Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 20 (13.5.1927)
- Date
- 1927-05-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT pflogenheiten beziehen wollte, heißt es da ausdrücklich: „Auf den städtischen Plakatierungstafeln dürfen Ankündigungen für Veranstaltungen, die offen- oder versteckt gegen gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaften hetzen, nicht verlautbart werden." In Feldkirch ist es jetzt allerdings ausgeschlossen, daß die blutigste Selbstverurteilung der Hakenkreuzler — zu Mißverständnissen führen könnte. Seitdem die Propheten in Israel aufgehört, prophezeien — so lautet ein jüdisches Sprichwort — nur noch die Kinder und die Narren. Und so verkündet die „Dötz" dem amerikanischen Krösus Ford, daß das Attentat, das auf ihn neulich verübt worden sein soll, wahrscheinlich nicht das einzige bleiben wird. Es ist nicht anzunehmen, daß die „Dötz" einem so hilfsbereiten, begeisterten Antisemiten wie Ford Böses wünscht. Im Gegenteil, der Mann, der erst kürzlich einem ungarischen „Erwachenden", der sich seiner judenmörderischen Vergangenheit rühmen konnte, mit 3000 Dollars beigesprungen, ist ja vielleicht bereit, eventuell antisemitischen Hetzblättern, die vor dem Einschlafen sind, zu helfen. Die „Dötz" wollte in zarter Weise die Juden als Mordanstifter denunzieren. * Ein Pfarrer, der in einer Berliner hakenkreuzlerischen Versammlung Bedenken gegen Schimpfworte wie „Judensau" zu äußern wagte, hat an Ort und Stelle eine gründliche Belehrung über sein unchristliches, „judenknechtisches" Benehmen erhalten. Er wird sogar längere Zeit darüber nachdenken können, denn man trug ihn blutig geschlagen vom Platze, und er wird, wie die Aerzte versichern, nicht so bald ganz hergestellt sein. Wenn dem bedauernswerten Pfarrer nicht ohnehin der Kopf eingeschlagen worden wäre, müßte er ihn sich jetzt über die Frage zerbrechen, warum gerade die Gesellschaft, in der er so mißhandelt wurde, immer das Wort im Munde führt: „Denn am deutschen Wesen soll die Welt — genesen." * * Bischof Zadrawetz läßt richtig seine Ehrenbeleidigungsklagen gegen 64 Journalisten durchführen, die an seiner Beeidigung der Francs-Fälscher etwas auszusetzen hatten. Nur gegen einen seiner Beleidiger übte der Bischof Nachsicht und ließ sofort nach Beginn der Verhandlung die Klage fallen. Dieser hatte nämlich die Frage aufgeworfen, wieso der Bischof in den Besitz seiner großen Kapitalien gelangt sei. Merkwürdig, daß der Bischof gerade davon nichts hören wollte. Und doch handelte es sich um Gelder, deren Echtheit kein Mensch jemals bezweifelt hatte. * * ■ * * Se. Durchlaucht, der Gouverneur Nikolaus von Horthy ist von der Debrecziner Universität zum Doctor honoris causa ernannt worden. Soll dieser neugebackene Doktor Ersatz für die vielen jüdischen Studenten sein, denen es — schandenhalber verwehrt ist, an einer ungarischen Universität das Doktorat zu erlangen? Ego. KONKURS im Großen Tempel in derTabaftgasse der Pesier israelitischen Reilglonsgemelnde gelangt die Stelle eines Onerkantors zur Besetzung. In Betracht kommen nur Bewerber unter 40 Jahren, die eine umfangreiche, geschulte, erstklassige Stimme, musikalische und lithurgische Ausbildung besitzen und sowohl für den traditionellen Gesang als auch für den modernen Gottesdienst mit Orgelbegleitung wie auch im Thoralesen qualifiziert sind. Bewerber wollen ordnungsgemäß belegte Offerte mit dem Nachweis der vorbezeichneten Erfordernisse, ferner ihres Alters, Familienstandes sowie der bisherigen Verwendung (Dokumente in Abschrift) nebst Lichtbild bis 20. Mai 1927 an die Zeremonienabteilung der Pester israelitischen Religionsgemeinde Budapest, VII. ker., Sip-ucca 12 richten, Budapest, 6. Mai 1927. Vorstand der Pester Israel. Religionsgemeinde HßrbEl Abonnenten fßr die „Wahrheit" I liF51 i,ssTii In der Israelitischen Status quo-Geraeinde Timisoara-Fabricä gelangt die Stelle des Oberkantors zur Besetzung. Bewerber mit umfangreicher, klangvoller Stimme, ausgesprochener musikalischer Bildung, die im traditionellen Gesang bewandert sind („Bai-Koreh") und auch die Befähigung besitzen, mit Orgelbegleitung und gemischtem Chor zu singen, möglichst unter 35 Jahren, wollen ihre Offerte mit Angabe der Staatsbürgerschaft, Alter, Familienstand, Nachweis einer religiösen Lebensweise, bisheriger Tätigkeit, Zeugnisabschriften und Ge- |{| haltsansprüche bis 31. Mai 1927 an das Sekretariat der Israelitischen Status quo-Gemeinde Timisoara-Fabricä (II., Kunzzeile 4 a), einsenden. Es kommen nur erstklassige Bewerber in Betracht. Die Bezahlung erfolgt nach Uebereinkommen. Reisespesen werden nur den direkt Berufenen vergütet und eingesandte Zeugnisabschriften nicht zurückerstattet. Timisoara (Temesvär), Mai 1927. Das Präsidium.