Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1927-05-27 · Heft 22 (27.5.1927) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 22 (27.5.1927)
Date
1927-05-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064299-3064321--15438-3088223
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 7 die wah$helt fminmffTTTmffTTUinniJiimiiiiMHmjniHinuiijnijnyiiiümiiUiL'iun: komme, möge man daraus ersehen, daß Hertz, cbr Erfinder der elektrischen Wellen und Haber, der Entdecker des künstlichen Salpeters, bekanntlich beide Juden, aus den Hochschulen hervorgegangen sind. Dieser hohe Geist aber zeigte sich auch darin, daß, als am Schlüsse der großen Festversammlung ein „wehrhafter" Student mitden abgedroschenen Phrasen der Rassenreinheit die Versammlung zu langweilen begann, der überwiegende Teil der Zuhörer sichtbar entrüstet war. Wie denn umgekehrt der stramme Reichsdeutsche Student, der beim Festbankett für die Erhaltung des konfessionellen Friedens an den Hochschulen gesprochen und auch in manchem anderen mit der „wehrhaften" Qrazer Studentenschaft sich nicht •einverstanden erklärte, geradezu einen Sturm der Begeisterung entfesselte. Denn schon sehen die ernsthaften Männer ein, wohin es führem müsse, wenn man eine Jugend heranwachsen lasse, von der dasselbe gilt, was einst der Prophet Jesaia in einer Zeit schweren Verfalls gesagt hat: „Es erfrecht sich der Bube gegen den Alten und es stürmt los der Minderwertige gegen den Ehrenfesten", eine Jugend, die den Mut findet, bei dem von der" „wehrhaften" Studentenschaft veranstalteten Festkommers, welchem sowohl der Rektor als auch der überwiegende Teil deir Professoren und der akademischen Kreise ostentativ fern geblieben sind, zu sagen: Die „deutsche Studentenschaft" habe nur von ihrem traditionellen Rechte Gebrauch gemacht, die Universität nach außen zu vertreten (vgl. Abendblatt der „Grazer Tagespost" vom 17. Mai, Seite 5, Spalte 2). Angesichts solcher Ueberhebung muß sich doch endlich jeder ernste Mensch sagen, das ist Verfall, das ist kein wissenschaftlicher Betrieb mehr! Daß an diesen Verhältnissen mancher akademische Lehrer schuld trägt und daß mancher dieser, wenn man ihn heute auf Herz und Nieren prüfen wollte, seine Einstellung bedauert, darüber kann heute kein Zweifel mehr bestehen. Denn es ist nicht wahr, daß man für das Wohl seines Volkes nur so arbeiten könne, wenn man unduldsam und gehässig gegen Andere sich zeigt. Als im vergangenen Jahre die nationalistisch gesinnten Studenten der Pariser Universität, die ebenfalls gemeint haben, die alleinigen Pächter und Träger des französischen Patriotismus zu sein, gegen die ausländischen Studenten Sturm laufen wollten, da hat das Professorenkollegium in 24 Stunden Ordnung geschaffen und den Herrschaften begreiflich gemacht, daß am Wohle Frankreichs jeder das Recht habe, mitzuarbeiten und daß es keine patentierten Franzosen gebe. Und man wird doch den Professoren der Pariser Universität nicht etwa vorwerfen können, daß sie „Judenknechte" und Verräter Frankreichs allesamt sind und Felonie treiben! Aber diese Männer der Wissenschaft fühlten, welche Verantwortung sie tragen und sie erklärten einmütig: die heiligen Hallen der Wissenschaft haben dem Studium und sie haben allen und nicht nur einseitig orientierten, beschränkten Hörern zu dienen. Wir können nur wünschen, daß dieser Geist bald auch an unseren Hochschulen seinen Einzug halte, daß Männer von eiserner Zähigkeit, hohem wissenschaftlichen Ernst, versöhnlichem Geiste und stahlhartem Charakter, wie ihn jene sieben Göttinger Professoren besessen haben, zu denen wir noch heute mit Bewunderung emporblicken, dahin wirken mögen, daß die akademische Lehrerschaft wieder die Führerin der Jugend werde