Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 23-24 (3.6.1927)
- Date
- 1927-06-03
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3062972-3064299-3064322--15466-3088252- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 18 HIIUM^^ DIE WAHRHEIT Veröffenttiifkun&en der „Union deutctkösteTveidliisdkew Juden" Wien IX. <&ew£>&asse h ffoststwarftassem- 3£ont€* JIt. 04494 (Tel. IO-2-TT VII. Ordentliche Delegiertenversammlung. Unter großer Beteiligung fand Dienstag, den 24. Mai im Festsaale des Restaurants T o n e 11 o die VII. ordentliche Delegierversammlung der „Union deutschösterreichischer Juden" statt, zu welcher sich aus allen?\ Bezirken Wiens Delegierte eingefunden hatten. Präsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n begrüßte die Erschienenen und streifte kurz die wichtigsten Ereignisse des abgelaufenen Geschäftsjahres, welche wieder einmal die Bedeutung dokumentierten, welche die „U n i o n" für das österreichische Judentum besitzt. Hierauf erstattete der Sekretär der „Union", Redakteur Oskar Hirschfeld, den mit großen Beifall aufgenommenen Tätigkeitsbericht, welchen wir in der vorigen Nummer unseres Blattes vollinhaltlich veröffentlicht haben. Der sodann von Kassier M. Oesterreicher erstattete Kassabericht gab einen klaren Ueberblick über den Stand des Vereinsvermögens und seine Erklärung, daß mit den vorhandenen Mitteln in diesem Jahre das Auskommen gefunden werden dürfte, löste allgemeine Befriedigung aus. Der günstige Stand der Vereinsfinanzen sei in erster Linie auf die Reorganisation des Büros und seiner ausgezeichneten Tätigkeit zurückzuführen, und spricht Redner auch von dieser Stelle dem Büro den Dank aus. Für die musterhafte Führung der Bücher spendet er Herrn* Buchhalter Hermann besonderes Lob. Herr Adolf U n g e r erklärt nun im Namen der Revisoren, daß der Rechnungsabschluß und alle Belege genau geprüft und in vollkommener Ordnung befunden worden seien und bestätigte die bereits von Herrn M. Oesterreicher hervorgehobene musterhafte Führung der Bücher. Er stellte sodann den Antrag, dem Vorstande nebst den ihm gebührenden Danke das Absolutorium zu votieren. Zur Spezialdebatte ergriff zunächst Kommerzialrat B. B u c h w a 1 d das Wort, zollte dem Vorstande Anerkennung für seine ersprießliche Tätigkeit, gab aber seinem Wunsche dahingehenden Ausdruck, die Organisation in noch stärkerem Maße als dies bisher der Fall war, zu konzentrieren, zumal wir, wie er sagte, sehr schweren Zeiten entgegengehen und eine stramme Organisation der österreichischen Judenschaft dringend geboten erscheint. Börsenrat J. Gluck schloß sich den Ausführungen des Vorredners an und gab wertvolle, die Verbreitung der Organisation betreffende Anregungen. Die Union, welche bisher schon soviel für die österreichische Judenschaft geleistet hat, müsse auch weiterhin in der Lage sein, ihren schweren und verantwortungsvollen Aufgaben in vollstem Maße gerecht zu werden. Dies wird sie aber nur dann können, wenn ihr die Unterstützung der weitesten jüdischen Kreise zuteil wird. Mittel und Wege zu finden, um diese Kreise zu erfassen, muß die nächste Aufgabe der Union sein. Nachdem dem Vorstande das Absolutorium erteilt worden war, dankte Präsident Dr. 0 r n s t e i n für das der Leitung der „U n i o n" entgegengebrachte Vertrauen und versprach, die wertvollen Anregungen, die im Verlauf der Debatte gegeben wurden, in den nächsten Vorstandssitzungen einer eingehenden Beratung zu unterziehen. Kassier M. Oesterreicher stellte den Antrag, den Mitgliedsbeitrag in seiner bisherigen Höhe (Mindestbeitrag 6 Schilling) zu belassen und stellt gleichzeitig den zweiten Antrag, denselben für Studenten und wirtschaftlich Unselbständige mit 3 Schilling festzusetzen. Beide Anträge wurden einstimmig angenommen. Die von Präsident Dr. J.Ornstein vorgeschlagenen Statutenänderungen, welche ausschließlich formeller Natur waren, wurden ebenfalls einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Bei den vorgenommenen Wahlen in den Vorstand wurden die Herren Julius Berg er, Aurel Engel, Siegmund Ernst, Kom.-Rat Karl Friedmann, Karl Fröhlich, Börserat I. Glück, Med.-Rat Doktor H. H a a s e, Dr. Oskar Heim, Baurat Wilhelm Kempler, Dr. Edmund Korn, Hof rat Dr. Josef Löwner, Moritz 0 e s t e r r e i c h e r, Dr. J. 0 r nstein, Kom.-Rat Moriz Reif, Kom.-Rat Alexius S a 1 z e r, Direktor Moritz Singer, Direktor Anton Stein, Dr. Maximilian S t i g 1 i t z, Dr. Josef T i c h o, Simon W e i n e r einstimmig gewählt. Präsident Dr. J.Ornstein schloß hierauf mit einem Danke an die Delegierten die Versammlung und bat alle Erschienenen, auch weiter, wie bisher, in den einzelnen Bezirken zu wirken im Interesse der „U n i o n" und der österreichischen Judenschaft. Die „Einheitsliste". Die endgültigen ziffernmäßigen Wahlresultate stehen nunmehr fest. Sie beweisen das, was allen sofort nach der Wahl klar gewesen: die „Einheitsfront" hat vollkommen Schiffbruch erlitten. Eis gab schon früher viele Einsichtige, die gleich zu Beginn der Wahlbewegung der Ansicht waren, daß der Gedanke der „Einheitsfront" ein aus mannigfachen Gründen völlig verfehlter gewesen. Unter diesem Gesichtspunkt äst der folgende Artikel zu lesen, den vor der Wahl Komnuörzialrat Bernhard Buchwald in einer Wiener Zeitung veröffentlicht hat und den wir gekürzt wiedergeben: Es war für jedermann klar, daß mit dem Rücktritt Dr. Rameks vom Amte des Bundeskanzlers und der Uebernahme der Regierungsgeschäfte durch Dr. Seipel Neuwahlen bevorstehen, als einzige Remedur gegen das Versagen der Legislative, und man hätte annehmen können, daß, bevor dieser Schritt unternommen wurde, sich die Leitung