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Die Wahrheit · 1927-04-22 · Heft 17 (22.4.1927) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 17 (22.4.1927)
Date
1927-04-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT IlllllllilllllUllllllll! Seite 5 gleichen Rechten auch gerne die gleichen Pflichten übernehmen und sie auch der Republik gegenüber erfüllen, wie sie es als altösterreichische Patrioten in hervorragender Weise getan haben. Die jüdisch-nationale Partei, die es mit den Juden sicher gut meint, ist aber für dieses Ziel nicht Förderung, sondern Hindernis. Auch sonst konnte sie, trotz der Bemühungen ihrer politischen Führer, nach eigenem Geständnis derselben so gut wie nichts erreichen. In einer Gemeinderatsdebatte konstatierte ihr einziger Mandatar ausdrücklich, daß es den Juden in Wien schon lange nicht so schlecht ging wie gegenwärtig. Wenn wir nun zur eingangs gemachten Feststellung zurückkehren, daß die nicht marxistisch orientierten Juden als „bürgerliche Demokraten" anzusprechen sind, so ergibt es sich aus der Betrachtung der bestehenden Parteien zwingend, daß sie ihre politische Wirksamkeit nur in der wahrhaft freiheitlichen und fortschrittlichen bürgerlichdemokratischen Partei finden können. Diese Partei, die Erbin der Demokratie des Jahres 1848, welches den Juden die volle Gleichberechtigung gebracht hat, kennt keinen Klassen- und Rassenhaß. Sie will alle Mitbürger vereinen, die bei Festhalten an der bürgerlichen Wirtschaftsordnung gewillt sind, in allen politischen, kulturellen und sozialen Fragen die Wege des Fortschrittes zu gehen und am Wiederaufbau Oesterreichs zu arbeiten. Dies erreichen unsere jüdischen Mitbürger am sichersten, wenn sie am 24. April ihre Stimmen der Demokratischen Liste zuwenden. Glossen. Sage mir, wen du wählst und ich sage dir — für den Fall, daß mir daraus keine Ehrenbeleidigungsklage erwachsen kann — wer du bist. * * * Der Herr Bundeskanzler hat neulich an einem Abend in acht Wählerversammlungen Reden gehalten. Seine Verehrer haben bewundernd betont, daß Dr. Seipel, nicht wie mancher andere Kandidat, sich die Sache erleichtert, indem er dasselbe wiederholt. Aber eigentlich behaupten auch die Gegner Dr. Seipels, daß er nicht immer dasselbe sagt, sondern mitunter sogar das Gegenteil von dem was er gesagt hat. * * * Herr Dr. Seipel hat in seiner großen Klosterneuburger Rede ausgeführt, daß es ebensosehr im Interesse der Juden wie der Nichtjuden liegt, wenn die Gleichheit aller vor dem Gesetz, ohne Unterschied der Abstammung und des Bekenntnisses „die Richtschnur seines Handelns als Kanzler ist und bleibt". Ausgezeichnet! Herr Dr. Seipel hätte sogar ergänzend hinzufügen dürfen, daß es im Sinne der Gerechtigkeit und der Humanität, also auch im Interesse des Staates gelegen wäre, wenn er diese TAUWO Pflanzenmargarine für Ihre Osterbäckereien! Kuncrolwcrkc A.-G. Wien Auffassung auch als Chef der — christlichsozialen Partei zur Geltung bringen wollte. * * * Diese Ergänzung schenkte sich Herr Dr. Seipel, wohl aber schloß er zur Beruhigung seiner Partei, die er von der Schwärmerei für die Gleichheit aller ohne Unterschied der Abstammung und des Bekenntnisses frei weiß, seine programmatische Erklärung mit den verblüffenden Worten: „Selbstverständlich müssen auch diese (nämlich die Nichtjuden) die Gewißheit vollen Schutzes haben." Wie beglückt müssen die Nichtjuden in diesem Staate aufatmen, nachdem ihnen von autoritativster Stelle diese beseligende Gewißheit verbürgt wurde! * * * Die Nichtjuden in Oesterreich werden fürderhin nicht unter dem Drucke des lähmenden Gefühles ächzen, daß sie diesen vollen Schutz vermissen, das wird von nun an ganz anders werden. Es wird, um nur einige Momente hervorzuheben, nicht mehr angehen, daß gegen Nichtjuden in vielen Zeitungen unausgesetzt mit den schurkischesten Lügen und Verleumdungen die nichtswürdigste Hetze gegen ihre Ehre, ihre Religion zumeist ungestört und ungestraft betrieben werden darf. Nichtjüdische Väter und Mütter werden in Zukunft nicht mehr bekümmert und gedrückt zusehen müssen, wie ihre Söhne, wenn es sich um staatliche Anstellungen handelt, Juden vom iUscrgrund! Wählt Gemeindcrat Dr. Oskar Dein! Den mutigen Kämpfer gegen den Antisemitismus zu Lnegers Zeilen!

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