und daß sich nicht eine Minderheit von Studenten zu Herren der Universitäten aufspiele. Es heißt, die Wissenschaft mache frei, es ist aber nicht minder auch wahr, daß sie nur in der Freiheit aller gedeihen kann. Das mögen alle bedenken, die es ernst mit unseren Hochschulen meinen. Glossen. Welch ideale, überschwenglichen Hoffnungen werden an den erfolgreichen und ruhmvollen Flug des Amerikaners geknüpft, an den Sieg, der zwei durch den Ozean getrennte Weltteile einander so nahe rückt! Begeisterte Optimisten schöpfen aus dieser großen Tat sogar die märchenhafte Hoffnung, daß einer Generation, der die Ueberwindung solch gewaltiger Schwierigkeiten gelingt, auch der Aufstieg zu den Höhen des beglückenden Friedens zwischen den feindlichen Staaten erreichbar sein werde. Seien wir doch bescheidener in unseren Wünschen und Hoffnungen! Müßten nicht erst die bösartigen Vernichtungskämpfe der neben und miteinander in einem Lande wohnenden Menschen aufhören? * * * Herr Dr. S e i p e 1 hat in der feierlichen Stunde, in der er zum fünftenmal mit der Leitung unseres Staates betraut wurde, den Appell an die Nationalversammlung gerichtet, alles zu tun, damit die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten in aller Reinheit geführt werde. Es ist anzunehmen, daß gerade die Opposition, die schon durch ihr energisches, schonungsloses Auftreten in der letzten Session des alten Hauses es durchgesetzt hat, daß ernstlich mit der Reinigung des Augiasstalles begonnen wurde, bei der manches teuere — auch dem Staate teuer zu stehen gekommene — Haupt der Christlichsozialen Weggeputzt wurde, noch weiterhin gründlich und freudig der Aufforderung des Herrn Bundeskanzlers Rechnung tragen wird. * * *. Se. Magnifizenz, der Herr Rektor der Wiener Universität, war wegen der Erlaubnis, die er dem Diplomkaufmann Robert K ö r b e r zur Abhaltung eines Vortrages über den Numerus clausus im Festsaale der Universität gab, harten Angriffen in der liberalen Presse ausgesetzt. Mit Unrecht. Der Herr Rektor soll nämlich, wie verlautet, überzeugt gewesen sein, daß ein Idealist wie Robert Körber den Numerus clausus nur als eine Ausgeburt des gemeinsten böswilligsten Judenhasses brandmarken werde. Der Herr Rektor hätte demnach es für eine Nichtswürdigkeit gehalten, diesen Vortrag nicht halten zu lassen. * * * Der ungarische Unterrichtsminister scheint es satt bekommen zu haben, immer den verletzenden Vorwurf zu hören, daß er seine Ansichten über den Numerus clausus von territorialen Gründen beeinflussen lasse. In der Tat hat Graf Klebelsberg wiederholt in Genf die Erklärung abgegeben, dem Numerus clausus fehle jegliche antisemitische Tendenz, während ihn auf ungarischem Boden die Furcht, ausgelacht zu werden, zu ganz anderen Meinungsäußerungen zwang. Die begeisterte Zustimmung, die der edle Graf dafür von den Erwachenden einheimste, fingen schließlich an, kompromittierend für den Gefeierten zu sein, denn am Ende sind die Diplomaten des Auslandes keine Analphabeten. Nun hat der ungarische Unterrichtsminister einen Ausweg gesucht. Den Erwachenden ist es nur um die Erhaltung des Numerus clausus zu tun, gleichgültig um die Tendenzen, die dabei ausschlaggebend sind, während man vor den gebildeten Staatsmännern eben diese mittelalterliche Tendenz verleugnen muß. Das macht man ganz einfach: Graf Klebeisberg erklärte plötzlich auf ungarischem Boden, er sei ein prinzipieller Gegner des Numerus clausus, aber er könne nicht sagen, wann die Zeit sein werde, ihn aufzuheben. Mit dieser Erklärung glaubt Graf Klebelsberg die Erwachenden zu beruhigen und die eventuellen Bedenken europäischer Staatsmänner einzuschlummern. Ego. will Ms im. Je WiW'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.