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Die Wahrheit · 1927-06-24 · Heft 27 (24.6.1927) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 27 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT fflliOHll HillUlllllllliliyilllll Seite 5 tend machen, daß immer der Dienst an der Kunst ihnen voranstand, und daß das Geschält ihnen nur Mittel zum Zwecke war. Vielen jüdischen Direktoren verdankt die dramatische Kunst eine Fülle von Anregungen und wertvoller Arbeit, die zum Teil Neuland erschloß. Sie haben Wege gewiesen, die dann von anderen weiter beschritten wurden, und diese Bühnenmänner, in deren vorderster Reihe auch Leopold J e s s n e r, der kluge, zielsichere Intendant der Berliner Staatstheater, steht, haben, jeder seinen Teil, dazu beigetragen, die deutsche Bühnenkunst auf die Höhe zu erheben, die sie heute behauptet Gerade die im Eingang dargelegten spezifisichen Eigenschaften des Juden haben sie dazu befähigt. Sind nicht auch die jüdischen Kritiker mit einer wahren Leidenschaft dem Theater ergeben? Man behauptet, daß das Negierende, Zersetzende im Charakter des Juden begründet sei, und man zieht wieder einen Trugschluß. Denn auch hier zeigt sich eben der Idealist, der die Dinge so sehen will, wie sie in seiner Vorstellung leben, und der die irgend erdenkliche Vollkommenheit anstrebte. Für diese Vollkommenheit kämpfen die jüdischen Kritiker, tmd ihrem Verneinen liegt nur der heiße Wunsch des Bejahenkönnens zugrunde. Der jüdische Dramatiker, der mit Ernst tiefgründigen Problemen nachgeht oder mit flinkem Witz ein heiteres Thema behandelt, sei hier nur kurz erwähnt. Es ist aber wohl kein Zufall, sondern in der idealistischen Natur des Juden begründet, daß kaum ein Jude sich seinerzeit unter den Vertretern der realistischen Schule befand. Zum Theater gehört das Publikum, und auch hier stellen die Juden ein wichtiges und bedeutsames Kontingent. Das Interesse für Kunst und Künstler ist bei ihnen immer rege, sie sind leicht entzündlich, schnell zu begeistern, und ihre rasche Auffassungsgabe befähigt sie, den Intentionen des Dichters mit rechtem Verständnis zu folgen, die Leistungen eines Schauspielers nach ihrem vollen Wert einzuschätzen. So gering auch die Zahl der Juden, gemessen an der Gesamtbevölkerung Wiens ist, einen so ausschlaggebenden Faktor bilden sie doch im Theaterleben dieser Stadt, aus dem sie nur zum Schaden des Ganzen wegzudenken wären. Der Jude und das Theater gehören zueinander, denn jüdische Geistes- und Gemütsgaben ergeben ein glückliches Gemisch zum Heil der Bühnenkunst. Richard Wilde, Berlin. Die ersten Könige in Israel. Von Direktor Dr. S. Krenberger. Saul knüpft an Simson an. Er setzt die Kämpfe gegen die Philister fort. Er hat aber auch alle Stämme geeint und David und Salomon haben Israel zu einem bedeutenden Großstaat in Westasien gemacht, um dessen Freundschaft Phönizien und Aegypten warben, und dessen Macht die Wüstenvölker vom Euphrat bis zum Roten Meer fürchteten. David aber wurde das Ideal des Volkes, das sich nach einem einigen, mächtigen und heiligen Vaterland sehnte. Er ward der Kriegsheld, aber auch der Sänger und der Gründer der Theakratie. Er begründete das Heiligtum in Jerusalem, das er zur Davidsstadt und Residenz gemacht hatte. Salomon brachte durch den Bau des Tempels und durch eine glänzende Priesterschaft den Gottesglauben in enge Beziehung zum königlichen Hause. In Zion hat der allmächtige Gott seinen Wohnsitz aufgeschlagen und die Einheit, Stärke und Macht Israels sind mit Gott. David und Zion verbunden. Das Nationalgefühl ist somit dem religiösen innig verbunden, ist mit ihm eins. Diese Entwicklung der jüdischen Jugend so eindrucks- { l\ voll als möglich nahe zu bringen, die Verehrung Gottes, seine » p Gebote und Wünsche, seine Satzungen und Lehren ihnen ein- J | zuprägen, den Kult des Ewigen im Heiligtum aufzuzeigen, ist *s | die weitere große Aufgabe der Lehrer. Mit Schülern, in denen * \ schon sittliches und religiöses, nationales und ethisches Fühlen . und Sinnen geweckt wurde, die schon den Ideen der Gemein- , * schaft und des Ueberirdischen Teilnahme entgegenbringen, die "V- *: also die Geschichte der großen Kämpfe, aber auch die