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Die Wahrheit · 1927-06-17 · Heft 26 (17.6.1927) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 26 (17.6.1927)
Date
1927-06-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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tiffc WAHfcfi£rf iöi« liMIWIllliIM Seite Vi ladung des Professors Cuza in dieses Haus gekommen sei, sondern die Pflicht kollegialer Ethik ihn hierher gebracht habe, weil zwei Fachgelehrte seine Mithilfe benötigten. Hierauf verabschiedete sich Dr. Brenner von seinen ärztlichen Kollegen und verließ, ohne Professor Cuza auch nur die Hand zu reichen, das Haus des Erzfeindes der Juden. Auch der „Stahlhelm" im Dienste des Weltjudentums? So und nicht anders muß die Frage des verblüfften Lesers der „Deutschen Arbeiterpresse" lauten, wenn er in deren vorwöchigen Ausgabe folgende höchst erstaunliche Nachricht liest, die, wie das. Blatt bemerkt, ein recht sonderbares Licht auf die Leitung des „Stahlhelm" wirft: Der „Stahlhelm" sandte anläßlich des Berliner Stahlhelmtages an die zwei großen deutschen Heerführer folgende Depesche ab: „Den in Berlin versammelten 100.000 Frontsoldaten ist es ein tiefempfundenes Herzensbedürfnis, ihren großen Führern aus dem Weltkrieg Hindenburg und Ludendorff in Ehrerbietung ein treues Frontheil zuzurufen." Ludendorff drahtete nun folgende Antwort: „Den 100.000 Frontsoldaten danke ich für den Gruß. Wir waren im Weltkriege Landsknechte der überstaatlichen Mächte, trotz aller unserer Hingebung für Kaiser und Reich. Mögen die Frontsoldaten das endlich erkennen und den Kampf gegen jene Mächte aufnehmen. Unsere Befreiung wir dann leicht sein." Diese Antwort Ludendorffs wurde nun von der „Stahlhelm"-Leitung trotz wiederholter Aufforderung zur Veröffentlichung glatt unterschlagen. Alle anderen Depeschen wurden aber im „Stahlhelm" abgedruckt." Das Blatt kann sich dieses merkwürdige Verhalten dieser, wie ja bekannt, weit rechtsstehenden Organisation nicht anders erklären, als „daß die Leitung des „Stahlhelm" ein gewichtiges Interesse daran haben müsse, sich's mit den überstaatlichen Mächten (Großfinanz, Judentum) nicht zu verscherze n". Wir glauben, daß die Leitung der deutschen Frontkämpferorganisation das Antwortschreiben Ludendorffs aus dem Grunde nicht veröffentlicht hat, weil er das Andenken der für Kaiser und Reich auf dem Felde der Ehre gefallenen Helden nioht dadurch schänden wollte, daß er ihre durch Ludendorff ausgesprochene Degradierung zu „Landsknechten überstaatlicher Mächte" veröffentlichte. Hätte Herr Ludendorff, der demnach nachts anderes als ein Söldling, ein Beauftragter Weltjudas gewesen ist, im Falle eines Sieges der Mittelmächte ebenfalls so gesprochen? Deutschvölkische Grammatik. „Wann wird uns der Himmel die nötige Erleuchtung schicken?" Mit diesem treffenden Satz schließt ein „Hammer-Leser sein Schreiben an Theodor F r i t s c h: treffend deshalb, weil in diesem Schreiben, in welchem über die großen Kosten der antisemitischen Propaganda und die Engherzigkeit der deutschvölkischen Gesinnungsgenossen bittere Klage geführt wird, sich auch folgender Satz befindet: „Was wird Ihnen allein der Warburg-Prozeß kosten!"... Mit treudeutschem Gruß Ihr K. Sch. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hat auf seiner am 30. Mai in Frankfurt a. JVL abgehaltenen Tagung an Stelle des verstorbenen Reichskanzlers Fehrenbach den Vorsitzenden der Windthorst-Bünde, Reichstagsabgeordneten K r o h n e,, ferner als Vertreter der Ortsgruppe Frankfurt Professor Dr. Tr umpl e, und für den verstorbenen Dr. Paul Nathan Justizrat Dr. Philipp S a 1 o m o n in den Vorstand gewählt. Der Ausschuß wird durch die Wahl folgender Herren erweitert: Adolf Arn hold, Dresden, Vizeadmiral Dr. G alster, Wiesbaden; Rechtsanwalt Gentil, Mannheim; Universitätsprofessor Geheimrat Dr. Walter Götz, M. d. R., Leipzig; Vizepräsident Harnack, Köln; Rechtsanwalt Johann Henry, Köln; Rechtsanwalt Kellner, Erfurt; Reichslninister Dr. Külz, Dresden; Srudienrat Dr. Michael Müller- Claudius, Berlin; Schriftsteller Hans Reysing, Ulm; Kaplan Rödel, Pasing; Professor Georg Sc humer, Magdeburg. Mit der Tagung war ein Vortragsabend vor geladenen Gästen im Börsensaal verbunden. Nach einleitenden Worten Dr. G o t h e i n s hielt Universitätsprofessor Geheimrat Dr. Walter Götz (Leipzig) das Hauptreferat über: „Der Antisemitismus im neuen Deutschen Reiche seit 1870." Regierungsrat Dr. Steiger (Berlin) sprach über: „Antisemitismus im Lichte des Christentums" und schließlich