Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 23-24 (3.6.1927)
- Date
- 1927-06-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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vornehmlich infolge der gerechten Anerkennung und der verdienten Würdigung des Rabbiners seitens der maßgebenden nichtjüdischen Kreise. Die Osijeker Kultusgemeinde feierte das 25jährige Jubiläum Aires Oberrabbiners Dr. Simon Ungar, eines vorzüglichen Kenners und geistvollen! Interpreten der Midrasch-Literatur. Am Vorabend war im gastlichen Hause des Jubilars ein Festmahl, an welchem Verwandte, Kollegen und der verdienstvolle Präses der Kultusgemeinde, Dr. Hugo Spitzer, teiinahmen. Letztgenannter ist einer der tüchtigsten Advokaten Jugoslawiens, der zum Segen der Gemeinde und zum Wohle ihrer Beamten seit mehr als drei Jahrzehnten die Gemeinde mit klarem Verständnis leitet. Beim Festgottesdienste, an welchem außer der Gemeinde und ihrer Vereine zahllosse Deputationen das festlich geschmückte, herrliche Gotteshaus füllten, hielten der Landesrabbiner Dr. Isac Alkalay ausBeograd und der Jubilar eindrucksvolle Reden. Den gesanglichen Ten" besorgte meisterhaft Ob'erkantor Schächter. Nach dem Gottesdienste begab sich die imposante Festversammlung in den geräumigen Saal der Kultusgemeinde, wo im Rahmen der vom Präsidenten eröffneten Festsitzung dem Jubilar die Geschenke der dankbaren Gemeinde, ein prachtvoller silberner Pokal und eine kostbare Brieftasche mit einem fürstlichen Ehrengeschenk, überreicht wurden. Es folgten düe Gratulattonsansprachen namens talmudlicher Vereine, der Nachbargemeinden, der Kollegen und der Ge&tiichkeit Tilefgerührt dankte der Jubilar in einer geistvollen Rede allen Gratulanten und pries, mächtig ergriffen, die Gnade der Vorsehung, die ihm die Kraft gab, nicht nur die Herzen seiner Gemeindemitglieder zu gewinnen, sondern sich die Sympathien der ganzen Bevölkerung zu sichern, deren sprechender Beweis die erhebende Feier sei. Um zwei Uhr veranstalteten die Repräsentaniten der Kultusgemeinde zu Ehren der auswärtigen Gäste ein glänzendes Bankett, bei welchem der Jubilar, seine wackere Gattin Fanny, seine Familie, die Kultusgemeinde und ihr Vorsteher in zahlreichen Trinksprüchen gefeiert wurden. Einige Tage nachher feierte die Somborer Kultusgemein de das vierzigjährige Jubiläum ihres Oberrabbiners Dr. Michael Fischer. Bei dem nachmittags um drei Uhr abgehaltenen Festgottesdienste hielten der Landesrabbiner, der Jubilar, und dessen Nachfolger Dr. Guttmann geistvolle Reden, die auf die zahlreichen Zuhörer tiefen Eindruck machten. Dem Gottesdienste folgte die im Prunksaale der Stadt abgehaltene Festsitzung der Kultusgemeinde, bei welcher die segensreiche Tätigkeit des Jubilars in schwungvollen Worten verherrlicht wurde. Der Dank der Gemeinde wurde hierbei im Gemeindeprotokoll verewigt. Dr. Fischer wurde das bescheidene Geschenk — zwei Silberpokale — im Hause überreicht Wenn schon in einem Glas Wein viel Ehre steckt, wieviel „Koved" enthalten zwei silberne Trifflikgefäße,. so kalkulierten wahrscheinlich die braven Somborer. Nachher begab sich der Landesrabbiner mit dem Jubilar, dessen Amtsbruder und den fremden Kollegen ins Empfangszimmer des Bürgermeisters; wo derselbe an der Spitze des Magistrats den Landesrabbiner herzlichst begrüßte und den Jubilar innigst beglückwünschte. Dasselbe taten die Vertreter der Behörden, der städtischen und der jüdischen Vereine, sowie die Rabbiner. Besonders innig und warm sprachen drei serbische Erzpriester, der reformierte Geistliche und. ein Vertreter der katholischen Kirohengemeinde. Während sich bei der Feier in Osijek dfie Stadtpfarrer der Ober- und Unterstadt durch den Präfekten des Seminars und den ältesten Katecheten und Kaplan vertreten ließen, überließen dief^räestet der katholischen Kirche in Sombor die Gratulationsbezeugung ganz dem Laienelement Abends gab der Präsident der Kuitusgemeinde, Audor Wamoscher, in seinem vornehinen, streng rituell geführten Hause zu Ehren des Jubilars und der fremden Gäste ein glänzendes Souper, bei welchem zahlreiche Toaste gehalten wurden. Mit Vergnügen bemerkten wir hier auch den jungen, agilen Oberrabbiner der Großgemeinde Subotica, der trotz seiner Inanspruchnahme auf kurze Zeit erschien, um seinen greisen Nachbarkollegen persönlich zu beglückwünschen. Zum Tee begab man sich in den Lloydsaal, wo die ganze Gemeinde,, Männer und Frauen, versammelt war. Die große Versammlung hörte nicht nur viele gelungene Reden, sie konnte sich auch an den Gesangvorträg^a.jdes bekannten Suboticaer Oberkantors Basser, sowie des Somborer Oberkantors Goldstein, ergötzen. Ohne