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Die Wahrheit · 1927-06-17 · Heft 26 (17.6.1927) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 26 (17.6.1927)
Date
1927-06-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAffittlEfcf iiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiM Seite 1 soll, kann das nur geschehen, wenn man zu vielen Zehntausenden von Lesern spricht. Eine in geringer oder mäßiger Auflage verbreitete Schrift, mag sie inhaltlich noch so gediegen sein, verfehlt vollkommen ihre Wirkung, da sie wie ein Tropfen im Meere verschwindet. Diese von allen Fachmännern bestätigte Erkenntnis gründet sich auf langjährige allseitige Beobachtung. Die Dutzende antisemitischer Broschüren, welche die These von der geheimen jüdischen Weltoberregierung in die Masse trugen, sind in vielen Hunderttausenden, ja in Millionen Exemplaren verbreitet worden. Sollen aber unsere Propagandaschriften von der breiten Volksmasse willig aufgenommen werden, so dürfen sie sich nicht von vornherein in aufdringlicher Weise als Abwehrschriften geben, die in einseitiger Tendenz ein antijüdisches Vorurteil bekämpfen wollen. Die Masse der nichtjüdischen Leser, auch wenn sie nicht Antisemiten sind, hat absolut kein Interesse an der Bekämpfung judenfeindlicher Vorurteile, zumeist erregt diese Tendenz bei ihnen im voraus Mißtrauen und Antipathie. Will man die große Masse der Leser gewinnen, so muß man an jeder dieser Fragen die allgemeine Seite hervorzukehren verstehen. Gleichwie die Frage „Bolschewismus und Judentum" hat auch das Ritualmord-Problem ein allgemeines, tiefeingreifendes Interesse; als kriminalistische, als volkspsychologische und sittengeschichtliche Frage, ja als Frage der öffentlichen Sicherheit geht sie nicht nur die Juden und ihre Freunde an. Von dieser Seite muß die ganze Frage dem breiten Publikum dargestellt werden. Nur auf diesem Wege können wir hoffen, diesen düsteren und gefährlichen Aberglauben endlich im Unterbewußtsein des Volkes so weit zu überwinden, daß ihm die Behauptung, ein Jude habe einen Mord begangen, um Christenblut zu gewinnen, ebenso absurd erscheint, wie daß ein Jude eine konsekrierte Hostie gemartert habe, um ihr das „Blut des Herrn" abzuzapfen. Die Geschichte lehrt uns ferner folgendes Paradoxon: nicht der Ritualmordprozeß erzeugt den Judenhaß, sondern der Judenhaß erzeugt den Ritualmordprozeß. So lange die „psychologische Atmosphäre" nicht mit Judenhaß gesättigt ist, bleiben die Versuche, Ritualmordprozesse hervorzurufen, auf lokale Unruhen beschränkt, oder scheitern vollständig. Da sie bei der Bevölkerung keine Resonanz finden, kommt der Schwindel bald an den Tag. Erst wenn die Wogen des Judenhasses hoch gehen, werden die Juden dabei abgefaßt, wie sie Christenmenschen schon schlachteten, um ihnen das Blut abzuzapfen. Das allein müßte den gesunden Menschenverstand zu denken geben: warum wählen sich die schlauen Juden gerade die gefährlichsten Zeiten aus, da sie mit Argusaugen überwacht werden und das Damoklesschwert über ihrem Kopfe schwebt, nun auch noch ihr perverses Gelüst nach Christenblut zu befriedigen, während sie in ruhigen, unbedrohten Zeiten, da niemand auf sie aufpaßt, sich ganz stille halten! . . . Wir Juden müssen aber gerade diese ruhigen Zeiten ausnützen, um zu den Gebildeten und zur Volksmasse zu sprechen, so lange sie vernünftigen Argumenten zugänglich sind, und nicht erst warten, bis ein richtiger Prozeß die Leidenschaften aufpeitscht und die gesunden Sinne umnebelt. Im August 1921 trug ich die obigen Gedankengänge dem greisen Dr. Bloch vor, der sein Leben der Bekämpfung ludenfeindlicher Vorurteile gewidmet und hierin die reichste Erfahrung hatte, fir sagte: „Wäre ich um 30 Jahre jünger, ich würde den Kampf gegen die Blutbeschuldigung jetzt von neuem aufnehmen. Es ist eine gefährliche Politik zu sagen: wir wollen nicht als die ersten davon zu sprechen anfangen und nicht den Teufel an die Wand malen. Der Grundsatz: „quieta non modere" ist hier äußerst deplaciert. Man wartet nicht, bis die Ueberschwemmung kommt, um einen Damm aufzurichten, denn dann ist es schon viel zu spät. Der