Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1927-05-20 · Heft 21 (20.5.1927) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 21 (20.5.1927)
Date
1927-05-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3064299-3064320--15427-3088211
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

DIE WAHRHEIT j|U!i!H^ Seite 13 E) y*****....................\. Q 5^ ^Tfieoler, Jiunst u. Xitexatm 2§[ \lMIHH«IMtlHIHHMtH»H1HMIMIHIMIMMMW«HMM«MlMtM»M«MIHIIWIW>IMtllUl/ Vorträge. Am 3. und 7. d. M. haben die ersten zwei Vorträge stattgefunden, welche der Leiter des Maimonides- Institutes, Herr Rabbiner Dr. A. Kaminka im dichtbesetzten Hörsaal Nr. 17 der Wiener Universität in diesem foommersemester abhielt. Zweck derselben ist: Förderung der Kenntnis der hebräischen Literatur. In einem kurzen historischen Ueberblick erwähnte der Vortragende u. a., daß anno 1533 das erstemal ein Professor dieses Fach an der hiesigen Universität gelehrt hat, und zwar Antonius Margaritha, Sohn von Jakob Margulies in Regensburg, ein Apostat. Das alte Testament ist von den akademischen Lehrern stets nur christozentrisch aufgefaßt und tradiert worden, als Vorbereitung für das Christentum — daran hat sich bis auf den heutigen Tag nichts geändert. Die Mängel der modernen Bibelforschung seitens protestantischer Gelehrter basieren zumeist auf der Voreingenommenheit der Auffassung von der Minderwertigkeit der alttestamentlichen Ethik gegenüber der des neuen Testamentes, sowie darin, daß ihnen jede Ehrfurcht vor dem überlieferten maseretischen Text fehlt, in dem sie sich höchst willkürliche Abänderungen und Einschiebungen gestatten. Sie übersehen, daß die Schriftgelehrten, welche den Text fixierten, eben Gelehrte waren, nicht Leute, die wie die Mönche des Mittelalters in völliger Unkenntnis des Inhaltes bloß als Abschreibe!; fungierten, wenn sie klassische Werke vervielfältigten. Außerdem hat man speziell bei den Psalmen, welche den Gegenstand der Vorträge bilden, die Tendenz, die Zeit ihrer Entstehung möglichst spät herabzusetzen. Anstatt den rein lyrischen Ausdruck rein menschlicher Empfindungen in ihnen festzustellen, legt man ihnen gerne den eines nationalen Partikularismus unter. In der wirklichen Zeit ihrer Entstehung, im achten vorchristlichen Jahrhundert, waren gerade im Gegenteil kosmopolitische Gedanken emporgekommen; der Geist hat sich erst später durch Parteikämpfe wieder verengt. So sind mit den Ausdrücken „Gerechte und Bösewichter" durchaus nicht Sadduzäer und Pharisäer gemeint. Bei solcher Deutung verschwinden die rein menschlichen Schönheiten, wenn man eben nur darauf bedacht ist, die Dichtung als Folie des. kommenden Christentums hinzustellen. Bis zum Psalm 89 haben wir eine geschlossene Redaktion vor uns, die den Aufstieg und Niedergang der Dynastie Davids zum historischen Inhalt hat. Die folgenden sind später hinzugekommen. Eine andere Zählung, die nur 137 Psalmen durch Zusammenziehung von Zweien zu Einem aufweist, bietet auch die Septuaginta. Der erste Psalm ist rein didaktisch. Auch hier versuchen die modernen Erklärer, wie Khi11e 1 und Gunkel, die Tendenz der Absonderung Israels von den übrigen Völkern hineinzuinterpretieren. Die besteht aber durchaus nicht, wie in hochverdienstlicher und zwingender Weise vom Vortragenden bewiesen wird. Es kommt ja tatsächlich nirgends im ganzen Buche ein Hinweis auf Riten, wie 'etwa Speisegesetze oder den Sabbath vor, was bei solcher Absicht der Fall sein müßte. Der Vortragende zeigt auch deutlich, wie durch willkürliche Einsetzung anderer Worte falsche Erklärungen entstehen, während die einfache Lesart den abgeklärten Standpunkt des Dichters und seine überlegene Weltanschauung erkennen läßt. Ist es schon ein großes Verdienst, weiten Kreisen, namentlich der Jugend die richtige Kenntnis dieses sicher meist gelesenen Erzeugnisses der Weltliteratur zu vermitteln, so soll in den Vorträgen über Teile des Talmud, wobei mit der Besprechung der „Pirke Aboth" begonnen wurde, aller Welt gezeigt werden, daß auch dieses vielgeschmähte Werk im Lichte breitester Oeffentlichkeit vorgetragen und studiert zu werden vermag und verdient. Med.