Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 16 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 11 «iniifiiiiiiififiitiiitütiHfffnitHfttiiiimnffitfiuiinifim^ DIE WAHRHEIT Q %C Von Wodke %u Wodke ^te^* '•••««•IMM*M»***M***»t«tM»M«fMM«l»lltt»*Ml*llt«t«t*t»***««a*MtMM>**M«M«>MM«a»**aB. Zum Ableben des Oberkantors M. B. Kaufmann erhalten wir folgende Zuschrift: „Sehr geschätzte Redaktion! Tief erschüttert durch die Nachricht vom plötzlichen Ableben meines lieben Freundes und Kollegen M. B. Kaufmann ist es mir ein Bedürfnis, auf diesem Wege seinen Angehörigen und allen, die ihm nahestanden, vor allem der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und dem Oesterreichischen Kantoren verband zu sagen, wie sehr ich den Schmerz, den sie durch den Verlust eines so edlen Menschen erlitten haben, aus vollem Herzen mitfühle; denn auch mir war der Verstorbene der aufrichtigste Freund, und ich lernte seine hervorragenden künstlerischen und menschlichen Eigenschaften schätzen, insbesondere mußte ich der hohen Auffassung, die er von seinem Berufe hatte, die größte Bewunderung zollen. So glücklich die Stunden für mich waren, die mich mit diesem wahrhaft Gerechten vereinten, so schmerzvoll ist mir der Oedanke, nie mehr wieder in sein freundliches Antlitz und die hell leuchtenden Augen blicken zu können, die soviel Güte und Milde wiederspiegelten. Empfangen Sie den Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung, mit der ich verbleibe Ihr ergebener Israel T k a t s c h, Oberkantor der Pester Israelitischen Kultusgemeinde'4. Dr. Ismar Freund konnte am 1. März auf eine 25jährige segensreiche Tätigkeit bei der Berliner Jüdischen Gemeinde zurückblicken. Wir gratulieren dem verehrten Manne, der sich auch der „Union*' und der „Wahrheit" stets als ein getreuer Freund und Berater erwiesen hat — sein vorjähriger Vortrag steht wohl noch in Erinnerung — aufs herzlichste. Möge es ihm vergönnt sein, weitere Jahrzehnte in fruchtbarer Arbeit als vorbildlicher Jude und aufrechter Deutscher seine Kräfte iür Judentum und Deutschtum einsetzen. Thora-Weibe. Montag, den 18. April 1927, am zweiten Pessach-Tage, findet im großen Leopoldstädter Tempel, IL, Tempelgasse 3, die Weihe des Sefer Thora statt, welches Herr Bethausvorsteher Siegmund Ernst gespendet hat. Der Bethausvorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat zu dieser Feier, die im Rahmen des Morgen-Gottesdienstes stattfindet, den Vorstand der Kultusgemeinde, sowie eine große Anzahl von Persönlichkeiten geladen. Verlobung. Fräulein Else Adler, Tochter des Herrn Siegfried Adler, Kaufmann in H o r n, N.-Oe., verlobte sich mit Herrn Ludwig Wechsler, Sohn des bekannten Großkaufmannes Herrn Friedrich Wechsler, Wien I. Ernennung. Der Bundespräsident Dr. Michael H a i n i s c h hat dem bekannten Kaufmann Siegmund Planer für seine Verdienste um die österreichische Wirtschaft taxfrei den Titel eines Kommerzialrates verliehen. Auszeichnung eines jüdischen Künstlers. Ein junger amerikanisch-jüdischer Maler, Elias Grossman, der sich gegenwärtig in Rom aufhält, um dort die alten jüdischen Viertel zu malen, wurde eingeladen, den König und Ministerpräsidenten Mussolini zu porträtieren. Er wurde dem Hofe durch den amerikanischen Botschafter vorgestellt. Enthüllungsfeier. In Ergänzung unseres Berichtes über die Enthüllung der Gedenk- und S t i f t e r t a f e 1 n des Vereines „Wohlfahrt", die Sonntag, den 3. d. M., in der von dem Vereine erhaltenen Israelitischen Kinderbewahranstalt in feierlicher Weise vorgenommen wurde, haben wir noch nachzutragen, daß der Text der zweiten Marmortafel folgenden Wortlaut hat: „Zum Andenken an unsere unvergeßlichen Eltern ntfö Tan und herbst bim ron von ihren Kindern 1 Isidor und Renee Herbst, David und Lisi Herbst." Todesfall. Dienstag, den 5. d. M., abends, verschied plötzlich Frau Betti Nossig, die Gattin des allseits verehrten Obmannes der Chewra Kadischa und des Bethausvorstandes Herrn Jpsef Nossig, eine fn den weitesten Kreisen geehrte und geschätzte Frau, die ob ihrer Herzensgüte und Rechtlichkeit bei Jud und Christ gleich hoch geschätzt war. Schon die Ueberiührung aus dem Sterbehause gab durch eine unabsehbare Menge zahlreicher teilnehmenden Freunde Zeugnis von der Beliebtheit, die die Verstorbene genoß. Bei dem am Freitag, den 8. d. M., stattgefundenen Begräbnisse konnte