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Die Wahrheit · 1927-07-08 · Heft 28 (8.7.1927) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 28 (8.7.1927)
Date
1927-07-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Hill HHtHWHIHrHBHWHIUlfflHtnniHfHHIfimHH III Seite 5 macht sich das gegenteilige Bestreben geltend': den äußeren Bestand des Judentums durch politische Methoden zu sichern, die mit seinen inneren Lebensquellen nichts zu tun haben. Die Erfolge dieses Systems sind keineswegs vielversprechend. Das hat erst jüngst wieder der in Berlin abgehaltene Kongreß der Völkerbundligen gezeigt. Diesem Kongreß wohnten sozusagen als Verkörperung der zur Wissenschaft erhobenen „jüdischen Politik" auch „jüdische (d. h. nationaljüdis c h e) V ö 1 k e r b u n d 1 i g e n" aus verschiedenen Ländern bei und verfochten eifrig — „nationale Minderheitsrechte" der Juden. Die Gefährlichkeit dieser Taktik steht seit Jahr und Tag zur Diskussion und braucht deshalb hier nicht eingehend theoretisch erörtert zu werden. Es genügt der Hinweis auf die p r a k t i s c h e n Ergebnisse der zur Judenfrage abgeführten Debatte. Sie hat sich ausschließlich auf die Lage der Juden in Rumänien beschränkt und schon diese Beschränkung bedeutet ein Fiasko des politischen Systems, das durch die Schaffung jüdischer Völkerbundligen verkörpert wird. Denn in Ungarn, wo speziell an den Universitäten ähnliche Verhältnisse herrschen wie in Rumänien, hat sich die Judenschaft eine Einmischung ausländischer Korporationen in interne Landesangelegenheiten schon vor Jahr und Tag energisch verbeten. Auch die Juden derTürkei haben längst in aller Form auf die Beglückung durch nationale Minderbeitsrechte verzichtet. Jetzt, anläßlich des Berliner „Minderheitsnationen"-Kongresses hat es weitere Proteste geregnet. So brachte das Wiener Aguda-Blatt eine geharnischte Absage der slowakischen Juden, die in aller Deutlichkeit schließt: „Sollte auf der Genfer Konferenz abermals der Versuch gemacht werden, das tschechoslowakische Judentum in die nationalistische Minderheitspolitik der Zionisten hineinzuziehen, so mögen die Herren erfahren, bevor es zu spät ist: Wi r w o 11 e n n i c h t!" Im selben Geiste war eine Entschließung der „Union deutschösterreicher Juden" gehalten. In Deutschland erübrigten sich derlei Proteste, denn hier haben es die Zionisten gar nicht ernsthaft versucht, den Plan eigener jüdischer Völkerbundligen zu verwirklichen. Das ist nicht zuletzt das Verdienst Paul Nathans, der besagten Plan grundsätzlich bekämpft hat. Wie berechtigt das allgemeine Mißtrauen gegen die von den Zionisten geschaffene Institution ist, lehrt das das Ergebnis der Berliner Kongreßdebatte. Es wurde von Baron Adels ward, dem gewiß ganz objektiven Vertreter der schwedischen Liga, dahin charakterisiert, die Debatte führe eher zu weiterer Entfremdung als zur Annäherung. Nur naive Gemüter konnten das Gegenteil erwarten. In 'einer Zeit, in der die Pädagogik sogar bei der Erziehung der Kinder Zwangsmaßregeln ausgeschaltet wissen möchte, ist es ein arger Anachronismus, Völker mit Zwangsmaßregeln erziehen zu wollen. Mit Gewalt kann man reale Forderungen durchsetzen, aber nicht ideelle. Am allerwenigsten läßt sich die Liebe und gegenseitige Achtung erzwingen. Beide sind nur durch methodische Aufklärung herbeizuführen. Diese muß den Weg zum Herzen der verführten Massen finden, aber nicht in fruchtlosen Debatten mit den Verführern sich erschöpfen. Was der Redner der rumänischen Liga, der Rektor der Bukarester Universität Professor P a n g r a t i, auf die Anklagen der Juden erwidert hat, zeigte wieder einmal die alte Wahrheit, daß die Wortführer des Antisemitismus nicht zu bekehren sind, sondern desavouiert werden müssen. Gerade das wird aber durch die Völkerbundligenpolitik erschwert. Denn zu den Argumenten des rumänischen Wortführers, die durchaus der Ideologie der internationalen Hakenkreuzwissenschaft entlehnt sind und daher eine eingehende Widerlegung gar nicht verdienen, gehörte auch das alte, vom Pharao Mizrajims geprägte Schlägwort vom „Landesverrat" der Juden. Sie sollen im Kriege sich mit den Feinden verbrüdert haben. Die nationaljüdische „Wiener Morgenzeitung" zieht aus dem Verlauf des Berliner Ligenkongresses die Lehre: „Selbst in diese Institutionen dringt der Haß hinein, und es zeigt sich, daß auch das Bekenntnis zum Völkerbund und seinen Grundideen ganz gut mit einer Verteidigung seines Gegenteils verbunden werden kann." Die „Morgenzeitung" verschließt sich auch nicht der Erkenntnis, daß diese unerwünschte Erfahrung speziell zuungunstenderJuden gemacht wurde, und sie gibt selbst die Ursache an: „Die jüdische Minderheitbesitzt keine mit Armee und Polizei ausgestattete Mutternation, sie besitzt kein© zentrale Körperschaft, die im Namen aller die aktive Klagelegitimation handhaben könnte." Aus diesem Manko aller konstitutiven Merkmale des Begriffs „Nation'* muß die unbefangene Logik zu der Erkenntnis von der Absurdität des jüdisch-nationalen Gedankens im allgemeinen und jüdischer Völkerbundligen im besonderen kommen. Trotzdem glaubt das zionistische Wiener Organ, einen Erfolg der Bestrebungen, jüdische Völkerbundligen zu bilden, buchen zu können: „Der Fluch der Vereinsamung ist doch gebrochen worden." Dieser Ueberschätzung des Rechtes, in politischen Debattierklubs mitreden zu dürfen, sei das Wort Paul Nathans (.jüdische Liga für Völkerbund in Deutschland?", X. V.-Zeitung Nr. 6, 1926) entgegengehalten: „Große, gemeinsame Aufgaben in getrennten Körnerschaften als Juden und als Christen lösen zu wollen, bedeutet für die Juden die Anweisung, sich wegen ihrer zahlenmäßigen Schwäche bei ernsten Entscheidungen einfach a u s z u s c h: a 11 e n." Die überwieeende Mehrheit der Juden aller Länder wird sich mit Paul Nathan für ein solches Programm bedanken. Dr. Hugo S p i e g 1 e r. erMtlsnMljeHilMl'i Bezugsbedingungen: Halbjährig: für Oesterreich S 8.50, Ungarn Pengö 8-50, Deutschland Qoldm. 7.—, Tschechoslowakei iK 60.— Polen ZI. 11—, Schweiz Fr. 7.—, I Amerika l1/»Doli.,Italien Lire 40.—,EnglandSchilling 15.—.Rumänien Lei 300.—.Jugoslawien Dinar 100.— m

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