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Die Wahrheit · 1927-05-20 · Heft 21 (20.5.1927) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 21 (20.5.1927)
Date
1927-05-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 '9 DIE WAHRHtll „Ritualmord? Nach der Meldung einiger Blätter wurde im Ruhrgebiet der Sohn eines Bergmannes aus Herten im Walde ermordet aufgefunden, und zwar mit durchschnittener Kehle, bis zur Wirbelsäule (Schächtschnitt), blutleer. Der Knabe ist am 1. Oktober mittags in Begleitung eines älteren Fremdlings im Hertener Busch gesehen worden. Wird der Mörder auch ertappt — ist er Jude, so verläuft die Sache im Sand wie der ähnliche Knabenmord bei Tivoli (Wien), die Ritualmorde zu Tisza-Eszlar, Xanten, Polna, Damaskus und viele geschichtlich erwiesene andere, wobei man stets andere Täter oder Motive vorschiebt, ohne die Untersuchung peinlich genau und restlos zu Ende zu führen, damit die Spur sich verlaufe." Der Polizeipräsident in Recklinghausen hat unserem Vertrauensmann in Buer die Erklärung abgegeben, daß „ein Verdacht für einen sogenannten Ritualmord" nicht bestehe. Ein Rabbiner über die Gojim. Der „Eiserne Besen" vom 30. v. M. hat es für notwendig gefunden, die vor 20 bis 30 Jahren in Oesterreich verbreitete antisemitische Schmähschrift „Ein Rabbiner über die Gojim" wieder einmal auszugsweise hervorzuzerren, diesmal auf Grund eines Artikels der seinerzeit in Wien erschienenen „Deutschen Zeitung" vom 15. März 1901. Wir haben eist vor kurzem den durch nichts zu erschütternden Beweis erbracht, daß der Verfasser des hirnrissigen Machwerkes selbstverständlich kein Rabbiner gewesen sein kann, sondern daß die Schmähschrift von einem üblen antisemitischen Fälscher fast Wort für Wort dem Kapitel „Auf dem Judenkirchhof in Prag" des fast 60 Jahre alten Goedscheschen Schundromanes „Biarritz" entnommen und böswillig einem Rabbiner zugeschrieben worden ist Dieses Pamphlet ist im Jahre 1901 von dem jungtschechisch-antisemitischen Abgeordneten Breznowsky im österreichischen Reichsrat verlesen worden und fand somit in das amtliche stenographische Protokoll der betreffenden ReLchstagsitzoing Aufnahme. Seitdem kannte man unzähligemale in der antisemitischen HetzJiteratur der Behauptung begegnen, ein Rabbiner habe „laut den amtlichen Sitzungsprotokollen des österreichischen Reichsrates" das und das gesagt. Und dann folgte ein Zitat, das man auch stets in dem angeführten Kapitel dies Goedscheschen Schundromanes „Biaritz" wiederfinden konnte» So hat denn auch der „Eiserne Besen" die „markantesten" Stellen aus der durch die Anfrage immun gewordenen Broschüre veröffentlicht, ohne folgendes zu bedenken: Das Pamphlet „Ein Rabbiner über die Gojim" stimmt nicht ganz wörtlich, aber stets dem Sinne nach mit dem angeführten Goedsche-Kapitel überein. Das ist wohl nur damit zu erklären, daß der antisemitische Jiungtscheche Breznowsky es aus dem Tschechischen ins Deutsche übersetzt hat, ehe er es im Jahre 1901 im österreichischen Reichsrat vorgelesen hat. Man hat es also hier offenbar mit der Leistung eines tschechischen Antisemiten zu tun, der dieses Fälscherwerk auf der Grundlage des in Rede stehenden Goedsche-Kapitels angefertigt hat Die tschechischen Nationalisten führten bekanntlich früher einen sehr scharfen Kampf gegen die in ihrem Lande