Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 28 (8.7.1927)
- Date
- 1927-07-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT ii^^ Seite 13 Völkischer Antisemitismus. Er schildert die Gesinnungswandlung des deutschen Bürgertums. In wenigen Seiten faßt er die politische und geistige Entwicklung eines Jahrhunderts zusammen, Einblicke gewährend in Zusammenhänge, die in dieser Schärfe und Klarheit bisher noch nicht erkannt worden sind. Das Problem der Sintflut in Sage und Dichtung behandelt Prof. B a s n i t z k y. Im Anschluß an das Buch des Hamburger Senators Stubmann: Albert Ball in stellt Dr. Gar leb ach die Gestalt des großen Hamburger Reeders vor uns hin, und erörtert die frage, aus welchen Kräften das Lebenswerk dieses Mannes sich aufgebaut hat. In den beiden aufschlußreichen Aufsätzen von Dr. Kurt Zielenziger: Der Einfluß der Juden auf die kalte Sozialisierung und Ernst Landsberg: Die Beteiligung der Juden an deutschen Montanunternehmungen führt der „Morgen" die Aufgabe weiter, die wirtschaftliche Lage der deutschen Juden festzustellen. In dem zweiten Teil des Heftes bespricht der Zentrumsabgeordnete Adam Roeder Emil Ludwigs Bismarck-Buch; Professor Goldstein macht mit "der Bekenntnisschrift eines zum Judentum übergetretenen Katholiken bekannt und bespricht die Lebenserinnerungen Samuel Gompers, des Schöpfers der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Dr. Stahl gibt seine Eindrücke über das englische Judentum wieder. Robert Neumann: „Die Pest von Lianora", J. Engelhorns Nachf.-Verlag in Stuttgart. Ein herrliches Buch dieses jungen Wiener Schriftstellers, dietr ein außerordentliches Talent zu werden verspricht. In packender Schilderung werden die Geschehnisse fünf schrecklicher Tage dem Leser vor Augen geführt, während derer in Lianora nach der Einbildung seiner irregeführtem Einwohner angeblich die Pest herrschte. Grauenhafte Bilder lösen humorvolle Szenen ab, dte die satirische Gabe des Autors verraten, dem aber auch die Kraft zur glänzenden Wiedergabe tragischen Schicksals gegeben ist. Wir freuen uns besonders dieser seiner Kunst, die den Dichter in ihm verrät, denn Robert'Neumann steht schon als Freund Ernst Lissauers unserem Kreise nahe, und wir können wohl in ihm in einer Zeit, die wahrlich nicht reich an wirklichen Talenten ist, einen solchen aufstrebenden Meister begrüßen, noch dazu eine dichterische Hoffnung unseres Vaterlandes und unserer Stadt. Wir wünschen ihm Glück zu weiterem Schaffen. Oskar Hirschfeld. „Paneuropa". Vor kurzem ist im Paneuropa-Ver- 1 a g eine wohlfeile Volksausgabe des Buches „Paneurop a" von R. N. Coudenhove-Kalergi (M 1.90) erschienen. Wir begrüßen diese ungekürzte Volksausgabe, die durch ihre Billigkeit die Möglichkeit für jeden bietet, sich über Paneuropa zu informieren. Heinrich Mann schreibt zu diesem Werk: „Ein aufgewühltes Kampfgebiet von Leidenschaften, Haß, Not und Verwirrung ist Europa. Und ein Paradies der Vernunft und des Friedens könnte es sein. Die große Krise hält uns befaiitgen; und mit einfacher, richtiger Rechnung kämen wir hinaus. Das Ergebnis heißt „Paneuropa", der Redner Coudenhove .... die übernationale Tatsache Europa, die herandrängt, braucht vielleicht gerade ihn, sie zu geleiten." Heinrich Mann hat inecht: Coudenhove ist der geniale Denker, der seiner Idee zum Siege verhelfen wird, vor allem deshalb, weil die neuerliche Lektüre seines epochalen Werkes es wieder beweist, daß er sie volkstümlich zu gestalten verstanden hat. O. H. Ein jüdischer Kaufmann, Lebenserinnerungen von S i gmund Mayer. Zweite, stark vermehrte, verbesserte Auflage. Benjamin Harz-Verlag, Berlin und Wien, 1026. Aeltere Leser werden sich noch wohl erinnern, wie enthusiastisch das Erscheinen dieses eigenartigen Werkes vor zirka 15 Jahren seitens der jüdischen üeffentlichkeit begrüßt wurde. Aber auch die in- und ausländische Presse nahm von diesem Werke Notiz und bezeichnete es als eine große literarische Tat, schon mit Rücksicht auf die vielen historischen Daten und Tatsachen, die in diesem epochalen Werke enthalten sind. Der greise und geistreiche Verfasser desselben, eine in Wiener Kreisen bestbekannte Persönlichkeit, glaubte sicherlich nicht, daß es ihm noch vergönnt sein werde, die zweite Auflage seines Werkes vorzubereiten. Der unvergeßliche Autor stand damals bereits im 80. Lebensjahre und bezeichnete diese Schrift „aller Voraussicht nach" als die letzte seiner publizistischen Tätigkeit. Zu seiner, aber nicht zur Ueberraschung des Lesepublikums, wurde die erste