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Die Wahrheit · 1927-05-06 · Heft 19 (6.5.1927) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 19 (6.5.1927)
Date
1927-05-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT 'IIIIM Seite 7 rat Dr. H. Oppenheim und des Oberbuchhalters Leopold Schäfer hervor. Als nächster Punkt der Tagesordnung kam die Beitragsleistung der Wiener Kultusgemeinde zum Palästina-Aufbauwerk zur Beschlußfassung. Referent Regierungsrat Fuchsgelb brachte dem Plenum zur Kenntnis, daß auf Antrag des Herrn Baurates W. Kempler das Vertreterkollegium den Vorschlag gemacht hat, dem Palästina-Aufbauwerk einen Betrag von 50.000 Schilling zu widmen und diesen folgendermaßen aufzuteilen: 25.000 Schilling für den Keren Hajessod, 15.000 Schilling für die Chaluzim, 7500 Schilling für den Keren Hajischuw und 2500 Schilling für den Palästina-Arbeiterfonds. Baurat Kempler erklärt sodann, daß es nicht nationale Beweggründe waren, mit welchen ja die Majorität nicht übereinstimmt, sondern lediglich Gründe des jüdischen Empfindens und der Menschlichkeit, welche das Vertreterkollegium veranlassen, zu dem Aufbau des Landes der Väter beizutragen, und bat um Annahme des Vorschlages. Ebenso wie im Vorjahre sprach sich auch diesmal der Vertreter des A g u d a, Kultusvorsteher Wolf Pappenheim, aus religiösen Gründen gegen eine Zuwendung an den Keren Hajessod aus. Der Antrag des Bäurates Kempler wurde sodann mit allen gegen die Stimme Pappenheims angenommen. Der letzte Punkt der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung bildete ein Referat des Regierungsrates G. F u ch s g e 1 b über die Unterstützungsaktion der Kultusgemeinde anläßlich der Pessachfeiertage. In diesem brachte der Referent zur Kenntnis, daß aus Anlaß des Pessachfestes von der Kultusgemeinde 21.200 kg Mazzoth angekauft und an unbemittelte Familien zum Preise von 80 Groschen pro Kilogramm abgegeben wurden, während die Gestehungskosten für die Kultusgemeinde S 1.70 pro Kilogramm betragen haben. 35 Vereine und Institutionen, welche ihre Schützlinge mit Pessachkost versehen, erhielten gleichfalls Mazzoth zu dem für Unbemittelte normierten Betrage beigestellt. Das vom „American Joint Distribution Coramitee" eingesetzte und dotierte „U n t e rstützungskomitee für die notleidenden jüdischen Institutionen in Wien" hat an mehr als 1000 Parteien 4435 kg Mazzoth gegen Vergütung von 20 Groschen pro Kilogramm abgegeben, wodurch es möglich wurde, streng rituell lebende Familien mit ausreichenden Mazzothquantitäten zu bedenken. Aus dem Titel der „M azzothaktion" ist eine Ueberschreitung des Budgets nicht erfolgt. Durch Eingänge an Kultusumlagen und durch die amerikanische Aktion war es möglich, das finanzielle Gleichgewicht bei der Mazzothaktion aufrecht zu erhalten. Ueberaus groß war die Zahl der Unterstützungsgesuche, welche anläßlich der Feiertage einliefen. Mehr als 800 Parteien wurden beteilt, wobei die Unterstützungsbeiträge zwischen S 10.— und S 30.— schwankten. Außer den budgetierten Monatszuwendungen standen für diesen Zweck S 3000.— zur Verfügung, welche als außerordentlicher Kredit vom Vertreterkollegium dem Präsidium eingeräumt wurden und weitere S 3000.—, die der Bethausvorstand für den 1. und 2. Bezirk aus den Sammlungsergebnissen bei Trauungen für Pessachunterstützungen abgeliefert hat. Dennoch mußte eine weitere Ueberschreitung um etwa S 1000.— Platz greifen, um nur den dringendsten Anforderungen gerecht werden zu können. Das Präsidium hat für die rituelle Küche in Lainz S 500.—, für die Pessachverköstigung Kranker durch den „Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten" S 600.—, für die Pfleglinge des Versorgungsheimes in Ybbs S 201.—, für die Verköstigung der Häftlinge und für Sedermahlzeiten an Arme S 2000.— verausgabt. Insgesamt haben die Ausgaben für die Pessachaktionen rund S 60.000.