lebenden Juden, weil diese stets zum Deutschtum gehalten haben. Jetzt hat der tschechische Nationalismus diesen Kampf schon längst aufgegeben, und er bemüht sich, die in der Tschechoslowakei lebenden Juden dadurch für sich zu gewinnen, daß er ihnen das Recht der eigenen Nation zuerkannt hat. Trotzdem treten die dortigen Juden, bis auf geringe Ausnahmen, nach wie vor unentwegt für das Deutschtum ein, und sie haben der deutschen Sache in der Tschechoslowakei schon manchen wichtigen Dienst geleistet, obwohl ein erheblicher Teil der Sudetendeutschen noch törichterweise am Antisemitismus festhält. Wenn sich also der „Eiserne Besen" der dem Arsenal der einstigen tschechischen Antisemiten entstamu.enden Schmähschrift „Ein Rabbiner über die Gojim" bedient, so können wir ihm nicht den Vorwurf ersparen, daß er mit abgelegten Sachen des einstigen jungtschechischen Antisemitismus hausieren geht. Er hat uns damit gleichzeitig auch einen sehr hübschen Beitrag zu dem Kapitel von der Internationale des Antisemitismus geliefert Der „Eiseine Besen" kennt doch das deutsche Sprichwort: „Ein faules Ei verdirbt den ganzen Kuchen." Er darf es uns schon getrost glauben: Das von ihm benutzte, seinerzeit durch den jungtschechischen Antisemiten Breznowsky im österreichischen Reichsrat vorgelesene Fälscherwerk „Ein Rabbiner über die Gojim" ist ein sehr faules Ei. Wenn er bei der Auswahl der Eier nicht vorsichtiger zu Werke geht, als er es in dem in Rede stehenden Artikel getan hat, so wird er in seinem ganzui Leben keinen anständigen Kuchen fertig bekommen. Arische Sommerfrische I. Ranges. Wir erhielten folgende /[usjhrift: An die „Union deutschcsterreichischer Juden", Wien. Mit großem Interesse habe ich in der vorwöchigen Nummer der „Wahrheit" die judenfeindlichen österreichischen Erholungsorte gelesen, und erlaube ich mir zur Ergänzung dieses Verzeichnisses den Hinweis auf die Wiener „Volks- Zeitung'' vom 5. Mai d. J., in der sich als „arische Sommerfrische I Ranges" Pol lau. die „Perle der Oststeienmark" offeriert. Es wird wohl eine falsche Perle sein. Hochachtungsvoll G. H. 1AG. MAYER Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkengaSSe 24 Tel. 48-4-79 Für Kultusbeamte und Vereinsfunktionäre gegen Legitimation 10% Nachlaß iwon den im Schaufenster meiner Niederlage II., TaborstraBe 44 ersichtlichen Verkaufspreisen .Union deulscftösierrelcftSscher Juden" Wien IX., Berggasse 4 Telephon!9-2-77 EIHLADUN6 zu der m ordentlichen Delegierten Versammlung welche Dienstag, den 24. üiai d. J. im Festsaale des Restaurant Tonello, Wien II.» Lilienbpunngasse 2, 1lß abends stallfinden wiid. TAGESORCNUNGa 1. Rechenschaftsbericht des Vorstandes 2. Kassabericht 3. Bericht der Revisoren 4. Bestimmung des Jahresbeitrages 5. Statutenänderung 6. Wahlen in den Vorstand 7. Anträge und Interpellationen Das Erscheinen jedes Delegierten ist unbedingte Pflicht. Wir rechnen deshalb mit Bestimmtheit auf die Anwesenheit jedes einzelnen Herrn. Eventuelle Anträge wollen bis zum 21. d. M. schriftlich im Bureau der „Union" eingebracht werden. Hochachtungsvoll fllr den Zentralvorstand: Or. J. Ornstein Präsident NB. Die Herren Delegierten werden ersucht, nach der Versammlung zu einem gemütlichen Beisammensein im Restaurant verbleiben zu wollen.

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