt allein, Der Rabe scharenweise. Gesellschaft braucht der Tor, Einsamkeit der Weise. (Herder.) (Fortsetzung folgt.) „Deutsche Mädchen als Freiwild". Von der Pressestelle des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erhalten wir den folgenden interessanten Bericht: Sehr. Bamberg, 5. Juli 1927. Unter starkem Andrang des Publikums fand heute vor däm Schwurgerichte Bamberg ein Prozeß gegen die Schriftleiter des „Völkischen Beobachters" in München und des nationalsozialistischen Organs „Die Flamme'* in Bamberg, Stolzing-Cerny und Mölter, unter Vorsitz des Landesgerichtsdirektors Güllich statt. Die Anklage lautet auf PreßbeleMigung und -besebimpfung der israelitischen Religionsgemeinschaft und ihrer Gebräuche. In der Bamberger „Flamme" erschien im August 1926 ein Aufsatz: „Deutsche Mädchen als Freiwild", in dem behauptet wurde, Talmud und Schulchan Aruch verpflichtete den Juden, nichtjüdische Frauen und Mädchen zu schänden. In Nr. 242 des „Völkischen Beobachters" vom 19. 10. 26 veröffentlicht Mölter einen Artikel mit der Ueberschrift: „Die Schändung nichtjüdischer Frauen ist keine Sünde." In diesem Aufsatz wird die Behauptung aufgestellt, die jüdischen Religionsgesetze machten verbrecherische Taten gegen Christen zur Pflicht Im Zusammenhang hiemit steht eine Beleidigung des Distriktsrabbiners von Burgpreppach, dem in einem Leitartikel „Rabbinerschutz für jüdische Verbrechen", Begünstigung jüdischer Verbrecher vorgeworfen wird. Da Stolzing-Cerny sich mit Krankheit entschuldigt, wird gegen Mölter allein verhandelt Als Sachverständiger ist von Gerichts wegen der bekannte Hochschulprofessor Prälat Geheämrat Dr. theoL Adolf Johannes aus Bamberg geladen. Als Nebenkläger tritt Rechtsanwalt Levinger, München, auf. Der jugendliche Angeklagte, der die hebräische Sprache zugegebenermaßen nicht kennt stützt sich auf eine Mengre Zitate, die er der antisemitischen Literatur entnommen hat Die sogenannte jüdische Religion sei nur eine Rassegesetzgebung. Er habe es für seine Pflicht gehalten, „das jüdische Verbrechen" in seiner Weise verständlich zu machen, das von allen Staatsmännern, Denkern und Dichtern angeblich als solches gekennzeichnet worden sei. Gehetrarat Dr. Johannes legt in einem mehr als zweistündigen Gutachten klar, daß der Talmud kern Gesetzbuch, sondern ein literarisches Sammelwerk ist. Die Schwierigkeit der Materie sei so groß, daß selbst jüdische Gelehrte sich oft schwer zurechtfinden können. Es sei also selbstverständlich, daß jeder, der ohne genauestes Studium leichtfertig einen Satz herausgreift und ihn übersetzt, Mißverständnissen Tor und Tür öffnen muß. Der Sachverständige zeigt diese Leichtfertigkeit der Uebersetzung an einigen Beispielen und kommt zu dem Schlüsse, daß im Talmud bei sinngemäßer Uebersetzung oft das Gegenteil von dem gesagt werde, was in mißbrauchten, aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten zum Ausdruck komme. Auch nach talmudischer Auffassung ist jede unsittliche Handlung an einer nichtjüdischen Frau sündhaft und strafbar. Die Berufung auf Ecker und Rohling sei nicht zu empfehlen; beide Herren seien Täuschungen zum Opfer gefallen. Der Angeklagte richtet an den Sachverständigen ema Reihe von Fragen, darunter die, ob mosaisches Gesetz und Talmud dasselbe seien. Der Sachverständige verneint diese Frage entschieden. Es handelt sich beim Talmud um Traditionelles. Genau so wie bei der christlichen, griechischen und heidnischen Tradition nicht alles richtig sei, so sei es auch