— betragen, denen Einnahmen und Refundierungen im Betrage von S 28.000.— gegenüberstehen, so daß sich eine Belastung der Kultusgemeinde von S 32.000.— ergibt. Präsident Prof. Dr. A. Pick dankte sodann der Amtsdirektion für die tadellose Durchführung der Pessachaktion, worauf die öffentliche Sitzung ihren Abschluß fand. Glossen. erhet Abonnenten lur „Die Wahrheit" Dezngsbedlngangen: Halbjährig: für Oesterreich S 8.50, Ungarn Pengö 8-50, Deutschland Goldm. 7.—, Tschechoslowakei CK 60.—, Polen ZI. 11—, Schweiz Fr. 7.-, AmerikalVaDoli.,Italien Lire 40.—.EnglandSchilling 15.—, Rumänien Lei 300—, Jugoslawien Dinar 100.— In politischen Kreisen wird dermalen noch immer ein mathematisches Problem eifrig erörtert: Was wäre Herr Dr. Walter Riehl der christlichsozialen Partei, im Falle er gewählt worden wäre, im Parlamente wert gewesen? Und was hat die vergebliche Kandidatur des Herrn Dr. Walter Riehl der christlichsozialen Partei in Wahrheit gekostet? Die Frage ist nicht leicht zu lösen. Sozialdemokratische Politiker schätzen die Differenz als sehr bedeutend. Ich betrachte es als eine Ehrenpflicht, einem lange Verkannten, dem auch ich an dieser Stelle wiederholt wegen seiner rassentheoretischen Bekenntnisse verletzende Dinge sagte, öffentlich Abbitte zu leisten. Nein, man hat dem als Juden geborenen Herrn Artur Trebitsch, der zu den eifrigsten Mitarbeitern des Rassenantisemiten Fritsch zählte, bitteres Unrecht zugefügt, als man ihm gehässige, böswillige Motive unterschob. Wer Artur Trebitsch s in einem nahestehenden Antisemitenblatt, dem „Volkskampf", veröffentlichtes „Preisausschreiben" gelesen, wird sich hüten, noch ein böses Wort gegen diesen Mann fallen zu lassen. Artur Trebitsch erzählt: „Wer die »Geschichte meines Verfolgungswahns4 kennt, der weiß, daß es möglich ist, mit einer .gerichteten elektrischen Welle' durch dauernde Beeinflussung das Kopfnervensystem des Typus ,arischer Langschädel' zu zerstören, was zur Lähmung der gesamten Muskulatur führen kann." Aus dem weiteren erfährt man, daß dem armen Herrn Artur Trebitsch, dem „Urheber der für Zion so lästigen Theorien", dieses bittere Los vom Judentum beschieden wurde. Aber auch der arische Geist ist, wie Herr Artur Trebitsch versichert, gottlob „nicht völlig erstorben". Der vom Judentum so schwer verfolgte Mann versuchte sich nämlich „Monate hindurch mit wechselndem Erfolge des Nachts durch Bleiplatten zu schützen, die er in seinem Schlafzimmer anbringen ließ". Aber die Juden sind tückisch. Sie ergreifen immer wieder „geschickte Gegenmaßnahmen, indem sie die Bestrahlungslinien änderten". Ein genialer Arzt riet Herrn Trebitsch, der sich von einer Wohnung in die andere und schließlich in ein Sanatorium flüchtete — man kann doch nicht immer sein Schlafzimmer mit Bleiplatten tapezieren — „seinem Körper mit in Wismut getränkter Wäsche eine allseitige Abwehr zu schaffen". Herr Artur Trebitsch war selig! Aber leider half auch dieses Mittel nicht auf die Dauer, denn die Imprägnierung blätterte ab. Aber wieder kam Rettung und Hilfe. Einer der bedeutendsten Chemiker der Gegenwart, der Nobelpreisträger Hofrat Prof. Pregel, der sich zwar, was Herr Artur Trebitsch bezeichnenderweise nicht verschweigt, den Mitteilungen des Patienten gegenüber skeptisch erwies, gab ihm doch ein Verfahren an, durch welches „im Wege der kalten Vulkanisation ein" tadellos und dauernd imprägniert bleibender Stoff zu erzielen wäre". Herr Artur Trebitsch fand den edlen, beglückenden Chemiker, der imstande wäre, das Gewünschte herzustellen. Aber — da erkennt wohl jeder Unbefangene wieder den satanischen jüdischen Gegenstoß — der Chemiker mußte angeblich plötzlich verreisen, erklärte dann, er habe, erst dringende Arbeiten zu vollenden usw. usw. Lauter Manöver,

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