Sang und Klang, nur im Rahmen einer Festsitzung, erfolgte die Installation^eier des Zagreber Rabbiners Dr. Gabor Schwarz zum Oberrabbiner. Für dessen einstimmige Wahl gebührt der größten Kultusgemeinde Jugoslawiens, vornehmlich ihren bewährten Führern Dr. Hugo Kon, Dr. Leopold Schick und Leo Stern, wohlverdiente Anerkennung und gerechtfertigtes Lob. Sie schätzten das (langjährige ersprießliche und eifrige Wirken eines Religionsprofessors und Rabbiners, der sich die ehrenvolle Stelle des Oberrabbiners mit unermüdlichem Fleiße und ernster Tätigkeit erarbeitete, der sich nie in den leichten Dienst einer Partei stellte, um mit ihrer Hilfe bequem und rasch vorwärts zu kommen, der sich vielmehr immer nur den Rat der alten jüdischen Gelehrtem, den Rat Akavja's vor Augen hielt: „Deine Taten und Handlungen seien deine Empfehler und Fürsprecher." Die rühmliche Objektivität der großen Kuitusgemeinde ist hoch zu schätzen. Unter den kleinen Hütern im Garten des Herrn gab es nämlich Füchse, die so schlau waren, auch in der Küche des jetzigen Oberrabbiners zu schnüffeln, um der sogenannten jüdischen Oeffentlichkeit kulinarische Geheimnisse zu verraten. Diese Wühlarbeit blieb jedoch ohne den geringsten Erfolg. Wir hoffen zuversichtlich, daß Dr. Schwarz, der sich auch auf karitativem Gebiet vorzüglich bewährte, Bleibendes, Dauerndes schaffen wird zum Wohle seiner Gemeinde und zur Ehre seines Standes. Auch für geistige Nahrung wird bei uns in Jugoslawien gesorgt. Ignatz Schlang, Rabbiner der Aschkenasim-Gemeinde in Beograd veröffentlichte in einem in serbischer Sprache geschriebenen und mit cyrillischen Lettern gedruckten, 144 Seiten umfassenden Werke, die Geschichte der Juden in Beograd von den ältesten Zeiten der römischen Herrschaft' bis zum Abschluß des Weltkrieges. Das 17. Jahrhundert war für die Gemeinde die Blütezeit der Gelehrsamkeit Ihre damaligen Rabbiner Juda Lerma, Simcha Hakohen und Josef Almoslino verewigten ihre Namen mit ihren theologischen Werken in der Geschichte des Judentums. Das interessante, in populärwissenschaftlicher Weise und in stark patriotischem Geiste geschriebene Buch verdient es, auch in deutscher Sprache veröffentlicht zu werden, damit es auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht werde und unsere Geschichtswissenschaft bereichere. Dem fleißigen Verfasser gebührt wohlverdienter Dank. Der Rabbinerverband des Königreiches S. H. S. gab schon im Vorjahre einen reichhaltigen Almanach fü das Jahr 5686 heraus, der von Dr. L. Fischer-Vrsac und Dr. M. Margel-Zagreb ediert wurde. Er umfaßte ohne Annoncen 302 Seiten und enthielt außer einem genauen jüdischen Kalender, die Gebräuche für Tempel und Haus die — schreibe und klage— 72 Seiten füllten, wobei zu bemerken ist, daß in den meisten Gotteshäusern unserer größeren Gemeinden das Mannheimer Gebetbuch eingeführt ist Die Reihenfolge der Aufsätze ist folgende: Die neue sephardische Synagoge in Belgrad von Dr. Alkalay; „Joung-Judia", Jung-Juda, Dr. I. Dohany; Von der Notwendigkeit eines Geschichtsbuches der Juden in Jugoslawien, Dr. L. S i k; Der Wunderrabbi und der Rebbe, Dr. H E. Kaufmann; Vom rechtlichen und wirtschaftlichen Leben der Juden in Steiermark, Kärnten und Krain in den Jahren 1371—1496, Dr. H. Schulsinger; David Pardo, Chacham in Sarajevo, Dr. M. Lewy; Die älteste jüdische Kultusgemeinde in Kroatien, Dr. I. Diamant; Die in Belgrad gedruckten hebräischen Werke, Dr. I. Alkalay, Das Wissen und die Bibel, Dr. H. Urbach; Das Buch Samuel, Dr. G. Schwarz; Rabbinische Poesie, Dr. M. Mar gel; Von der Wichtigkeit der altorientalischen Funde für die jüdische Wissenschaft, Dr. L. Fischer; Die Priestergesetze Ezechiels im Verhältnisse zur Thora, Dr. L. M a rgulies; Die Verbreitung der jüdischen Kultur unter den Heiden, Dr. R. Glück; Rabbiner und Gemeinde, Dr. S. Weszel; Bilder aus dem 30jährigen Krieg, Dr. B. Sik; Uebersetzung aus der talmudischen Hagada, S. L. Deutsch; Bjalik-Gedichte, übersetzt von C. Rothmüller; Wegen „Mazkir n'samol" (Humoreske), A. K i s i c k y; Bücherschau, Dr. L. Fischer und Dr. M. Mar gel, Statistik der Juden im Königreiche S. H. S. Das Jahrbuch für 5687 umfaßt 204 Seiten. 44 Seiten enthalten der Kalender und die Gebräuche für Tempel und Haus, dann folgen die Artikel: Eine Handschrift Nactaras, Gedichte „Seerit Israel", Dr. M. Levy, Die Wiener Geserah von 1411, Dr. H. Schul Singer; Kusita, Moses Frau, Dr. M. Frankfurter; Jesus und die Juden, Dr. H, E. Kaufmann; Unsere Kultusgemeinden und die Tradition, Dr. I. Diamant; Das Kaddischgebet, Dr. L. Fischer; Enthält das Buch Jonan eine hebräisch-partikularistische Idee?, H. Schweiger;