Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 27 (24.6.1927)
- Date
- 1927-06-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 BBMIWPHIWHIBIlMWi DIE WAHRHEIT haupt, obwohl sein Vermögen verglichen mit dem nichtjüdischer Multimillionäre wie Ford, Rockefeller, Morgan und anderer klein erscheint. Von den übrigen reichen Juden ist nämlich zu sagen: Die Guggenheims repräsentieren ein größeres Kapital als das Rosenwalds, allein ersteres verteilt sich auf mehrere Familienmitglieder. Auch Felix M. Warburg, Mortimer Schiff und Otto H. Kahn reichen mit ihren Vermögen an das Rosenwalds nicht heran. Auch in der Alten Welt gibt es keinen Juden, dessen Reichtum mit dem Rosenwalds auch nur annähernd zu vergleichen ist. Der Reichtum der ganzen Familie Rothschild ist, wie das Blatt behauptet, noch nicht halb so groß als der Rosenwalds. Aber auch Mond in London reicht nicht heran. Das „Jüdische T a g b 1 a 11" geht sogar noch weiter und stellt die kühne Behauptung auf, Herr Rosenwald sei mit seinen 110 Millionen Dollar unzweifelhaft der reichste Jude aller Zeiten, während das „Jü d ische Montag-Journal" zu berichten weiß, daß Julius Rosenwald als ein Kind armer Eltern in Amerika eingewandert ist Nicht als Bankier und nicht als Industrieller, sondern als kaufmännischer Organisator habe er sein Vermögen erworben, er sei der reichste Kaufmann der Welt. Rosenwald hat das Warenhaussystem und das System der Postbestellung, das in Amerika gewaltigen Umfang erreicht, zur heutigen Blüte gebracht. Sein Haus beschäftigt viele tausende Angestellte und Arbeiter. Zur Statistik der Juden in Deutschland. Wer irgendwie völkische oder hakenkreuzlerLsche Blätter 7ur Hand nimmt findet immer wieder und in allen möglichen Formen das Märchen von der ..jüdischen Gefahr", mit welchem regen die deutschen Juden gehetzt wird. Wie es wirklich mit dieser vermeintlichen „Gefahr" der Verjudung aussieht, das beweist eine jüngst erschienene hochinteressante Statistik der Sektion für Wirtschaft und Statistik des jüdischen wissenschaftlichen Institutes in Berlin, der wir folgende bemerkenswerte Daten entnehmen: Nach den offiziellen Angaben beträgt die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung in Deutschland nicht mehr als 555.000 Seelen, das sind 0.89> Prozent der 62.3 Millionen Seelen betragenden Gesamtbevölkerung der Deutschen Republik. Die Zahl der Juden in Deutschland hat sich daher gegen 1910 nicht nur absolut sondern auch relativ vermindert. Besonders fallen die Zahlen betreffend Preußen auf, dessen jüdische Bevölkerung etwas mehr als 400.000 ausmacht Bekanntlich schätzte man die jüdische Bevölkerung Preußens vor dem Kriege auf 450.000. Die jüdische Bevölkerung Berlins zählte am Volkszählungstage 1925 im ganzen 172472 Seelen, das heißt bloß um 28.697 Seelen oder 20 Prozent mehr, als im Jahre 1910. Diese Ziffern zerstören die sehr verbreitete Xegenide über das Vorhandensein von einer Vi e r telm ilI ion Juden in der Reichshauptstadt eine Legende, die sehr oft auch von verantwortlichen jüdischen Institutionen wiederholt wurde. Sie zerstören aber auch 'las Märchen von einer auf Zehntausende sich belaufenden Masseneinwanderung von Ostjuden. Sie zeigen auch, daß das angestammte Judentum Berlins in weiterer Abnahme begriffen ist, und daß der ganze Zuwachs der Berliner jüdischen Gemeinde während der letzten 15 Jahre fast ausschließlich auf die Zuwanderung aus der Provinz und die Einwanderung von ausländischen Juden zurückzuführen ist. Auf die einzelnen Orthodox Restauration in Clrkwenlco, S. H. S.» bei JOSEF M. ENGEL €%«»«r«w« Cesla 2SO Sonniges an« Billigstes seesfrmaoad an der Adrla Heilt Katarrhe, Asthma etc. Sonnenbäder, Luftkur * Prospekte orth. *"ttJD Restaurant GOLDBERG „VILLA BERN INA" Einziges orthodoxes "ICD Restaurant im SAlIKANNEBfiif Großer Speisesaal, Glasveranda, gute Küche, Caicflll Mal Bau* zivile