abt ji strakten Lehren der Pflicht und Gesetze mit .Verständnis aufl * J1 fassen werden, weil sie schon aus dem Kindesalter der Unbefangenheit in das der Knaben- und Jungmädchenzeit gel treten sind und selbst einer größeren Gemeinschaft durch die j J Schule angehören, wo auch Ordnung und Gesetz walten, mit ' ] solchen Schülern wird der Stoff sich fruchtbringend abhanr \ dein lassen.? ' Es sind also zu lehren: Saul wird zum König gewählt. j;, \ Sauls Kämpfe gegen die Philister, gegen Moab, Ammon, Edom und die Amalekiter. Davids Abkunft und seine Salbung zum König. Saul und David. Davids Regierung. Salomo. — Dann David holt die Bundeslade aus dem Hause Abinadabs nach Jerusalem. Jetzt verfolgt man die Geschichte der Bundeslade vom Stiftszelt der Wüste bis zu Eli und seinen Söhnen und kommt so zur Würdigung Samuels, der zu den Propheten überleitet. Abschluß ist hier Salomons Tempelbau. Hier kommen die zehn Gebote zur Darstellung, denn sie sind der Mittelpunkt des ganzen sittlichen und kulturellen Lebens. An sie schließen sich die Vorschriften für die Priester, die Bestimmungen der Feste, kurz alles, was auf den Kult nach Leviticus Bezug hat und was im Deutoronormum an Gesetzen und Vorschriften wiederholt und hinzugefügt ist. Das hat die Priesterherrschaft begründet und einen idealen Religionsstaat geschaffen. Eine Fülle hebräischer Stoffe bietet sich bei dieser Lehrarbeit da: Die zehn Gebote vor allem, die Lehren Moses in Deuteronomium Kap. 6, die in Kap. 22 bis 25 über die Nächstenliebe und Menschenfreundlichkeit, dann Moses Abschiedslted (Deut 32), Davids Totengesang um Saul und Jonathan, das sogenannte Bogenlied. die Verkündigung Nathans wegen des Tempelbaues (2. Buch Samuel, Kap. 7), und Salomos Einweihung des Tempels. Die reifere Jueend wird das Schöne und Gute unseres Schrifttums mit Hingabe aufnehmen und in sich selbst zur Erkenntnis kommen, Gottes Geboten nachzuhangen Tag und Nacht, auf allen Wegen und bei jeder Tätigkeit. Erziehung zur Selbstzucht soll sich der Lehrer zur Autgabe stellen. Die späteren Königszeiten und die Propheten. „Und als dann Salomo versuchte, dem Reich durch Beamtentum und Steuern ein festeres Fundament zu geben, da hob sich Israel zu seinen Hütten, ließ den Einheitsgedanken und die herrlichen Traditionen des Hauses David fahren und verfiel in zwei feindliche Stämmegruppen." (Prof. B. Otto.) Aber auch die Männer, welche unter den Königen zuerst auftraten und die wir als Propheten verehren, sehen in der Erstarrung des Staatswesens durch Zentralisation und Beamtentum eine Gefahr für alle hohen Ideale und fühlen sich als das vom Ewigen beauftragte Gewissen der Nation. Die Propheten sind es. welche von nun an das Leben und die Gesittung des Volkes beeinflußen. Das äußerliche Leben der beiden Reiche spielt sich im Kampfe um den rechten Glauben, aber auch um die Rechte des Volkes im Staate ab. Der König ist auch nur Volksgenosse und hat sich unter die Grundgesetze seines Volkes zu beugen. Tut er das nicht, wagt er es, in das Heiligtum der inneren Volksangelegenheiten mit der Neigung zu absolutem Regiment einzugreifen, so verläßt ihn das Volk. Eine solche Staatsform ist in asiatischen Staaten unerhört gewesen und es bildet einen Ruhmestitel unseres Volkes, auch gegenüber dem König die Rechte des Volkes gewahrt zu haben. König war nur Gott! Und die erhabenen Männer, v/ie Nathan. Arnos, Jeremia und Jesaia waren auch Vertreter der sozialen Gerechtigkeit und der höchsten Sittlichkeit. Wenn wir bei Jesaias 58,12 lesen, daß der Wohltätige in den Riß der Gerechtigkeit trete gegen die Armen, daß man ihn den Vermauerer des Risses nennt, so ist das die höchste und größte soziale Lehre. Und wiegt nicht der Psalm 15 ganze Lehrgebäude der Ethik auf, wenn es dort heißt: „Herr, wer wird wohnen in deiner Hütte? Wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge? Wer ohne Wandel einher geht und recht tut und redet die Wahrheit von Herzen, wer mit seiner Zunge nicht verleumdet und seinem Nächsten nichts Arges tut und seinen Nächsten nicht schmäht, wer die Gottlosen nicht achtet, sondern die Gottesfürchtigen ehrt, wer seinem Nächsten

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