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Die Wahrheit · 1927-05-06 · Heft 19 (6.5.1927) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 19 (6.5.1927)
Date
1927-05-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DIE WAHRHEIT iiilM Seite 13 stcn und ursprünglichsten Liebe, welche Mütter und Kinder verbindet und die über das Grab hinaus andauert. Auch wir Juden haben vor kurzem das Fest der Freiheit begangen und dem Ewigen, unserem Gotte gedankt, der uns hinausgeführt aus Aegypten, dem Lande der Knechtschaft; nun wollen wir dieses Fest der Liebe begehen, eingedenk des göttlichen Gebotes, das uns die Verehrung und Hochschätzurig der Mutter ebenso wie die des Vaters zur obersten Pflicht macht. An diesem Tage schweben die hehren Gestalten unserer Stammütter Sarah, Rachel, Rebekka und Lea vor unserem geistigen Auge, an diesem Tage gedenken wir der Hanna, dem Idealbild einer Mutter, und jener zahlreichen jüdischen Mütter, die wie die tapfere xMutter der Makkabäer mit ihrem Volk gelitten haben. Wir gedenken aber auch in kindlicher Liebe unserer eigenen Mutter, die uns in Schmerzen geboren, kummervolle Nächte an unserer Wiege durchwacht, uns aufgezogen, unsere Seele und unseren Leib herangebildet hat. Mögen alle, die das unendliche Glück haben, eine Mutter zu besitzen, ihr an diesem Tag ihre Liebe und Verehrung in besonders inniger Weise bezeugen und ihr als Zeichen des Dankes eine Freude bereiten, mögen alle, welche ihre Mutter nicht mehr zu den Lebenden zählen können, sich in wehmutvollem Gedenken all der unaussprechlichen Güte erinnern, die ihnen die nun in Gott Ruhende entgegengebracht hat. Wir alle aber wollen an diesem Tage der armen und verlassenen jüdischen Mütter gedenken und auf diese Weise das Schönste und das Erhabenste ehren, was es auf Erden gibt: die Mutterschaft. Dr. Franz Josef Weiß. Ein Fest im Hause Bondi. Wenn in einer Familie die drei Grundpfeiler des Judentums, Thauro, Awaudo und Gemilath Chassodim, in so hervorragender Weise gepflegt und in Ehren gehalten werden, wie dies in der Familie Bondi der Fall ist, dann ist es kein Wunder, wenn an einem Freudenfest in einem solchen Hause die jüdische Oeffentlichkeit in hohem Maße Anteil nimmt. Einen neuen Beweis hierfür erbrachte die Barmizwah des Studenten Felix Bondi, des Sohnes des Kommerzialrates Kultusvorsteher Sigmund Bondi und seiner Gattin Ernestine, geb. Moosbacher, eines Enkels des unvergeßlichen Markus B o n d i s. A. Die erhebende Feier, welche Samstag, den 30, April 1927, beim Morgengottesdienst in der „Schiffschul" stattfand, bot insbesondere den Mitgliedern der „Adas Jisroel" eine willkommene Gelegenheit, die große Verehrung und Hochschätzung zu bekunden, welche sie der Familie ihres Obmannes entgegenbringen. Unter den Anwesenden bemerkte man auch in Vertretung der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Vizepräsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n, der in Begleitung der Kultusvorsteher Dohan, Engel und Dr. Ticho erschienen war, sowie Delegationen der Tempel vereine und humanitären Institutionen. Der kleine Felix Bondi brachte den Thoraabschnitt, zu dem er aufgerufen worden war, in formvollendeter Weise zum Vortrage.—Der Empfang im Hause des Kommerzialrates S. B o n d i, der nach dem Gottesdienste stattfand, gestaltete sich zu einer großen Ehrung einer unzählbaren Menge von Gratulanten aus allen Schichten der Wiener Judenschaft für die Eltern des Barmizwoh und die ganze Familie, der der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Profesor Dr. Alois Pick die Glückwünsche der Kultusgemeinde überbrachte. Der Barmizwoh hielt hierbei eine geistvolle Charifos-Droscho und eine deutsche Ansprache, welche beide von den großen Kenntnissen zeugten, die sich der zu großen Hoffnungen berechtigende Junge bereits angeeignet hatte. Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß die Familien Bondi — Moosbacher die Familientradition auch dadurch aufrecht erhielten, daß sie zahlreicher jüdischer Armer und humanitärer Institutionen anläßlich des festlichen Anlasses gedachten. Die Familienmitglieder und die engeren Freunde des Hauses blieben bis in die späten Abendstunden beisammen, wobei der Tradition des Hauses gemäß Thora und Lehre im Mittelpunkte der geistvollen und anregenden Unterhaltung gestanden sind. Ein synagogales Konzert im Radio. Der Kölner Rundfunk sandte Sonntag, den 1. Mai, von 6 bis J48 Uhr abends, eine Vortragsfolge „Ueber das Wesen und die Aesthetik der jüdischen M u s i k'\ Den einleitenden, dem Verständnis der Nichtjuden im weitesten Maße entgegenkommenden Vortrag hielt Oberkantor Hermann Zivi aus Elberfeld. Der gesangliche Teil, welcher hervorragende Werke der jüdischen Synagogen-Musik umfaßte, wurde von dem bereits Genannten sowie von den Oberkantoren Nikolaus Naumow-Fleischmann aus Frankfurt a. M. und Hermann Fleischmann aus Köln in vollendeter Weise zum Vortrage gebracht. Die instrumentale Begleitung wurde vom Organisten Alois Kreuz durchgeführt. Das Konzert, welches leider wegen der schlechten Sendeverhältnisse an diesem Tage in Wien nicht gut gehört werden konnte, hat sowohl in Köln wie in vielen Städten Deutschlands bei Juden und Nichtjuden großes Interesse gefunden. Möge der „0 e s t e r r e i c h ische Kantorenverband", der bisher so Hervorragendes zur Förderung der Synagogen-Musik geleistet hat, das schöne Beispiel, das uns der Kölner Rundfunk, deT zu den bedeutendstendeutschen Sendern gehört, gegeben hat, wahrnehmen, um auch bei Radio Wien ein ähnliches Konzert zu erwirken. Dies um so mehr, als die Musikstadt Wien nicht nur der Ort war, von welchem die moderne jüdische Synagogen-Musik ihren Ausgang genommen hat, sondern auch heute noch die Stätte ist, an der das Erbe eines Goldstein und Sulz er an hohem Grade gepflegt wird. Klosterneuburg. Wie alljährlich wurde auch heuer am ersten Pessachabend eine Sederfeier im Sitzungssaale der Kultusgemeinde veranstaltet, zu der sich der Kultusvorstand unter Führung des Vorstehers Herrn Hermann E r b e r und ein zahlreiches Publikum eingefunden hatten. Die Schuljugend brachte einzelne Teile der Hagada meisterhaft zum Vortrag und löste die verständnisvolle, sichere Deklamation der Kinder eine große Freude bei allen Anwesenden aus. Herr Gebäudeverwalter Rudolf G r ü n w a 1 d und Frau bemühten sich nicht nur um die Vorbereitung dieser schönen Veranstaltung, sondern trugen zum Gelingen derselben bestens bei. Konkurs Bei der israelitischen Kultusgemeinde Biala bei B i e 1 s k o gelangt die Stelle eines Oberlcantfors mit 1. Juli 1. J. zur Besetzung. Bewerber um diesen Posten müssen musikalisch gebildet, sowie befähigt sein, einen Chor abzurichten und zu leiten und dürfen das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben. Bewerber, welche auch die Qualifikation besitzen, hebräischen Unterricht in den Schulen zu erteilen oder das Gemeindesekretariat zu leiten, in welch letzterem Falle Kenntnis der deutschen und polnischen Sprache in Wort und Schrift unerläßlich ist. wollen ihre Offerten bis Ende Juni 1. J. anher richten. Zum Probevortrage werden nur Berufene zugelassen und Reisespesen nur dem Akzeptierten vergütet. Der Präses der israelitischen Kultusgemeinde: Biala, im April 1927. D* Feuereiseii.

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