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Die Wahrheit · 1927-06-10 · Heft 25 (10.6.1927) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 25 (10.6.1927)
Date
1927-06-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 miilllililiiillill WmmmmmmmMUUWWWm DIE WAHRHEIT gehindert hatte sich mitten auf der Universitätsrampe ein Mann aufgestellt, der völkische Provinzblättchen gemeinsten Inhaltes und damit gleichzeitig alle anständig gesinnten Hörer vertrieb. Denn an einer Stelle, die täglich die große Mehrzahl der Hörer passieren muß, konnten es die ausländischen Juden zum Dank dafür, daß sie ihr Geld in diesen Staat bringen, täglich schwarz auf weiß lesen, daß sie alle Mädchenschänder, Ritualmörder, Gehirnparalytiker und Betrüger seien und daß der einzige, von Wotan zur Rettung desteutschen Volkes ausgesandte Ase der hehre Recke Diplom-Kaufmann Robert K ö r b e r sei. Da die beiden Hochschulführer Braun und Hahn für diese geschmackvolle Propaganda vor den Toren der Universität nicht das nötige Kunstverständnis zeigten, begaben sie sich zum Pedell mit der Bitte, den Verkäufer der arischen Runenschriften von der Rampe fortzuweisen, erhielten aber die Auskunft, daß ein Einschreiten vollkommen ausgeschlossen sei, da die Rampe nichtakademischer Boden sei. So geschehen am 23. Wonnemond 1927. Aber im Wonnemond passiert noch mancherlei, traun, Seltsames. Die Deutsch^demokratische Hochschülervereinigung und die Akad. Vereinigung für Völkerbundarbeit waren nämlich der naiven Ansicht, daß das, was für die Hakenkreuzler recht sei, für die Freiheitlichen billig sein müsse, und wagten es wenige Tage später, auf der Rampe Einladungen zu wissenschaftlichen Vorträgen zu verteilen. Da aber bekanntlich auf der Universität nur Einladungen zu Vorträgen über den Numerus clausus verteilt werden dürfen, erklärte der Pedell die Rampe plötzlich doch für akademischen Boden und wies die Zettelverteiler weg. Aber zum Unheil der teutschen Volkheit war Wotans wachsames Auge an diesem Tage trübe. Denn er bemerkte es nicht, daß die grimmen Feinde der germanischen Sippe, die Lindwürmer Heinz Braun und Alfons Hahn auf der Rampe herumkrochen und aufs neue Baldurs sieghaften Söhnen ihren Pesthauch entgegensandten. Denn die beiden Studentenführer wiesen auf die frühere Entscheidung des Pedellen hin und erstatteten schließlich wegen des parteiischen Vorgehens gegen ihn die Aufsichstbeschwerde. Nun mußte sich aber das Rektorat doch entscheiden, und es entschied wahrhaft salomonisch: Die Rampe ist nicht akademischer Boden und untersteht der Polizei (siehe völkischer Kolporteur!), trotzdem hat das Rektorat Hausherrenrechte und kann deshalb einzelne Agitatoren fortweisen (Siehe freiheitliche Kolporteure!) In der „Neuen Freien Presse" vom 26. Mai 1927 bezeichnete der Rektor die Rampe nochmals als nichtakademischen Boden und erklärte „daß die Frage durch einen Erlaß des Unterrichtsministeriums schon seit vielen Jahren entschieden sei. Daß die Polizei bei Studentenunruhen davon Abstand nahm, die Rampe zu betreten, dürfte darauf zurückzuführen sein, daß der ministerielle Erlaß nicht allgemein bekannt war". Nun ist es klar, was man vom Rektorat zu halten hat. Nach seinen eigenen Angaben ist „v o r vielen Jahren" die Rampe als nichtakademischer Boden erklärt worden. Innerhalb dieser Zeit haben völkische Rowdies, nur durch den Umstand begünstigt, daß die Polizei in Unkenntnis des Erlasses die Rampe nicht betrat, dort gegen jüdische und andersdenkende Hörer straflos die ungeheuerlichsten Gewalttaten begehen können, und der Rektor kannte den Ministerialerlaß und wußte, daß seine Publikation ein Ende aller Gewalttaten herbeiführen mußte und trotzdemsaher seelenruhig zu, wie jüdische und frei hei tlicheHörerblutiggeschlagenwurden, da er doch seinen lieben Hakenkreuz-* lern die harmlose Spielerei nicht verbieten wollte. Das Rektorat hat somit eingestanden, daß die Verhinderung der Universitätsexzesse in seiner Hand gelegen war und daß es diese Verhinderung absichtlich unterließ. Wahrlich, dieses Rektorat und seine teutschen Saufhelden sind einander würdig! — Alpha. — * * Obiger Artikel war bereits vor den jüngsten Universitätsskandalen in unserem Besitze und die empörenden Vorgänge, welche sich nunmehr auf akademischem Boden abgespielt haben, zeigen, wie richtig die Studentenkreise, aus welchen uns obiger Artikel zugegangen ist, das Verhalten des gegenwärtigen Rektors beurteilen. An der Wiener Universität ist es nämlich am 10. d.M. zu argen Skandalszenen und blutigen Zusammenstößen zwischen hakenkreuzlerischen Studenten gekommen, in deren Verlauf einige Studenten so schwer verletzt wurden, daß sie von der Rettungsgesellschaft auf die Unfallstation gebracht werden mußten. Diese unerhörten und angesichts der zahlreichen Fremden, die sich anläßlich der Festwochen in Wien befinden, ganz besonders beschämenden Vorgänge haben gewissermaßen dem Faß den Boden ausgeschlagen und es ist das eingetreten, was von uns und allen vernünftigen Menschen, denen das Ansehen der Universität und unseres Staates am Herzen liegt, immerwährend gefordert wurde. Der Bürgermeister von Wien Karl S e i t z als Landeshauptmann hat an den Polizeipräsidenten ein Schreiben gerichtet, in welchem er ihn unter Hinweis auf die empörenden Vorfälle auf der Universität ermächtigt, künftighin, falls strafbare Handlungen an der Hochschule begangen werden oder unmittelbar zu gewärtigen sind, sofort und auch ohneErmächtigungderak ademischen Behörden in den Hoch schulräum Ii chkeiten einzuschreiten. Hoffentlich ist hiermit dem Terror der hakenkreuzlerischen Studentenschaft, welcher von den Universitätsbehörden geduldet, wenn nicht gar unterstützt wurde, ein Ende gesetzt und es wird künftighin nicht nur für das geistige, sondern auch für das körperliche Wohl der Studierenden gesorgt werden, indem man sie davor bewahrt, daß sie von mit Eisenstangen, Totschlägern und Knüppeln bewaffneten Gewalttätern blutig geschlagen werden. •J- -J; * Nun scheint aber Bürgermeister S e i t z doch die Rechnung ohne den Wirt gemacht zu haben, denn die radaulustigen deutschvölkischen Elemente wollen, wie es scheint, auf Kosten des Ansehens unserer Hochschule und unseres Staates es dennoch auf eine Kraftprobe ankommen lassen. Nun muß sich endlich zeigen, ob die Macht der verantwort-

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