gab Rabbiner Doktor Salzberger einen Abriß der ^Geschichte der Juden in Frankfurt a. Main. S\ y<MB Wodäe zu Wotfke Max Warburg sechzig Jahre alt. Einer der prominentesten Vertreter der deutschen Judenschaft, Herrn Max M. War bürg, der Chef des weltbekannten Hamburger Bankhauses Warburg, feierte am 5. Juni seinen sechzigsten Geburtstag und war aus diesem Anlasse Gegenstand zahlreicher Ehrungen des deutschen und ausländichen Judentums, für das er in seinem arbeitsreichen Leben so viel geleistet hat. Als Sohn des Hamburger Bankiers Moritz Warburg, der eines der größten Hamburger, zum Rothschild- Konzern gehörendes Bankinstitut leitete, geboren, wurde er bereits in jungen Jahren Teilhaber des väterlichen Hauses und hat sich bald in der Bankwelt eine führende Stellung erworben. UeberaH wurde sein Rat eingeholt und gern befolgt. Das Deutsche Reich bediente sich seines Rates in den wirtschaftlichen Fragen im Kriege. Herr Warburg hat auch beim Frieden von Versailles mitgearbeitet, sich jedoch vor politischen Entscheidungen stets zurückgehalten. Im Leben der deutschen Juden spielt Herr Warburg eine große Rolle, obwohl er auch hier nicht gern in den Vordergrund tritt. Er ist Mitglied des Zentralkomitees und Vorsitzender des Hamburger Lokalausschusses des Hilfsvereins der deutschen Juden. Mitglied des Palästina-Aufbaufonds „K e r e n Hajesso d". Er ist ein Freund der Besiedlung Palästinas vom Kultur- und Kolonialstandpunkt. nicht aber Anhänger der jüdischnationalen Bewegung, sondern, wie er in dem Prozesse gegen Fritsch ausdrücklich betonte, vor allem deutscher Jude. In diesem Prozesse, den er gegen den Leipziger Antisemiten führen mußte und der, wie noch in allgemeiner Erinnerung steht, mit der Verurteilung seines Verleumders endete, erfuhr erst die breite Oeffentlichkeit in Deutschland, was das Hamburger Haus Warburg für Deutschland im Kriege, während der Liquidation des Krieges und in den nachfolgenden Aufbaujahren getan hat, wie es im Inlande wie im Auslande eigene Interessen hintansetzte, um Deutschland zu dienen. Der Wiener Dürer-Preis einer jüdischen Künstlerin verliehen. Die Kunst-Jury der Gemeinde Wien, die unter dem Vorsitz des Vizebürgermeisters E m m e r 1 i n g getagt hat, hat den diesjährigen Dürer-Preis der jüdischen Malerin Lea R e i n h a r t verliehen. Die Künstlerin hat vor kurzem in der Hauptausstellung des Albrecht-Dürer-Bundes ihre Werke gezeigt, die die Aufmerksamkeit der Kunstkenner erregten. Wohltätigkeitsiest. Das am 29. Mai in den Räumen des Merores-Waisenhauses, XIX., Bauernfeindgasse 40, abgehaltenen Fest hatte dank der Bemühungen des Damenkomitees, an dessen Spitze die für die Anstalt unermüdlich tätige Frau Präsidentin Professor Pick steht, sowie des Vergnügungskomi t e e s einen vollen künstlerischen und materiellen Erfolg. Trotz der Ungunst des Wetters hatte sich ein zahlreiches distinguiertes Publikum eingefunden, das die geräumige Halle und die als Galerien dienenden Gänge des Hauses füllte. Die Einleitung bildete ein von den Zöglingen gesungener Kinderchor, den der musikalische Freund und Berater der Anstalt, Herr Professor Herz, dirigierte. Sodann erfreute Gesangsmeisterin Rosa Hamburger mit einem Duett mit Fräulein Körner und dem Solovortrag der „Geschichten aus dem Wienerwald" die Zuhörer, worauf Herr Max Blau von der Staatsoper, begleitet von Herrn Professor Erich Meiler, stürmische Heiterkeit mit seinen unübertrefflichen Imitationen bekannter Konzert- und Operndirigenten und Couplets hervorrief. Herr Walter Engel holte sich verdienten Beifall mit zwei Rezitationen. Berechtigtes Staunen erregten die vollendet künstlerischen drei Tranzpiegen, welche die 12jährige Vicki Be h 1 iss ausführte, eine Schülerin von Frau Prof. Bodenwieser, deren unbestrittenes Talent die höchsten. Erwartungen rechtfertigt. Herr Opernsänger N e u m a n n bot mit seinem prächtigen Tenor mit zwei Liedern eine erstklassige Leistung, die ebenso reichen Beifall auslöste, wie die urwüchsigen Chansons, die Frau Ada Kelsen mit gewonter Virtuosität zum Vortrag brachte. Rhythmische Turnübungen der Zöglinge unter Leitung ihrer Lehrerin aus der schwedischen Turnschule Frau Dr. Barber-Halfström wurden mit Sicherheit und Präzision unter lebhafter Akklamation ausgeführt. Den Schluß bildete die Aufführung der Kindersymphonie von H a y d n, an der sich junge Damen und Herren aus der besten Wiener Gesellschaft beteiligten. Sie wurde von der Musik-Pädagogin Frl. Eckert meisterhaft dirigiert,

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