Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 16 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT iiiiM Seite 13 noch viel mehr an ihm, mehr als Sich in Worten ausdrücken läßt, denn er war allen, die ihm nahestanden, in trenester und aufrichtigster Freundschaft zugetan und er, der ohne Frau und Kind durch das Leben wandelte — seine ihn über alles liebende Schwester Rachel wirkt als Aerztin in Riga — fand seinerseits im trauten Freundeskreise einen Ersatz für die ihm so kärglich bemessenen Freuden des Lebens. Daß es mir vergönnt war, diesem Kreise anzugehören, wird mir stets eine Quelle reinster und schönster Erinnerung bleiben. Oberkantor Kaufmann war ein einsamer Gottsucher, ein nach Vollendung und Vollkommenheit Strebender, das in seiner reinen Seele lodernde Feuer hat diese alzu früh verzehrt. Dr. Ignaz L. Mendelssohn. Die Beerdigung Oberkantor M. B. Kauf m aniis fand erst Sonntag, den 10: d. M., um 12 Uhr mittags, statt, um seinen in weiter Ferne weilenden und an dem Verstürbeneu mit Innigster Liebe hängenden Geschwistern Gelegenheit zu geben, dem Begräbnisse beizuwohnen. Das imposante Leichenbegängnis war der feierliche Schlußakkord in der herrlichen Symphonie seines Lebens, die wie die seines innigstgeliebtcn Schubert — unvollendet bleiben mußte. Die ganze jüdische Oeffentlichkeit sowie auch viele nichtjüdische Freunde und Verehrer des Verstorbenen standen tief erschüttert an seiner Bahre und konnten es nicht fassen, daß dieser schaffensfrohe Mensch nicht mehr unter ihnen weilen sollte. — Trotzdem schon in Erwartung einer großen Beteiligung die Zeremonie in der Halle beim ersten Tore des Zentralfriedhofes angesetzt war, herrschte daselbst eine beängstigende Ueberfüllung und viele Hunderte konnten keinen Einlaß finden. Unter den Anwesenden bemerkte man: in Vertretung der Wiener israelitischen Kultusgemeinde das Präsidium, und zwar die Herren Präsident Prof. Dr. Alois Pick und die Vizepräsidenten Doktor J. O r n s t e i n und Dr. I. Löwenherz, Mitglieder des Vertreterkollegiums und zahlreiche Vorstandsmitglieder; eine Abordnung des Rabbinerverbandes mit Rabbiner Doktor D. Feuchtwang an der Spitze; den Bethausvorstand der Bezirke I und II unter Führung des Vizepräsidenten Doktor Elias Münz; Abordnungen der Bethausvorstände der übrigen Gemeindetempel; Deputation der Tempel vereine und Chewra Kadischa sämtlicher Wiener Gemeindebezirke; 60 Kantoren im Ornat und zwar Mitglieder des österreichischen Kantorenverbandes, Kantoren der Gemeindetempel und zahlreicher auswärtiger Synagogen; die gesamte Beamtenschaft der Israelitischen Kultusgemeinde unter Führung der Amtsdirektoren Regierungsrat Dr. Emil Adler und Regierungsrat Guido Fuchsgelb, sowie viele prominente Vertreter der Musik- und Theaterwelt. Oberkantor M. M a t y a s und die Sänger der vereinigten Chöre des ersten und zweiten Bezirkes brachten tief ergriffen die Trauergesänge zum Vortrage. Oberrabbiner Dr. H. P. C h a j e s hielt sodann die Gedenkrede und entwarf ein treffendes Bild des Verstorbenen als Mensch und Künstler sowie priesterlichen Funktionär. Er pries seine Vornehmheit und seinen Seelenadel, insbesonders den feinen und edlen Stil, der ihm nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch eigentümlich gewesen. Diesen vornehmen Stil bewahrte er sogar in der Stunde des Todes und lächelnd, ruhigen und verklärten Antlitzes ist er von uns gegangen. Präsident Prof. Dr. A. Pick würdigte in schlichten aber innigen Worten die großen Verdienste, die sich der Verblichene um die Judenschaft und die Gemeinde erworben hat und gab die Versicherung, daß die Wiener Juden ihrem Oberkantor Kaufmann die große Verehrung, welche sie ihm während seines Lebens gezollt haben, auch über das Grab hinaus bewahren werden. Der Vizepräsident des Bethausvorstandes Dr. Elias Münz schilderte die Wirksamkeit des Verewigten am Stadttempel und hob in seiner Rede insbesonders hervor, daß der Verstorbene die hohe Kantorentradition dieses Gotteshauses weiter fortgesetzt hat und dankte ihm dafür, daß er durch sein unermüdliches langjähriges Wirken zur Vermehrung des alten Ruhmes der altehrwürdigen Stätte seiner Wirksamkeit beigetragen habe. Oberkantor Löwit überbrachte dem verstorbenen Kollegen