Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 25 (10.6.1927)
- Date
- 1927-06-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 lliM DIE WAHRHEH Amtliche Verlautbarungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien Zur jüdischen Bevölkerungsbewegung in der Zeit vom 1. Jänner bis 30. Mai 1927. Während dieser Zeit sind beim Matrikelamte der israel. Kultusgemeinde Wien 549 Geburtsanzeigen erstattet worden, hiervon 291 männliche, 258 weibliche. In diesem Zeiträume sind 1092 Sterbefälle zur Eintragung gelangt, hiervon 1036 Erwachsene, 56 Kinder. Die Zahl der dem Matrikelamte von den politischen Behörden bekanntgegebenen Austritten aus dem Judentum beträgt 371, während 109 Eintritte in die israelitische Religionsgesellschaft vollzogen wurden. In der Berichtsperiode haben 367 Trauungen in den Wiener Synagogen stattgefunden. Vor dem Rabbinate der israel. Kultusgemeinde Wien sind in diesem Zeiträume 151 Ehescheidungen durchgeführt worden. * Konkursausschreibung für die Stelle eines Ersten Kantors der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Infolge des Ablebens des Oberkantors M. B. Kau fmann wurde vom Kultusvorstande die Stelle eines Ersten Kantors für den Seitenstettentempel zur Ausschreibung gebracht. Bewerbungsgesuche sind bis spätestens 20. Juni 1. J. einzubringen. In Betracht kommen nur erstklassige Bewerber, welche einwandfreie Lebensführung in moralischer und religiöser Hinsicht, vorzügliche Kenntnisse im hebräischen Schrifttum und in der Liturgie (Koreh), vorzügliche Stimmittel und gründliche Musikalität nachweisen können. * Jugend-Gottesdienste für Volks-, Bürger-, Mittelschüler und Schülerinnen im Juni 1927. Die letzten Jugendgottesdienste im Schuljahr 1927 finden am 18. Juni d. J. um 3 Uhr nachmittags in den folgenden Gemeinde- und Vereinsbethäusern statt: I-, Seitenstettengasse 4, II., Tempelgasse 3, V., Siebenbrunnengasse la, VI., Schmalzhofgasse 3, VIII., Neudeggergasse 12, IX., Müllnergasse 21, X., Humboldtgasse 27, XV., Turnergasse 22, XVI., Hubergasse 8, XVIII., Schopenhauerstraße 39, XIX., Dollingergasse 3, XX., Kluckygasse 11, XXL, Holzmeistergasse 12. * Madchenkonfirmation in den Gemeindetempeln. Sonntag, den 19. Juni, um 10 Uhr vormittags, findet die Mädchenkonfirmation im Seitenstettentempel (I., Seitenstettengasse 4), statt, während diese Feier in den Gemeindetempeln des IL, XVIII. und XXI. Bezirkes unter starker Beteiligung der Gemeindemitglieder bereits am 12. Juni abgehalten wurde. * Kantoren-, Vorbeter- und Chorsängerbestellungen für die temporären Betveranstaltungen an den diesjährigen hohen Feiertagen. Gleich wie in den Vorjahren werden auch in diesem Jahre seitens der Kultusgemeinde an den hohen Feiertagen in geeigneten größeren Mieträumen Gottesdienste veranstaltet werden. Für diese temporären Betveranstaltungen werden mehrere Kantoren, Vorbeter und Chorsänger aufgenommen. Geeignete Bewerber wollen sich ehestens zwecks Vormerkung in der Abteilung für Kultusangelegenheiten der israel. Kultusgemeinde, Wien L, Seitenstettengasse 4, III. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags melden. * Von der Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde. In der Zeit vom 1. Jänner bis 30. Mai d. J. war die Bibliothek der israel. Kultusgemeinde von 4358 Lesern frequentiert. Von denselben wurden 7654 Werke, bzw. 12.340 Bände benützt, an 806 Personen wurde 1199 Werke, bzw. 1551 Bände verliehen. In der Berichtsperiode wurden 935 Werke, bzw. 1390 Bände von Entlehnern zurückgestellt. Die Gemeindebibliothek hat seit dem 1. Jänner 1927 einen Zuwachs von 343 neuen Werken zu verzeichnen. Gemäß den Bestimmungen der Bibliotheksordnung werden die Benützer der Gemeindebibliothek dringend ersucht, die entlehnten Bücher, mit Rücksicht auf die während der Sommerferien durchzuführenden internen Arbeiten der Bibliothek, bis spätestens 1. Juli d. J. zurückzustellen. * Uebersicht der Ausgaben der Israelit. Kultusgemeinde für Fürsorgezwecke. In der Zeit vom 1. Jänner bis 30. Mai 1927 wurden seitens der israel. Kultusgemeinde S 655.590.— für Fürsorgezwecke verausgabt. Des weiteren wurden S 130.000.— als Subventionen für wolltätige Vereine und Anstalten bewilligt, deren Flüssigmachung bisher noch nicht erfolgt ist. Insgesamt erscheinen für das Verwaltungsjahr 1927 im Voranschlage S 1,614.320.— für Fürsorgezwecke präliminiert, doch dürfte, wie aus den bisherigen Erfordernissen ersichtlich ist, dieser Betrag weitaus überschritten werden. * Anonyme Anzeige gegen die Israel. Versorgungsanstalt. An den Präsidenten der israel. Kultusgemeinde ist eine anonyme Zuschrift gelangt, in welcher eine Reihe von angeblich in dieser Anstalt bestehenden Mißständen angeführt war. Trotz der Anonymität des Anzeigers haben die Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. O r n s t e i n und Doktor Löwenherz unter Zuziehung des Obmannes der „Kommission für die Versorgungsanstalt", Kultusvorsteher D. D ohan und des Amtsdirektors Regierungsrat Fuchsgelb unverzüglich und überraschend eine Inspizierung dieser Anstalt vorgenommen. Das Tagesmenü wurde gekostet, indem die Kommissionsmitglieder die Proben nach ihrer freien Wahl aus den Behältnissen, in welchen die Speisen bereitet wurden, entnehmen ließen. Uebereinstimmend wurde festgestellt, daß die Verköstigung hinter einer gut bürgerlichen Kost nicht zurückbleibt. Die Kommission verfugte sich sodann in die einzelnen Säle der Versorgungs- und der Siechenabteilung und nahm in Abwesenheit des Verwalters eine gründliche Befragung der Insassen vor. Allgemein sprechen die Pfleglinge ihre Zufriedenheit aus und es wurde ganz besonders festgestellt, daß die einzelnen konkreten Angaben der anonymen Eingabe völlig aus der Luft gegriffen erscheinen. Bei dieser, sowie auch gelegentlich der sonst und stets unangesagt stattfindenden Visitationen konnten die Vertreter des Kultusvorstandes immer wieder feststellen, daß in dieser Anstalt im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel das Bestmöglichste geleistet wird, die Organe ihre Pflichten auf das gewissenhafteste versehen und zumindest der größte Teil der Insassen voll des Lobes und der Dankbarkeit für die Anstalt und die Gemeinde erfüllt ist. * Aufruf zur Förderung der Ferienaktionen für jüdische Schulkinder. Wesentlich größer als in den früheren Jahren ist die Zahl jener Mütter und Vormünder, welche sich wegen Ermög- Iichung eines Erholungsaufenthaltes während der Ferienmonate für ihre erholungsbedürftigen Kinder oder Schutzbefohlenen an die Fürsorgestellen der israel. Kultusgemeinde Wien, bzw. an die für diese Zwecke bestehenden konfessionellen Vereine wenden. Die Anzahl der verfügbaren Plätze in den Ferienkolonien reicht bei Weitem nicht aus, um auch nur die als besonders dringend bezeichneten Fälle zu berücksichtigen. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde sieht sich daher veranlaßt, an jene Familien, welche einen Sommeraufenthalt aufsuchen, sowie an jene Glaubensgenossen, die am Lande wohnen und hierzu die Möglichkeit haben, die dringende Bitte zu richten: durch die Uebernahme eines oder meh-