Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1927-06-24 · Heft 27 (24.6.1927) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 27 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064299-3064325--15520-3088309
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE WAHRHEIT iialM^^ «WS» Seite 13 ywiMKmwm m Ton fftxfie su Worfie >g ^W** '^»MMMIIMM«W«l*M*«IWW«IWMMI4IM««IM««H««»l««mHIIHMHM«MII»4W***l..... Juristentagung des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V. Am Sonnabend, den 18. und Sonntag, den 19. Juni d. J., veranstaltete der Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eine von annähernd vierhundert jüdischen Juristen aus Berlin und aus dem Reiche besuchte Tagung, die sich mit den Fragen der deutschen Justiz, soweit sie Juden und Judentum betreffen, in eingehender Beratung beschäftigte. In seiner Eröffnungsrede betonte der Vorsitzende, Justizrat Dr. B r o d n i t z, daß der Zweck der Zusammenkunft nicht eine von politischen Tagesgesichtspunkten veranlaßte Demonstration unter dem Zeichen irgendeines Schlagwortes sein, sondern das Material des Vereines in ernster Arbeit geprüft und zur Förderung der deutschen Rechtspflege ausgewertet werden solle. Selbstverständlich bedeute die Tagung keine Absonderung der jüdischen Juristen von ihren nichtjüdischen Kollegen. Landgerichtsrat Dr. Jacques Stern-Berlin zeichnete in leidenschaftsloser und geistig durchdachter Weise das Bild der „völkischen Rechts- und Staatsphilosophie" unter besonderer Würdigung ihrer führenden Köpfe. Er kam zu dem Ergebnis, eine völkische Weltanschauung als Grundlage von Recht und Staat mit dem Ziele der Entrechtung der deutschen Juden sei weder philosophisch noch geschichtlich zu begründen. Ihre Durchführung werfe Deutschland um Jahrhunderte zurück, isoliere es im Kreise der übrigen Nationen und mache so seinen Wiederaufstieg für alle Zeiten unmöglich. Justizrat Dr. Siegfried Löwenstein -Berlin beleuchtete den Entwurf eines „Allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuches" und wies auf die Notwendigkeit hin, gewisse Bestimmungen, wie z. B. „Anreizung zum Klassenkampf" so zu formulieren, wie die Gesamtinteressen des deutschen Volkes und damit auch der jüdischen Deutschen es auf Grund unserer Erfahrungen verlangen. Rechtsanwalt Dr. Erich Eyck-Berlin beleuchtete in seinem Referat ..Die Stellung der Rechtspflege zu Juden und Judentum" an Hand einer sehr großen Zahl von Einzelfällen, die einer eindringenden juristischen Würdigung unterzogen wurden. Er lehnte jede unzulässige Verallgemeinerung bewußt ab, suchte aber die Gründe zu ermitteln, die zu den festgestellten Fehlgriffen geführt haben. Der Vortrag gipfelte in der Forderung unparteiischer Gerechtigkeit, nicht nur um der deutschen Juden, sondern um des gesamten großen deutschen Vaterlandes willen. Rechtsanwalt Dr. Bruno W e i 1- Berlin schilderte in glanzvoller Rede auf breiter geschichtlicher Grundlage Wesen und Bedeutung des „Politischen Prozesses". Er wies darauf hin, daß dieser mehr und mehr nach der Revolution auch in Deutschland ein Faktor des politischen Lebens geworden sei. Diese Tatsache erfordere die Heranbildung von Verteidigern, die die besonderen Erfordernisse des politischen Prozesses zu meistern verstünden. Wer in politischen Prozessen tätig sei, in denen es sich um deutsche und jüdische Fragen handle, müsse sich bewußt bleiben, daß sittliche Eigenschaften, geistige Gaben und Pflichterfüllung, nicht zum mindesten aber vaterländisches Empfinden dem deutschen Juden das Recht und die Pflicht geben, ihre tatsächliche und rechtliche Gleichstellung mit allen nichtjüdischen Deutschen zu erkämpfen. Eine vielstündige Aussprache, an der Juristen aus allen Teilen des Reiches, darunter auch Universitätsprofessoren und zahlreiche Richter, teilnahmen, brachte eine Fülle neuen Materials zu den behandelten Fragen. Justizrat B r o d n i