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Die Wahrheit · 1927-05-27 · Heft 22 (27.5.1927) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 22 (27.5.1927)
Date
1927-05-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT SeiU 3 traue« nach dem versteckten Pferdefuß. Der kommt darm auch alsbald zum Vorschein. Verirrungen einer leidenschaftich entflammten Jugend müssen durchaus nicht a priori unsittlich sein. Die blutgetränkten Blätter der Weltgeschichte verzeichnen auch Taten, die zwar gegen den Buchstaben der bürgerlichen Gesetze verstoßen, aber nicht gegen eine höhere Ethik, die den Richter, der da kam zu fluchen, schließlich zum Segnen zwingt. Ein in der normalen Entwicklung gehemmter Idealismus reißt oft Dämme nieder, die die menschliche Gesellschaft zu ihrem Schutz errichtet hat, aber doch in speziellen Fällen ohne Bedauern, ja sogar mit Bewunderung für den Täter fallen sieht. Teils Geschoß dient dem Morde, aber gleichwohl nicht der Unmoral. Ja, sogar dem verblendeten Studenten Sand, der in Kotzebue einen vermeintlichen der Tyrannei zu Tode traf, zollt die Nachwelt Respekt für einen guten Glauben. Den Hakenkreuzlern ist dieser Milderungsgrund einer ehrlichen, wenn auch irrigen Üeberzeugung nicht so restlos zuzubilligen. ' Denn wir hören sie gegen den „jüdischen Materialismus" wettern, gegen den erdgebundenen Geist einer Rasse, die angeblich nur für die greifbaren Güter der irdischen Welt empfänglich ist, sonst für nichts. Aber gleichzeitig sehen wir ihr raffiniertes Streben., das Judentum gerade dort zu treffen, wo es, wenn die antisemitische Rassenlehre recht hätte, unempfindlich sein müßte! Was hat es für einen Sinn, Synagogen fernster einzuschlagen, wenn der eigentliche Gott der Juden doch nur im Geldschrank zu finden ist? Warum tobt sich die Verachtung gegen eine Rasse, der jedes tiefere Gemütsleben wesensfremd sein soll, just am Grabmal e r n aus, die doch nur einem ausgeprägtem Pietätsgefühl heilig sein können? Diese Fragen erhellen den unüberbrückbaren Abgrund zwischen dem, was der Antisemitismus lehrt, und dem, was er tut, den Abgrund einer in ihren liefen gar nicht auszulotenden Verlogenheit, einen Abgrund der Perfidie, in dem das deutsche Volk unrettbarer versinken müßte, als in dem Grabe, das ihm äußere Feinde zu schaufeln suchten, wenn es die falschen Wegweiser zu einem vorgespiegelten Heile nicht zu entlarven imstande wäre. Zum Glück ist diese Entlarvung nicht schwer. Niemals war die Lüge Werkzeug in täppischeren Händen, als in denen der Männer vom Hakenkreuz. Niemand kann mit größerer Ungeschicklichkeit verraten, wie wenig er selbst das glaubt, was er predigt. Diese Verkünder des rassenmäßig bedingten jüdischen Materialismus wissen sehr gut, daß die Juden für ihren Glauben Martern aller Art auf sich genommen haben, als die anderen, angeblich um so viel idealistischer veranlagten Rassen sich mit Feuer und Sachwert das Christentum aufdrängen ließen. Diese Entlarver jüdischer „Vaterlandslosigkeit" und jüdischen „Zufallsdeutschtums" wissen, daß die Juden, die vor etlichen Jahrhunderten vom Rhein nach Polen flüchten mußten, noch WD KUNEROL Verbärgt reines Fett aus Kokos* nüssen. Die Kokosnüsse werden bei der Knnerolwerke A. G., Wien- Atzgersdorf, gepreßt und die Er» zeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Kunerol kann daher von jedem Streng* gläubigen ohne Bedenken zur Zubereis tung der Speisen verwendet werden. Ttr 'rf ■#/-■»»-i heute mitten im fremden Sprachgebiet den Sprachschatz und die Sprachformen des mittelalterlichen Deutschtums in ihrem Jargon konservieren, so wie die Sephardim noch jetzt das Spanisch sprechen, das zur Zeit der Judenvertreibungen von der Pyirenäenhalbinesl dort Umgangssprache gewesen ist. Gerade