Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1927-04-22 · Heft 17 (22.4.1927) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 17 (22.4.1927)
Date
1927-04-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064299-3064316--15357-3088137
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE WAHRHEIT liliilllliltllH^^ Seit«, 3 Die Demokratische Liste. Von Dr. Jakob 0 r n s t e i n, Präsident der „Union deutschösterreichischer Juden". Sie soll sich am Schicksalstage des 24. April zum erstenmal erproben; allein sie kann schon noch vor ihrer Feuerprobe einen großen Erfolg verzeichnen. Von Tausenden Juden wurde sie freudigst begrüßt, denn sie befreit von der Gewissensqual, einer Partei ihre Stimme zu geben, mit der sie sehr wenig verbindet und von der sie viel oder alles scheidet oder aber dem erhabensten Bürgerrechte und zugleich auch der schönsten Bürgerpflicht zu entsagen und auf ihr Wahlrecht zu verzichten. Zwischen der Scylla der Einheitsliste und der Charybdis der Sozialdemokratie wurden wir Juden hin und her geworfen; die Einheitsliste streckt ihre Fangarme aus, sie verhehlt ihre antisemitische Gesinnung nicht, ja sie verheißt ihren Wählern ihre praktische Betätigung, indem sie in unerhörter Provokation ihre radikalsten Gesinnungsgenossen in ihre Liste aufnimmt, und wir sollen doch für diese Männer stimmen, unserer wirtschaftlichen Grundsätze halber stimmen. Aber auch die Charybdis der Sozialdemokratie will uns verschlingen, ihre Wahlparolen, ihre Aufrufe, ihre Plakate verheißen uns eine glückliche Zukunft, wenn wir ihren Lockrufen folgen; wir aber weisen sie zurück, in all den vier Jahren des vergangenen Nationalrates haben wir sehr oft hören müssen, daß sie keine „Judenschutztruppe" sein wollen; so wollen wir auch weiter ihnen diese Aufgabe nicht zumuten. Wir wollen selbst für unsere Gleichberechtigung eintreten, wir wollen sie ausbauen und vertiefen, wir wollen für dieses hohe Gut mit allen unseren Mitbürgern einstehen, wie einst unsere Vorfahren mit ihren christlichen Mitbürgern den kostbaren Schatz der Staatsgrundsätze erkämpften. Wir wollen daher unsere Gleichberechtigung nur unserer heimatlichen Gesetzgebung verdanken und unter denselben Gesetzen leben wie unsere anderen Mitbürger; daher weisen wir jedes^ Sondergesetz — ein solches ist das von der sogenannten „Jüdischen Liste" in ihrem Programme verlangte Minderheitsgesetz und die von ihnen begehrten Minderheitsrechte — mit aller Entschiedenheit zurück, uns trennt also ein nicht überbrückbarer Gegensatz von unseren jüdischnationalen Glaubensgenossen. Die demokratische Liste wird nicht nur von uns, sondern von einer großen Zahl von christlichen Mitbürgern vertreten, die rückhaltlos für die nicht nur formelle, sondern für die wahrhafte, materielle Gleichberechtigung eintreten wollen in unserem Lande auf Grund unserer eigenen Gesetze. Wir wollen keine Hilfe, keinen Beistand von anderen Faktoren, auch nicht vom Völkerbunde; stärker als dieser Verband ist der Bund mit unseren eigenen christlichen Mitbürgern, mit denen wir Seite an Seite die gleichen Pflichten für dieses Land auf uns nehmen wollen, mit Mannesstolz auch die gleichen Rechte heischend. HD3 KUNEROL Verbärgt reines Fett aus Kokosnüssen. Die Kokosnüsse werden bei der Kunerolwerke A. G^Wien» Atzgersdorf, gepreßt und die Er» zeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zuMattersburg. Kunerol kann daher von jedem Streng* gläubigen ohne Bedenken zur Zuberei« tung der Speisen verwendet werden. Für die Demokratische Liste. Von Dr. Oskar Hein, Listenführer für den Gemeinderat vom Aisergrund. Die Antwort auf die Frage, wem der jüdische Wähler am 24. April seine Stimme geben soll, ist durch die Aufstellung der „Demokratischen Liste" außerordentlich leicht geworden. Die sogenannte „Einheitsliste" ist ja in Wirklichkeit nichts anderes als eine antisemitische Liste, auf welcher als Lockmittel für die jüdischen Wähler rieben einer sehr großen Anzahl antisemitischer Kandidaten ein einziger, beileibe nicht jüdischer Kandidat aufgestellt ist, welcher der Wählerschaft als vorgeblich liberaler vorgestellt wird. Daß die übergroße Mehrheit des demokratischen Bürgertums in dieser sogenannten Einheitsliste nicht ihre Vertretung sieht, und deshalb gegen diese Einheitsliste Stellung nimmt, wird wohlweislich verschwiegen. Wie käme man sonst zu dem so überaus wohlklingenden Namen „Einheitsliste". Wie die Bezeichnung „Einheitsliste" steht auch die Bezeichnung „Jüdische Liste" mit den tatsächlichen Verhältnissen im Widerspruche. Sie könnte die Meinung erwecken, als stünde die ganze jüdische Wählerschaft geschlossen hinter dieser Liste. In Wirklichkeit tritt diesmal die überwiegende Mehr- Wählt demokratisch? iiiiiiniiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiy

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.