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Die Wahrheit · 1927-05-13 · Heft 20 (13.5.1927) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 20 (13.5.1927)
Date
1927-05-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Iii« Ml! Seite 9 Vewöffenilidkun&en der „Union deuldiösferreicftiscfter Juden* Wien IX. £?erggasse % i?os<«parfto8sen- Jfifonto JVr. M9% iTel. 10-2-77 Judenreine Sommerfrischen. Bereits in früheren Jahren hat die „Union deutschösterreichischer Juden", gemeinsam mit der Redaktion der „Wahrheit", einem vielfach geäußerten Wunsehe Rechnung tragend, die Namen derjenigen österreichischen Sommerfrischen, die ihr als judenfeindlich bekannt wurden, veröffentlicht. Das war damals nicht schwer, zumal dieser antisemitischen Gesinnung oder genauer: Gesinnungslosigkeit auf alle mögliche Weise, in antisemitischen Zeitungen, durch öffentliche Anschläge, Gemeinderatsbeschlüsse u. dgl. Ausdruck verliehen wurde. Schon im vorigen Jähre aber ist das Hepp-Hepp-Geschrei etwas verstummt; es ist merklich stille geworden in den judenreinen Sommerfrischen, stiller als manchem ihrer Inwohner heb war. Denn nicht nur die jüdischen Sommergäste haben die Orte gemieden, die wir als „judenfeindlich" an den Pranger gestellt haben, sondern auch viele nichtjüdische Familien haben es, angeekelt durch diese antisemitischen Pöbeleien, vorgezogen, den Sommer in zwar weniger rassenreinen, dafür aber um so gemütlicheren Sommerfrischen zu verbringen; gibt es ja noch viele Orte, in denen ein jüdischer oder jüdisch aussehender Sommerfrischler seinen Urlaub verbringen kann, ohne Beschimpfungen ausgesetzt zu sein. Mancher früher „judenreine" Gasthofbesitzer und Quartiergeber sieht deshalb dem diesjährigen Sommer mit Sorge entgegen, er würde sogar.....es ist gar nicht auszudenken, aber die wirtschaftliche Not, die Gefahr, leer zu bleiben, zwingen ihn, auch einmal ein Opfer zu bringen, besonders, wenn dasselbe durch Opfer, die „andere" für ihn bringen sollen, sich reichlich bezahlt machen könnte. Da sich aber an der Grundgesinnung wohl nichts geändert hat und das antisemitische Geschrei, wie anzunehmen ist, nur aus Opportunitätsgründen zeitweise verstummt ist, seien auch heuer die Namen derjenigen Sommerfrischen veröffentlicht, die als „Antisemitenorte" früher oder jetzt bekannt wurden. Wir hoffen, auf diese Weise nicht nur unsere Glaubensgenossen bei der Wahl eines passenden Sommeraufenthaltes zu unterstützen, sondern auch allen häkenkreuzlerischen Gemeinden entgegenzukommen, indem wir sie vor jüdischen Eindringlingen bewahren. Wir sind davon überzeugt, daß es charaktervolle Juden auch heuer vermeiden werden, die angegebenen Sommerfrischen aufzusuchen, zumal genug andere schöne Orte in unserem herrlichen Vaterlande existieren, in welchen die Luft zumindestens ebenso rein und nicht mit antisemitischem Gestank verpestet ist. Sollte irgend eine der nachstehend angeführten Gemeinden darauf Wert legen, aus der Liste der „judenreinen" Sommerfrischen gestrichen zu werden, dann sind wir gerne bereit, dies zu tun. Die Sommerfrischen, in denen Juden nicht gerne gesehen sind, sind' folgende: Verzeichnis der jndenleinüluhen ösferrehhischen Erholungsorte (Ohne Qewähr.) (Auch teilweiser Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.) (Zusammengestellt von der „Union deutschösterreichischer Juden", Wien IX., Berggasse 4.) Niederösterreich: Gobelsburg am Kamp. Mank. (Gemeinderatsbeschluß, den Aufenthalt jüdischer Sommerfrischler nicht zu dulden.) Schönberg am Kamp. (Im Jahre 1925 antisemitische Exzesse.) Türnitz. Wolkersdorf a. d. Ostbahn. (Laut Qemeinderatsbeschluß „judenrein".) Ybbsitz. Oberösterreich: Aigen im Ennstal. Eferding. (Laut Gemeinderatsbeschluß Aufenthaltsdauer für „Nichtarier" auf 24 Stunden beschränkt.) St. Georgen im Attergau. (Der Gasthof „Bauern- Löckner" inseriert: „Nur christliche Sommergäste erhalten Unterkunft".) Hansberg, Post St. Johann i. Mühlkreis. (Inseriert: „Nur christliche Gäste erwünscht".) Mondsee, Salzkammergut. (Das Bürgermeisteramt berichtigt trotz wiederholter Ersuchen antisemitische Hinweise hakenkreuzlerischer Zeitungen nicht). Nußdorf am Atfersee. Spital am Phyrn. (Im Gasthöf;,Zur Post", Eigentümer t . Q r u n.d n e r,. in der Einfahrt Inschrift: „Juden nichter- : wünscht.") Weyr a. d. Enns. (Der Verschönerungsverein schreibt, daß „Juden nicht erwünscht" seien.) Wolderbad b. Hall. Salzburg: St Johann im Pongau. (Laut Gemeinderatsbeschluß „Juden nicht erwünscht.") Mattsee. (Laut einstimmigen Gemeinderatsbeschluß „judenrein.") Mittersill im Pinzgau. (Laut Gemeinderatsbeschluß „judenrein.") Neumarkt am Wallersee. Seeham bei Mattsee. Seekirchen. Tamsweg im Lungau. (Laut Gemeinderatsbeschluß „judenrein.") Wald im Oberpinzgau. Zell am See. „Villa Olga", „Villa Schmittenta!". Steiermark: Murau. Pürgg (am Eing. des Steir. Salzkammergutes). Trofaiach. (Die Kurverwaltung, annonciert: „Angenehmer Aufenthalt für christliche* Familien.") Kärnten: Agathendorf. (Post Hirt, Kärnten.) - Kötschach im Gailtal. (Stempel;,Nichtarier unerwünscht** . auf einem Briefe eines dortigen Gasthofbesltztrs.)

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