das Wissen und diese beispiellose Treue, dieses in der ganzen Weltgeschichte einzig dastehende Festhalten an rein geistigen, an idealen Kulturgütern seitens der Juden bietet den Hakenkreuzlern die beliebteste Angriffsfläche für ihre Je melfr man darüber nachdenkt, desto zutreffender und stichhältiger erweist sich der Vergleich, der die verschiedensten sozialen Fragen und Bestrebungen weise beleuchtet. Es ist wirklich schwer zu entscheiden, wer im Körper Herr und wer Diener ist; es sind alle auf einander angewiesen, und das Wohlbefinden aller hängt von allen ab. Trotzdem hat die Sprache auch das Wort von den „edleren Teilen" gefunden und so eine Art „Klassenstaat" im Körper festgestellt. Am besten und deutlichsten kommt die Wertabstufung bei Aufstellung der Schadensansprüche zum Ausdruck, wenn es sich um Körperverletzung eines Menschen handelt oder bei Anordnung der körperlichen Strafen, wie sie in früheren Zeiten üblich waren. Für geringere Vergehen wurde Hand oder Fuß abgehackt, für gewisse geblendet und für schwerste Verbrechen das Herz aus dem Leibe gerissen oder der Kopf abgeschlagen. Das besagt deutlich, daß einzelnen Gliedern und Organen ein höherer Wert und größere Bedeutung, aber auch größere Verantwortung zugemutet wird. Dementsprechend verhält es sich mit den Menschen in der Gemeinschaft. Sie sind alle notwendig, jeder in seiner Art und Weise, alle wertvoll und nützlich, jeder an seinem Platze und seiner Stelle. Aber bestimmten kommt die Rolle der „edleren Teile" zu, die, von den anderen unterstützt, höhere, edlere Aufgaben zu erfüllen, zu führen, zu wachen, zu leiten und zu sorgen haben. Die „Häupter der Gemeinde" werden als die „Berufenen der Gemeinde" bezeichnet, und es ist merkwürdig, daß dieser Ausdruck, der dreimal in der Thora vorkommt, ebensooft verschieden geschrieben ist. Das erste Mal mit „j", das zweite ohne „j" und das dritte mit „w". Ein Ausleger der heiligen Schrift will in dieser Schreibweise erkennen, daß die als „Berufene der Gemeinde" zuerst Bezeichneten Gerechte, die anderen Frevler waren. Er mag recht haben, aber ganz sicher sind auch nicht alle „Berufenen" gleichzuschreiben. Sie werden dem Haupte verglichen, die „Köpfe" genannt. Auch bei der Zählung der Stämme werden die Israeliten nach „Köpfen" gezählt, aber die Thora gebraucht geflissentlich den Ausdruck „legulg'lotham", denn „gulgoleth" bedeutet den Schädel, die runde Knochenhülle mit und ohne Gehirn, sogar den gehirnlosen Totenschädel, während „rosch" den Kopf in seiner edlen Bestimmung als Sitz des Verstandes und als Haupt der menschlichen Glieder bezeichnet. Die „Berufenen der Gemeinde" dürfen nicht legulg'lotham, lediglich weil auf ihrem Körper ein Schädel sitzt, sondern nur als „rosche", als Häupter der Stämme Israels, nach der Qualität geistiger Fähigkeiten gewählt werden. Der Körper des Gemeinwesens muß wissen, aber auch jederzeit Beweis davon erhalten, daß das Haupt nicht als unnütze und träge Last obenan getragen wird und sich tragen läßt, sondern für alle denkt und sorgt, ihr Führer und Berater ist und jeden das Richtige und Zweckmäßige tun heißt, mehr noch über der harmonischen, einträchtigen Tätigkeit aller wacht. Das Haupt hat gewiß die ehrenvollste, aber auch die allen Gefahren am meisten ausgesetzte Stellung. Denn will man den Körper tötlich treffen, so zielt man nach dem Kopfe. Mit seinem Schicksal ist auch das des Körpers besiegelt: einige krampfhafte Zuckungen noch und all' die starken Glieder sind starr und tot. Darum sagt der Talmud: „Schlag ihm den Kopf ab — wird er dann nicht sterben?" oder „Wird der Körper geschlagen, was hat der Kopf Gutes davon? Gehet der Kopf weg, was soll der Körper beginnen?"

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