Auflage bald vergriffen und S. Mayers „Jüdischer Kaufmann" ist „fort und fort bis in die jüngste Zeit begehrt worden". Der greise Autor, des Augenlichtes fast gänzlich beraubt, sah sich trotz seines hohen Alters veranlaßt, die zweite. Auflage vorzubereiten, die eben im Verlage Benjamin Harz erschienen ist. Von dieser zweiten Auflage behauptet der Autor selbst — im Sommer 1920 —, daß sie gleichsam eine zweite Jugend repräsentiert. „Der Jüdische Kaufmann .... ist durch verschiedene Erweiterungen .... in ungefähr um die Hälfte stärkerem Umfange erschienen." Jede Erweiterung aber, und dies kann der Referent mit ruhigem Gewissen, aber auch mit großer freudiger Genugtuung konstatieren, bedeutet eine Bereicherung im wahrsten Sinne des Wortes. Ist der „Jüdische Kaufmann" um die Hälfte erweitert, dann ist dieses Werk um die Hälfte bereichert und deshalb kann die zweite Auflage auch denen aufs wärmste empfohlen werden, die bereits im Besitze der ersten sind. Es fällt unendlich schwer, hier auf Einzelheiten einzugegen und aus der erdrückenden Fülle des Gebotenen einiges hervorzuheben. Man muß das Werk lesen — und es liest sich so leicht, wie ein Märchen aus längst verschollenen Zeiten —, um den großen Verfasser und sein großangelegtes und großartiges Werk voll und ganz würdigen zu können. Eine besondere Würdigung verdient die brave Todhter des verstorbenen Autors, Frau Sidonie Rosenberg, die Herausgeberin dieser zweiten Auflage. Sie hatte das Glück, wie sie in der kurzen Einleitung bemerkt, durch Jahrzehnte um den fast erblindeten geliebten Vater zu sein, mit ihm arbeiten zu dürfen, ihm den Schmerz über das Versagen seines Augenlichtes zu erleichtern, und es darf ihr wohl zum Tröste gereichen, dem von ihr so sehr geliebten und verehrten Toten ein würdiges Denkmal durch die Publikation dieses seines Lieblingswerkes errichtet zu haben. Dank und Anerkennung gebührt auch dem rührigen Harz-Verlag für die überaus sorgfältige Ausstattung dieses trefflichen Werkes, das sicherlich bald in keinem besseren jüdischen Hause fehlen dürfte. Ein solcher Erfolg, der sicher zu erwarten ist. ist dem Verleger Harz und der Herausgeberin Sidonie Rosenberg vom Herzen auch zu gönnen. Dr. Felix K a u t e r. Zwittau. S. Fenyes: „Jüdels erste Wandlung". Aus dem Ungarischen übersetzt von Jakob K r a u s z, Verlag H a 1 m & G o l ds c h m i e d t, Wien I. — Dieses Buch, der erste Teil einer Trilogie, verspricht anfangs mehr, als es schließlich hält. Nach einer gelungenen Schilderung der Verhältnisse in kleinen ungarischen Kehillas und der Schicksale eines in diesen aufgewachsenen jüdischen Findlings, die ihn zur vergeblichen Erlangung seines Rechtes bis an den Karserthron führen, wird es schließlich so verworren, daß dier abrupte transzendentale Schluß den Leser wohl völlig unbefriedigt lassen muß. Die Uebersetzung von Jakob Krausz ist recht hübsch. iäUtäev&mfauf Btsprediang vorbehalten »•** ...........•......•••..•.•»•.••••§•...„.,„<«...„.„..„.„.„..„„„„„m,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,.....•** **«. Leopold Hichler: „Der Sohn des Moses Mautner", Roman, Verlag R. L Ö w i t, W i e n - L e i p z i g, brosch. S 5.50, gebunden S 7.50. — B. W. Segel: Weltkrieg, Weltrevolution, Weltverschwörung, Welt-Überregierung, Philo-Verlag, Berlin. — Robert Neumann: :„Die Pest von Lianora", J. Engelhorns Nach f., Verlag in Stuttgart. — Josei Roth: „Juden auf Wanderschaff, Verlag Die Schmiede A.-G., Berlin W. 35. — Die ersten Bände des Heine-Bundes. Band 1: S. Poljakoff: „Sabbat ei Zewi", Roman, aus dem Russischen, von Z. Holm; 300 Seiten, holzfreies Papier, Ganzleinen. — Band 2: „Gestalten und Momente aus der jüdischen Geschiehte", herausgegeben von Professor Dr. J. Elbogen; 320 Seiten, mehrere Bildtafeln, holzfreies Papier, Ganzleinen. Mitgliedsbeitrag für die vier Jahres-(Pflicht)-bände: bei jährlicher Vorauszahlung Reichsmark 14.— (Ausland: RM. 15.40), bei vierteljährlicher Zahlung RM. 3.75 (Ausland: RM. 4.10). Adresse: Der Heine Bund eine jüdische Buchgemeinde; Berlin W. 9, Linkstraße 39. — R. N. Coudenhove-Kalergi: „Paneuropa", ungekürzte Volksausgabe, Paneuropa-Verlag, Wien, M 1,90. — S. Fenyes: „Jüdels erste Wandlung". Aus dem Ungarischen übersetzt von Jakob Krausz, Verlag Halm & G o 1 ds c h m i e d t, Wien I. VERGESSEN I m m Sie nicht das Abonnement » safann >«»tfwtf oIVBBWHB ^VHEa. zu erneuern. Unterstützen Sie bei jeder 5 sich' bietenden Gelegenheit unseren Preftfumls | ■■■■■■■«■»■■■■■■■■■—«■■■■««■■■■■■■■■■■■■■■■■—■■■■«■■■«»■■■■■■■■■■■■■■?