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Die Wahrheit · 1927-07-08 · Heft 28 (8.7.1927) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 28 (8.7.1927)
Date
1927-07-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 illlillü! mmmmmmammmnam DIE WAHRHEIT Qoldmillionen für bolschewistische Propaganda in der ganzen Welt ausgibt, die erst am 1. November 1925 das Schnapsmonopol wieder eingeführt hat, welches in den Vorkriegsjahren die Kleinigkeit von zwei Milliarden Rubel an jährlichen Steuern einbrachte? Soll diese Regierung wirklich nur wegen der paar armseligen Dollarmillionen gegen Palästina mit solcher Verbissenheit und bitterer Beharrlichkeit gekämpft haben? Ach, nur politische Kinder können das glauben. Die ganze Sowjet-Kolonisation hat ganz andere Hintergründe und einen anderen Horizont. Doch das ist ein Kapitel für sich. Hier möge soviel gesagt werden, daß Felix M. Warburg durch einen Besuch in Moskau der Sowjetagitation gegen Palästina ein Ende .gemacht hat. Und das ist ein großes Verdienst. Max Liebermann zum 80. Geburtstage. Am 20. Juli wird Liebermann 80 Jahre alt. Alle, denen seine Kunst etwas sagt, werden sich schon aus rein menschlichem Empfinden freuen, daß hier, wie so selten, wieder einmal das Alter nicht eine Dornenkrone, sondern einen krönenden Gipfel der Ehren darstellt. Wofür -er Jahrzehnte lang als Führer gekämpft, das hat er zum Siege geführt. Eine Berliner Sezessionsausstelhmg eröffnete er vor Jahren mit dem tapferen Worte: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn." Nun hat er, längst an die Spitze der Berliner Akademie gestellt, des Segens die Fülle. Aber auch aus Dankbarkeit empfinden wir eine Genugtuung. Wenn man in Köln seine Amsterdamer Judengasse auf sich wirken läßt, wird man überwältigt von der. Kraft dieser reifen Kunst, die der Natur alles Geheimnis abgerungen hat und sie mit unsagbarer Treue von der Leinwand zu uns sprechen läßt. Seine früheren Werke waren mehr „interessant". Dieser Eindruck ist besonders lebhaft, wenn man jetzt sein „Altmännerhaus" oder seine „Spinnstube", seine „Schäferin" in der Lieehtensteingalerie oder das „Haus in Edan" im Belvedere sieht. Als Laie und schlichter Kunstgenießer wenigstens urteilt man so. Man merkt nicht so leicht sein Hinausschreiten über Millet und wird sich erst seiner persönlichen Note bewußt, wenn mart etwa in Würzburg vor die Bilder Hayeks, seines verblüf fend getreuen Schülers, tritt und unwillkürlich ausruft: „Ein Liebermann!" Was meint man damit? Heinse, der Dichter des Ardinghello, sagte von den Schöpfungen Rubens, er „rieche" sie. Die Illusion des Erdgeruches bieten die französischen Naturalisten, bei denen Liebermann in die Schule gegangen ist. Er selbst hat aber nicht umsonst auch bei Israels gelernt. Das Dämpfendweiche des umspielenden Lichtes versöhnt mit der Härte der Arbeit und dem Schmutz des Elends, das er darstellt, wie es zur vollen Harmonie ausklingen läßt den Feierabend der Rastenden. Indem er so nicht nur das Auge beschäftigt, sondern den ganzen Menschen anspricht, kopiert er nicht Natur, er ist Natur. Er schafft nach dem Leitsatz: „Eine gut gemalte Rübe gilt künsterisch höher, als eine schlecht gemalte Himmelfahrt" und gibt mit seinem Erfolge Grillparzer recht, der, wie meist, auch hier erstaunlich sicher urteilt, daß der Maler der Natur eines vor dem Maler der Idee voraus hat: Der Darstellung einer Idee gelingt es selten, natürlich zu sein. Wer aber die Natur richtig trifft, der wird auch voller Ideen sein, so wie die Natur selbst es ist. „Nicht das sogenannte Malerische ist 's, was ich suche", so schreibt Liebermann einmal, „sondern die Natur in ihrer Einfachheit und Größe aufzufassen — das Einfachste und Schwerste." Man hat Liebermann deshalb mit Spinoza zusammengestellt, man hat ihn einen „Vollblutjuden" genannt, während Dehmel in ihm den „deutschesten" Künstler sehen will. Wer will das entscheiden? Jedenfalls hat Liebermann sich stets offen als Jude bekannt. Vielleicht liegt in seiner Art etwas von der seiner Landsmännin Rahel, die in Paris fühlt: „Eine Art contenance gibt 's einem, aus Berlin zu sein und Jude." Und beides ist Liebermann. Als ausgesprochener Berliner stand er zu gewissen Wiener Kunstkreisen in einem Gegensatze, der, wie er mir gelegentlich mitteilte, zum' Teil auch persönlich begründet war. Als Jude hatte er mit manchem Uebelwollen und Widerstande zu kämpfen. Um so stolzer zählen wir Juden ihn zu den Unseren. __I>r. M. Grunwald. Das Fiasko der „jüdischen Völkerbundligen". Ein Nachwort zum Berliner. Kongreß der Völkerbundligen. Die Entdeckung, daß das Judentum eigentlich ein Politikum ist und als solches mit den Methoden berufsmäßiger Politik „gerettet" werden muß, wird von gewisser Seite als Beginn einer modernen Renaissance des Judentums gewertet. In Wirklichkeit war das Judentum immer ein politischer Faktor, und zwar nicht nur im passiven Sinn als Objekt systematischer Ausbeutung durch spekulative Fürsten und Gegenstand feindlicher Angriffe seitens ebenso spekulativer Demagogen, sondern auch aktiv. Es war auf die Abwehr solcher Anschläge stets bedacht, sonst wäre es ja längst nicht mehr da! Daß das Judentum so viele Völker und Staaten — auch den eigenen! — überlebt hat, verrät sogar eme besondere politische Geschicklichkeit; aber diese Geschicklichkeit war niemals reglementiert, sondern äußerte sich in der Fähigkeit, sich den jeweils gegebenen Zwangslagen mit gesundem Instinkt gewachsen zu zeigen und das gerade Zweckmäßige zu tun. Eine gebundene Marschroute wie in der jüdischen Religion hat es in der jüdischen Politik niemals gegeben. Die großen geistigen Wegweiser-des Judentums waren immer nur darauf bedacht, es erhaifens w e r t zu gestalten. W i e es erhalten werden sollte, erschien ihnen als cura posterior, und — die Geschichte hat ihnen recht gegeben . . . Das konstatiert der Erforscher der Vergangenheit mit freudiger Genugtuung, der Beobachter der Gegenwart aber mit banger Sorge. Denn heutzutage

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