Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 23-24 (3.6.1927)
- Date
- 1927-06-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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mt WAHRHEIT iiii Seite Ü Feststrauß, Dr. B. Sik; Das Leben Moses naich dem „Jefer Hajasar", L. F.; Des Zaren Dank (Humoreske), A. Kisicky; Bilder aus dem Dorf leben der polnischen Juden, Dr. I. Kohn: Bücherschau, Dr. L. Fischer; Referat Hellers in hebräischer Sprache; Statistik der Juden im Königreiche S. H. S. Die Jahrbücher enthalten einige wertvolle wissenschaftliche Aufsätze, die es verdienen würden, auch weiteren Kreilsen mitgeteilt zu werden. Es wäre erwünscht, wenn statt der ganz unsystematischen Bücherschau eine kurzgefaßte Inhaltsangabe der literarischen' Wert habende Artikel in deutscher Sprache erfolgen würde. Die Arbeiten von A1 k a 1 a y. Levy. Schwarz und Fischer, um nur einige hervorzuheben, würden es verdienen, der wissenschaftlichen Welt bekannt zu werden. Das Fehlen von einigen Aufsätzen und unnützen Uebersetzungen würden nicht nur die großen Kosten erheblich vermindern, sondern dem Almanach selbst nur zum Vorteil geTeichen. Es ist zu bedauern, daß Dr. Margel- Zagreb, ein vorzüglicher Hebraist, an der Redaktion des zweiten Almanachs nicht teilnahm. Vor einigen Wochen verschied der greise Oberrabbmer der Gemeinde B j e 1 o v a r, S. D. Tauber, ein Preßburger. Er wirkte in Jassy, Zemun und noch einigen Gemeinden und war ein vorzüglicher Maggid und Darschan. Mit dem vor einigen Tagen im 78. Lebensjahre heimgogangenen Direktor i. R. der Vukovarer bekannten Hanffabrik A. G. Adolf G o 1 d s t e i n, einem Schwiegersöhne des weiland Szigetvarer Rabbiners Mais 1 is, verlor die kroatische Judenheit ein allgemein verehrtes Mitglied, das im altjüdischen traditionellen Geiste erzogen bis ans Lebensende für theologisches Wissen warmes Interesse und lebhafte Teilnahme bekundete. Ihr Andenken sei zum Segen! (Fortsetzung folgt.) „Eine Bruder tat". Mit der Begnadigung von Moritz Lewy war der Schlußstein auf die beinahe übermenschliche Arbeit gefügt, die Hugo Sonnenfeld bei dem mit dem Konitzer Blutbeschuldigungsprozeß zusammenhängenden Verfahren geleistet hat. Ein Brief, den Dr. Hirsch Hildesheimer, der bekannte gesetzestreue Führer, bei der Nachricht von der Freisprechung an Hugo Sonnenfeld richtete, möge jetzt, da Briefschreiber und Briefempfänger nicht mehr unter den Lebenden weilen, als kulturhistorisches Dokument zur Veröffentlichung gelangen: Sehr verehrter Herr Rechtsanwalt! Empfangen Sie meinen allerwärmsten Dank für Ihre gütige Benachrichtigung. Die hocherfreuliche Tatsache war mir bereits gestern abends durch die überglücklichen Eltern mitgeteilt worden. Mit dem Märtyrer und seinen Angehörigen danken wir alle diesen Erfolg Ihnen, sehr verehrter Freund, der Sie damit die reiche Summe von Verdiensten gekrönt, welche Sie sich um die Familie Lewy, um die Sache der Wahrheit und Gerechtigkeit, um die Sache des Judentums erworben haben. Trotz all der Widerwärtigkeiten und Enttäuschungen dürfen Sie mit voller Befriedigung auf dasjenige zurückblicken, was sie in immer verdienstvollerer Steigerung während der nunmehr zum Abschluß gelangten Könitz-Kampagne geleistet haben. Der dauernden Dankbarkeit aller derer, welche bewundernde Zeugen dieser Ihrer hingebungsvollen, unermüdlichen Tätigkeit gewesen, können Sie sicher sein. Ich werde mir in den allernächsten Tagen die Freude machen, Ihnen unmittelbar die Empfindungen herzlicher Dankbarkeit zum Ausdrucke zu bringen. Schon heute ist es mir Herzensbedürfnis, Ihnen auszusprechen, daß der Edelsinn, mit dem Sie den Befreiten aus Graudenz abholten und den Seinigen zugeführt haben, mich tief ergriffen und meine Bewunderung gesteigert hat. Das ist die jüdische Brudertat eines echt jüdisch Empfindenden! Der Allgütige lohne es Ihnen. Mit freundschaftlichen Grüßen Ihr in aufrichtiger Verehrung getreuer Hirsch Hildesheimer. ■t '% Glossen. Aus einem geheimen Telegrammwechsel zwischen drei Universitätsrektoren: I. Der Rektor der Bukarester Universität Pangrati an Herrn Hof rat Molisch in Wien: „Gratuliere Herr Kollege! Vortrag des famosen Hakenkreuzlers Körber über Numerus clausus an der Universität war eine ausgezeichnete Idee. Aber noch glänzender war die Begründung, daß Numerus clausus nichts mit Politik zu tun habe und das Thema daher ganz unverdächtig erschien." II. Der Rektor der Wiener Universität an Herrn Rektor Pangrati in Bukarest: „Besten Dank. Gratuliere gleichfalls zur herrlichen Verteidigung der antisemitischen Studenten in der Sitzung der Union der Völkerbundligen! Besonders gelungen der Hinweis, daß Totu, der einen jüdischen Studenten ermordete, doch nur ein einzelner war, auch wenn die Intelligenz der Nation und ganze antisemitische Presse ihn dafür wie einen Nationalhelden verherrlichte." III. Der Rektor der Budapester Universität an seine Kollegen in Wien und in Bukarest: Bin tief gerührt und glücklich über solche Kundgebungen! Wer uns kennt, wird jetzt auch unsere herrliche Jugend begreifen und würdigen." * * * So viel steht vorläufig fest: Der Oberste Gerichtshof hat die Entscheidung getroffen, daß Herr Otto Rothstock, der Bettauer-Mörder, aus dem Irrenhause entlassen wird. Verschiedene andere Fragen, die sich an den merkwürdigen Fall knüpfen, bleiben allerdings noch weiter aufrecht. Die hakenkreuzlerische Presse hat bekanntlich den jungen Mann, nachdem er fünf wohlgezielte Schüsse auf einen Wehrlosen abgefeuert hatte, als einen vorbildlichen Idealisten verherrlicht. Herr Dr. Riehl speziell hat lange Zeit von ihm in einer Weise gesprochen, daß man nicht überrascht gewesen wäre, wenn er schließlich im Gerichtssaale in flammender Rede eine Sammlung zur Errichtung eines Monumentes für Rothstock beantragt hätte. Freilich, als die Situation für Herrn Rothstock sich kritisch gestaltete und auch die Aufrichtung eines Galgen für ihn nur darum nicht zur Diskussion gelangen konnte, weil die Todesstrafe in Oesterreich abgeschafft ist, hielten es Herr Rothstock und sein Verteidiger für angezeigt, statt auf krankhaften Idealismus auf eine gesunde Geistesstörung zu plädieren. So kam Rothstock in die rettende Irrenanstalt. Nun aber fühlte sein Verteidiger nach einer schicklichen Zwischen-