Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 26 (17.6.1927)
- Date
- 1927-06-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Sefte U DIE WAHRHÖf r : t l r r f I : i- \! \ , u \ -i : t Ji! tj* wobei auch die jüngsten Zöglinge zu musikalischer Mithilfe herangezogen wurden, die sich wie alle anderen mit bestem Eifer und Geschick ihrer Aufgabe entledigten. Bis 11 Uhr nachts huldigte die Jugend dem Tanze, zu dem eine ausgezeichnete freiwillige Jazz-Band unermüdlich aufspielte. Es sei besonders hervorgehoben, daß, wo es sich um Waisenkinder handelt, das Wort vom goldenen Wiener Herzen keine Phrase ist. Das Damenkomitee, sowie Spender ohne Unterschied der Konfession hatten in hochherziger Weise durch kostenlose Lieferung des Büfettbedarfes zu dem befriedigenden Erträgnis der Veranstaltung beigetragen, welches zur Bestreitung kostspieliger Haus- und Reparaturen dienen soll. Besonderer Dank gebührt in dieser Hinsicht den Selchwarenhändlern Eisen u. Hönigsber, Gabr. Fischer u. Moriz Lazar. Ein Fest der Demokratie. Zugunsten der Errichtung eines Denkmales für den Kämpfer für Freiheit und Recht, Dr. Julius Ofner, veranstaltete die Bezirksgruppe Leopoldstadt der Bürgerlich-demokratischen Partei am 18- Juni im Etablissement Konstantinhügel ein Gartenfest, welches trotz der Ungunst der Witterung einen glänzenden Verlauf nahm. Der Garten, in welchem das Fest stattfand, war wunderbar dekoriert, schöne Zelte, eine Bühne und ein Tanzparkett waren aufgestellt worden, wie überhaupt das Festkomitee, unter Leitung des Ehepaares Kommerzialrat Gustav Löwy, die Vorbereitungen für das schöne Fest in lobenswertester Weise getroffen hatte. Zahlreiche hervorragende Künstler hatten sich ebenfalls in den Dienst der guten Sache gestellt, eingedenk des hervorragenden Wirkens Dr. Ofners für das Recht der Künstler- und Schauspielerschaft. Schließlich hat auch die artistische Leitung des Festes, die in den Händen des Herrn Erich Hirschfeld lag, für ein erstklassiges und abwechslungsreiches Festprogramm gesorgt, das durch den während des Festes einsetzenden Regen keinerlei Einbuße erlitt. Alle Anwesenden, und insbesonders die zahlreich anwesende Jugend — es gibt glücklicherweise noch eine opferfreudige demokratische Jugend, welche sich ganz in den Dienst des edlen Zweckes gestellt hatte — unterhielten sich glänzend und als sich in den späteren Abendstunden das Wetter besserte, wurde das Fest wieder im Freien fortgesetzt. Der Erfolg, den das Gartenfest gebracht Hat, war in jeder Hinsicht zufriedenstellend. Wiener Kantorenschule. Mittwoch, den 15. d. M., 8 Uhr abends, ist die vielbekämpfte und bemäkelte Wiener Kantorenschule zum ersten Mal vor die Oeffentlichkeit getreten. Es geschah dies im Rahmen eines Festgottesdienstes im Pazmanitent e m p e 1, der einen sehr weihevollen Verlauf nahm. Es muß bedauert werden, daß man gerade bei dieser einzigartigen, wahrhafte jüdische Kunst bietenden Veranstaltung sehr viele offizielle Persönlichkeiten des Wiener Judentums vermissen mußte, die durch ihr Fernbleiben nicht in der Lage waren, sich wie alle Anwesenden davon zu überzeugen, daß eine Institution, die nach der gewiß sehr kurzen Tätigkeit eines Jahres bereits so Hervorragendes zu leisten imstande war, Anspruch auf weitestgehende Förderung seitens der offiziellen Kreise des Wiener Judentums mit vollem Rechte erheben darf. Schon das Maariv-Gebet, das von dem jungen Kantor L. Mandel verrichtet wurde, machte tiefen Eindruck, da der Vortragende Tradition, jüdisches Empfinden und künstlerische Auffassung miteinander zu verbinden versteht. Die Solovorträge zweier Schüler der Anstalt, und zwar das „0 no b e k o a c h" des Herrn L Rothblatt und das „Serauk o 1 enu" des Herrn M. Hacker gaben glänzendes Zeugnis von dem gediegenen Unterricht und der sowohl jüdisch-traditionellen als auch künstlerisch-musikalischen Ausbildung, welche die Schüler der Anstalt empfangen. Insbesonders aber war es der junge Oberkantor des Pratertempels, I. Wahrmann, der in der Wiener Kantorenschule seine Fortbildung nimmt, welcher die Zuhörer durch ein nicht nur mit der Kehle, sondern auch mit dem Herzen gesungenes „Ribono schel olom" begeisterte. Man war jedoch über die vortrefflichen Leistungen der Schüler nicht länger mehr verwundert, sobald man ihre Lehrer selbst zu hören Gelegenheit hatte. Oberkantor M a r g u 1 i e s zeigte sich nämlich als ein wirklicher Meister des kantoralen Gesanges, während Oberkantor Müller nicht nur das Auditorium, sondern auch die anwesenden Fachleute mitgerissen hat. Ein Kapitel für sich bildete der prächtige Chor, der, aus Schülern der Anstalt bestehend und von Professor S. Braslavsky