-Rat Dr. H. Haase. „Das neue Europa". Das soeben erschienene Mai-Juniheft des XIII. Jahrganges dieser von Dr. Paul Hohenau redigierten Zeitschrift, die bereits seit langer Zeit den Kämpfern für die Vertiefung des Völkerversöhnungsgedankens als wertvolles publizistisches Instrument dient, bringt aus Anlaß der Tagung der Genfer internationalen Weltwirtschaftskonferenz eine Reihe ganz erlesener Beiträge von Staatsmännern, Politikern und Wirtschaftsautoritäten von internationalem Ruf und universeller Bedeutung. Der bekannte Mitarbeiter des amerikanischen Handelsstaatssekretärs Mr. Herbert Hoover, Direktor Julius Klein, spricht sich mit bezwingender Logik und geschultem Verständnis für die Schaffung fester Grundlagen zur Ausgleichung der großen Gegensätze iim europäischen Wirtschaftsgebiet aus. Ebenso interessant und bedeutsam sind die Ausführungen des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Ignaz S e i p e 1 und des österreichischen Bundesfinanzministers Dr. Viktor Kienböck. Zur Chinafrage, über die eiigentlichen Ursachen des Chaos und der bolschewistischen Wühlarbeit daselbst, äußert sich einer der besten Kenner der einschlägigen Verhältnisse, das Mitglied des englischen Oberhauses Lord Sydenham of Combe in klarer Weise. Zur Frage der internationalen Politik schreibt Dr. Paul Hohenau, dessen Beziehungen zu führenden Politikern und Staatsmännern der Westmächte bekannt sind, einen bemerkenswerten Artikel, in dem betont wird, daß jede weltpolitische Evolution mit den Fortschritten der Kultur in Verbindung steht und daß vornehmlich das Ethos der Staatsmänner als eine der grundlegenden Vorbedingungen für die Schaffung einer dauernden Friedensepoche betrachtet werden müsse. Interessant sind auch die Artikel der bekannten Schriftsteller Dr. Heinrich Kanner und des Grafen Heinrich von Kageneck; die Erklärungen des jugoslawischen Ministers und Gesandten Miloyewitch über die Friedensarbeit in Jugoslawien und von Helveticus, hinter welchem Pseudonym sich ein bekannter schweizerischer Schriftsteller birgt, über die innerpolitischen Fragen in der Schweiz, verdienen volle Aufmerksamkeit, ebenso der Artikel über eine europäische Zollunion von Leopold Katscher. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Junge intelligente Dame, in jeder Beziehung kommerziell tüchtig und repräsentationsfähig, perfekte Stenographin und Stenotypistin, sudhi Stellung eventuell stunden- oder aushilfsweise. Unter „Prima Referenzen" an die Administration des Blattes. m fit wrairiuHT rm :i« erhet Ahonnenten!Dr „Die Wahrheit Bezugsbedingungen: Halbjährig: für Oesterreich S 8.50, Ungarn Pengö 8-50, Deutschland Qoldm. 7.—, Tschechoslowakei CK 60.—, Polen ZI. 11—, Schweiz Fr. 7.—, AmerikalVaDoli.,Italien Lire40.—.EnglandSchilling 15.—, Rumänien Lei 300.—.Jugoslawien Dinar 100.— Bandagen, Bruchbänder, ratschen, Gummi strumple, Schlüpfer, alle Gummlwaren kaufen Sie zu verblüffend billigen Preisen bei solidester Qualität im SAN lfÄTSHAVS FISCHER Wien II., Taborstraße 24 a — Telephon 40-5-95 SpezialOfferte schriftlich, telephonisch und mündlich bereitwilligst gratis! // Fixangestellte Teilzahlungen 1 Sonnenscheins Höfel u. Pension rrom Karl II Bad Ischl (SalzkammcrgiiO Oanzjährig geöffnet — Vorzügliche Küche orth. "1U3 Restaurant GOLDBERG „VILLA BERNINA" Einziges orthodoxes "UftD Restaurant im SAllKAfflnERODT Oroßer Speisesaal, Glasveranda, gute Küche, Baien» Mal Cent zivile Preise. Referenzen von hervorragenden Ülllallll Hai-'JB|H> rabbinischen Autoritäten. -^^^_==_____=_

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.