Ritualmordprozeß hängt in der Luft, und kann jeden Augenblick dort, wo man es am wenigsten vermutet, herabkommen. Dieser Aberglaube ist noch lange nicht tot . . ." Das Heldenzeitalter der Israeliten. Von Direktor Dr. S. Krenberger. Der christliche Philosoph Lotze, eine der wertvollsten Erscheinungen der Neuzeit, schrieb über die Erzählungen und Lehren unseres Volkes folgendes: „Aus jener Quelle des Morgenlandes schöpft eine unzählbare Menge der Menschheit seit Jahrhunderten erhebende Trostsprüche im Elend, sinnige Lehren der Lebensweisheit, warme Begeisterung für alles Hohe und hat sich gewöhnt, in den Gestalten jener ältesten Erzählungen und in ihren Schicksalen anschauliche Vorbilder für das menschliche Leben und für die verschiedenen Charaktere zu erblicken, welche die Mannigfaltigkeit seiner Verhältnisse ausbildet." (Mikrokosmos III. S. 287.) Und weiter heißt es dort, S. 251: „Mit welcher Teilnahme wir immer das letzte religiöse Ergebnis der klassischen Welt betrachten mögen: groß als Frucht menschlicher Forschung gleicht es doch einem sehr bescheidenen Bache gegenüber dem vollen rauschenden Strome des Gottesbewußtseins, der schon lange vorher das Leben des hebräischen Volkes durchdrang und in der heiligen Poesie desselben mit einer Mächtigkeit flutete, gegen deren zweifellose Realität der höchste Schwung griechischer Ahnung als problematische Vermutung erscheint." Und diesem Lobgesang entsprechend sagt der Pädagoge Otto Willmann, ein strenggläubiger Katholik in seiner Didaktik II., S. 146: „Was sind die Gesänge der alten Dichter vom Weltanfang und den Zeitaltern gegen die Berichte der Genesis, was sind ihre Oden gegen die Psalmen . . .! Für das erwachende sittliche Bewußtsein hat die biblische Geschichte Typen des Guten und des Bösen, des Rechtes und des Unrechtes bereit, so scharf geprägt wie moralphilosophische Begriffe und doch ganz konkret, greifbare Gestalten, verständliche Menschenbilder. Es gilt von ihr selbst, was sie Mose sagen läßt: „Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute und den Tod und das Böse." Wäre es nicht das höchst anzustrebende Ziel unseres Religionsunterrichtes, wenn unsere Knaben und Mädchen mit solcher Wertschätzung des jüdischen Schrifttums ins Leben gingen? Müßten wir nicht'alles daran setzen, daß solche Gesinnung, wie wir sie bei christlichen Denkern finden, Allgemeingut unseres Volkes werde? Dazu kann nur eine solche Lehre des Ideengehaltes unserer Religion beitragen, welche sich in die Geschichte und den Werdegang des Judentums vertieft und beide die Jugend mitfühlen und mitleben läßt. Wenn wir jenen Teil der Geschichte Israels betrachten, den wir das Heldenzeitalter desselben nennen, so muß der Schüler oder die Schülerin mit Herz und Geist oder mit Gefühl und Denken diese Zeit mitmachen. Sie muß in unserer Jugend innerlich auferstehen und, was da sich ereignet hat, was geschehen, gekämpft und errungen wurde, muß von unserer Jugend mitempfunden werden, muß von ihr mit Freude oder Trauer, mit Lust oder Weh begleitet sein. Nur so wird das Gehörte, Gelesene oder Erzählte in steter Erinnerung sein und stets das Gefühl erwärmen, aufrütteln, kurz lebendig sein und bleiben. Von Seite des Schülers gehört dazu eine teilnahmsvolle Auffassung des dargebotenen Stoffes. Der Schüler muß die Verhältnisse und Lagen, von denen er durch den Lehrer erfährt, verstehen. Er muß also dafür schon Kenntnisse und lustbetonte Vorstellungen haben, um das Neue zu erfassen und in sich aufzunehmen. Unter Schüler verstehen wir weder einen hochbegabten noch einen minderwertigen Menschen. Es ist der Durchschnittskopf oder der für das entsprechende Alter geistig reife Schüler. Das erkennt jeder mit Wissenschaft und Befähigung für seinen Beruf versehene Lehrer sofort Das ist für ihn eine gegebene Tatsache, mit der er beim Unterricht, das ist bei der Mitteilung des Lehrgutes, rechnen muß. Der |^| Jß g LFAB R I K FERNSPRECH-NUMMER 45-1-91 ^^^^IS^O PPENHEIM WIEN, 2. BEZ., PRATERSTRASSE NR. 30 ^^^^^^^^^^^^^^^^m Reiche Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigsten Preisen

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