Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 21 (20.5.1927)
- Date
- 1927-05-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 tMmmmmmmmmm die Wahrheit Herrn für die Lebensinteressen der Juden im eigenen Lande, das er erst jüngst wieder dokumentiert hat, wäne wohl Verständnis für die Interessen der palästinensischen Judenschaft zu vieä verfangt Wir fragen also nicht nach der Ansicht des Herrn Stricker, sondern wir fragen, warum die österreichischen Zionisten, worunter es doch so viele aufrichtige und opferbereite Palästinafreunde gibt, sich eine solche „Vertretung" gefallen lassen. Deutsche Einheit Der „Oesterreidiische Nationalsozialist", das Blatt der österreichischen Hitler-Bewegung, welches seinen Kampf gegen das Judentum vorwiegend durch lustige Raufereien mit den gegnerischen Nationalsozialisten Oesterreichs führt, schrieb am 26. November v. J. in einem Artikel „Parlamentiarismjus, Parteien und Programme "als Schlußsatz folgende Niedlichkeit: „Mit demselben kalten Blut, mit welchem Schulz und Genossen ihrem Führer Adolf Hitler die Treue brachen, verkaufen sie nun auch den allerdings nur mehr spärlichen Rest ihrer Anhängerschaft an die Einheitsfront korrumpierten- Mehrheitsparlamentarier. Die .Deutsche Arbeiter-Presse4 hat bloß ihre Hakenkreuze verloren. Schulz und Genossen aber Gesinnung und Ehre." Da der Schreiber des Artikels vorsichtSgerweise seinen Namen verschwiegen hatte, erhob Schulz gegen den verantwortlichen Schriftleiter der Zeitung, Schiffter, die Klage durch Rechtsanwalt Dr. Alois Blümel. Herr Schiffter tat nun in zwei Verhandlungen sehr groß und erklärte, er werde für die aufgestellten beleidigenden Behauptunigen den Wahrheitsbeweis erbringen, und übernehme die1 volle Verantwortung für den Artikel. Er erhielt zur Erbringung des Wahrheitsbeweises eine Frist zugebilligt Doch Schiffter ließ die gestellte Frist 'verstreichen, ohne auch nur eine Spur von dem in Aussicht gestellten Beweismaterial zu bringen, so daß schließlich vor kurzem die Verhandlung beim Strafbezirksgericht Schiffamtsgasse als Pressegericht stattfand. Herr Schiffter, der m den zwei vorangegangenen Verhandlungen den Mund so voll genommen hatte, zog es vor, nicht zu erscheinen, und mußte in contumacia verurteilt werden. Er wurde wegen Vernachlässigung der pfüchtmäßigen Obsorge zu 50 Schilling Geldstrafe, Veröffentlichung des Urteils in der „Deutschen Arbeiter-Presse" und dem „Oesterreichischen Nationalsozialisten" sowie zur Tragung sämtlicher Gerichts- und Advokatenkosten verurteilt; für die Durchführung des Urteiles haften zur ungeteilten Hand der „Oesterreichische Nationalsozialist" und däe „HiÜerbeweguog". Es geht eben nichts über die deutsche Einigkeit Zur Schächtfrage, In der ietzten Vorstandssitzung des Kieler Tierschutzvereines berichtete der Vorsitzende, Stadtveterinärrat Ruser, — wie dem „Isr. Familienblatt" mitgeteilt wird — über die Versuche von Prof. Bange, die das Schlachten nach vorangegangener Betäubung mit Chloralhydrat zum Gegenstand hatten. Die Einspritzung mittelst einer Hohlnadel habe Erfolge gezeigt, eine Schädigung des Fleisches durch das eingegebene Chloralhydrat sei nicht erkennbar gewesen. Prof. Bange empfiehlt diese Art der Betäubung deshalb, weil das Blut, das am meisten litte, von den Juden doch nicht genossen werde. Dadurch sei man den Schächtfreunden entgegengekommen. Diese Versuche wolle auch die bayrische Regierung abwarten, bevor sie zum Beschluß des Bayrischen Landtags, das betäubungslose Schächten zu verbieten, Stellung nehmen werde. — Natürlich ist dieser „Ausweg" als den jüdischen Ritualgesetzen widersprechend, vollkommen unannehmbar. Er ist auch vollkommen überflüssig, da der Halsschnitt nach der Ansicht hervorragender Gelehrter, deren Gutachten wir seinerzeit auszugsweise veröffentlicht haben, eine sofortige Schmerzlosigkeit herstellt und somit als eine humane Schlachtmethode bezeichnet werden kann. Das italienische Bürgerrecht für die libyschen Juden. Wie aus Rom gemeldet wird, beschäftigt sich die Kammer gegenwärtig mit der Ausarbeitung eines Verwaltungsgesetzes für Libyen, der