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Die Wahrheit · 1927-04-29 · Heft 18 (29.4.1927) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 18 (29.4.1927)
Date
1927-04-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 iinüfflirannniffifflinfflffliminfflfflin! DIE WAHRHEIT eine Propaganda für die genannte Partei deuten ließ. Alle anderen Ohrenzeugen, die ich zu sprechen Gelegenheit hatte, haben denselben Eindruck empfangen. Da es meinem Gerechtigkeitsgefühl widerspricht, solche sachlich ganz unbegründete Ausstreuungen unwidersprochen zu lassen, ersuche ich Sie, dieser meiner tatsächlichen Berichtigung in der „Wahrheit" Raum gewähren zu wollen. Die abfällige Kritik, die das erwähnte Blatt an diese durchaus erfundene Nachricht knüpft, veranlaßt mich, weiters zu bemerken, daß über das, was jüdisch und antijüdisch ist, andere wohl ein Urteil fällen dürften, das sich von dem des Verfassers dieser Notiz wesentlich unterscheidet. Im übrigen ist ein solche verkehrte Auffassung einer Rede kaum anders zu erklären, als dadurch, daß dieser Zuhörer überhaupt nicht fähig ist, einen Vortrag richtig aufzufassen oder aber, daß es ihm an der erforderlichen Kenntnis der deutschen Sprache gebricht. Es wäre allerdings auch möglich, daß hier der Wunsch der Vater des Gedankens war. Vielleicht war diese Notiz schon vor dem Pessachfest für die Wahlkampagne auf Vorrat verfaßt und ist aus Versehen in den Satz geraten, wo sie jetzt deplaciert erscheint. Daß man einen Rabbiner so ohne weiteres als Freiwild betrachtet und öffentlich gegen ihn Vorwürfe erhebt, die den Tatsachen absolut nicht entsprechen, ist höchst bedauerlich. Daß aber ein jüdisches Blatt einen solchen Angriff abdruckt, bestimmt mich, diese Richtigstellung nicht diesem Blatte, sondern Ihnen, sehr geehrter Herr Redakteur, zu übermitteln. Mit vorzüglicher Hochachtung Prof. Dr. S. Nagelberg. Nachwort der Redaktion. Indem wir dem vorstehenden berechtigten Ersuchen willfahren, erinnern wir daran, daß diese Entstellung der Tatsachen nicht die einzige Unwahrheit ist, die während der Wahlkampagne von diesem Blatte dem Publikum aufgetischt wurde. Die Angriffe auf verdienstvolle führende Persönlichkeiten der Wiener Judenschaft haben weniger diesen, als der eigenen Partei der „Wiener Morgenzeitung" geschadet. Solche Besegelungen prominenter, uneigennütziger, im Dienste des Judentums anerkannter Männer haben, wie wir beweisen können, bisher treue Anhänger dieser Partei ihr abwendig gemacht. Der beste Beweis ist das Wahlergebnis. Osterstriezeln zu Pessach. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Geschätzte Redaktion! Sie haben mit Recht gerügt, daß die „Wiener Morgenzeitung", die doch ein jüdisches Organ sein will, in einer für die „jüdische Hausfrau" bestimmten Sammlung von Kochrezepten empfiehlt, man möge die Gansleber in Butter ausbraten. Ein bezeichnendes Gegenstück zu diesem „jüdischen" Kochrezept bildet ein Erew Pessach in dem gleichen Blatte erschienenes großes Inserat (Siehe „Wiener Morgenzeitung" vom Freitag, den 15. d. M., Seite 3), das folgenden Wortlaut besitzt: „Der echte Osterstriezel nur mit Dr. Oetkers Backpulver". Wenn ich Sie ersuche, meine Zeilen in ihrem Blatte zu veröffentlichen, so geschieht dies nicht etwa, weil ich eine unfreiwillige Reklame für dieses Backpulver machen will, noch auch, um meine Glaubensgenossen vor dem Genüsse von Osterstriezeln zu Pessach zu warnen, sondern einzig und allein aus dem Grunde, weil ich an einem deutlichen Exempel den Geist eines Blattes wieder einmal charakterisieren will, das sich als „jüdisch" ausgibt und noch dazu sich auf sein Judentum soviel zugute tut. Hochachtungsvoll Ing. R. B." Jüdisches und Christliches aus dem alten Parlament. Man hört immer wieder, daß der Advokatenstand verludet sei. Das abtretende österreichische Parlament jedoch mußte den Eindruck erwecken, daß die Juristerei schon vollkommen arisch sei, denn außer den drei mehrheitsparteilichen Richtern gab es dort sechs christlichsoziale und nur einen einzigen jüdischen Rechtsanwalt, welcher der sozialdemokratischen Partei angehörte. Es ist nicht uninteressant, festzustellen, daß diese arische Advokatengruppe, obwohl sie eine der schwächeren Gruppen des Parlaments war, die meisten Minister beistellte, Dr. Kienböck, Dr. Mataja und Dr. Ramek, ferner einen Landeshauptmann (Dr. Buresch). Merkwürdig und ebenfalls im Widerspruch zu den Behauptungen der Judenfeinde ist es, daß der einzige Bankier der gesetzgebenden Körperschaft just ein Arier, der Christlichsoziale