Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 17 (22.4.1927)
- Date
- 1927-04-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite * iiillliijniilllliUitniUHHilUUltüilliniUinifififinillllilliilUlilllltfliUliljÜUiiUitllintlil IIIH^ DIE WAHRHEIT heit der früheren „Jüdischen Wahlgemeinschaft" für die „Demokratische Liste" ein, welche noch überdies aus Kreisen der Gewerbetreibenden und Beamten starken Zuzug hat. Ich selbst habe im großen Saal „Zum Auge Gottes" vor einer sehr stark besuchten Beamtenversammlung und beim „Wimberger" vor etwa 2000 Gewerbetreibenden unter stürmischem Beifall die Grundsätze der demokratischen Partei verfochten. ■ Unter diesen Umständen hat auch die ständige faule Ausrede „Es nützt ja eh nichts!" keine Berechtigung, zumal auch die sozialdemokratische Partei infolge vieler begangener Fehler gerade in den Kreisen der jüdischen Wählerschaft zahlreiche Anhänger verloren hat. Die jüdische Wählerschaft möge sich daher durch nichts beirren lassen und am 24. April den geraden Weg gehen und einmütig und geschlossen eintreten für die „Demokratische Liste". DieJuden und die Parteien. Von Oberstleutnant Rudolf Brunner, Hauptwahlleiter der „Demokratischen Liste". Alle Parteien, in welchen sich das Judentum in den verschiedensten Staaten politisch betätigt, sind trotz verschiedener Namen immer demokratische Parteien, immer und überall ist der politisch wirkende Jude im demokratischen Sinne tätig, weil dies der Grundeinstellung des Judentums entspricht. Ueber die Fragen des kulturellen Fortschrittes, der politischen Freiheit, der Fortentwicklung der Menschheit überhaupt, gibt es unter den Juden keine Meinungsverschiedenheiten. Eine Unterteilung dieser jüdischen Demokraten ergibt sich nur nach der Wirtschaftsauffassung, nach der Einstellung zur Frage: Marxismus oder Festhalten an der bürgerlichen Wirtschaftsordnung und am persönlichen Eigentum, also eine Unterteilung in marxistische Demokraten und bürgerliche Demokraten. Es erübrigt sich eine eingehendere Befassung mit den in der Sozialdemokratie organisierten Juden. Es ist nur begreiflich, daß jüdische Proletarier und auch breitere Schichten jüdischer Angestellter mit knappem Einkommen zu jener Partei hinströmen, welche ihnen nicht nur Besserung ihrer Lage verspricht, sondern diese Besserung in vielen Belangen auch wirklich durchgeführt hat und überdies ihrer Schichtung und geistigen Einstellung nach jüdischen Intelligenzlern gute Möglichkeiten zu Einfluß und Aufstieg in der Parteiorganisation gibt. Weniger begreiflich ist es aber, wenn jüdische Kaufleute, Gewerbetreibende oder sonst als Unternehmer im Erwerbsleben stehende Juden sozialdemokratisch wählen, weil die Wirtschaftspolitik der Sozialdemokratie ja letzten Endes darauf abzielt, den selbständigen Unternehmer aus dem Wirtschaftsleben auszuscheiden. Dazu kommt noch, daß auch die Sozialdemokratie es gelegentlich nicht verschmäht, antisemitische Töne anzuschlagen, besonders, wenn es vor den Wahlen gilt, am antisemitischen Instinkt der Masse Wahlgeschäfte zu machen und das Ueberwiegen der jüdischen Führung in der Partei zu bemänteln. Wem sollen sich nun die bürgerlich eingestellten Juden politisch anschließen? Wenn man die Großdeutschen mit ihrem eindeutigen und offenen Bekenntnis zum Antisemitismus von vorneherein ausschließt, so kamen bis vor kurzem die Christlichsozialen als die große Partei der bürgerlichen Wirtschaftsordnung gewiß auch für alle jene zahlreichen Juden, welche als Geschäftsleute rein wirtschaftlich und nicht politisch interessiert sind, als Partei in Betracht, für die man seine Stimmzettel abgab. Nach Erscheinen des neuen christlichsozialen Parteiprogramms mit dem famosen Judenpunkt und nach der Aufnahme der Nationalsozialisten in die Einheitsfront, wird es aber hoffentlich nur mehr wenige Juden geben, die den Ehrgeiz haben, zu den „lieben, aufbauenden Juden" zählen und dafür noch an den christlichsozialen Wahlfonds zahlen zu dürfen. Mit der Liberalität der mittelständischen Volkspartei scheint es, obwohl sie einige wenige Juden im Vorstande hat, auch nicht sehr weit her zu sein. Jedenfalls hat sie es vermieden, den Eintritt in die „Einheitsliste", in welcher sie das freisinnige Bürgertum markieren soll, durch die Aufstellung eines jüdischen Kandidaten zu belasten. Wenn auch der Zionismus als philantropische Bewegung immerhin weitere Kreise des Judentums erfaßt hat, der jüdische Nationalismus als politische Partei hat doch bei uns nur wenige Anhänger finden können. Es ist ja*kuch nicht recht ersichtlich, was eine jüdische Partei in der inneren Politik zu leisten hätte. In einem Staate, in dessen Grundgesetzen die volle Rechtsgleichheit, Glaubens- und Gewissensfreiheit verankert ist, gibt es ja eigentlich keine rein jüdischen Belange. Für eine Minori- $ tätspolitik im jüdisch-nationalen Sinne ist aber die überwiegende Mehrheit unserer jüdischen Mitbürger, welche vollkommen im deutschen Kulturkreis aufgegangen sind, nicht zu haben. Unsere jüdischen Mitbürger wollen nicht als Fremdvolk empfunden, sondern als voll- und gleichberechtigte Staatsbürger gewertet werden; sie wollen bei i Wirtschaft ist die Parole der Zeit Unsere Kandidaten sind Männer der Wirtschaft In der Leopoldstadt sind Listenführer: Oskar Marmorek für den Nationalrat Bez.-Rat Aurel Engel für den Gemeinderat Bez.-Rat Edmund Hoffmann für den Bezirksrai WÄHLT DEMOKRATISCH! i