t z konnte in seinem Schlußwort darauf hinweisen, daß die Tagung, wie erwartet, nicht dem spezifisch-jüdischen Interesse, sondern dem großen Rechtsinteresse des gesamten Landes gedient habe, Generalversammlung der Adas Jisroel. Am 16. v. M. fand im Turnsaale der Talmud Thoraschule die Generalversammlung der Adas Jisroel unter zahlreicher Beteiligung statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Zur festgesetzten Stunde eröffnete der Vorsitzende Obmannstellvertreter Herr Dr. Reiniger die Versammlung. Er dankte den Erschienenen für ihr Interesse an den Arbeiten der Adas Jisroel und gedachte der heimgegangenen Mitglieder; zunächst würdigte er die Verdienste des verstorbenen Ehrenpräsidenten und Ehrenmitgliedes Herrn Marcus Bondi und des Vorstandsmitgliedes Bernhard Klein sowie der verstorbenen Mitglieder Julius Fischer, Osias März. Mosche P o rg e s, Dr. Bela R o s e n t h a 1, die sich vielfach im öffentlichen Leben betätigten, sowie der Herren Aron Chalfen, Alois Dukes, Isidor Eichenbaum, Samuel Frenkl, Leopold Goldstein, Josef Grünwald, Baruch Scholem Lanner, Israel Moschkowitz, Josef Nagel, Josef Samek, Karl Schön, Armin Schreiber, Tobias Schenirer, Maximilian Weiß und Michael Weiß, die ihre Anhänglichkeit an die Adas Jisroel bewiesen haben. Die Versammlung hört den Nachruf stehend an. Der Vorsitzende führte dann aus, daß die Adas Jisroel ihre Aufgabe stets so auffaßte, daß sie alle ihre Arbeiten und Einrichtungen nicht nur für die eigenen Mitglieder, sondern der großen Allgemeinheit zur Verfügung stellte, was aus dem Bericht zu ersehen ist. Er widmet warme Worte der Begrüßung den erschienenen Vertretern der Bethäuser und Vereine, welche das gleichgerichtete Ziel als treue Mitarbeiter der Adas Jisroel verfolgen. Ferner begrüßte er den Vertreter der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Josef T i c h o. Als Berichterstatter über die Tätigkeit nahm Herr Kultusvorsteher Wolf Pappenheim das Wort. Er dankte zunächst den Vertretern der Kultusgemeinde und seinen Mitarbeitern im Kultusvorstande für die Förderung der religiösen Interessen der glaubenstreuen Judenschaft, wodurch ein besseres Verhältnis zu dem Vorstande der Kultusgemeinde sich entwickelte. Er besprach darauf die Tätigkeit der Adas Jisroel nach den verschiedenen Zweigen. Zur Thoraförderung gehört zunächst die reichhaltige Tätigkeit auf dem Gebiete der Horaah seitens des Rabbinates. die von der gesamten glaubenstreuen Judenschaft Wiens, ständig in allen Fragen des jüdischen Lebens in Anspruch genommen wird. Er verweist auf die zahlreichen Schiurim und Vorträge, die täglich an mehreren Orten und zu verschiedenen Stunden des Tages sowohl von den Mitgliedern des Rabbinates, als auch von anderen Mitgliedern des Adas Jisroel gehalten und zahlreich besucht werden. Der Jescde Thora, eine blühende Unterrichtsanstalt, die von fast 400 Kindern besucht wird, bringt es zustande, daß alljährlich etwa 40 Kinder zum Besuche einer Jeschiwoh herangebildet werden. Das Gesamterfordernis der Schule ist fast 40.000 S. Bloß 25 Kinder bezahlen das volle Schulgeld. Die Entwicklung der Talmud Thoraschule, einer vollständigen Knaben- und Mädchen-Volks- und Bürgerschule, ist eine befriedigende. 1 MÖBELHAUS I 2 OSKAR OBLATT I S Wien I!., PraterstraBe Nr. 52 2 2 Telephon Nr. 46-1-34 und 47-0-34 JJ 2 Kompl. Brautausstattungen, 2 j» Motelu. Villeneinrichtungen S 2 Sehr mBBlfl« Preise 2 ■MtmiiiiimmtiiiitMMttiiiMtiB FLEISCHHAUEREI1 SIEGMUND KORNMEHL WIEN IX., BSRQGASSE NR. 19 FILIALE ■ XVIII., WJUiRINGERSTRASSE KR. 97 Telephon Nr. 17-3-99 and 15-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilung für Koscherfleisch IX., Iipgtassi IS eel XVIII., labrliiiPitrali 97 unter Aufsicht des ehr«. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wen. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieh Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.