Wancura, war, der das neue Parlament nicht mehr ziert. Friedhofschändungen. Unter all den Schandtaten, die von einer Horde vertierter Hakenkreuzler in ihrem fanatischen Haß gegen das Judentum begangen werden, die abstoßendsten und widerlichsten sind unstreitig die Friedhofschändungen. Bei allen Völkern und zu allen Zeiten war die Achtung vor der Majestät des Todes ein tief in der menschlichen Seele verankertes Gebot, und von dem schuldigen Respekt, den man den Toten schuldet, war auch der Gegner nicht ausgenommen. Bis zu welchem Grade die Verwilderung der hakenkreuzlerischen Gemüter gediehen ist, können wir daraus erkennen, daß sie sich in ihrer tierhaften Roheit sogar über dieses zu einem Gemeingut aller Kulturnationen gewordene Grundgesetz rücksichtslos hinwegsetzen, und den Kampf, den sie gegen das Judentum führen, auch auf die jüdischen Verstorbenen ausdehnen. Was haben, so könnte man fragen, jene Toten, die vielleicht schon Jahrhunderte in ihren Gräbern ruhen, den hakenkreuzlerischen Rowdys getan, daß sie ihre Grabstätten besudeln, die Grabsteine umwerfen oder beschädigen? Im Namen der Kultur, im Namen der Menschlichkeit, im Namen des Deutschtums, das durch solche Schändungen am meisten geschändet wird, muß dagegen Protest eingelegt werden, daß sich Tiere in Menschengestalt, welche sich als „Deutsche" bezeichnen und einen Kampf für das Deutschtum zu führen vorgeben, an Toten versündigen und ihren Haß an jüdischen Friedhöfen und Grabsteinen austoben. Kaum hat sich die Erbitterung über die barbarischen Schandtaten, welche Hakenkreuzler auf dem alten jüdischen Friedhof in C r e f e 1 d begangen haben, einigermaßen gelegt, wurden in der Nacht von Karfreitag auf Karsamstag auf dem kleinen, ebenfalls im Regierungsbezirk Düsseldorf gelegenen Industriestädtchen Moers gemeldet. Daselbst wurden in der Nacht von Karfreitag auf Samstag auf dem jüdischen Friedhofe 28 Grabsteine zerstört und die Gräber besudelt. Die Nachbarschaft von Moers zu C r e f e 1 d läßt es als wahrscheinlich erscheinen, daß es sich in den beiden Fällen um die gleichen Täter handelt, doch fehlt bisher von ihnen noch jede Spur. Wo aber auch immer die materiellen Urheber des Verbrechens, das nur einen Einzelfall in einer ganzen Serie ähnlicher Schandtaten darstellt, zu suchen sein mögen, die geistigen Urheber befinden sich anderwärts. Sie arbeiten zielbewußt an der antisemitischen Verseuchung, an der Vergiftung der Seele des deutschen Volkes und zumal der deutschen Jugend; sie halten sich verborgen im Hintergrunde und überlassen es den von ihnen Verführten, Friedhofschändungen zu begehen. Präsident Masaryk in Palästina. Der Präsident der tschechoslowakischen Republik, Prof. Dr. Thomas G. Masaryk, ist am 7. April aus Aegypten in Palästina eingetroffen. Die in Palästina wohnenden Juden aus der Tschechoslowakei, unter ihnen auch Juden früherer ungarischer Provinzen bereiteten Präsident Masaryk, der sich immer als Freund der Juden gezeigt hat und dessen mannhaftes Auftreten im Hilsner- Prozeß in allgemeiner Erinnerung steht, eine großartige Huldigung. Präsident Masaryk empfing den Führer der Agudisten in Palästina, Rabbiner Sonnenfeld, der den Gast willkommen hieß. Nachher besuchte er die jüdischen Institutionen Jerusalems. Ami 10. April machte Präsident Masaryk allen Abteilungen der jüdischen Universitätsbibliothek einen Besuch und begab sich sodann zur Universität, wo ihn Rektor Dr. Magnes und Mitglieder des Professorenkollegiums begrüßten. Der Rektor informierte den Präsidenten über den Plan der weiteren baulichen Entwicklung des Instituts sowie über das Programm der wissenschaftlichen Arbeiten und begleitete dann den Präsidenten in das anschließende Freilichttheater, von dem aus sich ein Panorama bis an das Tote Meer dem Auge erschließt. Der Rektor machte den Präsidenten auf die Ausgrabungen aufmerksam und führte ihn dann durch die Laboratorien. Präsident Masaryk besichtigte sodann die tschechoslowakisch-jüdische Kolonie im Jerusalemer Stadtviertel Mea Schearim. Auf dem ganzen Wege dorthin war er Gegenstand begeisterter Ovationen seitens der Jerusalemer jüdischen Bevölkerung. Auf dem Gebäude der Kolonie war eine große tschechische und hebräische Aufschrift: „Es lebe Präsident Masaryk" angebracht. Rabbiner Sonnenfeld, der aus der Slowakei stammt, begrüßte den Präsidenten in der mit tschechischen Flaggen geschmückten Räumlichkeit und überreichte ihm namens der orthodoxen Gemeinde eine hebräisch geschriebene Adresse in einem glänzen-'

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