Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 18 (29.4.1927)
- Date
- 1927-04-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT MMHmmmmmmmmmm mummmmmnamm Seite 7 Die „Reichspost" tröstet sich über den Ausgang der Wahlen, die mit Verlusten für die Christlichsozialen endete, mit dem Hinweis darauf, daß Rom nicht an einem Tage erbaut wurde und daß ein Baum nicht auf einen Streich fällt. Wer die Hetztätigkeit der „Reichspost" mit offenen Augen verfolgt hat, wer sich daran erinnert, wie dieses Blatt gelegentlich immer wieder die bösartigsten Exzesse der Pogrompresse in Schutz nahm, wird sich gleichfalls mit dem Gedanken trösten, daß auch die Bekämpfung der verhängnisvollen Wühlarbeit der antisemitischen Presse Zeit braucht. * Monolog eines Durchgefallenen: „Jetzt weiß ich' nicht, soll ich mir es noch länger gefallen lassen, mit dem politischen Maulkorb belastet herumlaufen, damit man — wenn wieder in vier Jahren eine Wahl stattfindet — mir glaube, daß ich ein anderer geworden? Oder herunter mit dem Maulkorb, damit ich zeige, daß ich wieder der Alte bin? Sein — was man ist — oder Nichtsein, das ist die Frage!" * * * Es heißt zwar, daß es in der Politik keine Dankbarkeit gibt, aber trotzdem klingt es sehr plausibel, daß seitens der sozialdemokratischen Partei ein Dankschreiben an Herrn Dr. Walter Riehl gerichtet wurde, in welchem mit ebenso herzlichen wie auch richtigen Worten ausgesprochen wird, daß die Partei es nie vergessen werde, wie viel er, wenn auch wider Willen, zu ihren Erfolgen in Wien beigetragen habe. * Während der Wahlkampagne und nach der Wahl wurden in Wien in zahlreichen Blättern zahllose Artikel veröffentlicht, in welchen — das liegt einmal in der Natur der Sache — nicht lauter tadellose Weisheiten verkündet wurden. Aber wie immer ist es auch diesmal der „Dötz" gelungen, in gewisser Beziehung einen verblüffenden Rekord zu schlagen. Sie hat nach der Wahl in einem Artikel ausgeführt, daß die sozialdemokratische Partei eine — „schwere Niederlage" erlitten habe. Bravo „Dötz"! Das Kunstwerk macht ihr keiner nach . . . * * * Monolog eines Wählers: Ich weiß, ich weiß, in der Politik muß es einen Kampf der Geister geben. Aber wie schön wäre es, wenn Kienböck und Breitner mit einander ringen würden, wer von ihnen den unter seinen Lasten keuchenden Steuerträger mehr Erleichterungen verschaffen könnte. Ego. I BÜCHERSTUBE M. RATH I | BUCH HANDLUNG UND ANTIQUARIAT | | WIEN IL, TAB ORSTR ASSE Nr. 20a 1 5§ Schöne Literatur, Gesamtausgaben moderner Autoren, H Klassikerausgaben aus alter und neuer Zeit, Neu- s zeitliche Philosophen, Kulturgeschichte, Modernes g Antiquariat, Musikalien, Graphik, Sonderabteilung: Judaica und Hebraica, Liturgische Literatur, neue S jüdische Musik jiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiM ■^Wahrheiten vom ffoge Profanierung der Gotteshäuser. Die Partei, welche sich nicht gescheut hat, Bethäuser zu Wahllokalen herabzuwürdigen, und angesich?s der Bundeslade an den allen Juden heiligen Stätten eine wütende politische Propaganda zu betreiben, diese Partei ist auch nicht davor zurückgeschreckt, die Besucher der großen Synagogen bei ihrem Ein- und Austritt aus dem Gotteshaus im Vorraum der Tempel zu insultieren. Die grenzenlose Wahldemagogie der Jüdischnationalen machte nicht einmal vor jenen heiligen Empfindungen halt, welche die Juden am Tage der Wahl, der auch ein Tag der Seelenandacht war, den Gedanken der Toten widmeten, und glaubte die H a s k a r a parteipolitisch verwerten zu können. Vor uns liegt ein Flugzettel, der in und vor den Gotteshäusern vor, nach und