im Namen des Oesterreichischen Kantorenverbandes, dessen Vorstandsmitglied er war, die letzten Grüße und den Dank für sein hingebungsvolles Wirken für den Verband, die Kollegenschaft und die Hebung der Standesehre. Hierauf dankte Inspektor O e h 1 e r Oberkantor Kaufmann im Namen der Gesamtorganisation der Kultusbeamtenschaft, deren Vertrauensmann der Verstorbene war, und hob in seiner Rede besonders hervor, daß er die Harmonie und den Takt, den er von seiner früheren Tätigkeit mitgebracht hatte, auch in seinem Leben zum Ausdruck zu bringen verstand. Regierungsrat G. Fuchsgelb überbrachte dem verstorbenen Freunde die letzten Grüße des Vereines „Treue" und pries mit von Rührung zitternder Stimme die treue Freundschaft und die hingebungsvolle und riefe Verbundenheit, mit welcher er allen jenen zugetan war, die ihm im Leben nahestanden. Im Namen der engeren Kollegenschaft nahm Oberkantor M. Matyas von dem edlen Freunde und stets hilfsbereiten Berufsgenossen schmerzbewegt Abschied und gab eine treffliche Charakteristik des Verstorbenen, der ein aufopfernder Sohn, ein liebevoller und zärtlicher Bruder gewesen sei, wie man ihn selten findet. Hierauf wurde die Bahre von seinen Freunden auf den vierspännigen Trauerwagen gehoben und, von einer unabsehbaren Menschenmenge gefolgt, trat Oberkantor M. B. Kaufmann seinen letzten Weg zu dem ihm am neuen Friedhof von seiner dankbaren Gemeinde gewidmeten E h r e n g r a b e an. woselbst er an der Seite der im israelitischen Friedhof in den letzten Jahren beerdigten bedeutenden Tonkünstler beigesetzt wurde. Rudolf Lothar: Zwischen drei Welten. Pilgerfahrt eines Gläubigen. (Drei Masken-Verlag, München.) Während des langen Krieges von der Außenwelt völlig abgeschnitten, wuchs der dem Menschen von Natur aus innewohnende Drang nach fernen Ländern und kam nach Beendigung des Weltkrieges voll zum Ausbruch. Aber die wertigsten waren noch in der glücklichen finanziellen Lage ihre Träume einer Realisierung zuführen zu können. Zur Abreaktion dieser ungestillten Sehnsucht diente die Reiseliteratur, diie nun zur hohen Blüte kam. Durch fremde Länder mit offenen Augen zu gehen Ist aber nicht nur eine persönliche Gabe, sondern bei den verschiedenen Nationen durchaus von einander abweichend. Der Engländer beispielsweise ist überall Engländer, er nimmt zu den Dingen immer von seinem Standpunkte aus Einstellung, ohne die Plattform seines englischen Denkens jemals nur für Augenblicke zu verlassen, er hält es für selbstverständlich, daß man ihn überall in seiner Heimatspractae anspricht. Der Deutsche geht im neuen Milieu auf. Er vergißt auf zwei Wochen, daß er Deutscher ist, er fühlt sich vollkommen hinein, er ist in Italien Italiener, in Griechenland Grieche, so lange er dort weilt und deshalb sieht er die Dinge intensiver und ganz anders. Im übrigen, Franzosen und I^gländer reisen, der Deutsche wandert. Das ist ein Zug, der im Blute liegt, die Fähigkeit aber, das Gesehene zu Papier zu bringen und andere Menschen durch ein Buch an den gewonnenen Eindrücken und an dem erlebten Schönen teilnehmen lassen zu können, Ist eine höchst individuelle Gabe des einzelnen Menschen. So ein Reisebuch darf nicht eine Beschreibung sein, man darf nicht den Fahrplan durch die Seiten des Buches schimmern sehen, es darf kein literatisierter Baedeker sein. Und daß all das in diesem Buche nicht der Fall Ist, ist sein Vorzug vor vielen anderen. Rudolf Lothar plaudert über geschichtliche, ethnographische, philosophische und kunstwissenschaftliche Dinge m einer angenehmen Art, die dieses Buch auszeichnet Als äußeren Schmuck trägt es Aufnahmen des Verfassers, die fast durchwegs sehr gelungen sind, Dr. Hans Kronengold. Bandagen, Bruchbänder, ratschen, Gummlsirample, Schlüpfer, alle Gummlwaren kaufen Sie zu verblultend billigen Preisen bei solidester Qualität im SANITÄTSHAUS FISCHER Wien II., Taborstraße 24a — Telephon 40-5-95 Spexlalofferto schriftlich, telephonisch und mündlich bereitwilligst gratis! // Fixangestellte Teilzahlungen IMIinillllM^ 0. Nur Qualitätsware nach Maß und fertig lagernd BaHHBKMMMBHaHHHHHBSHB Ohne UfiSPtP Billigste Preise. — Langfristige Zahlungserleichterungen. Samstag geschlossen. HlSBP, ÜBD IL, TlbQMfelBl BP. 83, M. W-7-Z8