die Zeremonienhalle am alten Friedhofe die Zahl der Trauergäsie nicht lassen und mußte ein großer Teil der Erschienenen außerhalb der Halle bleiben. Unter den Anwesenden beinerkie man den Präsidenten der Kultusgemeinde Herrn Professor Dr. Alois Pick in Begleitung des Herrn Amtsleiter W. F r e i s t a d t, Delegierte der Chewra Kadischa Wien, der Chewra Kadischa Döbiing, des Währinger Frauenvereines, die Familie Leopold Bösel u. v. a. Der Bethausvorstand für den 18. und 19. Bezirk war unter Führung seines Obmannes Herrn Dr. Ignatz W i nt e r, ebenso der Vorstand der Chewra Kadischa Währing vollzählig erschienen. Viele Mitglieder der Chewra Kadischa Währing hatten es sich trotz des schlechten Wetters nicht nehmen lassen, durch ihr Erscheinen ihrer Teilnahme Ausdruck zu geben. Nachdem Herr Oberkantor G. M a r g u 1 i e s die Trauergesänge mit Chorbegleitung zum Vortrage gebracht hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang eine äußerst eindrucksvolle Gedenkrede, in welcher er die Tugenden der Verstorbenen als Gattin und Mutter schilderte und unter anderem bemerkte, daß die Verewigte eine wahre Esches Chajil, eine echte jüdische Gattin und Mutter gewesen ist, die, selbst schwer leidend, stets um das Wohlergehen des Gatten, der Kinder und Schwiegerkinder bedacht war. Ein ehrendes Andenken ist der Verewigten in weitesten Kreisen sicher. Oberrabbiner Prof. da Fano von Mailand achtzig Jahre alt. Die jüdischen Gemeinden Italiens feierten vor kurzem den achtzigsten Geburtstag des Oberrabbiners von M a i- Iand, Prof. da Fano, der seit 50 Jahren das Rabbineramt in Mailand bekleidet. Prof. da Fano, der ein hervorragender jüdischer Gelehrter ist, erfreut sich nicht nur in Mailand, sondern in ganz Italien des größten Ansehens. Eine Million Dollar für ein jüdisch-theologisches Seminar. Der verstorbene amerikanische Millionär Louis S. B r u s h hat dem jüdisch-theologischen Seminar in NT e w York eine Million Dollar testamentarisch hinterlassen. Ein Teil dieses Betrages soll zur Schaffung einer Stiftung dienen, die den Namen des Verstorbenen tragen und zur Ausbildung von Rabbinern verwendet werden wird. Barinizwahfeier. Samstag, den 9. April d. J., fand im Ottakringer Gemeindetempel die Barmizwah des Realschülers Erich S a 1 a m o n, Sohn des in weiten Kreisen geachteten und geschätzten Herrn Josef S a 1 a m o n und seiner Gattin Grete geb. Steiner, statt. Nach altjüdischer Sitte trug der Knabe die Haftorah vor und machte durch den überaus Verständnis- und weihevollen Vortrag bei den zahlreich erschienenen Verwandten und Freunden einen tiefen Eindruck. Nachdem Herr Oberkantor Kogan einen feierlichen Segensspruch rezitiert hatte, richtete Herr Rabbiner Dr. Bach an den Barmizwoh eine herzliche und eindrucksvolle Ansprache, in welcher Se. Ehrwürden besonders den religiösen Sinn des Vaters und die hervorragenden humanitären Bestrebungen seiner Eltern hervorhob und den Sohn ermahnte, solch edlen Beispielen nachzueifern. Herr Josef Salamon ist Vizepräsident des Vereines zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder und Vorstandsmitglied der „Chewra Kadischa" XVI. und XVII., Frau Grete Salamon Vorstandsmitglied des israelitischen Frauenvereines für den 16. und 17. Bezirk. Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Verwandten und Freunde in der Wohnung zu einer intimen Feier. In Vertretung des Bethausvorstandes waren anwesend die Herren Drab, Neumann und Ra11in, ferner Herr Rabbiner Dr. Bach und Gemahlin, Oberkantor Kogan und Gemahlin. Kantor Harendorf, sowie Vertreter der genannten Wohltätigkeitsvereine. Der Konfirmant, ein intelligenter und aufgeweckter Junge hielt eine allen zu Herzen gehende Ansprache, worauf Herr Rabbiner Dr. Bach und Bethausvorsteher Drab in humorvoller Weise antworteten. Der Humanitätsverein für die westlichen Bezirke Wiens eröffnet seine Ferienkolonie in Vöslau in gleicher Art wie im Vorjahre, und zwar: I. Kolonie vom 14. Juni bis 12. Juli 1927, Mädchen und Knaben von 7 bis 11 Jahren; II. Kolonie vom 15. Juli bis 12. August 1927, Mädchen bis zu 14 Jahren; III. Kolonie vom 7. August bis 14. September 1927, Knaben bis zu 14 Jahren. Anmeldungen und Zuschriften sind nicht mehr an Ignaz Neufeld, Wien VI., Mariahilferstraße, sondern an das Sekretariat des Vereines, Wien VI., Gumpendorferstraße 92 (Karl Fröhlich) zu richten.