während des Vormittaggottesdienstes von jüdischnationalen 'Agitatoren verteilt wurde und „die jüdischen Brüder" auifordert, am Tage, da sie „aufgerichtet nach dem Gebete für das Seelenheil der Hingeschiedenen das Haus Gottes verlassen" die „Jüdische Partei" zu wählen. Die „jüdischen Brüder" haben auf diese abstoßenden Praktiken die gebührende Antwort erteilt. Fußballwettkämpfe am Sabbat in Palästina. Daß wie bei uns so auch im Heiligen Lande eine sportbegeisterte Jugend eifrig dem Fußballspiele huldigt, wird auch der begreiflich finden, der die rohen Auswüchse, die gerade dieser Sport zeitigt, nicht gerade billigt. Daß aber von den wohltrainierten Füßen dieser Jugend der Sabbat selbst mit Füßen getreten wird, das muß auch den, welcher die Sportfreude der Jugend teilt, sich aber noch ein bißchen jüdisches Empfinden bewahrt hat, auf das tiefste verletzten. Der Fußballsport in allen Ehren! Aber schließlich ist die Heiligung des Sabbats für uns Juden noch immer eine wichtigere Sache als die Austragung von Fußballwettkämpfen und kein vernünftiger Mensch wird einsehen, warum dieselben ausgerechnet am Sabbat ausgetragen werden müssen. Am Sabbat und noch dazu auf einem Grundstück, das dem sephardischen Oberrabbiner von Jerusalem Jakob Meir gehört! Wie nämlich der „Kol Jisroel" berichtet, besitzt Oberrabbiner Jakob Meir in der Kolonie P e t a c h T i k w a h ein Grundstück, auf dem der Makabi-Verein seinen Sport- und Spielplatz hat. Es hieß, der Besitzer habe die öffentlichen Spielveranstaltungen am Sabbat auf seinem Terrain verboten. Allein Delegierte des Sabbat-Vereins konnten sich aus eigener Anschauung überzeugen — und Hunderte aus der Bevölkerung bestätigen die Angaben in allen Teilen —, daß am Sabbat auf dem Platze des Herrn Oberrabbiners nicht nur die Spielkämpfe ausgetragen werden, sondern auch Eintritt erhoben, die Koupons der Einlaßkarten abgerissen, geraucht, Erfrischungen verkauft und auf jegliche Art und Weise der Sabbat zum Wochentage gemacht wird. Ein zionistischer Cherem. Das agudistische Pressebureau meldet aus Sofia: Der zionistische Zentralrat für Bulgarien hat aus seiner Drohung, jene Gemeinden, die aus ihrem Budget nicht einen perzentuellen Beitrag dem zionistischen Fonds abliefern, in Acht und Bann zu legen, nunmehr Ernst gemacht. Das Schicksal der Ausstoßung hat zuerst die israelitische Kultusgemeinde in Warna getroffen. Der über diese Gemeinde verhängte Bannfluch hat folgenden Wortlaut: 1. Der Zentralrat unterbricht jede Beziehung mit der israelitischen Kultusgemeinde in Warna und bittet die übrigen jüdischen Gemeinden, dasselbe zu tun. 2. Es ist verboten, der Warnaer Gemeinde Hilfe oder Unterstützung zu gewähren. 3. Ein Ehepaar aus Warna stammend, darf nicht rituell getraut werden. 4. Ferner sollen Ehescheidungen Warnaer Ehepaare nirgends vorgenommen werden. Nach den Exzessen, die sich die Jüdischnationalen bei uns in jüngster Zeit geleistet haben, findet man die „Landespolitik" ihrer bulgarischen Gesinnungsgenossen durchaus begreiflich, wenn auch im Interesse des Gesamtjudentums sehr bedauerlich. Eine neue Hetze der „Wiener Morgenzeitung". Wir erhielten die folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! Die „Wiener Morgenzeitung" vom 22. April behauptet, daß „der Rabbiner Dr. Grünwald in einer Predigt am Pessachfest für die Demokratische Partei sich eingesetzt" habe. Ich war bei dieser Predigt des hiermit offenbar gemeinten Herrn Rabbiner Dr. G r u n w a 1 d zugegen, habe mit Aufmerksamkeit angehört, kann aber nur feststellen, daß weder der Inhalt noch irgend ein Wort dieser Predigt sich als