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Die Wahrheit · 1927-06-24 · Heft 27 (24.6.1927) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 27 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT iiiiiiiiM lUmiRHMlinil!!!!!;!! Seit* 3 Christen machen werde, als er als Jude w a r," befindet sich eben nicht mehr in der Zwangslage zu Zeiten des Mittelalters, das z. B. in Frankreich ein bis zum 4. April 1392 in Geltung gewesenes Edikt geboren hatte, wonach das Eigentum der Juden konfisziert wurde, wenn sie zum Christentum übertreten, während sie freilich auf der anderen Seite den Feuertod zu gewärtigen hatten, wenn sie nicht übertraten, Heut hat sich wohl bei den Staatsmännern aller gesitteten Staaten die Auffassung durchgerungen, der der Präsident der amerikanischen Staaten, Taft, im Jahre 1913 einer Deputation von Mitgliedern der Bne Brith folgenden Ausdruck gegeben hat: „Wahr ist, Sie sind treu Ihrer Abstammung und Ihrem Glauben, und warum sollen Sie das nicht? Wir möchten Sie nicht achten, wenn Sie es nicht täten." In Bulgarien, also in einem Balkanstaat, hat schon im Jahre 1907 der damalige Unterrichtsminister "Dr. Schichmanow das B e w e rbungsschreibeneinesgetauftenJuden zerrissen, mit der Bemerkung zurückgeschickt: „Verräter Ihres Volkes können nicht zur Erziehung der bulgarischen Jugend zugelassen werden." Was man nicht doch alles in dem Kulturstaat Deutschland von einem der sonst so verächtlich genannten Balkanstaaten lernen kann! er » (i BezugsDedlngungen: Halbjährig: für Oesterreich S 8.50, Ungarn Pengö 8-50, Deutschland Qoldm. 7.—, Tschechoslowakei cK60—, Polen ZI. 11—, Schweiz Fr. 7.-, Amerika l1/» Doli., Italien Lire 40.—, England Schilling 15.—, Rumänien Lei 300—»Jugoslawien Dinar 100.— nur ein Mann des Friedens, dafür folgten seinem Heimgange Tränen, die vor Gottes Thron gezählt und gesammelt werden; die Tränen, die dem Wege des Kriegshelden folgen, sind ein Strom des Fluches und der Verwünschung, der auch den Stein des Denkmals unterwäscht und zum Sturze bringen wird. Es braucht nur die Menschheit zur Einsicht zu kommen und zu erkennen, auf welcher Seite der wahre Segen blüht. Was für den Krieg von Staat zu Staat, für den Streit zwischen Reich und Reich gilt, bezieht sich in gleicher Weise auch auf den inneren Krieg, der durch den Haß der Parteien, Religionen, Stände und Gesellschaft unter die Bürgerschaft getragen wird. Er entsteht und erhält sich hauptsächlich deshalb, weil es allenthalben an Jüngern Ahrons fehlt, die führenden Geister, die mehr Friedensals Kriegshelden sind und sein wollen, uns fehlen. Aber daran wollen die Menschen ebensowenig glauben, wie einst die Israeliten an den Tod Ahrons. Denn als sie Moses und Eleasar allein vom Berge herabkommen sahen, so wird erzählt, sprachen sie: „Ist es möglich, er, der dem Engel des Verderbnisses Widerstand leistete, der Pest Einhalt gebot, w^äre dem Todesengel unterlegen?" Da ließ Gott durch seine Engel den Sarg Ahrons vor den Augen des Volkes durch die Lüfte schweben. Da glaubten sie es und weinten. Man versündigt sich gegen den Frieden in allen Lagern; die Parteien, die Gesellschaft, die Völker und die Regierungen wollen an den Tod Ahrons nicht glauben, nicht wissen, daß ' sie keine Helden und Vorkämpfer für den Frieden in ihrer Mitte haben. Wenn sie den Sarg Ahrons durch die Lüfte schweben sehen, weinen sie — aber zu spät. Die Denkmäler und Büsten, die den Männern des Streites und Kampfes gestellt werden, mögen gewiß verdient sein, denn auch der Kampf ist eine große Sache; aber die Tränen, die man den Friedenshelden zu spät nachweint — sollten der Menschheit doch mehr zu denken geben. 1 Verlangen Sie überall j Originalineral wassei ~ undJB^iwasser Ri Pirehttoo Uni: Platz des 12. November Nr. 11 Fernsprecher 25-17 und 60-60 Drahtanschrift: Thermag Linz Bfidgastelner Thcrmalwasscr A^GL Depot Wien: I., Helferstorferstraße Nr. 9 Fernsprecher 62-0-42 Drahtanschrift: Thermag Wien!L=i der Name spricht in* skh! ■s==Jf Der Jude und das Theater. Der Jude und das Theater — dies könnte eine historische Abhandlung werden, wenn die Beziehungen der Juden zur Schaubühne in ihrer heutigen Gestait weit in die Vergangenheit zurückreichten. Freilich, schon König Salomo unterhielt eine eigene Truppe von Gauklern und Springern, und im Rom der Kaiserzeit fanden sich unter den Schauspielern auch Israeliten, aber das sind Erscheinungen, die vereinzelt blieben und kaum etwas mit dem Thema zu tun haben. Denn wie sehr auch Neigung oder Veranlagung den Juden auf das Theater weisen mochten: die Schranken des Ghettos, die ihn in engen Zwang banden, ihn zu einem Paria stempelten, setzten Wünschen und Taten unüberwindliche Hemmnisse entgegen. Innerhalb des Ghettos selbst allerdings war die Kunst des „Verstellers" nicht unbekannt. Am Purimfest durfte sie sich ausleben: in phantasiebeschwingten heiteren oder ernsten Improvisationen, Stegreifkomödien, oder auch in festgelegten dramatischen Dichtungen, wie jener aus dem 17. Jahrhundert stammenden „Verkaufung Josefs" (Mekirath Joseph), von der ein Exemplar sich in der Bibliothek des Vaters Goethes befand und allem Anschein nach den Knaben Wolfgang bei der Abfassung seiner „Josefslegende" beeinflußt hat. Wenigstens wird diese Handschrift als eines der Argumente für die Echtheit der in Hamburg entdeckten Dichtung des jungen Goethe herangezogen. Im übrigen reiste mit dem Purimspiel „Die Verkaufung Josefs" eine aus Rabbinatsschülern gebildete Truppe in ganz West-

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