Preise. Referenzen von hervorragenden ÜBlaUII luBl UB|II* rabblnischen 'Autoritäten. ^as=s==^^= Bezirke verteilt beträgt die Zähl der Berliner jüdisdien Bevölkerung: Berlin-Mitte 30.977 (Gesamtbevölkerung 295.837), Charlottenburg: 30.553 (Gesamtbevölkerung 345.139), Wilmersdorf: 22.704 (174.884), Prenzlauer Berg: 20.419 (326.311), Schöneberg: 17.785 (231.664), Thiergarten: 15.943 (283.581), Kreuzberg: 8167 (377.253). Friedrichshain: 8061 (336.338), Wedding: 3695 (351.798), Neukölln: 2832 (290.327), Steglitz: 2475 (160.580), Lichtenberg: 1918 (198.832), Pankow: 1566 (100.825), Zehlendorf: 1513 (44.288), Tempelhof: 921 (68.009), Weißensee: 920 (58.114), Treptow 661 (97.524), Reinickendorf: 554 (105.467), Spandau: 514 (111.629), Köpenick: 494 (65.765). Die jüdische Bevölkerung Berlins macht 4,3 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, gegen 3.9 Prozent im Jahre 1910. Jüdische Studenten in Italien. Die jüdischen Studentenkomitees an den italienischen Universitäten haben vor kurzem in Florenz eine Tagung abgehalten, in der mitgeteilt wurde, daß an den Universitäten Italiens über tausend junge Juden aus Ungarn, Rumänien, Polen, Palästina ihren Studien obliegen. Der Konferenz wohnten mehrere Universitätsprofessoren und Vertreter des italienischen Judentums bei. Die fünfzig Mann zählende palästinensische Gruppe entwickelt eine intensive Tätigkeit zur Verbreitung von hebräischen Sprache und Literatur. Das Zentralkomitee der jüdischen Studenten Italiens hat seinen Sitz von Florenz nach Padua verlegt. Schwere Bestrafung eines wüsten antisemitischen Hetzers. Der Berliner völkische Agitator F. M a j e w s k i, der sich?ern Lauterer nennt und den selbstgewählten Rang eines „Schmiedes des Nibelungenringes" bekleidet, hatte sich vor dem erweiterten Charlottenburger Schöffengericht in diesen Tagen zu verantworten. Er hatte um die Zeit der hohen Feiertage des vergangenen Jahres ein Flugblatt verbreiten lassen, auf dem ein von ihm verfaßtes Gedicht im .Rhythmus der Arbeiterinternationale, „Die Nationale" betitelt, zum Abdruck gebracht war. In ihm kamen, abgesehen davon, daß vom „J u d e n g o 1t" als „Satan" die Rede war, folgende Zeilen vor: 9 „Völker, höret die Signale, Seht am Himmel die Fanale (!) Auf zum letzten Strauß, Rottet Juda aus!" Außerdem richtete er die liebevolle Aufforderung an das deutsche Volk, die Juden ins Weltmeer hineinzujagen. Auf die Strafanzeige des Zen tral v er eines hin hatte die Staatsanwaltschaft wegen Gotteslästerung (§ 166 StGB.) und Aufreizung zum Klassenhaß (§ 130 StBG.) Anklage erhoben. In der Hauptverhandlutug versuchte Majewski zunächst, eine jüdische Schöffin abzulehnen — erfolglos. Seine Verteidigung zeichnete sich nur dadurch aus, daß er die altbekannten Ausreden, die Juden seiein eine Rasse und keine Klasse, der Gott der Juden sei der Gegensatz zum christlichen Gott der Liebe, könne also als Satan bezeichnet werden, besonders wirr zum Vortrag brachte und damit am Richter tisch und im Zuhörerraum ein einigendes Lächeln hervorrief. Der Sachbearbeiter des C V., der als Zeuge vernommen wurde, machte auf zahlreiche Fälle von Gewalttätigkeiten aufmerksam, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Aufforderungen, die die Schärfe der vom Angeklagten geäußerten nicht einmal erreichten, sich sowohl in Berlin wie auch an anderen Orten ereignet hätten. Die Bezeichnung ..Satan" verletze das religiöse Empfinden auf tiefste. Der Staatsanwalt beantragte, da eine vor Jahresfrist aus ähnlichem Anlaß verhängte Geldstrafe anscheinend ihren Zweck verfehlt hatte, eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Das Gericht erkannte antragsgemäß. VERGESSEN : : : Sie nicht das Abonnement ■ sdion jeizi ■ zu erneuern. Unterstützen Sie bei jeder g : sich bietenden Gelegenheit unseren S Prefifond$; *■■■•■■■•■»■»»■■■■»■■■■■■■■■■■■■»»■■■■»■■■■»■■■»■■«■■»■•»«•■■■»■■»•»■■■■■»»»■»»3