geleitet, Leistungen aufweisen konnte, wie sie in ähnlicher künstlerischer Vollendung hier wohl noch niemals gehört wurden. Professor Braslavsky zeigte sich auch diesmal wieder als ein Musiker von hoher Begabung, der nicht nur als Dirigent sondern auch als Schöpfer synagogaler Chöre sich einen Namen gemacht hat. Wir können daher nur das wiederholen, was wir über ihn bereits anläßlich der Zentenarfeier im Sofiensaal gesagt haben: „Es ist jammerschade, daß für einen solchen Mann kein geeignetes Betätigungsfeld in Wien gefunden werden kann." Oberkantor Heinrich Fischer in Temesvar. Aus Temesvar wird uns berichtet: Der Wiener Oberkantor Heinrich Fischer weilte vor kurzem als Gast bei dem hiesigen Spirituosenfabrikanten Herrn Isidor Wolf. Die günstige Gelegenheit benützend, hat das Präsidium der Temesvarer-Fabriker Statusquo Gemeinde den Gast- Oberkantor ersucht, er möge am 27. Mai, Freitag abends und Samstag vormittags im Fabriker Tempel den Gottesdienst versehen. Herr Oberkantor Heinrich Fischer hat nun vor einem riesigen Publikum, welches den großen Tempel füllte, vorgebetet. Sein Vortrag begeisterte die andächtigen Zuhörer, die in Temesvar selten Gelegenheit so Erhabenes zu hören hatten. Oberkantor Fischer lieferte uns das Beispiel, wie man den modernen Gottesdienst mit dem traditionellen Tempelgesang verknüpfen kann. Seine Melodien und Gesänge haben in den Herzen der Anwesenden die edelsten Gefühle und Empfindungen erweckt, da es Oberkantor Heinrich Fischer, der in seiner Art ein vollkommener Künstler, Sänger und Kantor ist, versteht, der Andacht eine feierliche Wärme zu geben. Als dankbare Anerkennung hat die Repräsentanz der benannten Kultusgemeinde Herrn Oberkantor Fischer den protokollarischen Dank votieren lassen. Am nachfolgenden Tage fand bei dem Vizepräsidenten der Gemeinde zur Ehrung des Gastes ein Bankett statt, bei welchem man Herrn Fischer auch als guten Redner kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Herr Fischer hat die besten Eindrücke in Temesvar zurückgelassen. Trauung. Sonntag, den 19. Juni, fand im großen Leopoldstädter Tempel, Tempelgasse, die Trauung des Fräuleins Gretl F i s c h 1, Tochter des Herrn Heinrich F i s c h 1 und seiner Gattin Elsa, mit Herrn Kaufmann M. Belchatowski statt. Robbiner Dr. Max Grunwald hielt an das Brautpaar eine herzliche Ansprache. Oberkantor Heinrich Fischer, begleitet von dem Chor, sang die Hochzeitsgesänge in feierlicher weise. Linz. Tempelfeier. Anläßlich der Feier des 50jährigen Bestandes des Linzer Tempels spendete Frau Elise K o h n, Wien IX., Sechsschimmel'gasse Nr. 10, einen namhaften Betrag für Tempelzwecke zum Andenken ihres verstorbenen Vaters, des Linzer Bürgers, Herrn Markus Sonnenschein, der als einer der ersten Juden die Bewilligung erhielt, in Linz wohnen zu dürfen. Markus Sonnenschein, der auch Mitbegünder der I.inzer Freiwilligen Feuerwehr war, veranlaßte dien zur Kur in Bad-Hall weilenden Glaubensgenossen Segall den Betrag von 1O.000 Franken zu spenden. Aber nicht nur das, er reiste mit noch zwei Herren von einer größeren Stadt zur anderen, um Spenden für den Tempelbau zu sammeln und wurde überall mit großen Ehren empfangen. Es muß an dieser Stelle gesagt werden, daß die Geschichte der Linzer Juden in Linz und Oberösterreich mit dem Namen „Sonnenschein" aufs innigste verknüpft ist. Markus Sonnenschein wunde auch von weiland Kaiser Franz Josef I. gelegentlich eines Aufenthaltes in Linz, in Audienz empfangen. Er segnete den Monarchen und wurde von ihm durch eine Ansprache ausgezeichnet Kl. Mädchen-Konfirmation im Währinger Gemeindetempel. Sonntag, den 12. Juni d. J. fand die diesjährige Konfirmationsfeier statt. Unter HarmoniiumkJängen hielten die jungen Mädchen in das festlich beleuchtete und in allen Räumen dicht gefüllte Gotteshaus ihren Einzug. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang hielt eine geist- und eindrucksvolle Redie, worauf die Mädchen ihr Pensum mustergültig vortrugen. Der gesangliche Teil wurde von Herrn Oberkantor M a r g u 1 i e s und dem Tempelchor in vorzüglicher Weise ausgeführt. Jedes Mädchen erhielt vom Vorstande ein Prachtgebetbuch und nahm die schöne und erhebende Feier einen sehr würdigen Verlauf. J. Rothblatt, ein Kantorkandidat, Schüler der Wiener Kantorenschule, wird diesen Freitag, den 24. Juni, im Währinger Tempel, Schopenhauerstraße 33. mit Chor den Gottesdienst abhalten. Talmud-Thora Schule, IL, Pazmanitengasse 6. Am Samstag, den 25. Siwan (25. Juni), 4 Uhr nachmittags, findet die Schlußprüfung in sämtlichen Abteilungen der Talmud- und Bibelschule, IL, Pazmanitengasse 6, statt, zu welcher die p. t. Vereinsmitglieder höflichst eingeladen werden.