italienischen Kolonie in Nordafrika, das u. a. auch die staatsbürgerlichen Verhältnisse der Einwohner dieser Kolonie regelt und vor allem auch für die nicht unbeträchtliche Zahl der Juden, die in Libyen wohnen, von großer Bedeutung werden soll Durch das Gesetz wird nämlich sowohl den Juden als auch den Mohammedanern die Möglichkeit gegeben, die italienische Staatsbürgerschaft zu erwerben. Alle in Libyen geborenen Juden und Mohammedaner sind nach dem neuen Gesetzentwurf italienisch-libysche Bürger. Ein Libyer, der den Militärdienst absolviert hat, hat Anspruch auf die volle italienische Bürgerschaft Die religiösen. Sitten und Bräuche der Juden müssen nach dem neuen Gesetz respektiert werden. Die rabbinischen Gerichte werden wie bisher in Angelegenheiten der Erbschaft, der häuslichen und religiösen Einrichtungen der jüdischen Bürger Libyens als zuständig erklärt. Ein jüdisches Gebet für einen katholischen Kirchenfürsten. In Budapest hat sich jüngst der gewiß nicht alltägliche Fall ereignet, daß in einem jüdischen Gotteshause für die Genesung eines katholischen Kirchenfürsten gebetet wurde. Dies geschah im Tempel des jüdischen Knabenwaisenhauses anläßlich des Pessach-Gottesdienstes. Auf Veranlassung des Waisenhauspräsidenten, des Mitgliedes des Oberhauses Eugen Vi da, sprach Oberrabbiner Schmelzer ein Gebet, in dem es unter anderem heißt: ......Wir sind schmerzlich getroffen von der Kunde, daß der hochgesinnte, edellmütige Oberpriester unserer katholischen Brüder, Kardinal-Fürstprimas Johann Csern och, fern vom Vaterlande von einer schweren Krankheit heimgesucht ist. Für ihn erhebt sich unser Gebet zu Dir, angütiger Gott. Erhöre unser Flehen. Du weißt ja, wie hochherzig er in den düstersten, trostlosesten Tagen der Unterdrückung und des Nichtverstehens sich für uns, das ungarländische Judentum, eingesetzt hat. Gib ihm die ganze Fülle seiner seelischen und körperlichen Kraft zurück, segne ihn mit Deinem barmherzigsten Segen, verleihe ihm langes Leben und unerschöpfliche Arbeitsfreudigkeit. ... auf daß sein Beispiel auch weiterhin eine Zier und eine Freude sein könne seiner Kirche sowohl wie auch uns allen. Amen." Ein Sederabend auf hoher See. Die jüdischen Passagiere der „01 y m p i e", des gewaltigen Ozeanriesen der White Star Line, konnten den Sederabend mitten auf hoher See in altgewohnter Weise begehen. Sie harten nicht nur Mazzes und Moraur, sondern es wurde auch dafür gesorgt daß sie das Pessachfest, das sie auf dem Meere verbringen mußten, in streng ritueller Weise begehen konnten, da alles hierfür in sorgfältigster und umfassendster Weise von der Gesellschaft vorbereitet war. Ja sogar das Alkoholverbot, das in New York, dem Ausgangshafen, herrscht brauchte mit Rücksicht auf den religiösen Zweck nicht eingehalten zu werden, so daß jeder Teilnehmer an dem Sederabend die vorgeschriebenen vier Becher Wein tr inken konnte. ttmmmmmmmmmmmmmmmmmmammmmmm Ein vergrößertes Freibad in der Nähe der Volksoner. Wir erfahren, daß das Michaeierbad daran geht, ihr Sommerschwimmbad durch Errichtung einer zweiten Terrasse für Sonnenbäder, sowie durch neue Kalt- und Warmwasserbrausen zu vergrößern, und daß die Eröffnung Meute erfolgt. Es scheint also, daß das Beispiel der Gemeinde Wien auch befruchtend auf die Privatbäder wirkt. E Ferienkolonie Vöslau. Wie alljährlich beabsichtigt die Ferienkolonie Vöslau auch dieses Jahr in ihrem Ferienheime drei Erholungsturnusse für schulpflichtige Kinder (beginnend am 14. Juni, endend am 14. September) einzurichten. Es wird angezeigt sein, für Reservierung des Platzes rechtzeitig Vorsorge zu treffen. Anfragen sind an das Sekretariat des Vereines. Wien VI.. Gumpendorferstraße Nr. 92, Telephon 70-54, zu richten. NiedepostEPreichiscbB Escoinpte-6BSB)IschBft Zufolge Beschlusses der vierundsiebzigsten ordentlichen Generalversammlung der Aktionäre der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft wird der Aktien-Kupon Hr. 26 pro 1926 mit S iso vom 17. Hai 1.1 an bei der Liquidatur der Gesellschaft eingelöst. Wien, 16. Mai 1927. Niederösterreichische Escompte-Gesellschaft (Nachdruck wird nicht honoriert)